Donnerstag, 14. November 2013

[REZENSION] Geheime Liebe auf Sylt

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Geheime Liebe auf Sylt
Autor: Gabriele Diechler
Übersetzer: -/-
Verlag: Gmeiner
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 279 Seiten



Autor:
Gabriele Diechler ist 1961 in Köln geboren und lebt in Seewalchen am Attersee. Sie ist erfolgreiche Drehbuchautorin und schreibt für ARD/ORF. Zudem verfasst sie Kinderbücher, auch Kinderkrimis. 2010 erschien mit »Engpass« ihr Krimidebüt im Gmeiner-Verlag.


GEHEIME LIEBE AUF SYLT

Wie reagiert man, wenn man eine Schreckensdiagnose erhält und das Leben plötzlich unendlich kurz erscheint? Mathilde bricht aus ihrem bisherigen behüteten Leben aus und verlässt von Jetzt auf Gleich ihren Mann, um in Hamburg nochmal neu anzufangen. Sie sucht sich einen Job, ausgerechnet bei einem Klassenkameraden von früher und bändelt mit Jonas an, der auf Sylt ihr Nachbar war und den sie unverhofft in der großen Stadt trifft. Sie will jede Sekunde des Lebens, das ihr noch bleibt auskosten, komme was wolle. Alles scheint in den Bahnen zu verlaufen, wie Mathilde es sich erhoffte – doch dann kommt alles anders...

Mathilde spürt ihr Herz flattern. Bastian ist ihr noch immer nah, das empfindet sie ganz deutlich. Doch sie spürt auch Angst, so, als würde ihr jemand mit einem Messer und ohne Betäubung ins Herz schneiden. Beides, Angst und Wärme, kämpfen darum, einen Platz in ihrem Leben zu bekommen. (S. 84)

Unglaublich poetisch und einfühlsam erzählt Gabriele Diechler die Geschichte von Mathilde, die plötzlich alles in Frage stellt und ihr Leben umkrempelt. Würde man selber eine solche Schreckensnachricht wie die Hauptprotagonistin erhalten, man wüsste nicht, wie man sich verhalten würde. Dennoch ist ihr Handeln durchaus in den meisten Punkten nachvollziehbar, denn es wird ausführlich erläutert wie sie sich fühlt und denkt. Dadurch fällt es leicht einen Zugang zu finden, um verstehen zu können was in ihr vorgeht.

Allerdings versteht man mitunter auch ihren Mann Bastian, der sich hintergangen fühlt und mehr als nur verletzt ist. Dementsprechend ist die beobachtende Perspektive hier gut gewählt, denn so erhält man Einblick in die diversen Sichtweisen und muss sich nicht für eine Position entscheiden. Denn es gibt bei beiden Protagonisten Berührungspunkte mit dem eigenen Denken, da würde es sehr schwer fallen, wenn man Prioritäten setzen müsste.

Trotz ernsthafter und schwer verdaulicher Thematik ist der Stil locker und leicht, so dass die Atmosphäre nicht nur bedrückend ist. Man kann dem Geschehen gut folgen und fühlt sich zeitweise frei wie der Wind, als würde man im nächsten Moment abheben. Oft wird man dann aber durch diverse Begebenheiten auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Bis zum Schluss, und darüber hinaus, bleibt der Ausgang des Geschehens teilweise offen. Man erhält gerade genug Antworten, als dass man sich befriedigt zurücklehnen kann. Alles weitere bleibt der eigenen Fantasie überlassen, die sich auch sofort nach der Lektüre einstellt.

„Geheime Liebe auf Sylt“ ist ein wundervoller Roman, der einen das eigene Leben und Handeln mehr als einmal überdenken lässt. Man sollte viel öfter überlegen was einem wirklich wichtig ist und ob man glücklich ist. Es kann sich viel zu schnell alles ändern.

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