Sonntag, 10. November 2013

[REZENSION] Echte Biester

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Echte Biester (OT: Chomp)
Autor: Carl Hiaasen
Übersetzer: Michael Koseler
Verlag: Beltz & Gelberg
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Ausführung: Hardcover, 336 Seiten



Autor:
Carl Hiaasen studierte Journalismus und lebt mit seiner Familie in Florida. Seine journalistische Karriere begann er beim Miami Herald, für den er nach wie vor Kolumnen schreibt, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. In Deutschland wurde Hiaasen durch viele Romane bekannt, die in insgesamt 21 Sprachen übersetzt wurden.


ECHTE BIESTER

Mickey Cray ist Tiertrainer, und zwar der Beste. Kein Wunder also, dass ein Filmteam ihn für die Realityshow „Expedition Überleben!“ anheuern will. Einige vertrackte Ereignisse später sitzt Mickey, samt seinem Sohn Wahoo, dessen Schulkameradin Tuna und dem Filmteam in der tiefsten Wildnis. Mit vielem hat er gerechnet und mit einigem kommt er zurecht, allen voran den wilden Tieren. Doch Derek Badger, der Star der Sendung, macht Mickey, Wahoo und Tuna das Leben und Arbeiten alles andere als leicht. Dabei ist er doch ein solcher Überlebensspezialist – oder etwa nicht?

Die Schlange kaute an Mickeys Fuß herum, als wäre er ein Kaninchen. Mickey hütete sich, Widerstand zu leisten, denn das würde nur dazu führen, dass sie noch fester zudrückte.
Wahoo kam angerannt. Als er sah, was Beulah mit seinem Vater machte, schrie er: „Nicht bewegen!“
„Guter Witz“, keuchte Mickey. „Ich wollte gerade ein Tänzchen machen.“
(S. 32f)

Es sind wahrlich echte Biester mit denen die Crays tagtäglich zu tun haben. Doch ein solches, wie den vermeintlichen Star Derek Badger ist ihnen noch nie untergekommen. Schon von der ersten Begegnung an, spürt der Leser diese Abneigung, die nicht nur die Crays Derek entgegenbringen. Unbeeinflusst kommt man selber zu dem Schluss, dass dieser Charakter keine großartigen Sympathiepunkte mehr sammeln wird. Außer sein Verhalten würde sich grundlegend ändern. Doch damit rechnet wirklich niemand, der Derek einmal in Aktion erlebt hat. Da müsste es schon mit dunklen Mächten zugehen.

„Hilfe!“, keuchte Derek.
Der Regisseur streckte begeistert den Daumen in die Höhe.
„Nein, ich meine es verdammt ernst“, blökte Derek. „Kann mir vielleicht mal jemand helfen, bevor ich ertrinke?“
„Cut!“, schrie Raven Stark. „Cut! Cut!“
„Okay, cut!“, stimmte der Regisseur ungehalten zu.
Mickey Cray drehte sich mit amüsiertem Gesichtsausdruck zu Wahoo und Tuna. „Seine Tölpeltät ist eingetroffen.“ (S. 147)

Amüsant erzählt, aber doch mit einer angespannten und gar nicht immer so heiteren Atmosphäre untermalt, nimmt das Geschehen seinen Lauf. Man muss gar nicht so sehr zwischen den Zeilen lesen können, um die Ernsthaftigkeit der Ereignisse zu erfassen. Hier zeigt sich wieder einmal, dass man immer nur wissen muss, wie man schwierigen Situationen begegnen sollte, um das beste aus ihnen herauszuholen. Dass das nicht immer von Erfolg gekrönt ist, ist klar, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wenn man es gar nicht erst versucht, würde man sich ständig darüber Gedanken machen, was gewesen wäre, wenn.

Zu den Crays und Tuna baut man wie selbstverständlich schnell eine emotionale Verbindung auf und verfolgt gespannt ihren Weg, der alles andere als geradlinig verläuft. Hoffen und Bangen, Leid und Freude, all das liegt so nahe beieinander, dass die Übergänge fließend erscheinen und sich gar nicht immer eine klare Grenze ziehen lässt. Ihre Geschichte berührt und regt zum Nachdenken an.

„Echte Biester“ beherbergt viel mehr, als man gemeinhin mit dem Titel zunächst verbinden mag. Vor allem wird das Buch nach der Lektüre nicht so schnell in Vergessenheit geraten.

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