Mittwoch, 13. November 2013

[REZENSION] Das Licht zwischen den Meeren

Titel: Das Licht zwischen den Meeren (OT: The Light Between Oceans)
Autor: M. L. Stedman
Übersetzer: Karin Dufner
Verlag: Limes
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 448 Seiten



Autor:
M. L. Stedman ist im Westen Australiens geboren und aufgewachsen. Zur Zeit lebt sie in London. Das Licht zwischen den Meeren ist ihr Debütroman, der international für Furore sorgte und in 35 Sprachen übersetzt wird.


DAS LICHT ZWISCHEN DEN MEEREN

"Das Licht zwischen den Meeren" ist die Geschichte des Leuchtturmwärters Tom und seiner Frau Isabel der seit einigen Jahren auf dem einsamen Janus Rock seinen Dienst verrichtet. Nach drei Fehlgeburten seiner Frau ist die anfängliche Idylle und das einst glückliche Eheleben getrübt und droht zu zerbrechen, doch als ob es ein Wunder gäbe, wird an dem Tag als Isabel ihr drittes Kind begräbt ein Boot an den Strand getrieben, darin liegen ein toter Mann und ein weiblicher Säugling, gerade mal zwei oder drei Monate alt. Isabel bekniet Tom keine Meldung zu erstatten und das Kind als ihr eigenes auszugeben. Die Kleine, von Isabel Lucy (Licht) genannt, bringt die Freude zurück auf das kleine Eiland, doch in Toms Inneren nagt immer noch der Zweifel, ob er seine Entscheidung gegenüber sich selbst und anderen rechtfertigen kann.
Als die kleine Familie zwei Jahre später während eines Landurlaubs auf das Festland zurückkehrt, erkennen Tom und Isabel das ihr Glück auf dem Unglück eines anderen Menschen aufgebaut hat. Tom kann nicht länger mit seiner Schuld leben, doch Isabel würde alles dafür tun, um Lucy zu behalten, selbst das Leben ihres von ihr einst geliebten Mannes opfern.

Sie hatte in Erfahrung gebracht, dass es ein eigenes Wort gab, um eine Frau zu beschreiben, die ihren Mann verloren hatte. Sie war nun eine Witwe. Ein Mann wurde zum Witwer. Doch wenn Eltern ein Kind verloren, existierte keine gesonderte Bezeichnung für ihre Trauer. Sie blieben Mutter und Vater, selbst wenn sie keinen Sohn oder keine Tochter mehr hatten. Das erschien ihr seltsam. Und was sie selbst betraf, fragte sie sich, ob sie eigentlich noch eine Schwester war, denn ihre beiden geliebten Brüder waren ja tot. (S.163f)

Der Anfang des Romans beginnt etwas spröde und erinnert irgendwie an die karge Landschaft, in der sich Tom und Isabel ihr Leben aufbauen müssen. Es ist kein einfacher Weg, in diese Geschichte hineinzufinden, und es ist auch nicht einfach, sich auf diese Erzählung um Schuld und Sühne, Vergeben und Hassen, Glück und Unglück, Einsamkeit und Familie komplett einzulassen. Man kann nicht wirklich Sympathie zu einem der Charaktere aufbauen, man sollte versuchen, jedem Protagonisten neutral gegenüber zu stehen, denn das Verhalten eines jeden ist in gewisser Weise verständlich und dennoch von Schuld belastet. Am Ende verstrickt sich das Verwirrspiel von Schuld und Vergebung dermaßen, dass man selbst als Leser, der das ganze von außen betrachtet, nicht mehr darüber entscheiden möchte, was richtig oder falsch ist, ob man dem einen oder anderen mehr Glück gönnen würde, denn Verluste und eine schwere Vergangenheit hat in diesem Roman fast jeder der Charaktere zu ertragen. Es ist ein kopflastiges Buch, kein Buch, das die Sympathien der Leser gewinnen will, sondern eines, das zum Nachdenken anregt, vielleicht sogar über Entscheidungen, die man selbst einmal getroffen hat, bei denen man sich nie sicher war, ob man das richtige oder falsche gemacht hat. Doch richten sollte man in jedem Fall nur über sich selbst und nicht gottgleich die Freiheit und das Recht herausnehmen über oder für andere entscheiden zu können.

Vergessen muss man nur einmal. Doch hassen muss man den ganzen Tag und am nächsten Tag aufs Neue. Man muss sich all die Schlechtigkeiten merken. (S.419)

Kommentare:

  1. Du hast das Buch gut zusammengefasst, aber gerade weil ich keine Bindung aufbauen konnte und es mir zuviele Perspektiven waren, konnte mich das Buch nicht so sehr überzeugen wie dich.

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    1. Bei diesem Buch kann ich - trotz Begeisterung - sehr gut verstehen, warm es manche nicht packen kann. Normalerweise baue ich ja auch lieber eine Bindung zu den Protagonisten auf, aber hier hat die Distanz einfach zum Thema gepasst. Ich glaube, ich hätte gar niemanden mögen wollen, sonst hätte mich das Ende der Geschichte echt in den Wahnsinn getrieben mit den unzähligen Perspektiven und Ansichten.

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