Mittwoch, 16. Oktober 2013

[REZENSION] Er nannte mich Fräulein Gaga

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Er nannte mich Fräulein Gaga
Autor: Sandra Winkler
Übersetzer: -/-
Verlag: Fischer
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 240 Seiten



Autor:
Sandra Winkler wurde 1973 geboren und arbeitet heute als Journalistin in Berlin. Ihre Texte sind u. a. in Welt am Sonntag, Vanity Fair, Stern und Zeit erschienen. Während ihr erstes Buch »Männerpolitur« von den Marotten der Männer handelt, beschäftigt sie sich in ihrem aktuellen Buch mit den eigenen Macken und wie sie sie wieder loswird.


ER NANNTE MICH FRÄULEIN GAGA

Macken und Ticks hat jeder von uns. Der eine mehr, der andere weniger. Oder liegt es vielleicht nur daran, wie gut man sie vor anderen verstecken kann, dass man glaubt, manch einer hätte überhaupt keine schlechten Eigenarten? Sandra Winkler ist ganz schlecht darin, ihre Marotten für sich zu behalten, so rückt sie jedes Mal auf dem Weg durchs Treppenhaus die Fußmatten der Nachbarn zurecht oder räumt gar den Schreibtisch ihres Kollegen auf, wenn dort mal wieder alles kreuz und quer liegt. Ihr Freund hat ihr nun ein Ultimatum gestellt, denn er möchte nicht mehr ständig auf Sandra warten, nur weil diese noch eben schnell dieses oder jenes aufräumen muss. Während er für einige Zeit am anderen Ende der Welt weilt, setzt Sandra Winkler sich 111 Tage mit ihren Macken auseinander und versucht allerhand, um diese in den Griff zu bekommen.

„Ich erinnere mich, dass Katja damals mit Meditation angefangen hat. Und uns am liebsten alle dazu bekehrt hätte. Es wäre einfach so befreiend, hat sie geschworen, als hätte sie die Erleuchtung bereits nach zweimal Probeschneidersitzen gehabt. Das klang nicht überzeugend, sondern nach Sekte.“ (Seite 151)

Ob Meditation, Hypnose, Schamanismus oder einfach nur Fahrangst-Training, um nur ein paar Dinge zu nennen, Sandra Winkler hat alles probiert. Mal mehr, mal weniger erfolgreich, wie sich jeder denken kann. Denn es ist nicht immer allein damit getan, etwas zu tun, oft ist einem der eigene Kopf im Weg, das muss auch sie feststellen. Dennoch, um ihren Freund nicht mehr so zu nerven und natürlich für sich selber, scheut Sandra weder Kosten noch Mühen und begibt sich von einer absurden Situation in die nächste. Da ist man manchmal gar nicht sicher, was davon noch ernst gemeint ist, oder ob man als Leser auf die Schippe genommen wird.

Bei allem Humor muss man sich aber natürlich auch mit der Ernsthaftigkeit des Themas auseinander setzen. Sicherlich hat wirklich jeder die ein oder andere Marotte, es kommt immer nur darauf an, wie ausgeprägt diese ist und wie sie auf andere wirkt beziehungsweise sich auswirkt. Man wird zwangsläufig nicht umhin kommen, sich selber zu analysieren und zu überlegen, welche Ticks sich in einem verbergen.

Auch wenn es den Anschein macht, als handele es sich hier um eine mehr oder weniger ernst gemeinte Anleitung, um diverse Macken loszuwerden, so ist die Erkenntnis im Laufe des Buches eine vollkommen andere, zugegebenermaßen allerdings nicht allzu überraschend.

„Er nannte mich Fräulein Gaga“ ist nicht nur eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre für zwischendurch, sondern vor allem anregend, um das eigene Leben gegebenenfalls ein wenig zu verändern.

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