Montag, 28. Oktober 2013

[REZENSION] Ein Wispern unter Baker Street

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Ein Wispern unter Baker Street (OT: Whispers Under Ground)
Autor: Ben Aaronovitch
Übersetzer: Christine Blum
Verlag: dtv
Reihe: Peter Grant 3
Ausführung: Taschenbuch, 448 Seiten



Autor:
Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u. a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie 'Doctor Who' verfasst), arbeitet er als Buchhändler. Seine Fantasy-Reiche um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die englischen Bestsellerlisten im Sturm.


EIN WISPERN UNTER BAKER STREET

Die Leute haben seltsame Vorstellungen von Polizisten. Unter anderem scheinen sie zu glauben, dass wir uns munter in jede Gefahr stürzen, ohne auch nur einen Gedanken an die eigene Sicherheit zu verschwenden. Natürlich stimmt es, dass wir genau wie Feuerwehrleute und Soldaten grundsätzlich auf Probleme zurennen statt vor ihnen davon, aber das heißt nicht, dass wir vorher nicht nachdenken würden. (S. 41)

London wimmelt nur so von Magie. Nicht nur überirdisch, sondern auch ganz weit unten in Abwasserkanälen und U-Bahn-Schächten. Constable Peter Grant, Magier in Ausbildung, hat wieder einmal alle Hände voll zu tun, um dem „abstrusen Scheiß“ Herr zu werden. Auch wenn es eine eigene Abteilung bei der Polizei für das Magische gibt, so ist doch nicht jeder dafür aufgeschlossen. Lieber soll alles rational und logisch erklärbar sein. So sieht es auch zunächst nach einem handfesten Mord aus, als ein junger Mann tot in einem U-Bahn-Tunnel gefunden wird. Doch zu früh gefreut – je weiter die Ermittlungen voran schreiten, desto mehr wird es ein Fall für die Zaubererabteilung...

Tagsüber ist Dr. Walid ein weltbekannter Gastroenterologe, aber zu nächtlicher Stunde wirft er sich seinen gruseligen weißen Kittel über und wird zu Englands brillantestem Experten f+r Kryptopathologie. Alles Abstruse und Unheimliche, was irgendwo eingefangen wird, ob lebendig oder tot, wird von ihm untersucht – einschließlich meiner Wenigkeit und Lesley. (S. 343)

„Ein Wispern unter Baker Street“ ist bereits der dritte Band mit Constable Peter Grant. Es ist durchaus empfehlenswert die Romane dieser Urban Fantasy Reihe in der vorgegebenen Reihenfolge zu konsumieren, da immer wieder auf Vergangenes zurückgegriffen wird und einiges Hintergrundwissen dafür erforderlich ist.

Wie bereits in den Vorgängerbänden, wird das Geschehen auch dieses Mal aus der Ich-Perspektive Peters erzählt. Dieser bringt einen gewissen Touch Naivität sowie Tollpatschigkeit in die Erzählung, so dass Amüsement wirklich groß geschrieben werden kann. Trockener Humor ist eine seiner Stärken und wird immer wieder angewandt, ob bewusst oder unbewusst wird nicht immer deutlich. Auf Grund der Perspektive ist der Wissensstand des Lesers gleich dem der Hauptperson, was dazu führt, dass man gefordert wird, selber zur Lösung des Rätsels vorzudringen. Peter schweift nämlich gerne auch einmal vom eigentlichen Thema ab. Die Kunst für den Leser besteht nun darin, Wichtiges und Unwichtiges zu trennen, um den Anschluss an den eigentlichen Fall nicht zu verlieren. Man fragt sich immer wieder, ob der Constable extra Verwirrung stiftet oder dies einfach nur seinem Naturell entspricht.

Bei allem Humor wird die Spannung jedoch keinesfalls vergessen oder in den Hintergrund gerückt. Vielmehr besteht hier ein ausgewogenes Gleichgewicht. Die Vorhersehbarkeit ist minimal und bis zum Schluss ist es nicht leicht, den wahren Hergang des Geschehens zu rekonstruieren. Hinter jeder Ecke können Überraschungen lauern, man sollte also immer auf der Hut und sich seiner Gedankengänge nie zu sicher sein. Von jetzt auf gleich kann alles bisherige umgeworfen werden, so dass man noch einmal bei Null anfangen muss.

Also, es gibt gewisse Dinge im Leben, die man einfach tun muss, auch wenn man genau weiß, dass sie schmerzhaft, peinlich oder im Chaos enden werden oder alles zusammen. Zum Beispiel zum Zahnarzt gehen zum ersten Man ein Mädchen fragen, ob sie mit dir ausgehen will, samstagabends einem Junggesellenabschied vor der Rumba-Bar ein Ende machen – und, schließlich und endlich, einen Flüchtigen durch ein Krankenhaus verfolgen mit nichts am Leibe außer einem rückenfreien Klinikhemdchen. (S. 357)

Wenn man die vorangegangenen beiden Bände bereits kennt, freut man sich regelrecht auf ein Wiedersehen mit den bereits bekannten Charakteren. Man hat das Gefühl, diese schon ewig zu kennen und sobald man angefangen hat zu lesen, ist es, als wäre keine Minute vergangen, seit man den vorherigen Band zur Seite gelegt hat. Alle haben ihre Eigenarten, mal liebevoller mal weniger liebevoller Art, eine neuerliche Vorstellung ist daher nicht notwendig und wird auch nicht vorgenommen. Figuren, die in diesem Band neu eingeführt werden, werden gebührend beachtet, um ebenfalls Wiedererkennungswert zu erlangen. Schließlich weiß man nie, wem man in eventuellen Folgebänden noch begegnen wird.

Auch der dritte Band rund um Peter Grant und die Magie ist Ben Aaronovitch rundherum gelungen. Ein wenig wehmütig wird man, wenn man auf der letzten Seite angekommen ist. Doch Rettung ist in Sicht, denn der vierte Band ist im Original bereits erschienen, so dass es hoffentlich bald auch eine deutsche Übersetzung geben wird.


Reiheninfo:
Band 1: Die Flüsse von London
Band 2: Schwarzer Mond über Soho

1 Kommentar:

  1. Mal nichts zum Buch. Vielleicht magst du mit machen: http://petrasternthaler.blogspot.de/2013/10/ich-habe-ein-weihnachtsstockchen.html
    LG Petra

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