Sonntag, 1. September 2013

[REZENSION] Die nachhaltige Pflege von Holzböden

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die nachhaltige Pflege von Holzböden (OT: Care of Wooden Floors)
Autor: Will Wiles
Übersetzer: Sabine Lohmann
Verlag: carl's books
Reihe: -/-
Ausführung: Broschur, 288 Seiten



Autor:
Will Wiles ist Journalist und Redakteur eines englischen Magazins. Er lebt in London, "Die nachhaltige Pflege von Holzböden" ist sein erster Roman.


DIE NACHHALTIGE PFLEGE VON HOLZBÖDEN

Oskar, für den Planung und Organisation das Wichtigste ist, bittet seinen Freund, ein paar Wochen auf seine Wohnung und auf die Katzen aufzupassen. Hört sich zunächst nicht schwierig an, aber schon allein der Holzboden bedarf besonderer Aufmerksamkeit, macht sich nämlich erstmal ein Fleck breit, ist es kaum mehr möglich, ihn ohne Spuren zu hinterlassen, zu entfernen. Auch der Umgang mit den Katzen ist nicht gar so einfach, man muss sie gut beobachten, um sie zu verstehen.

„In dieser ahnungsvollen Sekunde war mir klar, dass die Katze im Begriff war, etwas anzustellen.
Mit provokanter Langsamkeit dehnte die Katze sich, streckte die Pfoten vor und fuhr die Krallen aus, die sie dann mit einem entsetzlich reißenden Geräusch ins Leder schlug.“ (S.94)

Je mehr der Freund versucht alles richtig zu machen, desto mehr artet die ganze Sache aus. Was schiefgehen kann, geht auch schief. Da ist es auch nicht hilfreich, dass Oskar an allen nur erdenklichen Stellen kleine bis große Notizzettel hinterlassen hat, auf denen genaue Anleitungen zum Verhalten in der Wohnung zu finden sind...

Zwei Freunde, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Oskar, der penibel auf Ordnung und Sauberkeit achtet und scheinbar nur glücklich ist, wenn er alles akribisch durchorganisieren kann. Und sein Freund, das Chaos in Person, der privat wie beruflich ein wenig in der Luft hängt und dem die Luftveränderung gerade zur rechten Zeit kommt. Man fragt sich schon ganz zu Anfang, ob diese Konstellation wirklich gut gehen kann. Wird die Wohnung am Ende überhaupt noch existieren, oder wird sie in Schutt und Asche liegen?

Der Ich-Erzähler nimmt den Leser mit auf seine Reise durch Tage und Nächte, zu neuen Begegnungen und schicksalsträchtigen Ereignissen. Es wird viel getrunken, manches mal wohl zu viel, aber auch viel philosophiert. So grotesk die Situationen erscheinen mögen, egal wie abwegig sie sich auch anhören, man nimmt dem Freund tatsächlich ab, dass es sich so zugetragen hat. Bald schon wartet man förmlich auf das nächste Desaster, das – da kann man sich sicher sein – nicht lange auf sich warten lässt. Man kommt nicht umhin, trotz der Ernsthaftigkeit, so manches mal laut zu lachen. Mit seinem trockenen Humor zieht der Erzähler den Leser sofort in den Bann. Die Erzählung ist aber keineswegs subtil, ein gewisses Niveau wird durchgängig gehalten.

Man weiß zwar, dass hinter jeder Ecke das nächste Unglück schon auf der Lauer liegt, aber was genau nun geschehen wird, ist nur in den seltensten Fällen vorhersehbar. Zugegeben, das Ende zeichnete sich mit der Zeit immer mehr ab, so dass sich hier keine allzu große Überraschung mehr versteckt hielt. Des Weiteren kommt der Schluss ein bißchen zu plötzlich, überfallartig wird die Geschichte zum Ende geführt, da hätte man sich dieselbe Ausführlichkeit gewünscht, wie sie die gesamte Zeit über herrschte.

Über die Glaubwürdigkeit des Ganzen lässt sich mit Sicherheit streiten, nichtsdestotrotz wird man wunderbar unterhalten und das auf einem recht hohen Level. Der Autor arbeitet bereits an seinem nächsten Roman, von dem man sich ähnliches erhofft.

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