Freitag, 27. September 2013

[REZENSION] Anna und Anna

Redakteur: Anette Leister

Titel: Anna und Anna
Autor: Charlotte Inden
Übersetzer: -/-
Verlag: Hanser
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: 12-15 Jahre
Ausführung: Hardcover, 176 Seiten



Autor:
Charlotte Inden, 1979 geboren, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Film- und Fernsehwissenschaften in Marburg, London und Straßburg. Sie lebt mit ihrem Mann in Karlsruhe, arbeitet als Redakteurin bei einer Tageszeitung und hat eine Botschaft an die Welt: Schreibt mehr Briefe! Anna und Anna ist ihr erstes Buch bei Hanser.


ANNA UND ANNA

"Anna und Anna" ist ein Briefroman zwischen Enkelin und Großmutter, aber auch eine Art Tagebuch von der Großmutter an ihr linkes Bein, welches sie auf Grund einer Erkrankung verloren hat, Briefen zwischen der jungen Anna und ihrer ersten großen Liebe und der alten Anna und ja... ihrer alten Liebe.
Bella hat ihr Portemonnaie verloren.
Anna ihren Jan.
Und ich mein Bein.
Ich habe am meisten Grund zu jammern, denke ich, aber im Moment ziehen wir alle ein Gesicht. Anna kann es am besten. Sie hat diesen schönen Mund, den hat sie von meiner Mutter. Es ist der Mund einer erwachsenen Frau und im Gesicht meines kleinen Mädchens macht er mir irgendwie Angst. (S.13)
Das Cover kommt in einem schlichten, cremefarbenen Einband daher, die Linien und die in Schreibstift ausgeführten Namen der Autorin und der Protagonistinnen - die gleichzeitig den Titel des Buches liefern - greifen gekonnt das Briefthema des Romans auf. Das Innere ist genauso wunderbar auf den Inhalt der Geschichte abgestimmt: das Blau der Schrift erinnert an Tinte, die Kapitelüberschriften sind zwar eine bloße Durchnummerierung, jedoch jedesmal individuell gestaltet und mit kleinen Zeichnungen ausgeschmückt. Die "kleine" Anna und die "große" Anna strotzen den Widrigkeiten ihres Lebens wie furchtlose Piraten, dies erklärt ihre gewählten Anreden oder Grußworte wie Käptn oder Ahoi, und die zahlreichen Illustrationen, die einen sofort an das Meer erinnern: kleine Seepferdchen, Wellen, Möwensilhouetten oder Fische.

Charlotte Inden gelingt es in wenigen Zeilen und kurzen Briefen jeder ihrer Figuren Persönlichkeit einzuhauchen. Man liest sich sehr schnell in die Geschichte der beiden Annas hinein, obwohl man als Leser sehr plötzlich in das Geschehen hineingeworfen wird. Welche Anna gerade schreibt, erkennt man an der Wortwahl, die junge Anna schreibt jugendlich frisch, Großmutter Anna schreibt altmodischer und bedachter und benutzt manchmal Worte, die heute kaum noch im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet werden. Man lernt zudem zwischen den Zeilen zu lesen, da die schriftliche Kommunikation Lücken aufweist. Nicht jeder Brief, den einer der Protagonisten erhält und beantwortet, taucht in dem Buch auf. So ist man zum Mitdenken angeregt und die Gefühlswelt der beiden Annas geht nicht unter in unzähligen Details oder Beschreibungen, die zur Darstellung ihrer Beziehungen völlig überflüssig gewesen wären.
Manche Entwicklungen in der Geschichte sind schnelllebig, manche traurig, manches hätte man sich als Leser anders gewünscht. Jedoch bin ich mit den Reaktionen der Figuren und mit dem Ende der Geschichte genau so zufrieden, wie es Charlotte Inden erdacht hat. Die Figuren reagieren zwar nicht immer nach Wünschen des Lesers, aber sehr realistisch und nachvollziehbar, und auch das Ende konnte nach der ganzen Entwicklung der Geschichte kein anderes sein. Und so traurig es ist, in gewisser Weise ist es auch tröstlich und versöhnlich.
Charlotte Inden ist es gelungen eine Vielzahl Themen und Probleme - die im täglichen Miteinander entstehen können, sei es aus familiären Gründen oder wegen der Liebe - auf relativ wenigen Seiten nicht nur anzusprechen, sondern aus verschiedenen Blickwinkeln so auszuleuchten, dass man als Leser die unterschiedlichen Standpunkte verstehen und nachvollziehen kann.

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