Freitag, 23. August 2013

[REZENSION] Bruder Kemal

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Bruder Kemal
Autor: Jakob Arjouni
Übersetzer: -/-
Verlag: Diogenes
Reihe: Kemal Kayankaya 5
Ausführung: Hardcover, 240 Seiten



Autor:
Jakob Arjouni, geboren 1964 in Frankfurt am Main, veröffentlichte Romane, Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele. Er war 21 Jahre alt, als sein Frankfurter Privatdetektiv Kemal Kayankaya in ›Happy birthday, Türke!‹ zum ersten Mal ermittelte, ein hochgelobtes Debüt (1991 unter der Regie von Doris Dörrie verfilmt). Es folgten drei weitere Fälle, für ›Ein Mann, ein Mord‹ (dritter Fall) erhielt Jakob Arjouni 1992 den Deutschen Krimipreis. Seine Romane ›Hausaufgaben‹, ›Chez Max‹ und vor allem der Roman über einen ostdeutschen Nazimitläufer, ›Cherryman jagt Mister White‹, sind mittlerweile Schullektüre. Das Thema, das sich wie ein roter Faden durch Arjounis Werk zieht, ist die Auseinandersetzung mit Gewalt in all ihren Formen. Seine Leser liebten ihn für seine spannenden, scharfzüngigen, sprachlich unprätentiösen, witzigen und klugen Bücher. Sein Werk ist in 23 Sprachen erschienen. Er starb am 17. Januar 2013 in Berlin.


BRUDER KEMAL

Gleich zwei Aufträge halten Privatdetektiv Kemal Kayankaya in Atem. Zum einen soll er die sechzehnjährige Marieke finden und nach Hause bringen. Zum anderen einen Autoren während der Frankfurter Buchmesse begleiten und beschützen, der um sein Leben fürchtet. Kayankaya glaubt an das leicht verdiente Geld, da beide Fälle ihm leicht und schnell zu erledigen erscheinen. Er hat allerdings nicht bedacht, dass er sich womöglich jemandem auf die Füße treten könnte, der alles andere als harmlos ist und eine Bedrohung für ihn und seine engsten Vertrauten darstellen könnte. Bevor es also zum Äußersten kommen kann, muss Kayankaya die Hintermänner auf seine Weise überraschen...

„Bruder Kemal“ ist bereits der fünfte Fall für Privatdetektiv Kemal Kayankaya, aber durchaus auch ohne Kenntnis der Vorgänger verständlich. Die Fälle sind in sich abgeschlossen, einzig Hintergrundwissen zu den Hauptprotagonisten könnte fehlen. Vieles davon wird allerdings nochmals hervorgeholt und kurz erwähnt, so dass man schon einen recht detaillierten Eindruck davon erhält mit wem man es eigentlich zu tun hat. Dennoch ist man sich nicht absolut sicher, wie man zu Kayankaya steht. Auf Grund seiner sehr eigenen Art fällt es schwer ihm tatsächlich Sympathien entgegen zu bringen. Andererseits ist es natürlich auch angenehm, wenn man mal keinen 08/15-Helden vor sich hat.

Das Geschehen selber bietet einiges an Potential, das teilweise ausgeschöpft wird, teilweise aber auch nicht. Einige Passagen gehen eher zäh über die Bühne, bei denen ein bißchen mehr Spannung gut getan hätte und durchaus auch möglich gewesen wäre. Andere Szenen wiederum strotzen nur so vor Action, die den Leser vollauf in den Bann ziehen. Auch wenn die ein oder andere Ruhepause zwischendurch angenehm sein kann, so hätte man sich doch ein durchgängigeres Spannungslevel gewünscht.

Ob nun wirklich alle Tathergänge so realitätsnah sind, darüber lässt sich sicherlich streiten. Hin und wieder hat man das Gefühl, dass einige handelnde Personen mehr Glück als Verstand besitzen oder dass einfach nicht immer die ganze Wahrheit preis gegeben wird.

Wer außergewöhnliche Ermittler mag und wen es nicht stört, wenn man mit der Hauptperson nicht unbedingt warm wird, wird diese Reihe mit Sicherheit zu seinen Favoriten zählen.


Reiheninfo:
Fall 1: Happy Birthday, Türke!
Fall 2: Mehr Bier
Fall 3: Ein Mann, ein Mord
Fall 4: Kismet

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