Dienstag, 3. April 2012

[REZENSION] Bis ans Ende der Welt

Titel: Bis ans Ende der Welt (OT: -/-)
Autor: Andrea Schacht
Illustrator: -/-
Übersetzer: -/-
Verlag: Ink
Reihe: Kyria und Reb 1
empfohlenes Lesealter: 12-15 Jahren
Ausführung: Hardcover, 381 Seiten



Autor:
Andrea Schacht war lange Zeit als Wirtschaftsingenieurin in der Industrie und als Unternehmensberaterin tätig, hat dann aber dem seit ihrer Jugend gehegten Wunsch nachgegeben, Schriftstellerin zu werden. Sie lebt heute als freie Autorin mit ihrem Mann und ihren zwei Katzen in Bad Godesberg.


BIS ANS ENDE DER WELT

Inhalt:
Im Jahr 2125 hat sich Europa in eine Welt der kompletten Überwachung verwandelt. In diesem perfekt gesteuerten System - New Europe, genannt NuYu - wächst Kyria behütet in der Gesellschaftsschicht der Electi auf. Neben den Electi existieren in New Europe noch die Schichten Civitas und Subcults. Außerhalb NuYus liegen die Reservate, die sich nach einer großen Pandemie (länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit) vor 150 Jahren dazu entschlossen hatten, unabhängig von dem neuen Staatenverbund zu bleiben. Die Bewohner der Reservate haben sich damit ihre Freiheit bewahrt, im Gegensatz zu den Einwohnern NuYus, die rund um die Uhr durch IDs (Identifikationsarmbänder) überwacht werden. Allerdings sind sie auch sonst weitestgehend auf dem technischen Stand von vor hundertfünfzig Jahren stehengeblieben.
Kyria wächst zwar wohlbehütet, doch wie ein Vogel in einem goldenen Käfig auf, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie wie ihr verstorbener Vater eine Gendefekte ist und nur eine sehr begrenzte Lebenserwartung hat.
Lange Zeit findet sie sich mit ihrem unausweichlichen Los ab, bis ihre Krankheit durch einen unglücklichen Unfall ausbricht und sie im Krankenhaus auf einen rebellischen jungen Mann aus den Reihen der Subcults trifft, der ihr vor Augen hält, dass das Leben zu wertvoll ist, um es hinter Mauern und unter ständiger Überwachung zu verbringen. Als Reb einen Weg findet aus NuYu zu verschwinden, geht Kyria mit und kehrt ihrer alten Weg den Rücken, um eine Freundin in den Reservaten zu besuchen und ihre letzten verbleibenden Wochen in Freiheit zu leben.
Lange kann Kyria ihre neuerrungene Freiheit nicht genießen, denn sie kommt einer großen Intrige auf die Spur: die Regierung von New Europe entwickelt furchtbare Seuchen und verbreitet die Erreger in den Reservaten. Wer oder was steckt hinter diesem groß aufgezogenen Komplott?

Kritik:
Der erste Teil der "Kyria und Reb"-Trilogie "Bis ans Ende der Welt" ist in die beiden Teile "Die Flucht der Rebellen" und "Der lange Weg" aufgeteilt. Zu Beginn findet man ein Dramatis Personae, das sich gerade zu Beginn der Geschichte als äußerst hilfreich erweist, da der Leser direkt in die Handlung hineingeworfen wird und ohne große Erklärungen mit dem speziellen Vokabular zurecht kommen muss. Zudem wirkt der Umgang zwischen den Electi, die man als erstes kennenlernt, steif und höfisch, so dass man einige Kapitel braucht, um mit der Geschichte und ihrem Personal warm zu werden. So richtig in Gang kommt die Handlung erst mit dem Erscheinen Rebs, dem Rebellen aus den Reihen der Subcults, der seinem Namen von Anfang an alle Ehre macht.
Bei den Electi herrschen die Frauen, die Männer verrichten die Arbeit. Die Electi bilden die herrschende Gesellschaftsschicht NuYus, die Civitas sind die normale Gesellschaftsschicht und die Subcults sind Ausgestoßene, die ohne ID - und damit ohne Überwachung leben - allerdings auch ohne Wohnsitz, und ohne Anteil am sozialen Leben. Die Hauptstadt New Europes heißt La Capitale und war früher unter dem Namen Frankfurt am Main bekannt. Andrea Schacht hat in der Struktur NuYus Gesellschaftskritik verpackt (geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, große Kluft zwischen arm und reich), die auch vom jüngeren Lesepublikum sehr gut nachvollzogen werden kann.
Nachdem die Geschichte ins Rollen kommt und das steife Umfeld der Electi verlässt, entwickelt sich die Story um Kyria und Reb zu einem spannenden und gewitzten Pageturner, der von der Chemie zwischen der "Prinzessin" und dem Rebellen lebt. Im Laufe der Handlung entwickelt sich zwischen den beiden Protagonisten ganz nach dem Motto "was sich liebt, das neckt sich" eine zarte Liebesgeschichte. Daneben sorgen aber auch ein stetig steigender Spannungsbogen und einige Überraschungsmomente bei der Entwicklung der Nebenfiguren dafür, dass man die Geschichte spätestens im zweiten Teil kaum noch aus der Hand legen kann.
Die Liebesgeschichte ist ebenso wie die actionreichen Parts auf das jüngere Publikum ausgelegt, so dass hier der Auftakt einer dystopischen Trilogie vorliegt, die man guten Gewissens seinen Kindern in die Hand geben kann. Nachdem sich der zunächst geradlinige Aufbau zu einer schwer durchschaubaren Intrige entwickelt, bekommt die Story aber auch für ältere Leser einen größeren Reiz.

Fazit:
"Kyria und Reb: Bis ans Ende der Welt" punktet nicht nur mit Handlungsschauplätzen, die im Bereich der Dystopie noch unverbraucht sind und mit denen sich das jüngere Lesepublikum gut identifizieren kann, sondern vor allem mit dem bezaubernd-witzigen und ungleichen Paar Kyria und Reb, deren frecher - und später auch romantischer - Schlagabtausch auch die älteren Leser zum Schmunzeln bringt.
Das Ende gipfelt in einem Cliffhanger, der dafür sorgt, dass man die Fortsetzung der Geschichte von der Prinzessin und dem Rebellen kaum erwarten kann!

Kommentare:

  1. Hallo Katze :-)
    Fand das Buch ja ganz toll! Erst war ich wegen Story und Schreibstil (vor allem die Kommunikation zwischen Kyria & Reb) hin und hergerissen. Aber es passt dann perfekt. Und Kyria mit Reb im Wohnwagen.... hmmm, wie sweet! Tolle Aktion der Autorin für ein Jugendbuch. Gerade das "was sich liebt, das neckt sich" war doch auch super!
    LG,
    Damaris

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    1. Hallo,
      gerade für die angesprochene Zielgruppe fand ich den Schlagabtausch auch total süß :) Es gibt so viele Dystopien für ältere (Jugendliche und Erwachsene), da hat sich diese wirklich mit ihrem Wortwitz erfrischend abgehoben.
      LG Anette

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  2. Wow, ein total treffendes Fazit. Ich bin gerade ein bisschen neidisch. :D

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    1. Die Geschichte ist wirklich süß :)

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    2. Ich bin nicht neidisch auf das Buch, sondern auf die so gelungene Rezi. ;)
      Das Buch hab ich auch schon gelesen :)

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    3. Mittlerweile habe ich die Rezi auf deinem Blog entdeckt *ggg* Und danke für das Lob, ich bin immer so selbstkritisch, dass ich dein Kommentar wahrscheinlich deshalb erst auf das Buch bezogen habe ;)
      Liest du auch noch den dritten Ismael? Ich hab heute das Hörbuch beendet und bin ein bisschen traurig, dass es jetzt keine weiteren Geschichten mehr von ihm und seinen Freunden geben wird :(

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    4. Jaa, ich werde den dritten Isamel definitiv lesen, aber gerade hadere ich noch: ich habe die ersten beiden Bände als TB und würde den dritten ungern als HC im Regal stehen haben.
      Mal sehen, ob ich tatsächlich so lange warten kann...

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    5. Kann ich verstehen, ich hab Reihen auch gerne einheitlich im Regal stehen. Von Ismael habe ich mir ja jetzt die Reihe nochmal komplett als Hörbuch gegönnt. Beim zweiten Teil lohnt sich die Doppelanschaffung auf jeden Fall: die Songs der Seekühe sind auf dem Hörbuch mit drauf, sooo klasse :)

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Hallo ihr Lieben,
schön, dass ihr uns in der Lies-und-Lausch-WG besucht. Wir freuen uns über jeden Kommentar von Euch :)
Viele Grüße die Katze mit Buch und ihre Mitbewohner