Montag, 31. Oktober 2011

[REZENSION] Belitz, Bettina - Luzie und Leander 4: Verblüffend stürmisch

Bettina Belitz
Luzie und Leander 4: Verblüffend stürmisch
Verlag: Loewe
296 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 3785572654
ISBN-13: 978-3785572658
empfohlenes Lesealter: 11-13 Jahre

Inhalt:
In "Verblüffend stürmisch" muss Luzie an Leanders Seite ihr bislang verrücktestes Abenteuer bestehen. Nicht ohne Hintergedanken setzt Leander Luzies Eltern durch geschickte Manipulation den Floh ins Ohr, Familienurlaub in Frankreich zu machen, schließlich hat Leander dort seine schönste Zeit als Körperwächter erlebt, als er Johnny Depps Kinder bewacht hat. Doch wartet auf Luzie nun ein luxuriöser Urlaub in Südfrankreich? Pustekuchen! Wer im dritten Band bereits meinte, dass eine Klassenfahrt mit einem unsichtbaren Wächter an der Seite der Horrortrip schlechthin ist, wird hier eines besseren belehrt: Luzie muss sich in den Ferien eine winzigkleine Koje in einem Zigeunerkarren mit Leander teilen, der von einem dicken, faulen Pferd mehr schlecht als recht durch Frankreich gezogen wird. Ungeplante Aufenthalte fernab der angepeilten Bauernhöfe, Stechmücken und ein pupsender Leander verblassen zur Nichtigkeit im Vergleich zu einem wirklichen Problem, das Luzie in echte Lebensgefahr bringt: durch den engen Körperkontakt zu Leander färben einige seiner Eigenschaften auf sie ab und nun braucht sie dringend die Hilfe eines guten Freundes...

Eigene Meinung:
Luzie und Leander erleben in "Verblüffend stürmisch" bereits ihr viertes Abenteuer und Bettina Belitz hat nichts von der Frische und dem Ideenreichtum der Vorgängerbände eingebüßt, ganz im Gegenteil steigert sich die Reihe von Band zu Band, was auf jeden Fall auch mit der Weiterentwicklung der Charaktere zu tun hat. Freundschaft und Familie stehen hier noch weit mehr im Vordergrund als in den Vorgängerbänden. Luzies Eltern nehmen in diesem Abenteuer ihre bisher größte Rolle ein und die rosa Luzie-Mama ist wie immer zum Quietschen schräg, so dass man auf jeden Fall auch in den zukünftigen Bänden mehr von ihr lesen will. Am liebsten möchte man sie und den Vater in den Arm nehmen und trösten, wenn sie vor Sorge um Luzie fast vergehen. Mein absoluter Lieblingscharakter ist seit diesem Buch aber endgültig Serdan geworden. Er kommt zwar nicht wie ein Märchenprinz auf einem weißen Hengst dahergeritten, um Luzie aus der Misere zu befreien, aber... ach - das müsst ihr einfach selbst lesen ;) Die Geschichte ist so schräg, witzig, spannend und trotz der unglaublichen Situation so wunderbar romantisch, hach... Da braucht es den Auftritt von Johnny Depp höchstpersönlich eigentlich gar nicht mehr, um das Herz beim Lesen schneller schlagen zu lassen ;D Und andere Szenen widerum treiben einem mit ihrer herrlichen Situationskomik die Lachtränen in die Augen.
Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Abenteuer von Luzie und Leander, denn mittlerweile bin ich mir ganz sicher, dass Bettina Belitz in Bezug auf die weitere Handlung und die agierenden Personen noch viele Überraschungen auf Lager hat. Sie gestaltet die Geschichten immer sehr abwechslungsreich und legt den Fokus abwechselnd auf verschiedene Personen, so dass man auch im vierten Abenteuer um Luzie und Leander immer wieder aufs Neue überrascht wird.
"Luzie und Leander" ist eine Serie, die einerseits mit dem gefühlvollen Schreibstil von Bettina Belitz und den facettenreichen und liebenswerten Charakteren punktet, andererseits macht sie einfach einen Heidenspaß und ich freue mich unbändig auf die nächsten Geschichten!

Aufmachung des Buches:
Rosarot, zartes Grün, Gelborange und nun in Blau- und Lilatönen: so fröhlich-bunt wie der Inhalt sind auch die Cover im Regal und Verströmen allein schon beim Ansehen gute Laune.

Fazit:
Verblüffend, dass der vierte Band den Vorgänger der Reihe noch übertrumpfen konnte, der von mir bereits die höchste Bewertung erhalten hat. Mehr davon!!!

[GAST-REZENSION] Cast, P. C. - Tales of Partholon 1: Ausersehen

Gast-Rezension von Pia von Herzensbücher
Vielen Dank für deinen Beitrag!

P. C. Cast
Tales of Partholon 1: Ausersehen

Verlag: Mira
528 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3899418557
ISBN-13: 978-3899418552

Eben noch in der Highschool und plötzlich in einer Welt, in der Shannon wie eine Göttin behandelt wird
In Partholon halten sie alle für die Hohepriesterin der mächtigen Göttin Epona. Auch wenn Shannon Parker zunächst nicht begreift, wie sie in diese Welt geraten ist, versucht sie, es mit Humor zu nehmen. Bestimmt ist das alles nur ein Traum Aber nicht einmal im Traum würde sie sich vorschreiben lassen, wen sie heiraten soll! Auch wenn dieser ClanFintan ihr noch so tief in die Augen schaut und sie sich noch so stark zu ihm hingezogen fühlt Erst als Shannon von Visionen heimgesucht wird, beginnt sie zu begreifen, dass sie dazu auserwählt worden ist, Partholon zu retten. Sie muss die Menschen vor grausamen, vampirähnlichen Dämonen beschützen und das kann sie nur mit ClanFintans Hilfe...

Mit meinen eigenen Worten:
Eigentlich ist Shannon eine ganz gewöhnliche amerikanische Lehrerin, doch als sie eine mysteriöse Urne erstehen kann, findet sie sich in einer anderen Welt wieder. Was ist das nur für ein Land? Dann wird sie auch noch mit einem Zentauren - ClanFintan - vermählt...
Dort angekommen muss sie auch mit einigen Schwierigkeiten klarkommen. Die Foraminer - komische Vampirartige Wesen - nehmen Frauen in Gefangenschaft um sich dann mit ihnen zu paaren. Ob sie Paratholon retten kann? Und vorallem: Wird ihr geliebter ClanFintan das ganze überstehen?

Das Urteil:
Wo soll ich nur anfangen? Grundsätzlich muss ich sagen, dass der Schreibstil ganz solide ist. Ich habe später auch nicht mehr als einige Beschreibungen erwartet, da das Buch ansich auch nicht gerade ... linde gesagt... eine Meisterleistung ist. Jedes Gefühl bleibt aber aus.
Besonders geärgert hat mich wohl Shannons Verhalten. Die Frau ist fünfunddreißig und gibt Kommentare von sich, die ich ohne Probleme einem Teenager in meinem Alter (15) zuteilen konnte. Beispielsweise:

S. 25
Ich hielt inne und schenkte ihnen respektvolle, angemessene Aufmerksamkeit, die sie zu verdienen schienen. Während ich die Identifikationen von Losschilder las, versuchte ich, keine Stielaugen zu machen. Objekt Nr. 17, Statuette von Zeus, den Blitz zum Abwurf bereit (sehr aktig, sogar nackig und sehr - bereit).
"Sorry, Süßer, ich kann dich leider nicht mit nach Hause nehmen - zu sexy."

So welche Bemerkungen ziehen sich über das ganze Buch. Ich konnte nur den Kopf schütteln bei der Tatsache, dass Shannon eigentlich eine etwas ältere Lehrerin ist und im grundegenommen ihres Verhaltens nach noch in ihre Klassenzimmer gehört.
Dann sind da natürlich auch noch die sexy Beschreibungen von Shannons... sagen wir mal... Lust. Ich konnte so oft nicht fassen, was die da geschrieben hat! Wirklich, bei ALLEM konnte ich wirklich nur den Kopf schütteln!

S.158
ClanFintans Arme waren mit einem leichten Schweißfilm bedeckt, aber sein Atem klang noch normal. Er war in ganz guter Verfassung. (Notiz an mich: lecker.)

.... und jetzt kommt der absolute Hammer:

S. 207
Dieses Mal verbrachte ich den Rest der Nacht (Gott sei Dank) damit, von einem Besuch in der Godiva-Schokoladenfabrik zu träumen, die gleichzeitig auch ein Weingut war. Superman und Pierce bekamen sich darüber in die Haare, wer mir eine Fußmassage geben durfte und wer...
Nun ja, sie wissen schon. (Dieses Mal hat Superman gewonnen - und, wenn ich so viel sagen darf, er trägt das "Super" in seinem Namen nicht nur, weil er fliegen kann...)

Ich kann es immernoch nicht fassen: SUPERMAN!?

S.235
"Wie wäre es, wenn du mir die Landkarte zeigst, bevor ClanFintan kommt und mir den Kopf verdreht?" (Und hoffentlich auch den Körper)

Wer die Inhaltsangabe gut gelesen hat, kann die ersten 150 Seiten ohne große Probleme überspringen. Die ersten Seiten enthalten einige merkwürdige Beschreibungen wie Shannon auf einen Flohmarkt geht, um dort überraschenderweise eine sehr wertvolle Vase für 3,50$ zu ergattern. Wie sich herausstellt war diese ihr Ticket in Rhiannons Welt, während Rhiannon in ihre katapultiert wurde.
Die Grundidee des Buches ist wirklich ganz interessant. Die herrschsüchtige Priesterin hat von der anderen Welt (also Shannons) herausgefunden und sich mit einem dunklen Zauberer zusammengetan, um dort hinzugelangen. Da Shannon genau so wie sie (bzw. ähnlich aussah) schaffte sie es das erste Mal nur mit ihr. Die Schlacht mit den Vampirmonstern war zwar keine fantasievolle Glanzleistung, dennoch wollte ich - zugegebenermaßen - wissen, wie das ganze ausgeht. Aber auch hier gilt wieder das Gleiche wie am Anfang des Buches: Man kann ohne Probleme mehrere Seiten überspringen ohne irgendwas zu verpassen. Denn auch, wenn ich später wissen wollte, was mit Rhea & Co. passiert - ganz lesen wollte ich es dennoch nicht.
Viel mehr kann ich auch nicht über die Handlung sagen, da sie eben nichts mehr bietet. Ich habe mich ein bisschen gewundert, dass Shannon sich so kurzfristig in der anderen Welt eingefunden hat. Ich meine: Erwartet man da nicht, dass sie eine Art Eingewöhnungszeit braucht? Das sie Dinge wie richtige Toiletten, Fernseher und Handys vermisst? Ihre anderen Freunde? Obwohl Alanna ihrer besten Freundin anscheinend ziemlich ähnelt, ist das wirklich das Gleiche? Mit der Idee, dass die meisten Leute aus ihrer Welt die aus Rhiannons ähneln, finde ich übrigens eine schwache Ausrede dafür, dass P.C. Cast nicht weiter auf die eben gestellten Fragen eingehen wollte..
Zu den Charakteren will ich nicht mehr viel sagen: Durch ihr postpupertärendes Verhalten mochte ich Shannon natürlich überhaupt nicht. Ihre Bemerkungen kamen sehr unnatürlich rüber, was mir das Lesen noch um einiges vermiest hat.
Die anderen Charaktere jedoch haben mir überraschenderweise ein wenig gefallen. Alanna, ClanFintan, Victoria und die anderen hatten einfach tolle Züge, die P.C. Cast zwar nicht optimal ausbauen konnte, aber immerhin sehr sympathisch dargestellt.

Mein Fazit:

Ausersehen gehört für mich in nichts anderes als den Mülleimer. Durch die Grundidee und der leichten Spannung kann ich noch einen halben Stern vergeben, wegen Shannons Verhalten und den anderen riesen Fehlern, die ich nicht übersehen konnte, aber nicht mehr.

Die Reihe:
Ausersehen (OT: Divine by Mistake)
Verbannt (OT: Divine By Choice)
- (OT: Divine By Blood)
- (OT: Elphame's Choice)
- (OT: Brighid's Quest)


[REZENSION] Kuschnarowa, Anna - Junkgirl

Anna Kuschnarowa
Junkgirl
Verlag: Beltz
222 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 3407742592
ISBN-13: 978-3407742599
empfohlenes Lesealter: 14-16 Jahre

Inhalt:
Alissa ist ein Mädchen aus einem behüteten Elternhaus. Obwohl sie vier Geschwister hat, wächst sie eigentlich alleine auf, ihre Brüder und Schwestern sind alle aus dem Gröbsten raus, als das natürlich verhütete Nesthäkchen Alissa auf die Welt kommt.
Brüder und Schwestern werden Alissa ständig als Vorbilder unter die Nase gerieben, die Mutter sorgt dafür, dass Alissa anständig angezogen ist und nach dem Einsetzen der ihrer Periode die ersten Büstenhalter bekommt, Jungs als beste Freunde sind nicht gerne gesehen und richtige Süßigkeiten gibt es nur zu besonderen Anlässen - heile Welt?!
Als Alissa die wilde Tara kennenlernt, bricht sie aus ihrer Käseglocke aus und rebelliert. Zunächst ist das Leben mit Tara die großartigste Zeit in Alissas Leben, aber als sie die drogenabhängige Tara dazu überredet, sie auch an diesem Teil ihres Lebens teilhaben zu lassen, wird die Zeit mit Tara auch bald zur beschissesten in ihrem Leben. Sie bricht den Kontakt zu ihrem früheren Ich ab, aus der unscheinbaren Alissa wird Alice, die immer tiefer im Drogensumpf versinkt.

Eigene Meinung:
Durch den Schauplatz Berlin und das Abhängigkeitssyndrom, an dem Alissa nach ihrem Absturz leidet, erinnert "Junkgirl" an den Klassiker "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Einerseits dachte ich nach Beenden der Lektüre, dass ich mir mit Kenntnis des Romans von Christiane F. die Geschichte von Tara und Alissa hätte sparen können, andererseits ist das Thema natürlich immer noch so aktuell wie vor 30 Jahren und Jugendliche greifen sicherlich lieber zu einem aktuellen Roman als zu einem "alten Schinken".
Obwohl mich das Cover in der Buchhandlung nicht angesprochen hätte, muss ich zugeben, dass es perfekt zum Inhalt passt. Die ineinanderverlaufenen Farben suggerieren den Rausch und geben andererseits ein Bild davon, wie planlos Alissas Leben verläuft, nachdem sie suchtkrank geworden ist. Sie geht keinem geregelten Tagesablauf nach, sie lebt nur noch von der Hand in den Mund beziehungsweise bis zum nächsten Schuss.
Im Falle von Alissa hat die Suchterkrankung zu beinahe so etwas wie einer Persönlichkeitsspaltung geführt. Neben Alissa existiert die schillernde, wilde Alice im Drogen-Wonderland, die in Tara verliebt ist und die im Drogenrausch Höhenflüge erlebt. Anna Kuschnarowa hat diese zwiegespaltene Persönlichkeit sehr gut herausgearbeitet, in dem jedem Kapitel ein Zwiegespräch vorangestellt wird, in dem sich Alissa und Alice bekämpfen. In der Jetztzeit sitzt Alissa in einem Internat in Brandenburg und ist clean, sie ist wieder Alissa, wenigstens ein bisschen, aber der Rest ist immer noch Alice. Die beiden reflektieren Alissas Leben und Alices Leben bis zu diesem Punkt und entlassen den Leser am Ende in eine ungewisse Zukunft, an deren Scheideweg Alissa steht oder vielleicht doch Alice? Es gibt sicherlich Leser, denen das eher offen gehaltene Ende missfallen wird, aber gerade das Ende hat sehr stark bei mir gepunktet, da ich denke, dass ein Leben mit Drogensucht und anschließendem Entzug selten bis gar nicht mit Ende und PUNKT endet. Allerdings habe ich einen anderen Kritikpunkt an Alissas Geschichte. Mir persönlich kam ihr Umfeld zu kurz. Sie ist zu schnell aus ihrem alten Leben herausgetreten und im Anschluss gab es nicht mehr als ein oder zwei kleine Berührungspunkte in ihrem neuen Leben und ihrer Familie, bevor die spätere Entwicklung in der Geschichte dazu führt, dass alle wieder aufeinandertreffen. Selbst wenn Alissa ein Unfall einer natürlichen Verhütung war und eigentlich nicht geplant, so kann ich mir nicht vorstellen, dass sie ihren Eltern so gleichgültig sein soll, dass diese nach ihrem Verschwinden nicht intensiver nach ihr gesucht haben. Der Roman wäre für mich authentischer und vor allen Dingen nahegehender gewesen, wenn ich mehr vom Kummer und den Sorgen Außenstehender erfahren hätte. Tara und Alissa sind in ihrem Drogenrausch sehr egoistisch und denken nur an sich selbst, mir haben Charaktere gefehlt, die Sympathie oder Mitleid beim Leser erwecken, so dass man noch tiefer in die Geschichte eingetaucht wäre. Im Ansatz vermitteln tiefer gehende Gefühle nur Taras Oma und Taras Kumpel Leander. Tara und Alissa selbst bleiben zu fremd und unnahbar als das mich ihre Geschichte völlig hätte berühren können.

Sonntag, 30. Oktober 2011

[REZENSION] Endres, Brigitte - Der letzte Werwolf

Brigitte Endres
Der letzte Werwolf
Verlag: Kerle
260 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3451710692
ISBN-13: 978-3451710698
empfohlenes Lesealter: 10-13 Jahre

Inhalt:
In der Heimatstadt der beiden Geschwister Valentina und Phil erzählt man sich eine uralte Sage, dass in den Johannisnächten manchmal eine schwarz gekleidete Frau mit einem großen weißen Hund an ihrer Seite erscheint. Der Sage nach soll es sich bei dieser Frau um Amalia von Treuenstein handeln, deren Tod unter mysteriösen Umständen eintrat und deren Gebeine, statt wie die aller anderen von Treuensteins in der Stadtkirche, in einem kleinen Säulenbau auf einem Hügel nahe der Stadt ruhen. Als Valentina und Phil eines Abends Herrn Bozzi - den Hund ihrer Großmutter - ausführen, verschwindet dieser plötzlich in einem Loch und gerät in das Grabmal. In der Gruft steht ein weißer Sarkophag, auf dem die lebensgroße Marmorskulptur eines Hundes ruht. Als Valentina die in die Grabplatte eingemeißelte Inschrift übersetzt und laut vorliest, verwandelt sich der Marmor plötzlich in einen leibhaftigen Hund. Die Kinder nehmen den Hund mit nach Hause, um am nächsten Tag einer noch größeren und unglaublicheren Überraschung gegenüber zu stehen: der Hund ist verschwunden und ein Junge namens Dorian hat seinen Platz eingenommen, der die Hilfe der beiden Geschwister braucht, um einen jahrhundertealten Fluch zu brechen, der auf ihm und seiner Familie liegt.

Eigene Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte erfolgt in Balladenform, um die längere Vorgeschichte anzudeuten, wie der Fluch auf die Dorians Familie gefallen ist, da die eigentliche Geschichte in der Jetztzeit spielt. Durch diesen Einstieg beschwört Brigitte Endres gleich zu Beginn ein altertümliches Flair auf, dass während der Geschichte weiterhin durchgehend von Dorian verkörpert wird, der sich mit seiner altmodischen Sprache, und seiner ausgesuchten Höflichkeit, aber auch durch einen gewissen Snobismus so völlig von Valentina und Phil unterscheidet. Seine Art macht es für Valentina und Phil nicht gerade einfach seine Anwesenheit gegenüber ihrer Großmutter Isolde zu erklären und sorgt zudem häufig für Lacher, nicht nur durch seine unpassenden und veralteten Redewendungen und weil er hochtrabend von sich in der dritten Person spricht, sondern vor allen Dingen durch sein Verhalten gegenüber der Großmutter, die von dem "Austauschschüler" genau wie von ihren Enkeln Mithilfe im Haushalt erwartet, und nicht immer weiß, wie sie auf Dorians Entgegnungen reagieren soll. "Verzeihen Sie Ihrem untertänigsten Diener und legen Sie es ihm nicht zum Nachteile aus, wenn er ihrem Geheiße nicht zu folgen vermag. Indes gestattet es ihm sein Stand durchaus nicht, Verrichtungen, die allein den Domestiken vorbehalten sind, mit eigener Hand zu verüben."
Da die an sich schon recht kurzen Kapitel noch in Abschnitte hinterteilt sind in denen häufig Szenenwechsel vollzogen werden, kam mir der Erzählstil manchmal etwas abgehackt und kantig vor, ansonsten ist "Der letzte Werwolf" aber eine sehr schöne und kurzweilige Geschichte über wahre Freundschaft und erste Liebe, die ich sehr gerne an Mädchen, aber auch an Jungs, der entsprechenden Altersgruppe weiterempfehle, da es sich durch sowohl weibliche als auch männliche Hauptprotagonisten wunderbar für beide Gruppen eignet. Jungs müssen keine Panik schieben, dass sie wegen der zarten Anbandelei zwischen Valentina und Dorian das Buch angeekelt in die Ecke schleudern müssen - die Liebesgeschichte deutet sich fast ausschließlich in Dialogen und Andeutungen an und kommt meistens witzig daher, weil Phil sich natürlich bestens auf Kosten seiner Schwester amüsiert ;) Außerdem ist sie nur eine Facette einer sehr abwechslungsreichen Geschichte, das Ergründen von Dorians Familiengeheimnis steht im Vordergrund.
Der Handlungsfaden über den Familienfluch von Dorians Familie ist sehr stimmungs- und geheimnisvoll aufgebaut. Besonders gelungen ist der balladenförmige Prolog zu Beginn der Geschichte und die rätselhaften Personen, die im Laufe der Handlung auftauchen, und das Liliensymbol, dem die Kinder immer wieder begegnen, sorgen für einen andauernden Spannungsbogen.
Das Cover wirkt ein wenig trist, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, denn die Geschichte ist wirklich äußerst spannend und dazu noch witzig!

Fazit:
Ein Werwolfroman weit entfernt von den üblichen Klischees. Statt Kämpfen und Pathos stehen hier zielgruppengerecht eine jugendliche Sprache, Situationskomik und ein rätselhafter jahrhundertealter Fluch im Vordergrund, der in freundschaftlichem Zusammenhalt gemeinsam von den Protagonisten gelöst werden muss.

[RUND UMS BUCH] Neu in KW43


Diese Woche war Gekauftes, Getauschtes und Gewonnenes in meinem Briefkasten:

Kleeorg und Kleeopatra: Eine Geschichte vom Glück, Werner Holzwarth / Henning Löhlein (Illustrationen) (GW)
Magierdämmerung 3: In den Abgrund, Bernd Perplies (GT)
Teatime, Gabriele Gugetzer (GT)
Vango 1: Zwischen Himmel und Erde, Timothée de Fombelle (GK)

Teatime durfte zwar bereits als ebook bei mir einziehen, aber das Buch ist sooo schön... das musste ich einfach zum Anfassen und Durchblättern und Bewundern... naja, und irgendwann auch zum Nachbacken haben ;D

Samstag, 29. Oktober 2011

[ZU TISCH BEI] ...Zoë: "Kürbiskuchen"



Clay Carmichael - Zoë

Dieses Mal bitten Zoë und ihre neue Patchworkfamilie zu Tisch, die Protagonisten aus Clay Carmichaels gleichnamigen Debüt im Kinder- und Jugendbuchbereich. Das Buch ist ein wunderschöner Wohlfühlroman mit einem leicht märchenhaften Einschlag, der von Liebe, Freundschaft und Familie handelt und diese Gefühle besonders intensiv gerade bei solch alltäglichen Dingen wie dem gemeinsamen Essen vermittelt. Zu dem Thanksgivingfestmahl findet sich ein bunt zusammengewürfelter Haufen ein, der neben Zoë, ihrem Onkel Henry, ihrer Großmutter Maud und ihren Nachbarn Fred und Bessie auch Henrys Freunde aus der Stadt und Harlan, einer der früheren Partner von Zoës verstorbener Mutter einschließt. Solche Textstellen, die ein heimeliges Gefühl von Zuhause und Familie vermitteln, finden sich in dem Buch aber viel öfter, nicht nur zu besonderen Anlässen. Allerdings passt diese Textstelle inkl. Rezept so wunderbar in die aktuelle Jahreszeit und vielleicht hat ja sogar noch jemand einen Kürbis in der Küche liegen, der auf seine Verarbeitung wartet...

Alle, die "Zoë" noch nicht kennen, finden HIER meine Rezension:

'Harlan saß zwischen mir und Bessie und schaufelte das Essen in sich hinein, bis ich ihn unterm Tisch vors Schienbein trat und er rot wurde und grinsend langsamer machte. Er verdrückte zwei große Portionen, dazu fünf Scheiben Maisbrot und zwei Stücke Kürbiskuchen mit Schlagsahne, wobei er das letzte Stück Franklin wegschnappte, der ungefähr genauso viel gegessen hatte.
"Für euch zwei zu kochen macht richtig Spaß", sagte Fred, als er Franklins enttäuschtes Gesicht sah. "Es gibt noch einen Kürbiskuchen in der Küche, ich hole ihn gleich. Es muss sich also niemand vornehm zurückhalten."
Henry folgte Fred in die Küche und kam mit einer Flasche Apfelschnaps zurück, den er für alle, die alt genug waren, in kleine Gläser goss. Für alle außer Harlan, der sagte, er habe dem teuflischen Flaschengeist für immer abgeschworen.
Bessie hob ihr Glas, die anderen taten es ihr nach. Harlan und ich prosteten den anderen mit heißer Schokolade zu. Alle Gläser funkelten im Kerzenlicht.'

Kürbiskuchen


Zutaten und Zubereitung des Teiges:
320g Mehl
420g Zucker
2 TL Backpulver
1 P. (5g) Speisenatron
etwas Salz
2 TL Zimt
etwas Nelkenpulver
etwas Muskat
450g Kürbis gekocht und püriert
200ml Speiseöl
4 Eier

Das Kürbispüree (nicht zu feucht), das Öl und die Eier glatt rühren. Alle trockenen Zutaten gut mischen, dazugeben und zu einem glatten Teig verrühren. Den Teig auf ein gefettetes Backblech streichen und 25-30 Minuten backen bei ca. 180°C.

Zutaten und Zubereitung der Creme:
250g Puderzucker
75g sehr weiche Butter
85g Frischkäse
1 EL Milch

Alle Zutaten vermengen, glatt rühren und auf den ausgekühlten Boden streichen.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

[CHALLENGE] Die Buchliebhaber-Challenge - Das erste Meme: Liebste Bücherzitate



1. Was ist euer Lieblingszitat?
Veröffentlicht euer Lieblingszitat (oder eines, das ihr besonders schön findet) in einem Blogbeitrag. Ihr solltet dazuschreiben, aus welchem Buch es stammt, und gerne auch, warum ihr gerade dieses Zitat so mögt.

2. Fotoaufgabe: "Inszeniert" euer Lieblingszitat!
Macht ein Foto von eurem Lieblingszitat - ihr könnt euer Kreativität freien Lauf lassen! Schreibt das Zitat ab und fotografiert es in einer schönen Kulisse, haltet das entsprechende Buch vor die Kamera und experimentiert drumherum mit Photoshop... oder lichtet ab, was ihr mit dem Zitat assoziiert. Ganz, wie ihr mögt!

Zunächst hat mich das erste Meme völlig uninspiriert gelassen, da mir zwar beim Lesen öfter schöne und/oder beeindruckende Zitate auffallen, aber ich schreibe sie mir nur sehr in den seltesten Fällen raus, aber wenn ich es doch einmal tue, dann arbeite ich sie in meine Rezensionen ein.
Beim Durchstöbern meiner Rezensionen bin ich dann auf ein Zitat gestoßen, dass aus einem Jugendbuch stammt, welches mich im letzten Jahr sehr positiv überrascht hat und auch das zweite Werk des Autors konnte mich in diesem Jahr begeistern. Ich habe das Zitat deshalb nicht nur gewählt, weil es für mich so absolut der Realität entspricht und seine Aussage so geradlinig und präzise auf den Punkt bringt, sondern auch, weil ich den Büchern von David Jones noch viele (begeisterte!) Leser wünsche.


"In der Gruppe zu leben, ist hart. Ohne sie zu leben, unmöglich. Irgendwie muss man einen Weg finden, dazuzugehören."

Unsere Katzenbande lebt dieses Zitat tagtäglich aus. Den Konkurrenzkampf beim Futterfassen, und damit den ersten Teil des Zitats, habe ich zwar nicht dokumentiert, aber ohne das Leben in der Gruppe gäbe es beispielsweise auch diese schönen Momente nicht:

[NEWS] Rotten Places: Beltz & Gelberg und LizzyNet.de veranstalten Foto-Wettbewerb zu Anna Kuschnarowas Roman "Junkgirl"

Glanz und Gloria, Niedergang und Verfall. Um diese Eckpunkte dreht sich Anna Kuschnarowas Roman "Junkgirl", der auf sprachgewaltige Weise vom Absturz der coolen, der schillernden Tara und der Gratwanderung ihrer Freundin Alissa erzählt. Mit Tara kostet Alissa Freiheit, schnuppert Höhenluft über den Dächern von Berlin, erlebt vermeintliche Selbstbestimmung - bis sie merkt, dass sie die Fäden selbst nicht mehr in den Händen hält. Je tiefer sie sich in Taras berauschende Welt ziehen lässt, desto abgründiger wird auch ihre Umgebung. "Rotten Places" sind nun ihr Zuhause, in denen ihre Zukunft, ihre Hoffnung und auch ihre Liebe zu Grabe getragen werden.

Anna Kuschnarowa hat Worte gewählt, um die Geschichte von Tara und Alissa zu erzählen. Aber auch Fotos erzählen Geschichten. Können Statement, Auseinandersetzung, Kommentar oder Erinnerung sein, Hoffnung auf Zukunft ausdrücken. Das weiß die Autorin, die auch begeisterte Fotografin ist, und fordert deshalb gemeinsam mit Beltz & Gelberg und dem Onlineportal LizzyNet Jugendliche auf, sich fotografisch dem Thema "Rotten Places" zu nähern.

Vom 5. Oktober bis 30. November können Jugendliche ab 14 und Schulklassen ihre Fotos von Orten einreichen, die die Motive von Verfall und Zerstörung veranschaulichen. Hoffnungsschimmer sind ebenfalls willkommen.

Die drei besten Einzelarbeiten gewinnen signierte Exemplare von "Junkgirl" und Büchergutscheine.

Für die beste "Klassenarbeit" gibt es einen Klassensatz "Junkgirl" sowie eine Schul-Lesung mit Anna Kuschnarowa..

Alle Infos zum Wettbewerb und Tipps von Anna Kuschnarowa und Co-Jurorin Lisa Rienermann auf www.LizzyNet.de

(Quelle: Pressemitteilung des Beltz & Gelberg Verlags)


Meine beiden Wettbewerbsbeiträge interpretieren Verfall nicht als Zerstörung und Vergänglichkeit, sondern als ein Zeichen für Hoffnung und Neubeginn.

[TTT] Top Ten Thursday #37


Zeit für den Top Ten Thursday von Alice im Bücherland.
Das Thema diese Woche:

Eure 10 letzten Neuzugänge
(Thema gestellt von: Bookaholic)

Wie letzte Woche bereits angekündigt, setze ich bei diesem Thema aus, da ich meine Neuzugänge jede Woche kurz vorstelle.

Das Thema für Donnerstag, den 03.11.2011 heißt:
10 Bücher zum Thema Bücher oder über die Buchwelt

Auf dieses Thema bin ich sehr gespannt wegen der aktuellen Buchliebhaber-Challenge von Die Bücherdiebin und Sarah von Nothing more delightful und habe auf jeden Fall etwas dazu beizusteuern, aber vielleicht bekomme ich durch den TTT weitere Anregungen was ich zusätzlich bzw. statt meiner momentan gewählten Bücher für die Challenge lesen kann ;)

Mittwoch, 26. Oktober 2011

[KATZENTATZEN] Huiii...

Montag, 24. Oktober 2011

[REZENSION] Heinrich, Finn-Ole / Flygenring, Rán (Illustrationen) - Frerk, du Zwerg!

Finn-Ole Heinrich / Rán Flygenring (Illustrationen)
Frerk, du Zwerg!
Verlag: Bloomsbury
96 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3827054761
ISBN-13: 978-3827054760
empfohlenes Lesealter: 8-10 Jahre

Frerk ist weder besonders groß, noch besonders stark und sieht mit seiner üblichen Kleidung - Pullunder oder Strickjacke, immer aus feinster Wolle - aus wie eine kleine Ausgabe seines Vaters, aber all das sind doch keine Gründe ihn "Zwerg" zu rufen, nur weil sich das auf seinen Namen reimt? In seinen Träumen besitzt Frerk einen Hund, und zwar einen RIESENGROSSEN! In der Realität hat seine überkandidelte Mutter Tierhaarallergie, er wird in beim Völkerball in die Mädchenmannschaft gewählt, Andi Kolumpeck isst sein Pausenbrot und... er findet ein Ei!

Aber nicht irgendein Ei... in diesem Ei steckt etwas ganz drin, dass Frerk zeigt, dass auch Zwerge groß und stark sein und ihre Interessen durchboxen können und das Anderssein nichts Schlechtes ist.

Pullunder, Strickjacke und kleingeschnibbelte Obst-Müsli-Kacke ade! Kommando brät!

In "Frerk, du Zwerg" erzählt Finn-Ole Heinrich eine irrwitzige und doch so wahre Geschichte von in der Schule unterdrückten Außenseitern, von übervorsichtigen Müttern, die einen Traum auf den gewünschten Hund zerplatzen lassen, ihr Kind mit gesundem Essen, abgekochten Schlüsseln und Münzen - die Schädlinge, die SCHÄDLINGE, wo die schon überall gelegen haben können - und dem warmen Strickpullunder bemuttern, bis es einem an den Ohren rauskommt und einfach nur noch nervt, und einem gelangweilten, wortkargen Vater, der für Gespräche keine Zeit oder keine gemeinsamen Interessen findet.
Insgesamt eine kurzweilige und schalkhafte Eulenspiegelei, die nicht nur Kindern zeigt, was in ihnen steckt, wenn sie es sich nur zutrauen, sondern auch den Eltern einen Spiegel vorhält, dass man Kinder manchmal einfach machen lassen muss. Lernen kommt von Selbermachen und Kinder wachsen zu eigenen Persönlichkeiten heran und nicht zu Mama- oder Papa-Klonen.

An einigen Stellen war mir die Geschichte ein bisschen zu albern, besonders hinsichtlich der Zwergensprache, aber allein die formatfüllenden und farbig hinterlegten Schwarzweiß-Illustrationen von Rán Flygenring - die skurril und witzig Finn-Ole Heinrichs Geschichte aufgreifen - machen dieses Buch zu einem außergewöhnlichem Leseerlebnis.

Sonntag, 23. Oktober 2011

[REZENSION] Hughes, Gregory - Den Mond aus den Angeln heben

Gregory Hughes
Den Mond aus den Angeln heben
Verlag: Carlsen
352 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3551582483
ISBN-13: 978-3551582485
empfohlenes Lesealter: 12-15 Jahre

Inhalt:
Der dreizehnjährige Bob und seine zehnjährige Schwester Marie Claire, genannt Ratte, wachsen in Kanada bei ihrem alleinerziehenden Vater auf. Doch ihr Familienidyll bricht recht bald auseinander. Ratte verdirbt ihrem Bruder schon wenige Tage vor dem letzten Schultag die Ferien mit ihrer Aussage: "Ich glaube, Dad stirbt bald." Nun mag man das für unsinniges Gequatsche einer Zehnjährigen halten, Tatsache ist aber, dass die Ratte Sachen sagt, die wenige Zeit später tatsächlich eintreffen und so geschieht es, dass sich bald zwei Waisenkinder auf den Weg machen, um von der kanadischen Prärie nach New York zu gelangen. Dort wollen sie ihren Onkel - angeblich Drogendealer und für den Tod der Mutter der beiden Kinder verantwortlich - ausfindig machen, um dem Waisenhaus zu entgehen. So skurril, wie die Geschichte um Bob und "Ratte" ihren Anfang nimmt, geht es auch weiter. Ohne Papiere reisen sie im Auto eines Schmugglers über die Grenze und in New York treffen sie auf Straßengangster, Obdachlose und einen berühmten Rapper. Auf die Kinder und den Leser wartet ein schräger, lustiger, außergewöhnlicher und manchmal auch trauriger Roadtrip!

Eigene Meinung:
"Den Mond aus den Angeln heben" hat in vielerlei Hinsicht etwas von einem modernen Märchen, besonders durch Rattes Fähigkeit in die Zukunft schauen zu können, aber auch ihre erfrischende und offenherzige Art auf Fremde zuzugehen und niemanden nach dem Äußeren, sondern bloß nach den Inneren Werten zu beurteilen, hat etwas märchenhaftes an sich. Obwohl sie eine freche, lebensfrohe und recht vorlaute zehnjährige Göre ist, hat Ratte Eigenschaften an sich, dass man sie einfach ins Herz schließen muss, aber auch Bob mit seiner ruhigen Art, der in der Geschichte als Erzähler fungiert und nicht nur Rattes großer Bruder, sondern auch auf Wunsch der Eltern ihr Beschützer ist (haaa - als ob Ratte so etwas bräuchte!) gewinnt schnell die Sympathien des Lesers.
Durch das Cover und den Erzählstil des Autors dachte ich zunächst, dass Bobs und Rattes Geschichte in den 50er oder 60er-Jahren spielt, dem ist aber nicht so: Bob erzählt die Geschichte des irren Roadtrips rückblickend aus der Gegenwart im Alter von sechzehn Jahren. Das altmodische Flair von Gregory Hughes Schreibstil ist aber als großes Kompliment gemeint: er kann unheimlich nahegehend erzählen, Bilder vor den Augen des Lesers entstehen lassen und selbst Nebencharaktere mit wenigen Worten so treffend und bildhaft skizzieren, dass man seine Geschichte nicht nur liest, sondern lebt.
Nachdem ich "Den Mond aus den Angeln heben" beendet habe, wundert es mich nicht, dass Gregory Hughes zunächst Probleme hatte es zu veröffentlichen, zu viele schwierige Themen werden angesprochen, um es zu einem "netten" und leichten Leseerlebnis für Kinder zu machen. An Charakteren findet man hier eben nicht nur die sympathischen Kinder aus der Nachbarschaft, sondern Schmuggler, Rapper, Gangster und Pädophile. Der Trip auf den Gregory Hughes ist manchmal irre, verrückt, grausam, brutal und traurig, aber genau dieses Gesamtpaket macht seinen Debütroman zu einem meiner persönlichen Lesehighlights in diesem Jahr.
Am Ende erfährt der Leser sowohl, ob die Suche nach dem Onkel erfolgreich war als auch Näheres über eine Sache, die vor allen Dingen Ratte betrifft, und die sich während des Handlungverlaufs bereits mehrfach angedeutet hat. Ein Happy End im üblichen Sinne findet man nicht, wenn der Ich-Erzähler Bob mit dem Epilog den Kreis schließt, in dem er erzählt was aus den Beteiligten der Geschichte in den letzten drei Jahren geworden ist. Aber man behält die Hoffnung und hat durch Rattes ungewöhnlichen Umgang mit ihren Mitmenschen und dem Leben an sich gelernt das Gute in den Dingen zu sehen.

Fazit:
Ein wunderschöner Roman für Leser jeden Alters, der vor allem durch seinen intensiven Erzählstil und die vielfältigen und lebensechten Charaktere überzeugt.
Für manch einen mögen zu viele Charaktere "aus der Gosse" dabei sein oder sich zu vieles auf wundersame Art entwickeln, aber ich fand nichts zu viel, zu extrem oder zu überzogen, da die Handlung größtenteils in New York - in einer Stadt, in der alles möglich zu sein scheint - spielt, und der Roman will auch keine alltägliche Geschichte erzählen, sondern ein ungewöhnliches und modernes Märchen.

[RUND UMS BUCH] Neu in KW42


Diese Woche war zu Rezensierendes, Geschenktes und Gewonnenes in meinem Briefkasten:

Crashed, Band 2, Robin Wasserman (GS)
Die Eiserne See 1: Wilde Sehnsucht, Meljean Brook (RE)
Rico, Oskar und der Diebstahlstein, Band 3, Andreas Steinhöfel (GW)
Saeculum, Hörbuch, Ursula Poznanski, gelesen von Aleksandar Radenković (RE)
Teatime (ebook), Gabriele Gugetzer (RE)

... und auf speziellen Wunsch noch ein paar Katzenfotos ;) Die Flöhe haben gestern eine neue Lieblingsbeschäftigung entdeckt als wir im Bad den Spiegelschrank ausgetauscht haben. Im Übrigen kennen die Minimonster derzeit nur drei Zustände: Schlafen, Fressen, Sack-voll-Flöhe. Wer mehr Fotos sehen will, dem kann ich höchstens noch Schlafbilder und verschwommene Schnappschüsse anbieten ;D



Samstag, 22. Oktober 2011

[BLOGINTERNES] Mein neues Bewertungssystem

Passend zur Blog-Katze gibt es in Zukunft als Bewertungssystem für Rezensionen statt Sternchen Butter bei die Fische - äääh... alles falsch: Fische bei die Bücher!

Vielen Dank an meine Blog-Designerin ;D

Neu für abgebrochene Bücher: die Gammelfischbewertung...


... und wie von den Sternchen bekannt eine Range zwischen 1-5 Fischen:



Leckerschmecker :)

Die Rechte an den Grafiken liegen bei ranathecat, Fische klauen ist strengstens verboten und gibt Tatzenhiebe auf die Ohren!

[REZENSION] Mexikanisch Kochen ganz einfach

Redakteur: Anette Leister

Titel: Mexikanisch Kochen ganz einfach (OT: Mexican Food Made Simple)
Autor: Thomasina Miers
Fotograf: -/-
Übersetzer: -/-
Verlag: Dorling Kindersley
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 224 Seiten



Autor:
Thomasina Miers ist eine echte Mexiko-Kennerin: Die ausgebildete Köchin hat im lateinamerikanischen Land gearbeitet und die moderne mexikanische Küche kennengelernt. In London ist ihre mexikanische Streetfood-Restaurantkette Wahaca sehr erfolgreich und hat mittlerweile drei Filialen.


MEXIKANISCH KOCHEN GANZ EINFACH

Thomasina Miers ist nicht nur leidenschaftlicher Mexiko-Fan, sondern darüberhinaus Besitzerin eines mexikanischen Restaurants in London.
In "Mexikanisch Kochen ganz einfach" findet man neben den typischen Gerichten wie Tacos und Guacamole-Dip auch unbekannte Rezepte, die aber alle eines gemeinsam haben: in Summe spiegeln sie eine Küche wider, bei der zahlreiche Gewürze, vielfältige Aromen und frische Zutaten die Hauptrolle spielen.

Die Fotos im Buch stammen von Tara Fisher und zeigen meistens die fertig zubereiteten Gerichte und ab und an Zutaten, daneben findet man aber auch einige Bilder von Thomasina Miers beim Zubereiten von Speisen oder beim Essen derselben, und gerade diese Fotos gefallen mir unheimlich gut, da die Köchin eine wahnsinnige Lebensfreude ausstrahlt.
Abwechslungsreiche Grafiken, die man auf mehreren Seiten im Buch findet, runden das farbenfrohe und leicht verspielte Design des Buches stimmig ab, ohne von den Rezepten abzulenken.

Der Inhalt setzt sich wie folgt zusammen:
Einführung
Basics (Mexikanisch essen: versch. Mahlzeiten, Mexikanische Zutaten: Aufführung und Erklärung)
Kapitel 1: Salsas, Saucen & Relishes (inkl. Chili-Guide mit Einteilung nach Schärfegrad)
Kapitel 2: Snacks & Beilagen
Kapitel 3: Suppen
Kapitel 4: Salate
Kapitel 5: Streetfood (inkl. Tipps: Tacos richtig essen, Burritos richtig falten)
Kapitel 6: Alles Käse
Kapitel 7: Langsam gegarte Hauptgerichte
Kapitel 8: Vom Grill
Kapitel 9: Soulfood
Kapitel 10: Desserts
Kapitel 11: Getränke
Bezugsquellen (Onlineshops)
Register (A-Z und darin integriert nach Zutaten)
Dank

Jedem Kapitel ist eine Seite mit Erklärungen vorangestellt, wo beispielsweise die Verwendung und Zusammenstellung von Gewürzen und Kräutern für einzelne Gerichte erläutert oder die Herkunft der Namen von mexikanischen Gerichten erklärt wird.

Je nach Umfang befinden sich auf einer Seite bzw. Doppelseite mehr als ein Rezept. Rezepttitel und Zutatenliste heben sich farblich vom Rest des Rezeptes ab. Personenanzahl, Zubereitungsdauer und Zutatenliste stehen jeweils vom Rezept separiert am Seitenrand. Die Zubereitung folgt als Fließtext unter dem Rezepttitel, häufig sind der Zubereitung Tipps nachgestellt bzgl. des Servierens, passenden Beilagen oder Variationsmöglichkeiten.
Am unteren Seitenrand befindet sich neben der aktuellen Seitenzahl auch der Name des Kapitels.


Bei der Rezeptauswahl hat mich insbesondere die Auswahl an Tacco-Füllungen nach Jahreszeiten, die bunte Mischung von Rezepten mit Fleisch, Fisch und vegetarischen Rezepten und die enthaltenen Rezepte für Saucen und Salatdressings begeistert.
Daneben finde ich vor allen Dingen den Zutaten-Guide und die Bezugsadressen im Internet für mexikanische Zutaten sehr hilfreich, da in den Rezepten einige Zutaten auftauchen, die eventuell nicht jedem bekannt sind und/oder nicht in allen Supermärkten erhältlich.

Auch wenn die Rezepte überzeugen, so muss ich dennoch einige Kritikpunkte bzgl. der Handhabung des Buches anbringen, die den einen oder anderen Hobbykoch abschrecken könnten:
* zahlreiche Rezepte sind unbebildert
* das Register ist eine Mischung aus alphabetischem Register und Register nach Zutaten, dadurch tauchen etliche Rezepte doppelt im Register auf und machen es damit sehr unübersichtlich, auch die Seitenangaben sind teilweise doppelt aufgeführt, weil sie in diesen Fällen getrennt auf Rezept und Foto verweisen
* manche Rubriken sind nicht selbsterklärend hinsichtlich der darin enthaltenen Rezepte und erschweren eine Suche nach bestimmten Gerichten und/oder enthaltenen Zutaten (z.B. Streetfood, Soulfood)
* für einige Mahlzeiten muss man im Buch hin- und herblättern, da beispielsweise Saucen als getrennte Rezeptrubrik aufgeführt werden und man deshalb für ein Fleischgericht mit einer Sauce und einer Beilage nach drei Rezepten kochen muss, die im Buch an unterschiedlichen Stellen zu finden sind (bei bestimmten Zusammenstellungen findet man aber in der Zutatenliste einen Verweis auf die Seite mit dem Zweit- oder Drittrezept)

Fazit:
Für Gaumen und Augen ein schmackhafter und farbenfroher Genuss. Wer sich von der etwas umständlichen Handhabung des Buches nicht abschrecken lässt, findet hier einen abwechslungsreichen Einblick in die mexikanische Küche!


Oktober-Rezension für die Challenge

Freitag, 21. Oktober 2011

[GEWINNSPIEL] Gast-Rezensenten für "Ausersehen" und "Das Mädchen" gefunden!

Nomen est omen hat ausgerechnet "Social Network. Die Bibliothek des Schicksals" die beiden Gast-Rezensenten bestimmt, nachdem ich via Facebook um je eine Zahl zwischen 1-3 und 4-7 gebeten hatte ;)

Beworben hatten sich in Reihenfolge des Emaileingangs dem jeweiligen Buch zugeordnet: 

Ausersehen
1. Michelle – Lesekaetzchen
2. Pia – Herzensbuecher
3. Steffi – Blossombooks

Das Mädchen
4. Steffi – Blossombooks
5. Anja – Buecherzauber
6. Cristina – Buchrücken
7. Sarah – Lesen bildet

Und vom Schicksal (bzw. dessen Bibliothek *g*) erwählt wurden: 2 und7!
Herzlichen Glückwunsch an Pia und Sarah, ihr bekommt gleich eine Mail von mir.
Ansonsten bleibt mir nur noch euch ganz viel Spaß beim Lesen zu wünschen und ich freue mich schon sehr auf eure Eindrücke zu den Büchern!

Donnerstag, 20. Oktober 2011

[TTT] Top Ten Thursday #36


Zeit für den Top Ten Thursday von Alice im Bücherland.
Das Thema diese Woche:

10 Bücher, die etwas mit dem Thema Tiere zu tun haben

Dank Warrior Cats und Reihensucht und vollen Regalen und vielfältigen Interessen bekomme ich hier doch locker die 10 voll, oder? Mal gucken:

1. Warrior Cats von Erin Hunter (Katzen)
2. Unten am Fluss von Richard Adams (Kaninchen)
3. Die Hunde des schwarzen Todes von Richard Adams (Hunde)
4. Ein Fall für Mrs. Murphy von Rita Mae Brown (Katzen, Hunde und Pferde)
5. Die Mäuse von Deptford von Robin Jarvis (Mäuse)
6. Hermux Tantamoq von Michael Hoeye (Mäuse)
7. Traumjäger und Goldpfote von Tad Williams (Katzen)
8. Im Reich der Mäuse von Garry D. Kilworth (Mäuse)
9. Chroniken der Weltensucher von Thomas Thiemeyer (Kiwi)
10. Farm der Tiere von George Orwell (Schweine u.a. Farmtiere)

... zack, fertig ;D

Das Thema für Donnerstag, den 27.10.2011 heißt:
Eure 10 letzten Neuzugänge

Da ich meine Neuzugänge regelmäßig einmal pro Woche beichte, setze ich nächsten Donnerstag wahrscheinlich aus.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

[COOL-TOUR-KATZE] Buchmesse in Frankfurt 2011 - Mein Sonntag auf der Messe

Nach vier Tagen Messe war ich übervoll von gesammelten Eindrücken und fußtechnisch dermaßen im Eimer, dass ich keinen einzigen der Programmpunkte, die ich eigentlich auf meinem Plan hatte, wahrgenommen habe. Statt dessen kauften wir einiges an Noon-Books wie Lesezeichen, Buchhüllen und diversen anderen Schnickschnack und sammelten einige letzte Eindrücke, bevor wir der Buchmesse für dieses Jahr den Rücken kehrten.

Messe, quo vadis? Die Messe im Zeichen der technischen Neuerungen mit Twitterwall im Open Space...




... und Leseproben für ebookreader und Co. Was meint ihr, wie lange noch mehr gedruckte Bücher als welche in elektronischer Form verkauft werden?


Nachdem ich wenigstens einen Blick in das Open Space geworfen hatte, nutze ich die letzten Stunden auf der Messe um auf dem Freigelände...


... Fotos von den Cosplayern zu machen.









Und obwohl ich 5 Tage am Messegeschehen teilgenommen habe und viele Eindrücke sammeln konnte, habe ich das Gefühl unheimlich viel verpasst und nicht gesehen zu haben. Aber nach der Messe ist vor der Messe und deshalb bin ich im nächsten Jahr vom 10. bis 14 Oktober 2012 mit dem Ehrengast Neuseeland auf jeden Fall wieder dabei ;)