Freitag, 30. Dezember 2011

[REZENSION] Lembcke, Marjaleena - Die Füchse von Andorra (Hörspiel)

Marjaleena Lembcke
Die Füchse von Andorra
gesprochen von Alexandra Henkel, Judith Engel, Ulrich Noethen, Inga Busch u.a.
Verlag: DAV
Länge: Hörspiel, 54 Minuten
ISBN-10: 3862310868
ISBN-13: 978-3862310869
empfohlenes Lesealter: 9-10 Jahre

Inhalt:
Sophie ist die Älteste von Vierlingen. Da sich nach den Ferien die Wege der Geschwister trennen, weil alle auf unterschiedliche Schulen gehen, sehnt sie sich sehr nach einer Freundin. Das soll die mutige Alice sein, die nach den Ferien tatsächlich auf das gleiche Gymnasium geht wie Sophie. Nach sehr kurzer Zeit steht die Freundschaft jedoch schon wieder vor dem Aus. Sophies Mutter ist immer häufiger traurig und auch Alice muss schwere Zeiten in ihrer Familie durchstehen. Da sich keine der beiden traut über ihre Probleme zu reden, gehen sie sich aus dem Weg und schon bald droht die Freundschaft an Missverständnissen zu zerbrechen.

Eigene Meinung:
Obwohl Millionen von Deutschen an Depressionen leiden, traut sich dennoch kaum jemand über dieses Thema zu sprechen. Im Gegensatz zu äußeren Krankheiten versucht man eine Depression zu vertuschen oder zu überspielen. Da andere Personen die Krankheit nicht sehen können, versucht man sich selbst zu beschwichtigen, dass schon alles nicht so schlimm ist und vor allem versucht man es seinen Kindern gegenüber zu verschweigen. Von außen betrachtet ist Sophies Großfamilie eine glückliche Familie, aber nachdem man die Nase hineingesteckt hat, kommt nach und nach ans Licht, dass Sophies Mutter unter Stimmungsschwankungen leidet und nach einem gemeinsamen Urlaub, der eigentlich zur Erholung und Entspannung dienen sollte, spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu, Sophies Mutter verliert immer mehr ihre Antriebskraft und die Lust an Unternehmungen, dass sie zu guter Letzt endlich gemeinsam mit ihrem Mann mit ihren Kinder über die Krankheit redet und Hilfe in einer Klinik sucht.
Marjaleena Lembcke widmet sich dem Tabuthema "Depression" sehr gefühlvoll und setzt es in einer Art um, die es schafft, es sowohl betroffenen Kindern als auch deren Eltern näherzubringen. "Die Füchse von Andorra" zeigen, wie wichtig gerade in schwierigen Zeiten Freundschaften und Familie sind und dass es kein Anzeichen von Schwäche ist, wenn man um Hilfe ersucht, wenn man sich selbst nicht mehr helfen kann.
Auch der Titel macht die Krankheit viel greifbarer. Depression kann man nicht sehen, nur fühlen, und auch mit dem Namen wird ein Kind nicht so viel anfangen können wie mit einem Beinbruch oder einem Blinddarm. Die Autorin visualisiert die Depression und gibt ihr als Namen eine Metapher, die bei den Kindern durch einen Verhörer als "Die Füchse von Andorra" ankommt. Ob und wie "Die Füchse von Andorra" ihrer Mutter aus der Depression helfen können, erzählt ihre Geschichte.
Die Sprecher füllen allesamt sehr gut ihre Rollen aus, die Charaktere sind vielschichtig und mit Leben gefüllt. Judith Engel verkörpert sehr glaubhaft die Stimmungsschwankungen und die steigende Lustlosigkeit von Mutter Marlene, auch Ulrich Noethen nimmt man den schwierigen Part des einerseits lebensfrohen Menschen und andererseits besorgten Ehemann und Familienvater voll ab. Auch die anderen Rollen sind perfekt besetzt und machen die Produktion zu einem herzerwärmenden Hörgenuss, der hoffentlich noch sehr viele Hörer finden wird.
Untermalt wird Marjaleena Lembckes Geschichte mit Musik von Daniel Roth, die die Gefühle, die die Geschichte beim Hören hervorruft noch verstärkt, die Klänge sind mal leichtfüßig, mal schwer, und greifen so die verschiedenen Stimmungen der Handlung auf und fügen sich wunderbar in den Gesamtablauf des Hörspiels ein.

Fazit:
Eine wichtige Geschichte, und trotz aller Traurigkeit auch eine hoffnungsspendende Geschichte, die das Tabuthema "Depression" in kindgerechter Form aufarbeitet und umsetzt und sicher vielen Familien eine Hilfe sein kann, wie man dieses Thema zuhause ansprechen kann. Sehr empfehlenswert sowohl für jugendliche als auch erwachsene Hörer und Leser!

Kommentare:

  1. Stimmt, so direkt wird über Depressionen selten gesprochen. Aber mir ist aufgefallen, dass es sehr viele "Mutterfiguren" in Büchern und Filmen gibt, die genau so angelegt sind. Auch wenn nie klar ausgesprochen wird, dass das Problem eine Depression ist - wenn überhaupt, dann heißt es nur, dass die Figur "traurig" ist oder eben, dass sie "Probleme" hat/hatte ...

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  2. Mir fällt auch kein weiteres Buch ein, wo die betreffende Person dann auch wirklich zur Behandlung in eine Klinik geht. Bei "Rico und Oskar" gibt es zwar eine Nachbarin, die unter "dem grauen Gefühl" leidet (Rico gibt ja generell Fremdwörtern andere und anschaulichere Namen), aber von einer Behandlung ist dort nie die Rede, obwohl Andreas Steinhöfel ansonsten die Depression sehr gut erklärt in der Geschichte.

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  3. Stimmt, ein Klinikaufenthalt ist nur sehr selten Thema - und wenn, dann nur als Begründung, warum ein Kind weggeschickt wird oder warum die Eltern verreisen, während das Kind daheim von einer relativ fremden Person betreut wird.

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