Sonntag, 30. Oktober 2011

[REZENSION] Endres, Brigitte - Der letzte Werwolf

Brigitte Endres
Der letzte Werwolf
Verlag: Kerle
260 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3451710692
ISBN-13: 978-3451710698
empfohlenes Lesealter: 10-13 Jahre

Inhalt:
In der Heimatstadt der beiden Geschwister Valentina und Phil erzählt man sich eine uralte Sage, dass in den Johannisnächten manchmal eine schwarz gekleidete Frau mit einem großen weißen Hund an ihrer Seite erscheint. Der Sage nach soll es sich bei dieser Frau um Amalia von Treuenstein handeln, deren Tod unter mysteriösen Umständen eintrat und deren Gebeine, statt wie die aller anderen von Treuensteins in der Stadtkirche, in einem kleinen Säulenbau auf einem Hügel nahe der Stadt ruhen. Als Valentina und Phil eines Abends Herrn Bozzi - den Hund ihrer Großmutter - ausführen, verschwindet dieser plötzlich in einem Loch und gerät in das Grabmal. In der Gruft steht ein weißer Sarkophag, auf dem die lebensgroße Marmorskulptur eines Hundes ruht. Als Valentina die in die Grabplatte eingemeißelte Inschrift übersetzt und laut vorliest, verwandelt sich der Marmor plötzlich in einen leibhaftigen Hund. Die Kinder nehmen den Hund mit nach Hause, um am nächsten Tag einer noch größeren und unglaublicheren Überraschung gegenüber zu stehen: der Hund ist verschwunden und ein Junge namens Dorian hat seinen Platz eingenommen, der die Hilfe der beiden Geschwister braucht, um einen jahrhundertealten Fluch zu brechen, der auf ihm und seiner Familie liegt.

Eigene Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte erfolgt in Balladenform, um die längere Vorgeschichte anzudeuten, wie der Fluch auf die Dorians Familie gefallen ist, da die eigentliche Geschichte in der Jetztzeit spielt. Durch diesen Einstieg beschwört Brigitte Endres gleich zu Beginn ein altertümliches Flair auf, dass während der Geschichte weiterhin durchgehend von Dorian verkörpert wird, der sich mit seiner altmodischen Sprache, und seiner ausgesuchten Höflichkeit, aber auch durch einen gewissen Snobismus so völlig von Valentina und Phil unterscheidet. Seine Art macht es für Valentina und Phil nicht gerade einfach seine Anwesenheit gegenüber ihrer Großmutter Isolde zu erklären und sorgt zudem häufig für Lacher, nicht nur durch seine unpassenden und veralteten Redewendungen und weil er hochtrabend von sich in der dritten Person spricht, sondern vor allen Dingen durch sein Verhalten gegenüber der Großmutter, die von dem "Austauschschüler" genau wie von ihren Enkeln Mithilfe im Haushalt erwartet, und nicht immer weiß, wie sie auf Dorians Entgegnungen reagieren soll. "Verzeihen Sie Ihrem untertänigsten Diener und legen Sie es ihm nicht zum Nachteile aus, wenn er ihrem Geheiße nicht zu folgen vermag. Indes gestattet es ihm sein Stand durchaus nicht, Verrichtungen, die allein den Domestiken vorbehalten sind, mit eigener Hand zu verüben."
Da die an sich schon recht kurzen Kapitel noch in Abschnitte hinterteilt sind in denen häufig Szenenwechsel vollzogen werden, kam mir der Erzählstil manchmal etwas abgehackt und kantig vor, ansonsten ist "Der letzte Werwolf" aber eine sehr schöne und kurzweilige Geschichte über wahre Freundschaft und erste Liebe, die ich sehr gerne an Mädchen, aber auch an Jungs, der entsprechenden Altersgruppe weiterempfehle, da es sich durch sowohl weibliche als auch männliche Hauptprotagonisten wunderbar für beide Gruppen eignet. Jungs müssen keine Panik schieben, dass sie wegen der zarten Anbandelei zwischen Valentina und Dorian das Buch angeekelt in die Ecke schleudern müssen - die Liebesgeschichte deutet sich fast ausschließlich in Dialogen und Andeutungen an und kommt meistens witzig daher, weil Phil sich natürlich bestens auf Kosten seiner Schwester amüsiert ;) Außerdem ist sie nur eine Facette einer sehr abwechslungsreichen Geschichte, das Ergründen von Dorians Familiengeheimnis steht im Vordergrund.
Der Handlungsfaden über den Familienfluch von Dorians Familie ist sehr stimmungs- und geheimnisvoll aufgebaut. Besonders gelungen ist der balladenförmige Prolog zu Beginn der Geschichte und die rätselhaften Personen, die im Laufe der Handlung auftauchen, und das Liliensymbol, dem die Kinder immer wieder begegnen, sorgen für einen andauernden Spannungsbogen.
Das Cover wirkt ein wenig trist, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, denn die Geschichte ist wirklich äußerst spannend und dazu noch witzig!

Fazit:
Ein Werwolfroman weit entfernt von den üblichen Klischees. Statt Kämpfen und Pathos stehen hier zielgruppengerecht eine jugendliche Sprache, Situationskomik und ein rätselhafter jahrhundertealter Fluch im Vordergrund, der in freundschaftlichem Zusammenhalt gemeinsam von den Protagonisten gelöst werden muss.

Kommentare:

  1. Etwas verspätet - aber ich muß einfach sagen, ich finde Deine neue Bewertung mit Fischen und Fischgräten klasse! Total süß :)

    Ach ja, und ich habe noch was für Dich: http://www.buchtastisch.de/awards ...der Best-Blog-Award :)

    GLG
    Monika

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  2. Richtig coole Wertungsfische!

    Das Cover finde ich wirklich schrecklich. Argh. :S Trotzdem schöne Rezi. :)

    Lg, Nazurka

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  3. Danke und danke :D
    Ich freue mich immer noch über Awards, aber mittlerweile bin ich dazu übergegangen sie meistens nur still und heimlich entgegenzunehmen ;)

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  4. @Nazurka Wenn ich nicht so viele positive Rezensionen zu dem Vorgängerroman von Brigitte Endres gelesen hätte (Das Vermächtnis der Feen), hätte mich das Cover so abgeschreckt, dass ich nie zu diesem Buch gegriffen hätte.

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  5. Ach, das ist doch kein Thema - ich habe die Awards ja auch schon auf eine Extra-Seite "verbannt", damit sie auf der Startseite nix zu spammen ;)

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Viele Grüße die Katze mit Buch und ihre Mitbewohner