Freitag, 22. Juli 2011

[REZENSION] Mittag, Susanne - Melina und die vergessene Magie

Susanne Mittag
Melina und die vergessene Magie

Verlag:Ueberreuter
238 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3800056127
ISBN-13: 978-3800056125
empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre

Inhalt:
Nach einem Umzug muss Melina sich einer neuen Klasse vorstellen. Da ihr liebstes Hobby neben dem Lesen das Ausdenken und Schreiben von Geschichten ist, wird Melina von der Klassenzicke schnell als Streberin und Lehrerliebling abgestempelt.
In der Pause gibt Zicke Lisa ihr die Chance sich mit einer Mutprobe zu beweisen, um in die Klassengemeinschaft aufgenommen zu werden. In Wirklichkeit ist das jedoch nur ein Vorwand, um Melina in den Keller der Schule einzusperren, in dem vor Jahren ein Mädchen spurlos verschwunden ist.
Melina ist außer sich vor Angst und durch ihre große Vorstellungskraft erscheint ihr der dunkle Raum, in dem sie eingesperrt ist, noch schrecklicher und unheimlicher. Unsicher tastet sie sich durch die Dunkelheit als plötzlich ein rechteckiges Licht mitten im Raum erscheint.
Durch dieses Licht gelangt Melina in das Land Lamunee, wo Krieg zwischen Eis- und Feuerzauberern herrscht. Eine dunkle Magiern will die Macht an sich reißen und Melina muss zuerst Lamunee befreien, bevor sie selbst in die Menschenwelt zurückkehren kann.

Eigene Meinung:
Obwohl die Autorin Susanne Mittag vor fantastischen Ideen nur so übersprudelt, konnte mich die Geschichte nicht überzeugen. Die Figuren - egal ob Bösewichte, Melina selbst, ihre Mitstreiter oder diverse Randfiguren - bleiben über die gesamte Geschichte flach und stereotyp. Da keiner der Charaktere wirklich vertieft wurde, konnte ich weder Antipathien noch Sympathien zu ihnen aufbauen. Ich habe zu keinem Zeitpunkt der Handlung mit Melina und ihren Freunden mitgelitten oder mitgefiebert, da viele Lösungen aus Zwangslagen einfach zu glatt und problemlos abliefen. Genau wie Melina innerhalb weniger Augenblicke eine Fluchtmöglichkeit aus ihrem Kellergefängnis zu Beginn der Geschichte vor die Nase gesetzt bekommt, so geht es im weiteren Verlauf ihres Abenteuers immer weiter. Bevor überhaupt ein Hauch von Spannung entstehen kann, sind brenzlige Situation schon ausgestanden. Susanne Mittag versucht zwar die Geschichte und das Rätsel um die vergessene Magie aus verschiedenen Blickpunkten auszuleuchten, in dem sie neben der Erzählperspektive aus Melinas Sicht einige Kapitel aus Sicht des Mädchens Lianna erzählt, die als Dienstbotin und Lehrmädchen auf Seiten der Bösen angestellt ist, aber mich hat dieses Stilmittel vielmehr aus dem Erzählfluss geworfen und leider das Gegenteil des erwünschten Effekts erzielt: statt das Geheimnis der Magie weiter zu schüren oder die Schachzüge der Bösen verdeckt zu halten, wurden einige Andeutungen zu viel in den Raum geworfen, so dass man sich schon vor dem Ende so manches über den Ausgang der Geschichte zusammenreimen konnte.
Nur einmal hat die Magie des Buches mein Herz erreichen können, als Melinas Begleiter in Lamunee ihr die Legende des Riesen Godor erzählt und von der Magie und der Kraft, die tief in jedem von uns steckt, in Lamunee jedoch vor langer Zeit verloren gegangen ist. 

Fazit:
Der Erzählstil und die Länge der einzelnen Kapitel sind perfekt auf das empfohlene Lesealter zugeschnitten. Junge Leser und Leserinnen, die gerne fantasievolle Geschichten mögen, werden an "Melina und die vergessene Magie" sicher ihren Spaß haben. Allerdings ist Melinas Abenteuer zwar schnell gelesen, aber auf Grund der fehlenden Charaktertiefe der handelnden Figuren auch schnell vergessen, was mir persönlich sehr leid tut, da in den wunderschönen Ideen der Autorin Potential für eine wirklich mitreissende und zauberhafte Geschichte gesteckt hätte. Mit einem größeren Umfang zugunsten der Ausarbeitung einzelner Charaktere hätte sich die Geschichte in mein Herz stehlen können, so bleibe ich seltsam unberührt zurück.

Aufmachung des Buches:
Die Titel der recht kurzen Kapitel sind in der gleichen verschnörkelten Schrift ausgeführt wie Cover und Autorenname auf dem Cover des Buches. Die comicartige Szenerie ist in Lilatönen gehalten und spricht damit wohl in erster Linie Mädchen an, denen ich das Buch u.a. wegen der weiblichen Hauptfigur auch in erster Linie empfehlen würde.

Kommentare:

  1. Kann es sein, dass es öfter bei Kinderbüchern so ist, dass die Charaktere eher stereotyp sind? Für Kinder mag das okay sein, aber für erwachsene Leser ist das halt zu bekannt.

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  2. Ich versuche in der Regel soweit möglich ein Kinderbuch auch aus Kinderaugen zu sehen, aber in dem Fall waren die Charaktere einfach enttäuschend. Ich konnte bei dem Buch nicht lachen, nicht vor Spannung bibbern... einfach gar nichts! Stereotype Charaktere wären ja soweit ok gewesen, wenn wenigstens ein Fünkchen Leben in ihnen gesteckt hätte!

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  3. Ich kann dir nur zustimmen! Es gibt so viele Kinderbücher mit klischeebehafteten Charakteren, bei denen man trotzdem aufgrund der Erzählweise mitfiebern kann, aber das ist hier eindeutig nicht der Fall. Für Kinder ist es bestimmt ein nettes Buch, aber eben leider nicht mehr als nett, dabei hätte es soviel Potenzial gehabt!

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  4. Und wir wissen ja, wessen kleine Schwester "Nett" ist ;)
    Es gibt ja auch Erwachsenenbücher mit stereotypen Charakteren (z.B. Thriller), teilweise kann das als bewusst eingesetztes Stilmittel interessant und durchaus ein Pluspunkt für ein Buch sein!

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  5. Ja, und ob stereotype Charaktere interessant sein können - manchmal muss sich der Autor nur etwas trauen (gerade bei Jugend- und Kinderbüchern) und einen passenden Erzählstil finden. :)

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