Sonntag, 30. Mai 2010

[REZENSION] Simsa, Marko / Eisenburger, Doris - Kinderszenen: Das musikalische Bilderbuch mit Begleit-CD

Marko Simsa (Autor), Doris Eisenburger (Illustrator), Robert Schumann (Musik)
Kinderszenen: Eine Geschichte zur Musik von Robert Schumann

Verlag: Annette Betz
29 Seiten, Hardcover, mit Begleit-CD
ISBN-10: 3219114318
ISBN-13: 978-3219114317
empfohlenes Alter: 5-7 Jahre

Leo und Luise laden zu einer fantastischen Reise ein. Die Kinderszenen werden von Robert Schumanns gleichnamigen Klavierwerk begleitet, mit zusätzlichen Erklärungen gesprochen von Marko Simsa.
Herzlich willkommen und hereinspaziert zu Leos und Luises zauberhaftem Musikspektakel!
Heute auf dem Programm:
Kinderszenen,
ein Klavierwerk von Robert Schumann.
Lehnt euch zurück, lauscht der Musik und genießt die Aufführung...
So willkommen geheißen, werden die kleinen Leser entführt in wundersame Länder und fantasievolle Szenarien, untermalt von Robert Schumanns Musik und den wundervollen Illustrationen von Doris Eisenburger.
Die Reise führt unter anderem in den weiten Himmel als Passagier eines Heißluftballons, in den afrikanischen Dschungel oder aufs Meer an Bord eines Piratenschiffes. Etwas düster oder "Fast zu ernst", wie die Episode betitelt ist, wird es gegen Ende des Buches, wenn Leos Steckenpferd zu Grabe getragen werden muss, weil es beim Ritt über die Felder entzweigebrochen ist, aber auch hier gibt es liebevolle und heitere Details zu entdecken, wie eine verschmuste schnurrende Katze, auch wenn der Grundton dieser Kinderszene sehr traurig ist. Überhaupt ist jedes Szenario in diesem Buch detailverliebt und verspielt. Auf der bunten Blumenwiese spielt am Rand ein kleiner Heuschreck am Klavier, weit ab vom Kamin, im Schatten des Unterholzes, sitzt eine pfeifenrauchende Raupe auf einem Pilz - ganz so wie wir es aus dem Klassiker Alice im Wunderland kennen, und auf der wilden Gespensterparty beleuchtet eine Motte dem klavierspielenden Skelett mit einer kleinen Lampe die Noten.
Wenn alle Kinderszenen erzählt sind, bietet das Buch noch etwas Weiteres für seine Leser: Zwei der Stücke werden auf der beiliegenden CD genauer erklärt. Man kann hören, wie Schumann diese Stücke aufgebaut hat. An Hand von "Haschemann" und "Kind im Einschlummern" wird erläutert, welche Noten mit der linken Hand und welche mit der rechten Hand gespielt werden, und wie es kommt, dass letztlich alles so gut zusammen klingt!
Auf der hinteren Vorsatzseite ist der Inhalt der CD abgedruckt, die Gesamtspielzeit beträgt ca. 40 Minuten.
Ein musikalisches Bilderbuch, dass in seiner Gesamtkomposition von Text, stimmungsvollen Illustrationen und der Begleit-CD zu überzeugen weiß! Der Annette Betz Verlag bietet noch weitere Veröffentlichungen in der Reihe "Das musikalische Bilderbuch" an, wie z.B. "Die Moldau", "Schwanensee" oder "Die Zauberflöte", die ebenfalls alle von dem Duo Simsa/Eisenburger stammen.
"Kinderszenen" ist sehr empfehlenswert und weckt die Lust auf weitere Bücher dieser Art!

Samstag, 29. Mai 2010

[REZENSION] Thiemeyer, Thomas - Chroniken der Weltensucher 1: Die Stadt der Regenfresser

Thomas Thiemeyer
Chroniken der Weltensucher 1: Die Stadt der Regenfresser

Verlag: Loewe
447 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3785565747
ISBN-13: 978-3785565742
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre
Alexander von Humboldt war einer der bedeutendsten Naturforscher des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. Seine Reisen führten ihn weit über Europa hinaus nach Zentralasien, Lateinamerika und in die USA.
Er starb im Jahr 1865, ohne Nachkommen zu hinterlassen.
Der in diesem Roman vorkommende Carl Friedrich von Humboldt ist eine reine Erfindung des Autors.
Inhalt:
Oskar ist ein Taschendieb im Berlin des Jahres 1893. Eines Tages bestiehlt er den Naturforscher Carl Friedrich Donhauser, der sich selbst Humboldt nennt, und damit startet für Oskar ein unglaubliches Abenteuer, wie er es bislang nur aus seinen geliebten Büchern kannte. Oskar hat eine Schwäche für spannende Erzählungen und Abenteuer in fremden Ländern. Mit Karl May war er im wilden Kurdistan und mit Jules Verne 20 000 Meilen unter dem Meer und nun führt ihn seine Reise ins ferne Südamerika, an der Seite von Carl Friedrich Donhauser, seiner Nichte Charlotte, seiner Haushälterin Eliza und dem Kiwi Wilma.
In den Anden hat eine uralte Kultur überlebt. 3000 Meter über dem Meeresspiegel existiert ein vergessenes Volk, das als die Regenfresser bekannt sind, bedroht von einer unheimlichen Macht. Die Forschungsreisenden machen nicht nur die Entdeckung einer bahnbrechenden Erfindung der Regenfresser, sondern sie schließen Freundschaften und erleben haarsträubende Abenteuer beim Kampf gegen die Unterirdischen...

Eigene Meinung:
Thomas Thiemeyer hat mich beim Lesen in ein Reich der Abenteuer entführt, dass mich an Arthur Conan Doyles "Die vergessene Welt" und Jules Vernes "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" erinnert hat. Dieser Autor darf sich mit seinen fantastischen Ideen und der herrlich altmodischen Sprache in die Reihe dieser Klassiker einreihen, ohne dass es vermessen wirkt. Genauso gerne darf er sich zu meinem Lieblingsautoren Kenneth Oppel gesellen, der für mich schon lange aus der Masse der Autoren der fantastischen Literatur heraus sticht mit seinen außergewöhnlichen Handlungsschauplätzen und ungewöhnlichen Ideen. Für mich ist die "Chronik der Weltensucher" und damit der Autor Thomas Thiemeyer auf jeden Fall eine literarische Entdeckung und ich freue mich darauf, dass ich schon bald in das zweite Abenteuer der Forscher "Der Palast des Poseidon" eintauchen kann, das ein wahres Untermeeresabenteuer à la "20 000 Meilen unter dem Meer" verspricht.
Das Buch ist in der dritten Person geschrieben, da die Handlung abwechselnd von der Gruppe um den Naturforscher Carl Friedrich Donhauser und einem Verfolgertrupp berichtet. Man kann der Handlung aber jederzeit ohne Probleme folgen, da die Wechsel nicht abrupt kommen und Zeitsprünge immer offensichtlich am Kapitelanfang vermerkt sind.
Die "Chroniken der Weltensucher" sind fraglos ein großer Spaß für Jugendliche, aber sprachlich anspruchsvoll und naturwissenschaftlich sehr gut recherchiert, so dass sie unbedingt auch für Erwachsene eine Entdeckung wert sind.

Aufmachung des Buches:
Ein Hardcover mit Schutzumschlag, Leseband, Prägung und Spotlack, dass durch das vom Autor selbst stammende wunderschöne Coverdesign sofort ins Auge fällt! Aber auch unter dem Schutzumschlag verbirgt sich ein wahrer Schatz: im dunkelblauen Leinen ist ein silbernes Emblem eingeprägt, das ein Coverdetail des Umschlags aufgreift. Auf den vorderen und hinteren Vorsatzseiten ist die Windkarte der Erde in pastelligen Farben dargestellt, auf der man den Spuren Oskars und seinen Mitforschenden folgen kann. Überschriften, Kapitelnummerierung und die ersten Buchstaben der Kapitel sind in einer altmodisch anmutenden Schriftart gewählt. Perfekt wird die Gesamtgestaltung durch das angehängte Glossar "Encyclopedia Humboldtica", in dem wissenswerte Details erklärt werden, die in der Geschichte Erwähnung finden.

Fazit:
Thomas Thiemeyer ist der Jules Verne des 21. Jahrhunderts!

Freitag, 28. Mai 2010

[REZENSION] Meister, Derek - Das Licht, das tötet 2: Ghostfighter

Derek Meister
Das Licht, das tötet 2: Ghostfighter

Verlag: Loewe
436 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3785562632
ISBN-13: 978-3785562635
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre

Seelen in Flammen - Zeit in Unruh
Inhalt:
An der Seite seines besten Freundes Bpm, macht sich Ian auf den Weg nach New York - auf der Suche nach seinem verschollenen Großvater, um dem Geheimnis der tötenden Lichtwesen auf die Spur zu kommen.
Es sollte ihr gemeinsamer Sommer werden, gerade erst haben die beiden Blutsbrüderschaft geschlossen, aber ihre Freundschaft wird bei der Jagd auf die Geisterwesen einer schweren Prüfung unterzogen. Das Ganze ist kein Spiel, sondern eine lebensbedrohende Mission und Bpm setzt durch seinen Leichtsinn und seine Abenteuerlust Ian und seinen Großvater einer großen Gefahr aus.

Eigene Meinung:
In "Ghostfighter" baute sich der Spannungsbogen langsamer auf als im Auftakt der Trilogie "Ghosthunter", was vielleicht an den wesentlich detaillierter ausgeführten physikalischen Bezügen dieser Geschichte lag. Nichts desto trotz hat mich auch dieses Buch wieder in seiner Gesamtheit überzeugen können. Genau wie in Teil eins versteht es Derek Meister geschickt die verschiedenen Handlungsstränge zu einem homogen Handlungsablauf zu verstricken. Der Leser trifft auf die Personen, die er bereits in "Ghosthunter" kennengelernt hat: Ian und Bpm, die Kopfgeldjäger Zachary und Tan, die junge Japanerin Chiyo und Alva und Daniel in der Antarktis. Neu dabei auf der Jagd nach den todbringenden Geisterwesen sind Ians Großvater Harvey und der geheimnisvolle Auftragsgeber von Zachary und Tan: Brian Cox. Er ist der Enkel von Sofia Cox, die am "Philadelphia Experiment" teilgenommen hatte, genau wie Chiyos Großmutter und Ians Großvater Harvey. Die Ursprünge des Geistergeheimnisses liegen in der Vergangenheit, denn seit dem außer Kontrolle geratenen Experiment kann Harvey diese sehen.
Die Figur des Brian Cox hat auf mich irgendwie unheimlich gewirkt. Er scheint dank seiner Großmutter mehr über die Geisterwesen zu wissen und verfolgt eigennützige Ziele, die mit unerwarteten Todesfällen in seiner Familie zu tun haben. Dieser neue Aspekt hat sehr rätselhaft und fantastisch angemutet, ich bin gespannt, wie sich diese Facette im dritten Band "Ghostmaster" weiterentwickeln wird.
Diesmal spielen sich große Teile der Handlung in der Vergangenheit ab, da Ian und Bpm nun die Geschichte der Geisterwesen und die Geheimnisse um das Philadelphia Experiment direkt aus dem Munde eines Beteiligten erfahren: Ians Großvater.
Derek Meister schafft es wieder auf der gesamten Länge des Buches jeden einzelnen seiner Akteure überzeugend und lebendig darzustellen, seine Charaktere sind einnehmend, und so habe ich alle Handlungsstränge fasziniert verfolgt, egal, ob mir die jeweiligen Personen sympathisch oder unsympathisch waren. Diese Vielschichtigkeit der Figuren weiß zu begeistern!
Wieder verführt Meister seine Leser mit einer fabulösen Verschmelzung von Elementen aus dem Bereichen Science Fiction und Thriller mit historischen Fakten. Seine Geschichte spielt quer über den ganzen Erdball und der Autor bringt die Akteure durch moderne Kommunikationsmittel miteinander in Verbindung. Langsam werden dem Leser die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Personen klar und Licht dringt in das Geheimnis um die Geisterwesen, wobei das Zusammentreffen aller Beteiligten immer noch aussteht.
Derek Meister lässt seine faszinierten Leser ein zweites Mal mit einem mörderischen Cliffhanger und ungeduldig wartend auf den abschließenden Band "Ghostmaster" zurück...

Reihen-Info:
Ghostfighter
Ghostmaster (Februar 2011)

Sonntag, 23. Mai 2010

[REZENSION] Collins, Suzanne - Die Tribute von Panem 2: Gefährliche Liebe

Suzanne Collins
Die Tribute von Panem 2: Gefährliche Liebe

Verlag: Oetinger
400 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3789132195
ISBN-13: 978-3789132193
empfohlenes Lesealter: 14-15 Jahre

Inhalt:
Katniss und Peeta haben die 74sten Hungerspiele überlebt. Zurück in ihrem Heimatdistrikt 12 bekommt jeder der beiden ein eigenes Haus gestellt und ihre Familien müssen keinen Hunger mehr leiden. Doch der scheinbare Frieden ist nur von kurzer Dauer. Katniss wird vom Kapitol gezwungen weiterhin mit ihrer angeblichen Liebe zu Peeta zu posieren, außerdem wird sie auf Schritt und Tritt überwacht, nicht einmal in den Wald kann sie mehr fliehen, ohne das der Feind es sieht.
Katniss und Peeta werden auf der Tour der Sieger durch die 12 Distrikte Augenzeugen von brutaler Gewalt und ersten Anzeichen einer drohenden Rebellion. Doch das ist längst nicht das Schlimmste, mit dem Katniss und Peeta konfrontiert werden. Der Präsident des Kapitols sieht nur einen sicheren Ausweg, Katniss aus dem Weg zu räumen und mit ihr das Symbol der Rebellen: zu den 75sten Hungerspielen, dem dritten Jubel-Jubiläum, müssen 24 ehemalige Tribute aus dem bestehenden Kreis der Sieger ein zweites Mal in die Arena, um die Aufständigen daran zu erinnern, dass nicht einmal die Stärksten unter ihnen die Macht des Kapitols überwinden können.

Eigene Meinung:
Wer dachte, dass Grauen aus dem ersten Teil "Tödliche Spiele" könnte nicht mehr überboten werden, irrt gewaltig! Entließ Suzanne Collins ihre Leser aus dem ersten Teil zwar nicht mit einem Happy End, aber doch immerhin mit der Gewissheit, dass Katniss und Peeta die Hungerspiele überlebt haben, so endet der zweite Band mit einem viel grausameren und ungewisseren Ende. Doch ich will nicht vorweg greifen.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert: "Der Funke", "Das Jubiläum" und "Der Feind". In "Der Funke" erzählt die Autorin von Katniss´ und Peetas Zeit in ihrem Heimatdistrikt und der Tour der Sieger, auf denen der erste Funke einer bevorstehenden Rebellion aufglimmt. "Das Jubiläum" offenbart die grausame Regel für das dritte Jubel-Jubiläum und berichtet von der Zeit im Vorbereitungscamp. Zu guter letzt geht es in "Der Feind" für Katniss und Peeta zum zweiten Mal in die verhasste Arena und in Mitten das blutige Gemetzel der tödlichen Spiele.
Mitnichten geht das Grauen erst im dritten Teil los, in dem Katniss und Peeta sich wieder in der Arena befinden. Bereits auf der Tour der Sieger geschehen Dinge, bei denen man das Buch am liebsten aus Trauer oder Wut in die Ecke feuern würde. Nur selten habe ich Bücher wie Suzanne Collins Reihe "Die Tribute von Panem" gelesen, die es schaffen solch große Emotionen beim Lesen hervorzurufen.
Wie bereits im ersten Teil "Tödliche Spiele" sehe ich auch dieses Buch wieder als sehr realitätsnah an mit vielen Bezügen zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. So kommt einem beim Lesen fast die Galle hoch, wenn Bewohner des Kapitols bei großen Feiern zwischen den einzelnen Gängen Brechmittel zu sich nehmen, um ihren Magen wieder leer zu bekommen, nur um sich weiter der Völlerei hingeben zu können, während in den Distrikten Menschen Hunger leiden oder sogar an Hunger sterben.
Emotionen werden besonders gut durch die Figur von Katniss vermittelt: ihre innere Zerrissenheit zwischen Gale, den sie seit ihrer frühestens Kindheit kennt, und Peeta, den sie erst richtig in der Arena kennen- und auch lieben gelernt hat. Ihre Anstrengungen, Peeta bei ihren zweiten Hungerspielen zu schützen und lebend dort herauszubekommen, ihre Unsicherheit, mit welchen Teilnehmern aus den anderen Distrikten sie ein Bündnis eingehen kann... Als Leser fühlt man die Unsicherheit am eigenen Leib und ist sich bis zum überraschenden Ende dieses Buches selbst nie sicher, welcher Seite Katniss Vertrauen schenken kann. Wer auf ihrer Seite steht oder wer ihren Tod will. Eindeutig schwarzweiß gemalt ist eigentlich nur Präsident Snow, er verkörpert zu 100% all die Dinge, die am Kapitol hassenswert sind!
Hat mich beim ersten Band vor allem die Szene von Rhues Tod zu Tränen gerührt, ist es dieses Mal ein Anschlag auf einen von Katniss´ wenigen Vertrauten, der vor allem deshalb so nervenaufreibend und erschütternd ist, da man auch am Ende der Geschichte nicht erfährt, was mit dieser Person passiert ist. Dazu kommt noch das ungewisse Schicksal einiger anderer Protagonisten am Schluss... Konnte man am Ende von "Tödliche Spiele" noch gewisse Hoffnungen auf einen positiven Ausgang hegen, so ist man am Ende des zweiten Bandes einfach nur verunsichert und verzweifelt.
Ich werde den abschließenden Band dieser Trilogie auf Englisch lesen MÜSSEN, auch auf die Gefahr hin, nicht jedes Detail zu verstehen, aber ich kann unmöglich auf den dritten Teil in deutscher Übersetzung warten.

Fazit:
Die "Die Tribute von Panem" Reihe der Autorin Suzanne Collins hat das Zeug zu einem modernen Klassiker. Spätestens, wenn diese Bücher verfilmt werden sollten, wird es kaum noch jemanden geben, der nicht wenigstens von diesen Büchern gehört haben wird.
Lesen!

Reihen-Info:
Gefährliche Liebe
Flammender Zorn (Januar 2011)

[REZENSION] Riddell, Chris - Herr Untermbett

Chris Riddell
Herr Untermbett

Verlag: Gerstenberg
32 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3836952742
ISBN-13: 978-3836952743
empfohlenes Lesealter: 4-5 Jahre

Als Tim gerade dabei ist einzuschlafen, kommt unter dem Bett plötzlich ein großer quitschbabyblauer behaarter Mann zum Vorschein und fragt Tim höflich, ob er eine Nacht mit in dessen kuscheligen warmen Bett schlafen kann. Tim hat nichts dagegen, aber da ahnt er auch noch nicht, dass Herr Untermbett nicht sein einziger Übernachtungsgast bleiben wird. Aus der obersten Kommodenschublade erscheinen Knitterich und Knüllerich, im Schrank steckt Pit Schama, der Kleiderschrank-Hund, und so geht es immer weiter... In Tims Zimmer tauchen überall neue Gestalten auf, die bei ihm übernachten wollen, bis sein Bett so voll ist, dass er sich müde auf dem Boden zusammenrollt, wo ihn seine Mutter am nächsten Morgen schlafend vorfindet.

Zuerst hatte ich Bedenken, ob meine Tochter - noch keine 3 Jahre alt - es gruselig finden würde, wenn aus Möbeln und unter dem Bett eines kleinen Jungen fantastische Wesen auftauchen, aber meine Tochter findet dieses Buch so lustig, dass wir es uns bestimmt schon zehnmal angeguckt haben. Die außergewöhnlich fantasievollen Figuren, die in quietschenden Farben daherkommen, wie karikierte Tiere aussehen und dazu noch ungewöhnliche Namen tragen, passen für Kinder scheinbar in ihr Kuscheltierschema, so dass sie sie unglaublich lieb gewinnen und sich gerne anschauen. Ich musste meiner Tochter gar nicht zwingend den Text dieser Geschichte vorlesen, sie war vollkommen zufrieden damit, sich die einzelnen Tiere zu betrachten und freut sich am Ende der Geschichte jedesmal immens, wenn Tims Mutter kommt und mit ihrem Sohn kuschelt.

Das Buch ist großformatig und beinahe quadratisch. Die Bilder gehen teils über einzelne Seiten, teils über Doppelseiten. Der Text ist sehr groß geschrieben und beschränkt sich auf das Wesentliche. Ausrufe von Tim sind hervorgehoben durch ein etwas größeres und fetteres Schriftbild. Sämtliche fantastischen Wesen, die Tim in der Nacht besuchen, sieht man auf den vorderen und hinteren Vorsatzseiten nochmals in einer Übersicht abgebildet.

Aus eigener Erfahrung kann ich dieses Bilderbuch auch Eltern mit jüngeren Kindern als dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 4-5 Jahren ans Herz legen. Chris Riddells fantastische Bilderbücher sollten in keinem Kinderbuchregal fehlen!

Samstag, 22. Mai 2010

[REZENSION] Mead, Richelle - Dark Swan 1: Sturmtochter

Richelle Mead
Dark Swan 1: Sturmtochter

Verlag: Lyx
366 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 380258211X
ISBN-13: 978-3802582110
"Ähm... womit genau verdienen Sie eigentlich ihr Geld?"
"Ich führe einen Blog."
Ich wartete auf mehr, aber das war anscheinend alles. Irgendwie hatte ich den Verdacht, dass man mit so etwas sogar noch weniger verdiente als Tim. Na toll. Ein Blogger. Warum bilden sich eigentlich alle möglichen Trottel ein, dass die Welt unbedingt lesen wollte, was sie über irgendwas dachten... wenn man es denn Denken nennen konnte. Wenn ich mir bedeutungsloses Geschwafel anhören wollte, machte ich den Fernseher an. S.21
Vorneweg: "Dark Swan" ist KEIN Zweitaufguss der Erfolgsreihe "Vampire Academy" der Autorin Richelle Mead. "Dark Swan" ist völlig anders und ist nicht mal ansatzweise mit "Vampire Academy" vergleichbar.
Geisteraustreibung aus einem Turnschuh und paarungswillige Elfen, die durch Sex eine Prophezeiung erfüllen wollen - hört sich nach Quatsch an? Ist es auch ;) Wo "Vampire Academy" von einem düster-ernsten Grundton beherrscht wird, ist "Dark Swan" herrlich selbstironisch.

Eugenie Markham, Odile Dark Swan, ist Schamanin und bewegt sich bei ihren Aufträgen Geister auszutreiben und Seelen in die Unterwelt zu verbannen, zwischen unserer Welt und der Anderswelt. Dank eines besonderen Erbe ist sie mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestattet, die sie schon früh ihren Stiefvater haben überflügeln lassen, der sie zur Schamanin ausgebildet hat.
Dieses Erbe und eine dunkle Prophezeiung aus der Anderswelt führen dazu, dass Eugenie sich eines Tages nicht mehr vor Übergriffen aus der Anderswelt retten kann. Die Feinen - wie die Feen hier genannt werden - wollen aber nicht ihren Tod, sondern Sex, denn jeder will der Vater ihres erstgeborenen Kindes sein, dass eines Tages diese Prophezeiung erfüllen soll.

Das Buch lebt in erster Linie von seinen skurrilen Charakteren. Die Schamanin Eugenie - genannt Odile Dark Swan, nach dem schwarzen Schwan in Schwanensee, wegen der Gestalt, die ihr Geist in der Anderswelt annimmt - ist in ihrem Job eine knallharte Killerin. Zu Hause trägt sie Jogginganzüge, isst mit Vorliebe Milky Way und legt Puzzle. Sie teilt ihr Heim mit Tim, seines Zeichens WG-Mitbewohner, Hobby-Indianer und Mädchen für alles. Bei ihrem Job stehen ihr drei Geister zur Seite - Volusian, immer mürrisch und bissig, und sehr böse, Nandi, das Musterexemplar einer verlorenen Seele, und Finn, stets gut gelaunt und freiwillig an Eugenies Seite. In Liebesdingen konkurrieren der Kitsune Kiyo und der Feenkönig Dorian um die Gunst von Eugenie. Und da geht es an einigen Stellen im Buch wirklich heiß her... Richelle Mead ist allerdings eine Meisterin in der Vermittlung von Gefühlen, deswegen sind diese Bestandteile der Handlung nicht einfach nur pure Erotik, sondern offenbaren auch wiederum viel von den einzelnen teilhabenden Charakteren.

Eigentlich mag ich weder ständiges Pimpern in Büchern noch übermäßig viele Kampfszenen, aber Richelle Mead versteht es mit ihrem ironischen Schreibstil und den geschickt verstrickten Handlungsfäden und Intrigen den Leser zu fesseln. Die Figuren sind auch nicht derart gestrickt, dass sie wie räudige Hunde ständig und grundlos übereinander herfallen. Die Sexszenen sind oftmals die Konsequenz bestimmter Handlungsabfolgen oder beinhalten Details, die noch für den späteren Verlauf der Handlung wichtig sind. An mancher Stelle hätte ich mir den Schwerpunkt trotzdem noch mehr auf den Ausbau der Figuren gewünscht und dafür die eine oder andere Kampf- oder auch Sexszene weniger. Ich tendiere dazu, sonst irgendwann über solche Passagen wegzulesen.

Kommt man dem ersten Geheimnis um Eugenie noch recht schnell auf die Spur, da die Lösung bereits im Titel "Sturmtochter" (original: "Storm born") steckt, unternimmt die Handlung im späteren Verlauf eine Wendung, mit der ich nie gerechnet hätte und die mich deshalb sehr überrascht hat. Überhaupt klaren sich einige Zusammenhänge erst gegen Ende des ersten Bandes "Sturmtochter" auf und man versteht erst dann viele von den Beweggründen einzelner Figuren während der Geschichte für ihr Handeln und Tun.
Man ist quasi gezwungen die Serie weiter zu lesen, denn am Ende bleibt vieles offen.
Da ich "Sturmtochter" in erster Linie als Einleitung der Serie "Dark Swan" sehe und die Reihe um Eugenie alias Dark Swan in meinen Augen noch sehr viel Potential nach oben hat, vergebe ich erstmal nur 4 von 5 Sternen.

Weitere Infos:
Nach Vampire Academy und Dark Swan wird ab 2011 die Serie Succubus Blues der Autorin Richelle Mead bei Lyx neu aufgelegt.

Dienstag, 18. Mai 2010

[REZENSION] Pike, Aprilynne - Elfenkuss, Band 1

Aprilynne Pike
Elfenkuss, Band 1

Verlag: cbj
352 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3570138844
ISBN-13: 978-3570138847
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre

Inhalt:
Nachdem Laurel die letzten zehn Jahre in einer Kleinstadt zu Hause von ihrer Mutter unterrichtet wurde, geht sie nun im Alter von fünfzehn Jahren an eine Highschool in der etwas größeren Stadt Crescent City. Laurel hat eigenartige Gewohnheiten: sie ernährt sich ausschließlich von Sprite, Obst und Gemüse, geht selbst im Winter mit Tanktops und kurzen Hosen ins Freie und fühlt sich in Räumen eingesperrt. Als kleines Kind wurde sie vor dem Haus ihrer Adoptiveltern in einem Körbchen ausgesetzt, über ihre leiblichen Eltern hat man nie etwas in Erfahrung gebracht.
An der Highschool freundet sich Laurel mit David an. Er ist die einzige Person, der sie sich anvertraut, als ihr eines Tages auf dem Rücken ein merkwürdiger Knubbel wächst. Laurel und er machen eine ungewöhnliche und zunächst erschreckende Entdeckung. Bei den flügelartigen Gebilden, die Laurel aus dem Rücken wachsen, handelt es sich um eine Blüte - Laurel ist eine Pflanze, und damit nicht genug: sie ist eine Elfe!

Eigene Meinung:
"Elfenkuss" ist der erste Teil einer auf vier Bände ausgelegten Reihe und liest sich, in Hinsicht auf die sich überschlagenden Ereignisse gegen Ende des Buches, eher wie eine Einleitung zu der Sage rund um die Elfenwelt.
Bis auf Laurels seltsame Eigenheiten liest sich das Buch die ersten 50 Seiten wie ein normaler Highschool-Teeny-Roman, und selbst als die Wendung zum Fantastischen kommt, schreitet die Handlung zunächst noch recht gemächlich voran. Trotzdem fand ich das Buch keineswegs langweilig. Der Schreibstil der Autorin ist ausgesprochen flüssig und lässt die gelesenen Seiten des Buches nur so fliegen. Die Handlung, die anfangs als zarte Liebesgeschichte zwischen Laurel und David daherkommt, gewinnt an Tempo, als Laurel entdeckt, dass sie keineswegs die einzige ihrer Art ist. Im Wald in der Nähe ihres alten Zuhauses trifft sie auf den Elfen Tamani, der dort einer der Wächter des größten Geheimnisses der Elfenwelt ist. Obwohl Laurel David liebt, kann sie sich der Anziehungskraft von Tamani nicht entziehen. Das innere Zerwürfnis Laurels zwischen ihren Wurzeln in der Elfenwelt und ihrem nunmehr zehnjährigen Leben in der Menschenwelt ist gut dargestellt. Es wirkt keineswegs wie eine klassische Dreiecksbeziehung im Teenageralter, bei der sich ein Mädchen nicht über seine Gefühle im Klaren ist.
Die Autorin Aprilynne Pike vermag es auch, durchaus eine gewisse Ironie mit dieser Dreiecksbeziehung zwischen Laurel, Daniel und Tamani zu vermitteln. Ist die Beziehung zwischen Laurel und Daniel von klassischem Blümchensex geprägt, so kommt dem Synonym für eine zarte Liebesbeziehung beim Elfenvolk eine ganz andere Bedeutung zu. Zur Fortpflanzung wird bei den Elfen nämlich tatsächlich Blümchensex, sprich: bestäuben der weiblichen Blüte durch die männlichen Pollen, durchgeführt ;)
Die Charaktere von Laurel und David, und im späteren Verlauf der Handlung auch Tamani, stehen eindeutig im Vordergrund. Die Nebencharaktere wirken dagegen recht blass und bleiben im Hintergrund der Geschichte. Wobei mich das nicht weiter gestört hat, da die drei Hauptcharaktere die Handlung sehr gut alleine tragen.
Das Buch handelt aber mitnichten nur von Laurel, David, Tamani und deren Beziehungen zueinander. In der zweiten Hälfte des Buches wird das große Geheimnis der Elfenwelt durch weitere Wesen der Anderswelt bedroht und die Autorin baut einen Spannungsbogen auf, der eine Brücke zur Handlung des zweiten Bandes schlägt. Wer absolut keine Cliffhanger mag, oder die Geschichte nicht beiseite legen möchte, wenn sie gerade in Fahrt kommt, dem empfehle ich dringend auf den zweiten Band der Reihe zu warten, dessen Erscheinungstermin auf deutsch allerdings noch nicht feststeht.

Fazit:
Eine außergewöhnliche Neuinterpretation des Elfenmythos mit weiteren fantastischen Wesen in Nebenrollen. Die Bewohner der Anderswelt sind uns Menschen so ähnlich, dass sie sich unerkannt zwischen uns bewegen können. Ich fand diese Sichtweise faszinierend, auch wenn man sich erstmal an den Gedanken von menschenähnlichen Pflanzen gewöhnen muss.

Weitere Infos gibt es auf der Website der Autorin oder auf der Verlagsseite von cbj.

Donnerstag, 13. Mai 2010

[REZENSION] Ward, Rachel - Numbers 1: Den Tod im Blick

Rachel Ward
Numbers 1: Den Tod im Blick

Verlag: Chicken House
362 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 3551520070
ISBN-13: 978-3551520074
empfohlenes Lesealter: 14-15 Jahre
Augen, so heißt es, sind das Fenster zur Seele. Doch wenn Jem in fremde Augen blickt, sieht sie eine Zahl. Und die ist unauslöschlich. Denn die Zahl ist ein Datum. Der Tag, an dem ihr Gegenüber sterben wird.
Inhalt:
Jem hat eine furchtbare Gabe. Wenn sie einem Menschen in die Augen blickt, sieht sie das Datum seines Todes. Deshalb meidet sie Menschen und ist am liebsten allein. Bis zu dem Tag, an dem sie Spinne trifft. Die Freundschaft zu ihm macht sie beinahe glücklich. Eigentlich wollte sie sich gar nicht weiter mit ihm einlassen, denn sie sieht, dass er hat nur noch kurze Zeit zu leben hat. Als Spinne und sie eines Tages zum London Eye fahren, sieht Jem, dass alle Menschen um sie herum die gleiche Zahl haben - etwas Furchtbares muss hier und heute passieren! Jem und Spinne flüchten und kurz darauf fliegt das Riesenrad in die Luft. Jem und Spinne werden zu Gejagten von der Polizei, von Menschen und den Medien.

Eigene Meinung:
Rachel Wards Roman "Numbers" überzeugt vor allem durch seine realistischen Charaktere. Jem und Spinne sind normale Teenager, mit denen es das Leben nicht gut gemeint hat: Jems Mutter starb an einer Überdosis Drogen, seitdem wächst sie bei wechselnden Pflegeeltern auf. Spinne wurde von seiner Großmutter aufgezogen und finanziert sein Leben durch illegale Geschäfte wie Drogenhandel und Autodiebstahl. Jems großzügiger Umgang mit Schimpfwörtern, Spinnes nachlässiger Umgang mit seiner Körperpflege und das soziale Umfeld der beiden machen sie zu Anfang des Buches nicht zu Sympathieträgern.
Die Sprache des Buches ist authentisch jugendlich, vor allem in den Dialogen zwischen Jem und Spinne. Als Erwachsener kann einen die Umgangssprache mit ihrer Rotzigkeit und Ruppigkeit fast nerven. Man merkt dem Wortschatz der beiden an, aus welcher Gesellschaftsschicht sie stammen. Die Geschichte fängt spannend und durch Jems furchtbare Gabe auch sehr mysteriös an. Eine Gabe, die sie an den Rand der Gesellschaft drängt, weil sie den Umgang mit Menschen meidet. Jem hat insbesondere keinen Bezug zu Kindern, denn gerade bei ihnen findet sie es erschreckend die Zahlen lesen zu müssen - abgestempelt zum Tod bereits am Tag der Geburt . Neue Bekanntschaften werden bei Jem immer durch den ersten Augenkontakt bestimmt: frühes Todesdatum - ein Unfall, eine Krankheit? Oder die beruhigende Gewissheit, dass das Gegenüber noch ein langes Leben vor sich hat.
Bis Jem durch ihre kurze, aber intensive Freundschaft zu Spinne lernt, dass sie ihr Leben nicht von dem Wissen um die Todesdaten ihrer Mitmenschen bestimmen lassen darf und keine Schuld an deren Tod trägt, nur weil sie deren Zahl sehen kann. Jems positive Erfahrungen auf ihrer Flucht mit wahren Freundschaften und ihrer ersten Liebe bilden einen schönen Kontrast zu den Kernproblemen ihres "früheren" Lebens wie das Aufwachsen als Waisenkind und dem Drogenkonsum ihrer verstorbenen Mutter. Es ist ein langer Weg für Jem, bis sie lernt sich ihren Mitmenschen für Freundschaften und Liebe zu öffnen.
Stellenweise fand ich die Handlung etwas langatmig, weil fast nur von der Flucht Jems und Spinnes vor ihren Verfolgern erzählt wurde, trotzdem hatte ich das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen, weil die Sprache sehr einfach gehalten ist und der Stil flüssig. Durch die direkte Erzählperspektive aus Jems Sicht wird überdies ein richtiger Sog auf den Leser ausgeübt. Außerdem wollte ich unbedingt wissen, ob Spinnes Todesdatum entgegen allen Vernunftdenken doch abgewendet werden kann oder mit welchen überraschenden Wendungen die Autorin sonst aufwartet. Der Schluss, mit dem ich so nicht gerechnet hätte, hat das Buch dann für mich trotz einiger Längen noch zu einem überraschenden Lesegenuss werden lassen, dem ich ansonsten vielleicht nur eine durchschnittliche 3-Sterne-Bewertung gegeben hätte. Mehr kann ich dazu leider nicht verraten, denn dieses unerwartete Ende ist DER Knaller, ein Überraschungsmoment, den man nur ein einziges Mal erleben kann!

Fazit:
Sprachlich zielt dieses Buch eindeutig auf das empfohlene Lesealter ab. Dennoch ein kurzweiliger Lesegenuss, mit einer außergewöhnlichen Thematik, zwei Antihelden und einer ungewöhnlichen Auflösung am Ende! Bis auf den fantastischen Hintergrund von Jems "Fluch" ist "Numbers" ein sehr realitätsbezogener Jugendroman.

Im Juni 2010 erscheint auf Englisch die Fortsetzung "Numbers - The Chaos". Die Entdeckung hat mich überrascht, da sich "Numbers - Den Tod im Blick" sehr gut eigenständig lesen lässt, wobei der Schluss durchaus Stoff für eine Fortsetzung bietet.

Dienstag, 11. Mai 2010

[REZENSION] Jones, David - Wild

David Jones
Wild

Verlag: Chicken House
203 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3551520062
ISBN-13: 978-3551520067
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre
Er befand sich am äußeren Rand der Gruppe. Wenn der Leopard oder sonst irgendein Raubtier vorbeischaute, um sich einen Pavian zu holen, dann hätte Gerry ebenso gut einen Sticker "Heute im Angebot" auf der Stirn kleben haben können.
Inhalt:
Gerrys Eltern sind Tierforscher. Auf einem Flug von der Stadt zurück in ihr Camp fallen die Triebwerke ihres alten Propellerflugzeugs aus und sie stürzen irgendwo in der afrikanischen Steppe ab.
Gerry hat nach der Bruchlandung einen merkwürdigen Traum. "Der Rat der Paviane" versammelt sich um ihn und eine augenlose Maske stülpt sich über sein Gesicht. Als er kurz darauf sein Bewusstsein wieder erlangt, steckt er im Körper eines Pavians. Das kann doch nur ein Albtraum sein! Aber sowohl sein neuer Körper als auch die Gruppe von Pavianen, die sich als die Paviangruppe herausstellt, an denen seine Eltern Feldforschung betreibt, sind erschreckend real! Warum ist er in einem Affenkörper gefangen und warum hat er immer noch sein menschliches Bewusstsein? Was ist mit seinem alten Körper? Um das herauszufinden kehrt Gerry zur Absturzstelle zurück. Er versucht sich mit seinen Eltern in Verbindung zu setzen. Nur wie soll das funktionieren, wenn er nicht sprechen kann und langsam aber sicher seine menschlichen Sinne verliert? Gerry kann nur herausfinden, dass sein alter Körper zwar ohne Bewusstsein, aber nicht tot ist. Damit steht Gerry vor einem neuen Rätsel, denn seine Vermutung, dass er durch Wiedergeburt in den Körper eines Pavians gelangt ist, löst sich damit in Luft auf.
Gerry muss sich der Paviangruppe anschließen und sich an deren Regeln halten, denn alleine hat er in der Wildnis keine Chance zu überleben.

Eigene Meinung:
Im Laufe des Romans lernt man viel über die soziale Struktur innerhalb einer Paviangruppe: ihr Verhalten untereinander, die Rangordnung, ihre Nahrungssuche und ihr Verhalten gegenüber Jägern und Beutetieren. Die afrikanische Steppe ist so anschaulich beschrieben, dass man sich mitten unter die Tiere versetzt fühlt.
In diesem kurzen Roman bekommt man während des Lesens jede Menge Wissen über Verhaltensforschung und die afrikanische Tierwelt vermittelt, ohne das die Geschichte dadurch belehrend oder trocken wirkt.
Zu Beginn begegnet Gerry seiner außergewöhnlichen Lage noch mit Sarkasmus. "Termiten, dachte Gerry. Der Snack, der zurückbeißt." Natürlich kann man das übertrieben finden und sagen: ein Mensch, noch dazu ein Jugendlicher, ist in dieser Situation vor lauter Panik doch weder zu geplanten Handlungen fähig, geschweige denn dazu schwarzen Humor aufzubringen. Aber ich finde diese Verhaltensweise sehr gut gewählt, weil dadurch Gerrys menschliches Bewusstsein noch stärker in den Vordergrund tritt, denn Tiere haben keinen Sinn für Humor, der auch nur annähernd mit dem des Menschen vergleichbar wäre. Deshalb bemerkt man im Laufe der Handlung umso deutlicher, wie ihm seine menschlichen Sinne abhanden kommen: er macht keine Witze mehr, er kann nur noch bis 23 zählen, als er versucht mit Steinen einen Kalender über seine Zeit bei den Pavianen zu erstellen und er verlernt zu lesen.
Zu Anfang fand ich den Umfang des Buches für dieses Thema extrem kurz und hatte wenige Seiten vor Ende Panik, ob die Geschichte zu einem befriedigenden Ende findet. Aber meine Sorgen waren völlig unbegründet: David Jones schafft es auf nur knapp über 200 Seiten eine großartige und abenteuerliche Geschichte zu erzählen und den Wert von Freundschaften und dem Leben in einer Gemeinschaft zu vermitteln. Gerry lernt, dass das Wichtigste an einem Freund ist, dass er einfach DA ist, wenn man ihn braucht, und besser als er kann auch ich keine Worte zum Thema Gemeinschaft finden: "In der Gruppe zu leben, ist hart. Ohne sie zu leben, unmöglich. Irgendwie muss man einen Weg finden, dazuzugehören."

Montag, 10. Mai 2010

[GAST-REZENSION] Mischke, Susanne - Zickenjagd

Gast-Rezension von Sabrina K.

Susanne Mischke
Zickenjagd

Verlag: Arena
268 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3401064142
ISBN-13: 978-3401064147
empfohlenes Lesealter: 14-15 Jahre

Kurzbeschreibung:
Josy ist schön, klug und beliebt. Gemeinsam mit ihren drei Freundinnen gibt sie in ihrer Schule den Ton an. Wen die Clique nicht leiden kann, der hat nichts zu lachen. Ines dagegen hasst ihr Leben. Ihr unscheinbares, plumpes Äußeres. Den täglichen Spießrutenlauf in der Schule.
Aber als ein tragischer Unfall geschieht, ändern sich die Rollen. Und Ines wird klar, dass sie ohne Josy nicht mehr leben kann.

Eigene Meinung:
In Zickenjagd geht es um eine Mädchenclique, die vier Coolsten der Schule - Josy (die Anführerin der Clique) und der Top 3 der Cheerleader, Marlene, Lea und Veronika.
Ebenso geht es um ein Mädchen, eine Außenseiterin - Ines.
Ines würde gerne dazu gehören, aber sie wird von den vier nur verspottet und ist bekannt als die Tonne.
Doch ganz plötzlich gibt es eine Gelegenheit für Ines sich bei Josy einzudrängen.
Von da an nimmt das Buch seinen Lauf und Josy hat einige Probleme gegenüber ihrer Clique.
Wie soll sie auch erklären, wieso Ines plötzlich dabei sein soll?
Bis zu den letzten drei Seiten des Buches fand ich die Geschichte sehr vorausschauend. Doch plötzlich, ohne jede Vorwahrnung und näheres Eingehen endet die Geschichte, zumindest in einem Teil, ganz anders wie erwartet und unvorhersehbar.
Von Susanne Mischke habe ich schon andere Thriller aus dem Arena Verlag, sowie ihre Erwachsenen-Thriller gelesen und bei beiden muss ich sagen, das sie einen schönen Schreibstil hat. Flüssig, mitreißend und spannend.
Eigentlich hätte ich ja wissen müssen, dass das Buch so nicht enden kann, weil sie kein Typ ist, der alles schon im Buch verrät, sondern es erst ans Ende packt ;)
Die Charaktere waren liebevoll beschrieben und man hatte nicht unbedingt das Gefühl, das sie sich die Geschichte komplett ausgedacht hat, es waren diverse Situationen in dem Buch vorhanden, was jeden Teenager treffen kann (Scheidung, Konflikte mit Geschwistern usw.).
Alles in allem fand ich das Buch sehr gut geschrieben und auch das Thema und die Geschichte waren toll. Deswegen bekommt das Buch 4 von 5 Sternen von mir.

[GAST-REZENSION] Lee, Ingrid - Wunderhund

Gast-Rezension von Sybille M.
Vielen Dank für deinen Beitrag! 

Ingrid Lee
Wunderhund
Verlag: Chicken House
170 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3551520011
ISBN-13: 978-3551520012
empfohlenes Lesealter: 10-11 Jahre

Eines Nachts kommt MacKenzies Vater von einer Pokerrunde nach Hause und wirft seinem Sohn ein feuchtes Bündel aufs Bett. MacKenzie kann sein Glück nicht fassen - jetzt hat er einen Hund, einen kleinen Pittbullwelpen. Sie heißt Cash und es entsteht eine innige Beziehung zwischen den Beiden.
In der Stadt werden immer mehr Stimmen laut, dass die Haltung von Pittbulls unverantwortlich sei und auch MacKenzie und Cash werden bei ihren Spaziergängen oft beschimpft.
Als MacKenzies Vater mal wieder übelgelaunt nach Hause kommt, zerrt er Cash ins Auto und setzt sie an einer entlegenen Stelle aus. Anfangs hofft Cash noch, dass ihr Junge bald kommt und sie nach Hause holt, doch dann lernt sie sich alleine durchzuschlagen. Auf ihren nächtlichen Streifzügen weckt sie neue Lebensgeister bei einem kranken Mädchen und einer allein stehenden alten Damen und als sie zum wiederholten Male Leben rettet spricht die ganze Stadt auf einmal von dem Wunderhund.
MacKenzie ist felsenfest davon überzeugt, dass es seine Cash sein muss. Finden die beiden wieder zueinander?
Die Geschichte ist wirklich herzzerreißend geschrieben. Man erlebt zum einen den verzweifelten MacKenzie für den der Hund aufgrund seiner schwierigen Familienverhältnisse besonders wichtig ist und begleitet Cash wie sie anfangs ängstlich und verwirrt durch die Gegend irrt, sich aber mutig und beherzt für andere einsetzt trotz der schlechten Erfahrungen die sie gemacht hat.
So entsteht eine neue Diskussion zum Thema Kampfhunde und nun werden auch die Hintergründe beleuchtet, wie schlecht diese Tiere von ihren Haltern meist behandelt werden. Eine Frau sagt so schön treffend: "Nicht die Hunde sondern deren Halter gehören verboten". So entsteht eine neue Lobby und auf einmal melden sich zahlreiche Leute im Tierheim um die Rasse zu unterstützen.
Eine schöne Geschichte, die wirklich unter die Haut geht. Von ein paar englischen Namen abgesehen für Kinder sehr gut und einfach zu lesen. Durch die große Schrift und kurze Kapitel werden auch Leseanfänger und kleine Lesemuffel nicht so schnell abgeschreckt.

Sonntag, 9. Mai 2010

[REZENSION] Timmers, Leo - Tiefseedoktor Theodor

Leo Timmers
Tiefseedoktor Theodor

Verlag: Coppenrath
40 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3815798922
ISBN-13: 978-3815798928
empfohlenes Lesealter: 3-5 Jahre

Tiefseedoktor Theodor hat für jedes kranke Meerestier ein offenes Ohr.
Auf seinem turbulenten Tauchbootabenteuer behandelt er ein Seepferdchen mit Sehschwierigkeiten, einen Hai, der höllische Zahnschmerzen hat, eine Krake mit schmerzenden Armen und einen Wal mit Übergewicht.
Alles kein Problem für Tiefseedoktor Theodor, im Nu fährt er eine der vielen Spezialapparaturen an seinem Tauchboot aus und der Patient ist geheilt.
Doch plötzlich sitzt der Doktor auf dem Meeresgrund fest und schwebt selbst in Gefahr. Können seine Meeresfreunde ihn helfen?

"Tiefseedoktor Theodor" ist ein Bilderbuch in übergroßem Format (größer DINA4) mit relativ einfach gehaltenen riesigen Illustrationen, die meistens über eine gesamte Doppelseite gehen und gerade für die kleinsten Leser Details zum Entdecken bieten ohne dabei überladen zu sein.
Der Text beschränkt sich pro Doppelseite auf wenige Sätze und das Schriftbild ist so groß gewählt, dass man das Buch sehr gut mit dem Kind auf dem Arm vorlesen kann.
Sowohl der Tiefseedoktor als auch die Meerestiere und das Tauchboot sind zum Großteil mit rundlichen Formen dargestellt. Die Meereswesen und der Doktor haben teilweise übergroße Augen und Knollennasen. Die Darstellungen sind nett und knuffig und die Figuren wirken dadurch einfach liebenswert.

Durch die verschiedenen Krankheiten wird nicht nur ein Bezug zum Allgemeinmediziner hergestellt, sondern auch zu Augen- und Zahnärzten, mit denen einige Kinder ja auch schon relativ früh in Kontakt kommen.

Ich bin von diesem Bilderbuch sehr begeistert und empfehle es gerne weiter, allerdings mit einer persönlich erlebten Einschränkung:
Meine Tochter, die gerade das empfohlene Lesealter erreicht hat, war sehr skeptisch sich von mir ein Buch vorlesen zu lesen, das von einem Doktor und seinen Patienten handelt. Die ersten Seiten hat sie sich noch mit mir zusammen angeguckt, aber als Tiefseedoktor Theodor dem Hai einen Zahn gezogen hat, wollte sie sich die Geschichte nicht mehr weiter ansehen.
Das Bilderbuch wartet jetzt ein paar Monate im Regal bis meine Tochter soweit ist, sich die Geschichte vom Tiefseedoktoren bis zum Ende vorlesen zu lassen. Bis dahin blättere ich die Geschichte auch gerne alleine durch ;)

[REZENSION] Shulman, Polly - Die geheime Sammlung

Polly Shulman
Die geheime Sammlung

Verlag: Pan
352 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 342628331X
ISBN-13: 978-3426283318
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre
"Entschuldigung, Sie haben mir die falschen Schuhe gegeben."
Ich überprüfte das Etikett, das an den Schnürsenkeln hing. "Nein", sagte ich.
"Aber sie funktionieren nicht."
Verwundert sah ich ihn an. "Sie meinen wohl: Die Schuhe passen nicht?"
"Sie passen perfekt, aber sie funktionieren nicht."
"Wie können Schuhe nicht funktionieren?"
Über die Autorin:
Es gibt kaum ein Thema, über das Polly Shulman noch nicht für Zeitungen und Magazine geschrieben hat: ägyptische Grabmäler, essbare Quallen, Unendlichkeit, Blind-Dates, Bücher und, und, und... Sie liebt es, ihre Schokoladenkekse mit Cayennepfeffer zu würzen und sammelt eigenartigen Schmuck aus der viktorianischen Zeit. Kaum zu glauben, dass sie ursprünglich einmal Mathematik in Yale studiert hat. Polly Shulman ist in New York aufgewachsen, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann und einem Papagei namens Olive lebt.
"Die geheime Sammlung" ist Polly Shulmans erster Roman, der auf deutsch erschienen ist. Wer noch mehr von ihr lesen will, muss aber nicht lange warten, denn bereits im Juli 2010 erscheint ihr Debüt aus dem Jahr 2006 "Enthusiasm" unter dem Titel "Sechs Küsse und ein Ballkleid", allerdings bei einem anderen Verlag.

Inhalt:
Es war einmal... Die fünfzehnjährige Elizabeth Rew, die sich an ihrer neuen Schule wie eine Außenseiterin fühlte. Sie vermisste ihre alte Schule, wo sie ihre Freunde zurückgelassen hatte und ihren Ballettunterricht, den sich ihr Vater nicht mehr leisten konnte, weil er die Studiengebühren fürs College für ihre beiden Stiefschwestern bezahlen musste...
Bereits der Anfang des Buches "Die geheime Sammlung" liest sich wie der Beginn eines Märchens. Elizabeths familiäre Situation weckt Erinnerungen an das Märchen von Aschenputtel. Auf Grund ihrer Studienarbeit in Gemeinschaftskunde mit dem Thema "Die Brüder Grimm", empfiehlt ihr Lehrer Mr. Mauskopf sie für einen Aushilfsjob in einem besonderen Museum, dem Repositorium der Verleihbaren Schätze, in dem man Kunst und Krempel, Wertvolles und Verrücktes ausleihen kann.
In den geheimnisvollen Lagerhallen findet Elizabeth nicht nur endlich echte Freunde, sondern macht außerdem die Entdeckung, dass die zauberhaften Gegenstände aus den Grimmschen Märchen keinesfalls auf Fantasie beruhen...
Im Grimm-Sammelsurium werden nicht nur die zertanzten Schuhe der zwölf Prinzessinnen aufbewahrt, sondern jede Menge Gegenstände, die magische Kräfte haben, oder besser: hatten. Denn ihr Zauber wird immer schwächer - jemand scheint ihn zu stehlen.
Wer auf welcher Seite steht, ob Elizabeth ihren neuen Freunden - dem attraktiven Marc, dem mürrischen Aaron oder der hübschen Anjali - immer Vertrauen schenken kann, erfährt man auf einer märchenhaften Suche nach der verschwundenen Magie.

Eigene Meinung:
Polly Shulman spielt auf zauberhafte Weise mit dem Gedanken, was wäre wenn Märchen nicht nur auf Legenden und Sagen, sondern auf Tatsachen beruhen würden. So trifft der Leser in Begleitung der Ich-Erzählerin Elizabeth auf viele bekannte Märchen und die magischen Gegenständen, die darin eine Rolle spielen, wie das "Tischlein deck dich", den "Knüppel aus dem Sack", fliegende Teppiche und fliegende Schuhe, oder den Kamm einer Meerjungfrau, der Schönheit verleiht.
Doch "Die geheime Sammlung" ist nicht nur ein Buch über die Zauberkraft der Märchenwelt, sondern auch ein Buch über Freundschaft und die erste Liebe.
Besonders angesprochen haben mich die skurrilen und liebenswerten Nebencharaktere, mit denen Polly Shulman ihrem Roman weitere Facetten und mehr Tiefe verleiht. Jaya, die nervende kleine Schwester von Anjali, vereint fast den gesamten Humor dieses Buches in ihrer Figur, und auch Elizabeths Lehrer Mr. Mauskopf und den Leiter des Repositoriums Dr. Rust mit den sich bewegenden Sommersprossen mochte ich sehr.
Ich habe eigentlich nur zu bemängeln, dass die Geschichte viel zu schnell zu Ende erzählt war und ich gerne den einen oder anderen Charakter noch besser kennengelernt hätte. Trotzdem kann ich dieses Buch nur mit der höchsten Sternezahl bewerten, da ich die Grundidee dieses Buches absolut bezaubernd und liebevoll in der Umsetzung fand.

Aufmachung des Buches:
Die scherenschnittartigen Darstellungen und der Buchtitel sind reliefartig und mit Spottlack hervorgehoben. Das Buch ist mit einem farblich zum Cover passenden Lesebändchen ausgestattet und die einzelnen Kapitel sind charmant mit Bezügen zum Inhalt betitelt.

Fazit:
Nach dem "Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage..." haben auch Prinzen und Prinzessinnen in der Realität mal einen schlechten Tag, genauso wie der Kuss der wahren Liebe für einen selbstzufriedenen, hässlichen Oger bestimmt sein kann statt für einen Prinzen, denn neben Prinzen und Prinzessinnen spielen im Märchen auch Schweinehirten und Küchenmägde eine Rolle ;)
Ein märchenhaftes Abenteuer, in dem die Helden nicht nur der Prinz und die Prinzessin sind.

[REZENSION] Korte, Lea - Die Maurin

die maurin
Lea Korte
Die Maurin

Verlag: Droemer Knaur
663 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3426502305
ISBN-13: 978-3426502303

Inhalt:
Andalusien im 15. Jahrhundert: Zwischen Mauren und Christen toben erbitterte Kämpfe. Mittendrin gerät die junge Zahra, als Hofdame und enge Vertraute Aischas, der Hauptfrau des Emirs, in ein grausames Spiel aus Intrigen und Machtkämpfen.
Außer dem Kampf im Großen erlebt Zahra die Spannungen zwischen Mauren und Christen hautnah in ihrer eigenen Familie: ihre Mutter, die zweite Frau ihres Vaters, ist eine ehemalige christliche Sklavin und kastilische Adlige. Ihr Halbbruder Yazid wendet sich gegen die eigene Familie und verschwört sich mit einem Gegner im eigenen Land. Als sich Zahra dann noch ausgerechnet in den Kastilier Gonzalo verliebt und ihre Halbschwester Hayat in den christlichen Sklaven Miguel, schweben nicht nur diese vier in tödlicher Gefahr.

Eigene Meinung:
"Die Maurin" ist ein spannender und erstklassig recherchierter historischer Roman, der in erster Linie durch seine lebendigen Charaktere überzeugt. Wobei nicht nur der titelgebende Charakter der Maurin Zahra sehr gut ausgebaut ist, sondern auch die zahlreichen Nebencharaktere mit Leben ausgefüllt sind und das Buch somit auf seiner gesamten Länge auf jeder einzelnen Seite den Leser zu fesseln weiß.
Die Spannungen zwischen Mauren und Christen werden besonders durch die persönlichen Erlebnisse Zahras und ihrer eigenen Familie greifbar, und nicht vorrangig durch die Geschehen auf dem Schlachtfeld. Trotz der gut recherchierten und zahlreichen geschichtlichen Bezüge und den selbstverständlich zur Handlung gehörenden Kampfszenen, kommen die einzelnen Personen mit ihren Schicksalen nie zu kurz. Auch für einen hohen, aber nie kitschigen, Herzschmerzfaktor ist gesorgt: zum einen durch Hayats verbotene Liebe zu dem christlichen Sklaven Miguel, aber in erster Linie zu Zahras Liebe zu dem Kastilier Gonzalo, die sich im Laufe der Geschichte aber in eine ganz andere Richtung entwickelt als erwartet.
Mein einziger Kritikpunkt liegt darin, dass ich mir den einen oder anderen Handlungsstrang detaillierter ausgebaut gewünscht hätte, so erfährt man nach Miguels Flucht nur noch wenig über seine Zukunft mit Hayat, und der Schluss des Romans kam etwas abrupt, nachdem vorher alles so liebvoll bis ins kleinste Detail ausgeschmückt war. Natürlich macht ein Verlag gewisse Vorgaben hinsichtlich des Umfangs eines Romans, aber vielleicht sollte man überdenken, dass der Leser lieber 100 oder 200 Seiten mehr liest, bevor zu Lasten der Handlung an einer wirklich guten Geschichte herumgekürzt wird!

Aufmachung des Buches:
Die Autorin untermauert ihre Geschichte durch zahlreiche Anhänge. Dem Roman vorangestellt ist ein Dramatis Personae, ein Verzeichnis der handelnden Personen. Am Ende folgen eine Zeittafel von 711-1492, Stammbäume des Hauses Aragón-Kastiliens und der letzten Emire des Königreichs der Nasriden von Granada (al-Andalus), ein Glossar, und für diejenigen Leser, die sich noch näher mit dem geschichtlichen Hintergrund der Geschichte befassen möchten eine Liste mit Sekundärliteratur.

Mittwoch, 5. Mai 2010

[GAST-REZENSION] Gurian, Beatrix - Höllenflirt

Gast-Rezension von Sabrina K.

Beatrix Gurian
Höllenflirt

Verlag: Arena
245 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3401063863
ISBN-13: 978-3401063867
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre

Klappentext:
Toni ist unsterblich verliebt. Noch nie hat sie einen Menschen getroffen, der sie so fasziniert. Für Valle würde sie einfach alles tun - und das will sie ihm auch beweisen. Die kleine Mutprobe gerät jedoch außer Kontrolle und Toni gelangt an ihre Grenzen. Noch weiß sie nicht, dass dies erst der Anfang ist. Denn Valles Vergangenheit birgt ein düsteres Geheimnis, das nicht nur Tonis Leben in Gefahr bringt.

Eigene Meinung:
In Höllenflirt geht es um Toni, die sich von ihrem Bandkollegen Robert getrennt hat und sich nun in Valle verliebt. Ein komischer Kerl, sie kennt nur den Namen Valle, keinen Nachnamen und auch sonst nichts weiter. Bis er ihr auf einem Friedhof erzählt, das er Satanist ist. Toni ist schockiert, trifft sich aber weiterhin mit ihm.
Bis Valle sie zu einer schwarzen Messe einlädt läuft noch alles gut, aber ab dann wird alles anders und die Geschichte nimmt eine dramatische Wendung...
Im Vorfeld läuft die Mutprobe, die Toni mit einem großen Schrecken und Schock besteht.
Neugierig?
Dann solltet ihr auf jeden Fall das Buch lesen ;)
Ich selbst fand den Schreibstil wieder mal super und würde spontan behaupten, dass das der beste Arena Thriller von Beatrix Gurian war.
Das Buch hat mich gepackt und innerhalb zwei Abende hatte ich es auch schon verschlungen. Durch den flüssigen Schreibstil taucht man ein und merkt gar nicht, dass schon eine Stunde vergangen ist.
Toni ist eine sehr interessante Person, aus Valle und Robert wurde ich anfangs nicht schlau, aber das klärte sich alles im Laufe des tollen Buches :)
Ein Stück weit erzählt es aus dem Alltag (Lebenssituation und Familienverhältnisse) und ein kleines bisschen hat es auch einen "Gruselfaktor", zumindest für mich. Die ganze Sache mit Satanismus war schon sehr interessant.
Alles in allem würde ich dem Buch 4 von 5 Sternen geben.
Ein Stern nur deswegen abgezogen, weil ich finde, das es von jedem Buch noch eine Steigerung geben muss ;)

Sonntag, 2. Mai 2010

[REZENSION] Saintcrow, Lilith - Jill Kismet 1: Dämonenmal

Lilith Saintcrow
Jill Kismet 1: Dämonenmal

Verlag: Lyx
364 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 380258306X
ISBN-13: 978-3802583063

Nachdem ich von Lilith Saintcrow bereits den ersten Band der "Dante Valentine" Reihe gelesen hatte, war ich sehr neugierig auf ihre zweite Serie, deren erster Teil "Dämonenmal" nun bei Lyx erschienen ist: "Jill Kismet".
Der erste Band um die Dämonenjägerin Jill Kismet handelt von einer grauenhaften Mordserie, bei der vermutet wird, dass ein Gestaltwandler die Tat begangen hat. Jill erhält bei der Aufklärung des Falls Unterstützung vom FBI in Gestalt von drei Werkatzen, u.a. des charmanten Werpumas Saul, für den sie schon bald tiefere Gefühle hegt...
Der Titel "Dämonenmal" stammt aus Jill Kismets eingegangener Symbiose mit einem Dämon: um gegen die übermenschlich starken Höllenwesen bestehen zu können, hat Jill in der Vergangenheit einen teuflischen Pakt geschlossen: Durch seinen Kuss hat ihr der Dämon Perikles außergewöhnliche Körperkräfte und geschärfte Sinne verliehen.
Man sollte sich von der Erwähnung Saul Dustcircles im Klappentext nicht in die Irre führen lassen. Die Romanze zwischen Jill Kismet und Saul spielt im ersten Band der Reihe "Dämonenmal" nur eine nebensächliche Rolle. Wer mehr Romantik oder gar eine Liebesgeschichte erwartet, wird sicherlich von diesem Buch enttäuscht sein. Das Ende von "Dämonenmal" lässt allerdings ahnen, dass die Beziehung von Jill Kismet und Saul in den weiteren Bänden eine größere Rolle spielen wird.
Die mangelnde Romantik ist aber nicht meine Kritik bei dieser Geschichte. Ich persönlich war viel mehr enttäuscht von den zu vielen und zu schnell wechselnden Schauplätzen, dem Hin- und Hergerenne zwischen einzelnen Tatorten, dass ich kaum Gelegenheit dazu bekam, mich näher auf einzelne Personen einzulassen. Einblicke in den Charakter und die Vergangenheit von Jill Kismet bekommt man Hauptsächlich durch ihre Gedanken, die sich kursiv vom Rest der Geschichte abheben. Diese Passagen fand ich oft interessanter als die laufende Handlung. Die Protagonisten und auch die Handlung blieben für mich meistens leider sehr flach. Potential war da, aber leider mangelt es bei der Umsetzung. Für mich bleibt "Jill Kismet" qualitativ eindeutig hinter "Dante Valentine" zurück.
Wer eine Urban Fantasy Reihe sucht bei der Romantik keine oder nur eine geringe Rolle spielt, und vorrangig Action und Krimielemente sucht, ist mit "Jill Kismet" aber gut beraten. Ich selbst bevorzuge dann doch eher weniger spröde Charaktere, mit denen ich mich beim Lesen identifizieren kann und Handlungsschauplätze, die mehr mit der realen Welt gemein haben. Die Orte, an denen "Jill Kismet: Dämonenmal" spielt, wirken doch sehr fantastisch/höllisch und haben mit der realen Welt so gut wie keine Bezüge.
Sehr positiv fand ich das angehängte dreiseitige Glossar, in dem die wichtigsten Begriffe erklärt werden, die in dem Buch Erwähnung finden. Das habe ich schon oft bei Romanen vermisst, in denen ein spezielles Vokabular verwendet wird.