Freitag, 30. April 2010

[REZENSION] Seefeldt, Philipp - Ida still im Menschenmeer

Philipp Seefeldt
Ida still im Menschenmeer

Verlag: Arena
28 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3401098004
ISBN-13: 978-3401098005
empfohlenes Lesealter: 3-5 Jahre

Ein Stadtführer der besonderen Art

Ida wohnt in einer großen Stadt, die jeder kennt. Der Panoramablick über die Stadt von Idas Wohnung aus ganz hoch oben in einem großen Haus, verrät anhand des typischen Fernsehturms sofort wo wir sind: in Berlin.
Zuerst habe ich mich gewundert, dass nicht noch mehr typische Wahrzeichen dieser Stadt auf den doppelseitigen Illustrationen auftauchen, wie der Reichstag und das Brandenburger Tor, bis mir klar wurde, dass ich mich von meiner Erwachsenensichtweise verabschieden muss, um die Stadt so sehen zu können, wie Ida sie sieht. Kindern wird in Idas Stadt nun mal eher das Brückentier auffallen, dass sich über die Spree spannt oder der unterirdische Wurm, mit dem man in Tunneln unter der Stadt fahren kann, und nicht unbedingt eine bekannte touristische Flaniermeile oder die Gedächtniskirche.
Die Assoziationen, die Ida mit Gebäuden und Fahrzeugen in Verbindung bringt, sind wunderbar witzig und anschaulich illustriert. Wenn man sich Philipp Seefeldts Reichtags-Schildkröte betrachtet, fragt man sich, warum man selbst noch nicht darauf gekommen ist, dass die Kuppel des Reichtags wie ein Schildkrötenpanzer aussieht oder das Brandenburger Tor wie ein Maul, dass den ganzen Tag Leute verschlingt und wieder ausspuckt.
Der Titel "Ida still im Menschenmeer" beschreibt die Szene, in der Ida in den großen Bauten am Potsdamer Platz Ozeankreuzer sieht, die durch ein Meer von Menschen segeln.
Eine ganz wichtige Sache lehrt Idas kindliche Sichtweise den Leser: eine Stadt besteht nicht nur aus den Wahrzeichen, die in jedem Reiseführer aufgeführt sind, sondern auch aus ihren Menschen, ihrem Flair und ganz normalen Plätzen und Gebäuden. Ida öffnet denen, die sich eine Stadt im Urlaub nur durch die Linse ihrer Kamera betrachten, die Augen. Danke Ida! Wenn ich das nächste Mal deine Stadt besuche, werde ich auch die Schildkröte und das Maul und das Brückentier sehen und bestimmt noch weitere Sachen entdecken, die in keinem Reiseführer der Welt zu finden sind.

Außer den wunderschönen Illustrationen und den stimmigen Texten, besticht dieses Bilderbuch durch die unterschiedliche graphische Gestaltung der Typografie. Stellenweise sehen die Wörter aus wie nachgemalt, und in einigen Passagen sind Wörter durchgestrichen und durch andere ersetzt worden, als hätte Ida ihren Text nachträglich redigiert.

Ich wünsche mir mehr solche Stadtführer wie Idas kleinen Rundgang durch Berlin, und hoffe, dass dieses außergewöhnliche Buch noch ganz viele kleine und große Leser begeistern wird.

Das Buch von Philipp Seefeldt wurde ganz zu recht mit dem "Meefisch" - Marktheidenfelder Preis für Bilderbuchillustration - ausgezeichnet.

Donnerstag, 29. April 2010

[REZENSION] Meister, Derek - Das Licht, das tötet 1: Ghosthunter

Derek Meister
Das Licht, das tötet 1: Ghosthunter
Verlag: Loewe
438 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3785562624
ISBN-13: 978-3785562628
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre

Inhalt:
Ian hört schrille Geräusche und sieht ein Licht, das alles verbrennt, was es berührt. Es sind Geister. Er weiß, es gibt sie, denn bereits sein Vater, der angeblich bei einem Unfall ums Leben gekommen ist und sein Großvater, der seit über 30 Jahren verschollen ist, waren von diesem "Familienfluch" betroffen. Was steckt wirklich hinter diesem Geheimnis? Bei dem Versuch es zu lüften entdecken Ian und sein Freund Bpm Verbindungen zu der UFO-Sichtung in Bentwater und dem Philadelphia-Experiment. Zur gleichen Zeit geben unbegreifliche Vorkommnisse auf einer Forschungsstation in der Antarktis Rätsel auf und die Großmutter einer jungen Japanerin stirbt auf ähnlich mysteriöse Weise wie Ians Vater vor 15 Jahren...

Eigene Meinung:
Geschickt verbindet Derek Meister vier parallel laufende Handlungsstränge zu einem explosiven Pageturner, den man am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Neben dem Erzählstrang in England mit Ian, dem "Ghosthunter" und seinem besten Freund und Blutsbruder Benjamin, genannt Bpm (Beats per minute), spielt sich die Handlung zeitgleich auf einer Forschungsstation in der Antarktis bei dem Physiker Dr. Daniel Rheinberg ab, in Kanada, wo die beiden skrupellosen Kopfgeldjäger Zachary und Tan auf der Suche nach "Patient Nr. 5" sind und deren Auftraggeber bis zum Schluss unbekannt bleibt und in Japan, wo man die junge Gelegenheitsdiebin und Erfinderin Chiyo begleitet. Der Wechsel zwischen den einzelnen Handlungssträngen hat meine Neugierde auf den weiteren Verlauf der Geschichte ständig angeheizt, und ich habe mich in rasantem Lesetempo in dieses spannungsgeladene und nervenaufreibende Buch hineingestürzt, weil ich am liebsten an allen vier Orten der Handlung gleichzeitig sein wollte. Dank sorgfältiger Recherche des Autors konnte ich mich beim Lesen perfekt an die verschiedenen Handlungsschauplätze versetzen.
Trotz der wissenschaftlichen Aspekte dieses Romans und dem sehr actionreichen Verlauf der Geschichte, schafft Derek Meister es hervorragend seinen Charakteren Leben einzuhauchen. Neben den Hauptprotagonisten bleiben auch die Nebencharaktere nicht flach, sie sind interessant und vielschichtig gestaltet.
Das Buch endet mit einem Cliffhanger zum nächsten Abenteuer der Reihe: "Ghosthunter". Es sind so gut wie keine Rätsel gelöst und man weiß noch nicht, ob, wann und wie die einzelnen Handlungsstränge aufeinandertreffen werden. Extremer kann man seine Leser nicht auf die Folter spannen und die Neugierde auf den nächsten Band schüren!

Aufmachung des Buches:
Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar mit den wichtigsten Worterläuterungen und Fakten, die in der Geschichte Erwähnung finden. Äußerst nützlich, denn auch als erwachsener Leser waren mir längst nicht alle dort aufgeführten Begriffe und geschichtlichen Ereignisse vor der Lektüre geläufig.

Fazit:
Derek Meister kombiniert wissenschaftliche Fakten, realhistorische Ereignisse und eine mysteriöse Geisterjagd zu dem atemberaubenden Auftakt einer Trilogie, die ich auf jeden Fall weiterverfolgen werde - ein absoluter Lese-Glücksgriff!

Reihen-Info:
Ghosthunter
Ghostfighter
Ghostmaster (Februar 2011)

Montag, 26. April 2010

[REZENSION] Brandis, Katja - Der Elefanten-Tempel, Band 2

Katja Brandis
Der Elefanten-Tempel, Band 2
Verlag: Ueberreuter
302 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3800055368
ISBN-13: 978-3800055364
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre

Der Elefanten-Tempel ist ein wunderschönes Buch, das die Sehnsucht nach fremden Ländern weckt. Der Leser wird entführt auf eine Reise ins ferne Thailand zusammen mit den Freundinnen Ricarda und Sofia, die dort zwei Wochen lang ein Elefanten Refuge besuchen und bei der Pflege und dem Training der misshandelten und kranken grauen Dickhäuter helfen.
Die Geschichte der beiden Mädchen kommt absolut authentisch beim Leser an. Wie zwei ganz normale Teenager haben sie von Zeit zu Zeit Zoff miteinander, lesen die aktuellen Bestseller der Jugendliteratur, haben Probleme mit sich selbst und ihren Eltern.
Man kann sich auch sonst sehr gut in der Geschichte verlieren, da die Autorin hervorragend recherchiert hat, und die Story mit vielen Details des thailändischen Lebens und einigen thailändischen Vokabeln gespickt ist. So fühlt man sich beim Lesen nicht nur direkt in das ferne Land versetzt, man lernt sogar ganz nebenbei viel Wissenswertes über Thailand und seine Einwohner!
Doch nicht nur alltägliche Teenagerprobleme werden in "Der Elefanten-Tempel" behandelt und ein fremdes Land näher gebracht, die Autorin erzählt außerdem eine geheimnisvolle Elefantengeschichte, in der die misshandelte Elefantin Laona jede Nacht zu einem Tempel wandert, und man erlebt die zarte Liebesgeschichte von Ricarda und Nuan, einem Mahout (Elefanten-Führer), in den sich Ricarda in ihrem viel zu kurzen Thailandaufenthalt verliebt, und dann ist da noch ihre Schüchternheit, die ihr in den unpassensten Momenten im Wege steht...
Dieses Buch ist eine hervorragende leichte Sommerlektüre, aber ich kann mir auch sehr gut vorstellen, mich bei schlechtem Wetter von einem weiteren "Reise"-Buch von Katja Brandis in fremde und warme Länder entführen zu lassen. Die Möglichkeit besteht mit "Gepardensommer", das ebenfalls im Ueberreuter Verlag erschienen ist und von Ricardas Freundin Lilly und ihren Abenteuern in Namibia erzählt.
Ein All-Age-Roman, der mit Sicherheit auch ältere Jugendliche und Erwachsene begeistern wird!

Sonntag, 25. April 2010

[REZENSION] Promitzer, Rebecca - Chilischarfes Teufelszeug

Rebecca Promitzer
Chilischarfes Teufelszeug
Verlag: Chicken House
490 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 355152002X
ISBN-13: 978-3551520029
empfohlenes Lesealter: 11-12 Jahre

Klappentext:
Der Klappentext des Buches verrät zwar kaum etwas vom Inhalt des Buches, macht aber verflixt neugierig auf die Geschichte:
Vorsicht beim Öffnen!
Zutaten:
Sommerferien
Regen ohne Ende
Fünfeinhalb Kinder
Ein Hund und ein Chamäleon
Teufelszungen-Chilisauce (die von Herman)
Viele fiese Gestalten
Alles gut durchmischen. Eine Leiche und einen verschwundenen Augapfel hinzufügen. Mit äußerster Vorsicht genießen!

Inhalt:
In Elbow, der Stadt, in der Bea lebt, regnet es den ganzen Sommer über. Es tut niemandem gut, den Sommer hier zu verbringen, aber Kinder wie Bea müssen trotzdem dableiben: Kinder ohne Geld oder ohne Eltern oder Kinder, denen beides fehlt.
Diese Kinder stehen auf der sogenannten "Sommerklubliste", die die Schulsekretärin an alle Kinder, die den Sommer über in Elbow festsitzen, verschickt. Es wird erwartet, dass diese Kinder sich zusammentun und die Ferien gemeinsam verbringen, das ist wie Nachsitzen, nur das es wochenlang dauert. Die Kinder nennen diese Liste deshalb auch die Liste der "Verurteilten der Regenstadt".
Zum Glück ist Elbow nicht nur für seinen Regen bekannt, sondern auch für Hermans Teufelszungen-Chilisauce, die Bea zu allem isst, manchmal sogar zu Eis. Und auf eben diesen Saucengläsern wird zu einem Fotowettbewerb aufgerufen "Reise nach Florida zu gewinnen" - gesucht wird ein originelles Bild zum Thema Familie. Doch bevor Bea einen Wettbewerbsbeitrag mit der Kamera ihres verstorbenen Vaters aufnehmen kann, nimmt ihr Freund Sam sie mit in ein verlassenes Haus, um eine Leiche zu fotografieren der ein Augapfel fehlt. Als wäre das nicht schon unheimlich genug, fängt Beas kleiner Finger wie verrückt an zu zucken - ein Zeichen für Gefahr, ein Geist fährt in ihren Fotoapparat und eine Menge fieser Gestalten tauchen in der Stadt auf. Bea macht sich mit Sam und dem Rest der "Verurteilten der Regenstadt" dazu auf, ein Geheimnis zu lüften. Doch je näher sie der Wahrheit kommen, desto gefährlicher und unheimlicher wird es für die Kinder...

Eigene Meinung:
"Chilischarfes Teufelszeug" wird aus der Perspektive der fast 12jährigen Bea erzählt. Die Neugierde des potentiellen Lesers wird geweckt durch das im wahrsten Sinne des Wortes "scharfe" Cover, auf dem ein Glas von Beas Lieblingssauce abgebildet ist, und dem verlockenden Klappentext, der sich wie das Zutatenetikett der Teufelssauce liest. Überhaupt wird die Thematik des Saucenglases immer wieder aufgegriffen, sei es mit dem Zusatz auf dem Buchcover "Vorsicht beim Öffnen!" oder den passenden Vignetten an jedem Kapitelanfang.
Nachdem meine Neugierde angestachelt war und ich sämtliche Warnungen ignoriert hatte, fand ich mich in einer verregneten Sommergeschichte rund um Bea und ihre Freunde wieder. Durch die gewählte Ich-Perspektive kommt die Geschichte sehr jugendlich und authentisch rüber. Wegen der außergewöhnlichen Einfälle der Autorin und den überraschenden Wendungen finde ich das Buch durchaus auch für ältere Leser reizvoll.
Mittendrin macht die Handlung eine sehr schräge Wendung und entfernt sich von der Sommergeschichte in Richtung einer Erzählung mit science-fictionhaften Zügen. Diese Wendung kam mir ein bisschen zu extrem und plötzlich daher, aber ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, da sonst einer der größten Überraschungsmomente dieses Buches vorweg genommen wird.
Außer dieser mir persönlich etwas zu unglaublichen Entwicklung in der Geschichte, fand ich das Buch rundum gelungen. Ein sehr verregnetes Sommerbuch mit den Problemen und Nöten einer kleinen Gruppe von Kindern, deren Charaktere allesamt sehr gut beschrieben sind, und sich nicht nur auf die erzählende Person von Bea beschränkt. Die Kinder weisen allesamt sehr schräge und trotzdem liebenswerte Eigenschaften auf, die jedes einzelne von ihnen zu einer ganz besonderen und einzigartigen Person werden lassen. Überhaupt hat Rebecca Promitzer einen sehr fesselnden Erzählstil mit einer bildhaften Sprache, so dass man beim Lesen fast selbst die "langen grünen wütenden Regenfinger" trommeln hört.

Fazit:
Ein Ferienbuch, dass man sowohl bei Regenwetter als auch bei Sonnenschein in vollen Zügen genießen kann und für Freunde von übernatürlichen Aspekten in Jugendbüchern kommt auch diese Thematik mit der eingebauten Geistergeschichte und einer großen Portion Gänsehautfaktor nicht zu kurz!

Donnerstag, 22. April 2010

[REZENSION] Schwartz, Gesa - Grim 1: Das Siegel des Feuers

Gesa Schwartz
Grim 1: Das Siegel des Feuers
Verlag: Lyx
688 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3802583035
ISBN-13: 978-3802583032

Do not stand at my grave and weep,
I am not there, I am not sleep.
I am thousand wind that blow,
I am the diamond glint on snow,
I am the sunlight in ripened grain,
I am the gentle autumn rain.
Do not at my grave an cry,
I am not there,
I did not cry.

(written by Mary Elizabeth Frye)
Du kennst sie als Wasserspeier, als Statuen auf Brücken und Kirchen, aber in Wahrheit steckt Leben in ihnen - nachts, wenn kein menschliches Auge sie sieht.
Sie fürchten und beschützen uns seit uralter Zeit.
Sie sind der kalte Hauch, der in einer warmen Sommernacht deine Wange streift, wenn du schläfst, und sie sind der schwache Duft von Dunkelheit im Morgengrauen.
Sie sind die gefallenen Engel unserer Zeit, sie sind - die Gargoyles. S.97f
Eigene Meinung:
"Grim" ist wie ein Überraschungs-Ei in Buchform: ich habe das Gefühl, hier sind wirklich ALLE Figuren der fantastischen Literatur vertreten, von denen ich jemals gehört oder gelesen habe - oder, wie mein Mann sagte: "Wenn in dem Buch alles steht, kannst du ja deine anderen Fantasybücher aussortieren". In "Grim" kommen neben Gargoyles, zu denen auch die Titelfigur Grim gehört, u.a. folgende Wesen vor: Gnome, Elfen, Drachen, Werwölfe, Vampire, Schwarzmagier, Hybriden (halb Mensch, halb Gargoyle), Hartiden (Seher), Waldschrate, Kobolde... Ich war zu Beginn des Buches einfach nur erschlagen von der Vielfältigkeit der Figuren und der Ideen. Aus dem Stoff hätte man eine ganze Reihe oder mehrere Einzelbände schreiben können! Irgendwann war ich so weit, dass ich bei neuen Wendungen nur noch dachte: "Klar doch... Zeitreisen... hatten wir ja noch nicht!" oder "Ach, eine Harpyie! Natürlich, die kam ja bislang noch nicht in der Geschichte vor!". Einigermaßen in die Geschichte hinein gefunden habe ich erst nach gut einem Drittel des Buches, etwa 250 Seiten, einem Zeitpunkt, an dem viele andere Geschichten bereits zu Ende erzählt sind. Und auch da hatte mich noch lange kein Sog gepackt, dass ich dachte, ich MUSS jetzt unbedingt weiterlesen. Ein Aspekt, der für mich einen richtigen Pageturner ausmacht!
Mit tut es richtig leid, dass mir das Buch nur durchschnittlich gefallen hat. Nach der außergewöhnlich schönen Gesamtgestaltung (Eyecatcher-Cover, illustrierte Vorsatzseite, farblich passendes Lesebändchen, Gargoyle-Vignetten) und dem ansprechenden Klappentext hatte ich mir sehr viel von der Geschichte versprochen, aber mir war die Handlung wirklich zu überladen und dass Sprache und Stil phasenweise nicht homogen waren hat mich ebenfalls gestört. Welches Fantasygenre soll bedient werden: Jugend, Urban oder High? Damit will ich nicht sagen, dass ein Buch für mich in eine Schublade passen muss, aber diese Stilbrüche haben meine Verwirrung neben der sprunghaften Handlung noch weiter geschürt. Der wilde Mix aus altmodischem Flair, modernen Anleihen (der Film "Der Pate" wird zitiert, die Gargoyle Polizei hat moderne Strukturen), selbstironischen Charakteren und Fantasygestalten, denen ständig menschliche Redensarten in den Mund gelegt werden, ist bestimmt eine Fundgrube für Leser, die detailverliebte Geschichten und ausschmückendes Beiwerk mögen. Obwohl ich eine bildhafte Sprache normalerweise gerne mag, war mir auch diese manchmal "too much". Wenn ich ALLES ständig mit irgendetwas vergleiche, geht an dieser Stelle die Fantasie des Lesers flöten. Die Charakterdarstellung der Protagonisten hat in meinen Augen manchmal zu Gunsten der vielen Kämpfe und Schlachten leiden müssen. Ich fand zwar einige Nebenfiguren sehr interessant, so richtig warm geworden bin ich aber noch nicht einmal mit Grim und Mia. Die Sachen, die mir beim Lesen negativ aufgefallen sind, sind für andere Leser vielleicht die Pluspunkte dieses Buches, aber so ist das eben mit dem persönlichen Geschmack ;) Da ich die Grundidee des Romans trotz aller Mängel immer noch reizvoll finde, würde ich vielleicht trotzdem zu einer weiteren Geschichte um Grim und Mia greifen.

Fazit:
Ein Buch, das eigentlich für jeden Geschmack etwas zu bieten hat - trockenen Humor, Kämpfe und Schlachten, und auch die Liebe kommt nicht zu kurz - mich persönlich aber leider nicht überzeugen konnte! Dennoch eine Empfehlung an Leser von Fantasyromanen, die als Hauptfiguren zur Abwechslung eine unbekanntere Spezies neben den allgegenwärtigen Vampiren kennen lernen wollen.

Mittwoch, 14. April 2010

[REZENSION] Toman, Claudia - Hexendreimaldrei

Claudia Toman
Hexendreimaldrei
Verlag: Diana
ISBN-10: 3453354001
ISBN-13: 978-3453354005
I say, there is no darkness but ignorance,
in which thou art more puzzled than the Egyptians in their fog!

Twelfth Night (Was ihr wollt), Akt 4, Szene 2
Inhalt:
Wünschen ist nichts für Anfänger! Das erfährt Olivia am eigenen Leib, als sie auf der Toilette von einer leibhaftigen Tütü-Fee überrascht wird. Olivia ist wütend und traurig, steht ihr Traumprinz doch gerade mit einer anderen Frau vor dem Hochzeitsaltar. Aber muss sie sich deshalb gleich wünschen, dass ihr Traummann in einen Frosch verwandelt wird? Wenn sie schon keinen selbstlosen Wunsch wie den Weltfrieden hat, dann hätte sie sich doch wenigstens ein schickes Appartment in London schenken lassen können. Zu spät... Die Tütü-Fee erscheint zwar ein weiteres Mal, aber der bereits gewährte Wunsch kann nicht rückgängig gemacht werden. Um den Frosch zu retten, unternimmt Olivia eine wahnwitzige Reise zu der Hexenvereinigung, die ihren Haupsitz in London hat. Dort erhält sie Unterstützung von einem Geist, einer Katze, dem unsterblichen Barden William Shakespeare höchstpersönlich, und macht die Erfahrung, dass in fast jeder Frau etwas von einer Hexe steckt.

Eigene Meinung:
"Hexendreimaldrei" ist ein kurzweiliges Lesevergnügen mit Magie- und Märchenelementen und gleichzeitig eine Hommage an London und William Shakespeare. Die Heldin des Romans heißt nicht grundlos Olivia, in Anspielung auf Shakespeares "Was ihr wollt", in dem eine Gräfin eben diesen Namen trägt. Durch die bildhaften und gut recherchierten Beschreibungen von London fühlt man sich geradewegs in die Stadt versetzt und merkt, dass Claudia Toman selbst ein großer Fan dieser Stadt ist. Ich hatte beim Lesen großen Spaß daran, bekannte Plätze in London wiederzuerkennen und die Anspielungen auf die Werke Shakespeares zu finden.
Das Buch ist unterteilt in ein kurzes Vorspiel, in die beiden Hauptteile "Der Frosch" und "Die Hexen", und schließt mit einem Nachspiel ab.
In "Der Frosch" wird im Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden in die jüngere Vergangenheit die Geschichte von Olivia und ihrem Traumprinzen erzählt, in denen der Leser erfährt, was zu ihrem außergewöhnlichen Wunsch bei der Tütü-Fee geführt hat. Der zweite Teil "Die Hexen" spielt fast ausschließlich in der Gegenwart und ist dank höherem Magieanteil und Anspielungen auf die Märchenwelt, insbesondere "Der Froschkönig", wesentlich fantastischer ausgefallen als die erste Hälfte des Buches. Trotzdem fand ich, das der zweite Teil im Vergleich zum ersten im Erzählfluss etwas geschwächelt hat und deshalb gebe ich dieser ansonsten wirklich empfehlenswerten Geschichte "nur" 4 Sterne.
Die Sprache und die Beschreibungen der Autorin sind absolut authentisch und machen ihren Debütroman zu einem fesselnden Lesevergnügen, dass man innerhalb weniger Stunden verschlingt.

Aufmachung des Buches:
Auf den ersten Blick kommt das Cover von "Hexendreimaldrei" eher als einfacher Frauenroman herüber, die Anspielungen auf die Märchenwelt findet man nur in dem kleinen grünen Frosch in der rechten unteren Ecke das Covers wieder. Eine etwas fantastischere Covergestaltung oder Anspielungen auf London und/oder Shakespeare wären wünschenswert gewesen und dem Inhalt des Romans mehr gerecht geworden.

Fazit:
Auf dem Buchrücken wird mit dem Satz "Magie, Witz und eine Liebe aus dem Märchenbuch - eine geniale Mischung!" geworben, und dieser Aussage kann ich uneingeschränkt zustimmen.

Von der Autorin Claudia Toman ist am 06. April 2010 ein weiteres Buch mit der Heldin Olivia erschienen. "Jagdzeit" kann aber ohne Vorkenntnise aus "Hexendreimaldrei" gelesen werden.

[REZENSION] Borlik, Michael: Ihr mich auch

Michael Borlik
Ihr mich auch
Verlag: Thienemann
256 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 3522200756
ISBN-13: 978-3522200752
empfohlenes Lesealter: 13-15 Jahre
"Ich heiße Nico und ich hab mir das linke Bett gekrallt, nur damit du schon mal weißt, was Sache ist."
[...]
"Ich bin schwul, aber du kannst mich Daniel nennen."
Nico hat das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Partys, Alkohol und schlechte Noten... Seine Eltern haben ihn als letzten Ausweg in ein Internet abgeschoben. Als ob das alleine nicht schon schlimm genug wäre, handelt es sich bei Nicos Zimmergenossen Daniel ausgerechnet um eine Schwuchtel!

Michael Borliks "Ihr mich auch" wird abwechselnd aus den Perspektiven von Nico und Daniel erzählt. Die Sprache ist so authentisch jugendlich, dass man beim Lesen total vergisst, dass es sich um eine erfundene Geschichte handelt. Man fühlt sich nicht nur den beiden Charakteren Nico und Daniel sehr nahe, aus deren Perspektive man die Geschichte erlebt, auch die Nebenrollen sind bis ins kleinste Detail ausgebaut und mit Leben gefüllt, so dass man sich direkt ins Internatsleben von Hohenheim versetzt fühlt.
Michael Borlik spielt mit den gängigen Schwulenklischees - Schwule spielen kein Fußball, Schwule stehen auf Rosa... - ohne dass sein Buch selbst zum Klischee wird.
Beschränkte dein Selbst nicht auf das, was andere in dir sehen oder sehen wollen, sondern sei wirklich DU selbst! So spielt Daniel absichtlich den Klischeeschwulen und ist ständig auf Konfrontation aus. Warum stellt er sich sonst vor als "Ich bin schwul, aber du kannst mich Daniel nennen"? Das Schwulsein macht schließlich nicht seinen Charakter aus. Genauso, wie Nico nicht nur der "kleine Macho" ist. Unter seiner harten Schale versteckt er einen weichen Kern und tatsächlich haben Nico und Daniel einige Gemeinsamkeiten, auch wenn das zu Beginn der Geschichte unglaublich scheint.

Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, finde ich die Covergestaltung vom Verlag etwas unglücklich gewählt. An keiner Stelle im Buch kommt eine Szene im Schwimmbad vor und das Internatsleben von Nico, Daniel und ihren Freunden hätte genügend Auswahl für eine gelungenere Motivwahl geboten.
Das empfohlene Lesealter schränkt den angesprochenen Leserkreis viel zu sehr ein. Ich finde das Buch ebenso empfehlenswert für ältere Jugendliche und interessierte Erwachsene.

Dienstag, 13. April 2010

[REZENSION] Rank, Elisabeth - Und im Zweifel für dich selbst

Elisabeth Rank
Und im Zweifel für dich selbst
Verlag: Suhrkamp
200 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 3518461435
ISBN-13: 978-3518461433
Sosehr man glaubt, die Welt bleibt stehen, es geht immer weiter.
Für die anderen, die noch da sind.
Für die neue Liebe.
Und im Zweifel für sich selbst.
Lene, Tonia, Tim, Friedrich, Vince - fünf junge Menschen, die ihr Leben noch vor sich haben. Bis zu dem Tag als Lenes Freund Tim bei einem Autounfall stirbt, ganz plötzlich, den Fahrer des Lasters trifft keine Schuld, das kann doch nicht sein, Lene hat noch T-Shirts von Tim in der Wäsche, sie hatten noch Pläne...
"Und im Zweifel für dich selbst" schildert wie von einem auf den anderen Moment das Leben in Scherben liegt, weil ein geliebter Mensch stirbt.
Lene und ihre beste Freundin Tonia lassen erst einmal alles stehen und liegen. Sie setzen sich ins Auto und fahren los, erst mal nur weg, kreuz und quer durchs sommerlich heiße Mecklenburg, Hauptsache nicht zurück, denn zu Hause wird alles anders sein... Die vergessene und nun verschimmelte Pizza, die Tonia bei ihrer Rückkehr zu Hause vorfindet, ist ein Zeugnis dafür, wie nebensächlich viele Sachen sind und wie vergänglich...
Elisabeth Ranks Debütroman besticht durch eine bildreiche und poetische Sprache. In dem Buch finden sich zahlreiche Textstellen, die man am liebsten alle herausschreiben und sich für immer merken würde. Trotzdem hat mir letzten Endes der richtige Zugang zu der Geschichte von Lene und Tonia gefehlt. Am Anfang wirkte die Geschichte auf mich irgendwie spröde und ich brauchte fast die Hälfte des Buches, um überhaupt in die Geschichte hinein zu finden. Zwischen dem normalen Erzählfluss waren immer wieder Texteinschübe in Kursivdruck, deren Sinn und Zweck mir bis kurz vorm Ende unklar geblieben sind, deshalb haben sie mich während dem Lesen ständig aus dem Geschehen geworfen.
So abgedroschen der Spruch "Die Zeit heilt alle Wunden" ist, so hat er doch einen wahren Kern. Man merkt es an Lenes Verhalten, als sie Monate nach dem Tod ihres Freundes auch Bücher zurücklassen kann die Tim ihr mit einer persönlichen Widmung versehen hat.
"Und im Zweifel für dich selbst" - wunderschön geschrieben, aber schattenhaft in meiner Erinnerung und wie schnell wechselnde Szenen vor meinem inneren Auge abgespielt... Aber vielleicht soll das so sein? Liegt das Heilen von Schmerz und Kummer doch im Vergessen...
Sehr interessant finde ich das Cover, das man sich sowohl gerade als auch auf dem Kopf stehend ansehen kann. Sieht man sich das Cover gerade an, so sieht man Lene und Tonia auf einer Bank sitzend von hinten über die Schulter. Stellt man das Cover auf den Kopf, sieht man sich den beiden direkt gegenüber.

Samstag, 10. April 2010

[REZENSION] Jones, Shane - Thaddeus und der Februar

Shane Jones
Thaddeus und der Februar
Verlag: Eichborn
175 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 382186107X
ISBN-13: 978-3821861074
Ich verstehe das nicht,
sagte Bianca.
Ich auch nicht,
sagte Thaddeus.
Macht das der Februar?,
fragte Bianca.
Vielleicht, sagte Thaddeus,
der gen Himmel sah.
Das "Thaddeus und der Februar" auf dem Schutzumschlag die Bezeichnung Roman trägt, finde ich persönlich irreführend. Viel mehr handelt es sich um ein surreales, stellenweise recht brutales, und doch zauberhaftes und poetisches Märchen für Erwachsene.

Es war einmal... eine Stadt in der die kalte Herrschaft des Februar schon viele hundert Tage währte, der Wechsel der Jahreszeiten außer Kraft gesetzt war, und alles, was fliegen konnte, war vernichtet. Kein Bewohner der Stadt durfte jemals wieder vom Fliegen sprechen. Die Kinder verschwanden im Wald und eine tiefe Traurigkeit legte sich über die Stadt. Die Stadt beschloss gegen den Februar in den Krieg zu ziehen, angeführt von einer Gruppe ehemaliger Ballonfahrer, die sich "Der Ausweg" nannte...

Die Aufmachung des Buches ist so wunderschön, dass ich abgesehen vom Inhalt gar nicht anders kann als diesem Buch die höchste Bewertung zu geben. Sowohl der Umschlag als auch der darunter verborgene Hardcovereinband erstrahlen in einem glitzernden Weiß, dass einen an eine geschlossene Schneedecke denken lässt. Auf dem Schutzumschlag ist Thaddeus an der Außenseite seines Ballons abgebildet mit einem Leuchtkasten über dem Kopf (Originaltitel des Buches: "Light Boxes"), auf dem bedruckten Hardcover sieht man eine weitere im Buch beschriebene Szene, in der Männer mit langen Stöcken im Himmel herumstochern und Hirsche mit einem bedruckten Banner zwischen den Geweihen - "Krieg dem Februar" - durch die verschneite Ebene eilen.
Die Zeichnungen stammen von Ria Brodell, und untermalen das Geschehen auf eine einzigartige, manchmal bedrückende Weise - "Jemand hatte Caldor Clemens in einer hohlen Eiche aufgehängt." Text + Zeichnung, Seite 114f.
Der Schriftsatz der Geschichte ist verspielt und auffällig. Neben Kapiteln in normaler Schriftgröße, tauchen in der Erzählung immer wieder Textstellen in größerer Schrift auf, manchmal steht nur ein Satz in der Mitte einer Seite, und Papierschnipsel werden dargestellt durch immer wiederkehrende Satzfragmente.

Wie die meisten Märchen findet auch das von Thaddeus und dem Februar ein gutes Ende: "Ihr habt ihn nie gesehen, aber im Februar blüht ein schöner Garten." - FLIEGEN WIEDER MÖGLICH

Freitag, 9. April 2010

[REZENSION] Lukas, Sarah - Der Kuss des Engels

Sarah Lukas
Der Kuss des Engels
Verlag: Piper
410 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3492702058
ISBN-13: 978-3492702058

Inhalt:
Sophies Verlobter wird bei einem Überfall in Kolumbien getötet. In Paris versucht Sophie über den schweren Verlust hinwegzukommen. Doch statt in ihrem Fremdsprachenseminar Zerstreuung zu finden, erinnert die Stadt sie ständig an die schönen Tage mit Rafael, die sie hier mit ihm verbracht hat. Eines Tages sieht Sophie am Seineufer einen Mann, der Rafael zum Verwechseln ähnlich sieht. Sophie glaubt an eine Verschwörung und einen vorgetäuschten Tod. Doch Rafaels Doppelgänger erinnert sich nicht an Sophie. Zuerst glaubt sie an eine Amnesie, und als Sophie endlich begreift, wer der Fremde wirklich ist, schwebt sie bereits in großer Gefahr...

Eigene Meinung:
In meinen Augen war die Geschichte zu vorhersehbar und darüberhinaus unnötig aufgeblasen durch unzählige Wiederholungen. Die Autorin scheint ein großer Parisliebhaber zu sein, und waren die ausführlichen Beschreibungen zu Anfang noch recht interessant zu lesen, so wurden sie mir im Laufe der Geschichte einfach zu viel und langweilig. So erfährt der Leser u.a. bei jedem Café- und Restaurantbesuch von Sophie, was diese sich zu Essen oder zu Trinken bestellt und die Autorin zitiert wiederholt Filme, die Sophie gesehen hat und deren sie sich erinnert beim Anblick verschiedener Schauplätze.
Gegen Ende zieht der Spannungsbogen etwas an und wenn man sich erfolgreich durch den langatmigen Mittelteil der Geschichte gekämpft hat, wird man zumindest mit einem dramatischen Showdown belohnt.
Der Schreibstil der Autorin hat mir durchaus zugesagt. Sie schreibt auf sprachlich hohem Niveau und die ausdrucksvollen Schilderungen von Paris wissen zu überzeugen - nur wäre weniger an mancher Stelle mehr gewesen!!!
Der Umschlag des Buches ist wunderschön gestaltet mit der leicht erhobenen Schrift und den zarten Engelsflügeln, die ein blasses Frauengesicht umrahmen. In der vorderen und hinteren Buchklappe ist eine Karte von Paris abgebildet mit einer Legende der wichtigsten Schauplätze.

Fazit:
Ein Buch, das durch das Einsparen einiger Seiten bestimmt an Spannung gewonnen hätte!

Reihen-Info:
Der Kuss des Engels
Der Kuss des Jägers (April 2011)

[REZENSION] Lee, Ingrid - Wunderhund

Ingrid Lee
Wunderhund
Verlag: Chicken House
170 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3551520011
ISBN-13: 978-3551520012
empfohlenes Lesealter: 10-11 Jahre

Über die Autorin:
Ingrid Lee, 1948 in East York, Kanada geboren, fing erst richtig mit dem Schreiben an, als ihre Kinder groß waren. Zuvor arbeitete sie als Lehrerin und unterrichtete Vieles, meistens jedoch Kunst und Englisch. Mit in ihrem Haus wohnt Cash - ein Pitbull, der eines Tages einfach im Flur stand.

Über das Buch:
Ingrid Lee hat ein zauberhaftes Buch über wahre Freundschaft geschrieben. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen namens Mackenzie, der eines Tages von seinem Vater einen Hundewelpen geschenkt bekommt, den dieser statt Cash beim Pokern gewonnen hat. Mackenzie schließt das kleine Hundemädchen sofort in sein Herz und auch auf der Seite von Cash - wie Mackenzie seinen Welpen nennt - ist es Liebe auf den ersten Blick. Vielleicht, weil sich beide so ähnlich sind: sie sind einsam und haben Schlimmes erlebt. Mackenzies Mutter ist gestorben und sein Halbbruder Kid ist von zu Hause abgehauen, weil er die Streitereien mit seinem ständig betrunkenen Vater nicht mehr ertragen hat. Doch dann setzt Mackenzies Vater den Hund einfach aus. Denn Cash ist ein Pitbull, und Pitbulls sind Waffen, sagen die Leute.
Wie Cash die Vorurteile der Einwohner von Crickstead ausräumt, neue Freunde findet, zu einem Wunderhund wird und zurück zu ihrem Herrchen Mackenzie gelangt, erzählt dieses Buch auf herzerwärmende Weise.

Das Cover dieser kleinen und wunderschönen Geschichte ist zum Anbeißen süß. Ganz groß blicken den potentiellen Leser die feuchten Hundeaugen an aus einem Gesicht, von dem man nur Ohren, Augen und Nase erkennen kann. Das Buch hat ein großes Schriftbild und ist über 170 Seiten in insgesamt 30 kurze Kapitel gegliedert, die sich auch von Leseanfängern und Lesemuffeln leicht lesen lassen.

Ich empfehle dieses Buch nicht nur der angegebenen Altersklasse, sondern eigentlich allen Lesern, die gerne Wohlfühlbücher lesen und noch an das Gute in der Welt glauben möchten ;)

Ohne moralisch erhobenen Zeigefinger hat Ingrid Lee ein Plädoyer für die verschriene Rasse der Pitbulls geschrieben, die oftmals nur durch falsche Erziehung aggressiv werden. Pitbull gelten im Allgemeinen als intelligente und sanftmütige Hunde, die u.a. von der Polizei als Spürhunde für Rauschmittel und Sprengstoffe eingesetzt werden oder als Rettungshunde. Diese Informationen sind zusammen mit den besonderen Auflagen, die für die Haltung eines Pitbulls gelten, in der Geschichte verarbeitet, und so liest man hier nicht nur über die Freundschaft zwischen Mackenzie und seiner Hündin Cash, sondern lernt darüber hinaus die Verantwortungen kennen, die die Hundehaltung mit sich bringt.

Montag, 5. April 2010

[REZENSION] Diamand, Emily - Flutland, Band 1

Emily Diamand
Flutland, Band 1
Verlag: Chicken House
347 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3551520038
ISBN-13: 978-3551520036
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre

Inhalt:
Flutland im Jahre 2216: Großschottland stellt den flächenmäßig größten Teil Großbritanniens dar, während England mit seinen zehn letzten Grafschaften nur noch einen kleinen Teil davon einnimmt und London steht größtenteils unter Wasser. Aus Klimawandel und Piraten hat Emily Diamand eine spannende Geschichte erschaffen, die in dem kleinen Dorf von Lilly Melkun ihren Anfang nimmt. Piraten überfallen das Fischerdorf, töten ihre Großmutter und entführen die Tochter des Premierminister, die dort bei ihrer Tante lebt. Doch nicht die Piraten sollen für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden, sondern die Bewohner des Dorfes. Die Käptens kommen in Gefangenschaft, die jungen Männern werden für die Miliz zwangsverpflichtet, beides bedeutet den sicheren Tod. Lilly muss handeln und zwar schnell. Sie segelt als Junge verkleidet zu den Piraten, um mit einem geheimnisvollem Juwel als Lösegeld Alexandra "Lexi" Randall, die Tochter des Ministers, auszulösen. Doch dann kreuzt Zeph ihren Weg. Und sein Vater ist der Piratenboss, das geheimnisvolle Juwel entpuppt sich als längst vergessene Technologie aus der Zeit vor dem großen "Kollaps" und dass die Piraten nicht nur hinter diesem Juwel sondern auch hinter Lillys seltener Schiffskatze her sind, die ihren Besitzer auf See vor Gefahren warnen kann, macht ihre Mission nicht einfacher...

Eigene Meinung:
"Flutland" ist der erste Teil der Trilogie der Abenteuer von Lilly, Zeph und Lexy, deren zweiter Teil "Flood and fire" im Original für August 2010 angekündigt ist.
Emily Diamand hat eine recht gelungene Mischung aus Piratengeschichte, Zukunftsvision und Fantasy geschaffen.
Das Cover ziert ein ansprechendes glänzendes Motiv des überfluteten Londons und der Geschichte vorangestellt ist eine einseitige Karte mit den wichtigsten Schauplätzen.
Gestört haben mich zu Beginn die abgehackt wirkenden Kapitel und das sprunghafte Wechseln zwischen Lilly und Zeph als Ich-Erzähler. Die Sprache fand ich auch für das empfohlene Lesealter von 12-13 Jahren oftmals etwas zu anspruchslos. Diese stilistischen Aspekte haben mir das Lesevergnügen an dieser ansonsten recht spannenden Abenteuergeschichte leider getrübt und ich habe einige Kapitel gebraucht, um in die Geschichte einzutauchen. Nachdem zu Beginn das Geschehen noch recht langsam voranschreitet, überschlagen sich am Schluss die Ereignisse und die Geschichte endet recht abrupt und offen. Obwohl ich die Grundidee dieses Buches ansprechend fand, hat mich die Geschichte letzendlich dann doch nicht so fesseln können, dass ich mit Sicherheit sagen kann, ob ich die Trilogie um "Flutland" weiterlesen werde. Ein Pluspunkt ist auf jeden Fall das Duo aus einer männlichen und weiblichen Hauptfigur - Zeph und Lilly - die mit ihren Eigenarten sehr sympathisch wirken und das Buch sowohl für Jungs als auch für Mädchen zu einem Leseabenteuer werden lassen.

Freitag, 2. April 2010

[REZENSION] Abedi, Isabel - Lucian

Isabel Abedi
Lucian
Verlag: Arena
553 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3401062034
ISBN-13: 978-3401062037
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre

Inhalt:
Mittwochabends veranstalten Rebecca, ihre Mutter Janne und deren Lebensgefährtin Spatz schon seit Jahren die Ladys Night In. Das aktuelle Motto der Ladies Night In lautet: ausmisten! Als Janne etwas Kleines, Weißes aus einer Kiste zieht , das sich als Rebeccas erster Teddy Lu entpuppt, fühlt Rebecca plötzlich einen hauchfeinen Riss tief in ihrem Inneren, kaum wahrnehmbar, als hätte ihr jemand ein Härchen ausgerupft. Ab diesem Moment fühlt sich Rebecca, als würde ihr etwas Wichtiges fehlen, nur was? Nicht nur, dass sie sich ab diesem Abend unruhig fühlt, scheint ihr ein merkwürdiger Junge auf Schritt und Tritt zu folgen, der weder weiß wer er ist, noch woher er kommt. Sein einziger Halt ist Rebecca, von der er jede Nacht träumt. Und auch Rebecca spürt vom ersten Augenblick an eine Anziehung, die sie sich nicht erklären kann. Bevor die beiden jedoch in Erfahrung bringen können, worin die geheimnisvolle gegenseitige Anziehungskraft liegt, werden sie von Jannes Mutter getrennt. Mit Folgen, die für beide grausam sind. Denn das, was sie verbindet, ist weit mehr als Liebe.

Eigene Meinung:
"Lucian" ist ein wunderschöner, bezaubernder Jugendroman, der seinen Leser schnell in den Bann zieht und eine überraschende Lösung für das Geheimnis von Lucian bietet.
Die Sprache ist jugendlich und in meinen Augen zu 100% authentisch. Der Charakter von Rebecca, ihre Beziehungen zu Freunden, die Musik, die sie hören, die Partybesuche... alles wirkt absolut echt und direkt aus dem Leben gegriffen, als hätte Isabel Abedi die Charaktere nicht erfunden, sondern als würde sie von Personen schreiben, die sie tatsächlich kennt.
Obwohl der Roman mit knapp 550 Seiten recht umfangreich für ein Jugendbuch ist, hatte ich ihn innerhalb von zwei Tagen gelesen, und trotz spoilernder Rezensionen, wegen denen ich bereits vor dem Lesen wusste, welches Geheimnis Lucian hütet, hat die Geschichte mich in ihren Bann ziehen können. Es sind die ganzen Nuancen, die diese Geschichte so überaus lesenswert machen, die liebevoll geschilderten Charaktere, die Umgebung, in der sich Rebecca aufhält, die dank der umfangreichen Recherchen der Autorin so bunt und schillernd vor dem inneren Auge erscheinen, dass man sich als Leser geradewegs in die Geschichte hineinkatapultiert fühlt.
Zum Ende hin passierte zwar einiges Knall auf Fall und ich hätte mir einen weniger abrupten Schluss der Geschichte gewünscht - und noch hunderte Seiten weiter lesen können ;) aber trotzdem erhält dieses Buch von mir die beste Bewertung, weil dieser kleine Makel im Vergleich zur ganzen Geschichte von Rebecca und Lucian für mich kaum ins Gewicht fällt.

Fazit:
Auf dem beiliegenden Lesezeichen zum Buch steht der Satz "Ein Zauberwerk über die Schönheit der Liebe", damit ist alles gesagt, schöner und treffender könnte ich es nicht ausdrücken, als es der Verlag bereits getan hat.
Man sollte sich vom empfohlenen Lesealter nicht abschrecken lassen. Ich selbst würde eine Empfehlung für die Altersgruppe von 15-16 Jahren aussprechen - das Alter der Hauptfigur Rebecca - und habe den Roman selbst als Erwachsene in vollen Zügen genossen.