Sonntag, 28. März 2010

[REZENSION] Whitcomb, Laura - Silberlicht

Laura Whitcomb
Silberlicht

Verlag: Pan
310 Seiten, Softcover
ISBN-10: 342628328X
ISBN-13: 978-3426283288
empfohlenes Lesealter: 14-15 Jahre
Ein Brief von einer Muse an ihren Dichter:
Verehrter Herr,
ich wurde weggerufen und konnte Sie nicht mit mir nehmen, doch nun finde ich keine Ruhe.
Ich weiß, dass Sie manchmal das Gefühl hatten, ich sei ein Teil von Ihnen gewesen und dass mein Verlust ein Loch in Ihrem Herzen hinterlassen würde, doch das stimmt nicht.
Ich tat gern so, als sei ich die Seele Ihres Talents, doch das war ich nicht.
Was Sie auch tun, die Ideen, die Sie entwerfen, die Zeilen, die Sie schreiben, die Worte, die Sie wählen - es kommt aus Ihrem Innersten.
Bitte verzeihen Sie mir.
Es tut mir leid, dass ich mich nicht verabschiedet habe. S.184f
Klappentext:
Helen ist tot. Und doch ist es ihr nicht vergönnt, ins Himmelreich aufzusteigen. Als durchsichtiger Schatten einer einst wunderschönen Frau bleibt sie auf Erden gefangen. Niemand sieht sie und niemand kann sie berühren. Sie ist die stille Muse ihrer "Bewahrer", allesamt Schriftsteller, denen sie die richtigen Worte einflüstert und die nie etwas von ihrer Existenz erfahren werden. Bis eines Tages ein Siebzehnjähriger ihr Leben verändert: Er blickt Helen direkt ins Gesicht und... er lächelt! Im Körper des Schülers steckt James, ebenfalls eine Lichtgestalt. Er ist fasziniert von Helens Schönheit, und vom ersten Augenblick an wissen die beiden, dass sie füreinander bestimmt sind. Nun müssen sie alles daransetzen, einen menschlichen Körper für Helen zu finden. Eine abenteuerliche Suche beginnt...

Eigene Meinung:
Helen begleitet als Muse in Lichtgestalt ihren "Bewahrer" bis hin zu dessen Tod. Sie selbst wandelt danach weiter auf der Erde, in Gesellschaft eines neuen "Bewahrers", ohne Erinnerung an ihr früheres Leben und in Unkenntnis darüber, warum es ihr nicht vergönnt ist, selbst in den Himmel aufzusteigen. Ihr Dasein ändert sich, als sie mit James auf eine andere Lichtgestalt trifft, die den Körper eines Siebzehnjährigen in Besitz genommen hat.
Laura Whitcomb hat eine außergewöhnliche Liebesgeschichte geschrieben, nicht nur zwischen Helen und James, dem neuen Traumpaar der übersinnlichen Welt - wie es auf der Rückseite des Buches heißt, sondern auch eine Geschichte von der Liebe zu der Welt der Literatur und der Bücher. Die Literatur spielt tatsächlich neben Helen und James die dritte Hauptrolle in diesem Buch. Das Buch ist geschmückt mit Zitaten, Anspielungen auf bekannte Werke und immer wieder steht Helens Liebe zu Büchern im Vordergrund.
James ist im Körper eines Drogensüchtigen gelandet und Helen bezieht den Körper der fünfzehnjährigen Jenny, deren Eltern religiöse Fanatiker sind. Das sind keine idealen Voraussetzungen für ihre junge Liebe, und so haben die beiden fortan mit dem übervorsichtigen Bruder von James/Billy und gegen den religiösen Wahn und die Verbote von Helens/Jennys Eltern zu kämpfen.
Jennys Eltern und deren Gehabe fand ich erschreckend und so musste ich im Mittelteil des Buches ans Ende spicken, weil ich zwischenzeitlich befürchtete, dass die Geschichte ein schreckliches Ende nehmen wird... Wie die Geschichte für James/Billy und Helen/Jenny ausgeht, verrate ich natürlich nicht, dass muss schon jeder selbst herausfinden ;)
Die Autorin wechselt gekonnt zwischen Gegenwart und eher altmodisch anmutenden Passagen, insbesondere den Dialogen zwischen James und Helen, da die beiden ja in der Vergangenheit gelebt haben und das merkt man ihrer Sprache und ihrem Verhalten an. Überhaupt fand ich das Buch an den Stellen am schönsten, wenn sich die Handlung nur zwischen den beiden abgespielt hat.
Die Geschichte wird komplett aus der Perspektive von Helen erzählt. Die ersten Kapitel aus Helens Geister-Sicht fand ich noch etwas wirr, aber spätestens als sie auf James trifft und die Geschichte sich nicht mehr nur in ihrem Kopf abspielt, klart das Geschehen auf und der Leser wird in den Bann einer wunderschönen Liebesgeschichte gezogen.
Gegen Ende hin kamen mir einige Personen und Handlungsstränge zu kurz. So hätte ich mir entweder gewünscht, das Buch hätte noch ein paar Seiten mehr gehabt, um jedem Protagonisten gerecht zu werden, oder die Entwicklung von Jennys Elternhaus wäre knapper ausgefallen. Jennys Eltern und deren religiöses Gehabe standen mir am Schluss zu sehr im Vordergrund. Lieber hätte ich noch mehr von James und Helen gelesen, wie sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen, um ihrer persönlichen Hölle entfliehen zu können.

Aufmachung des Buches:
Die Covergestaltung dieses Buches ist eine gesonderte Erwähnung wert: Sie passt wunderbar zu der Lichtgestalt von Helen. Das Cover glänzt und glitzert in wunderschönen Gold- und Silbertönen und das Konterfei einer Frau, die Helen sein könnte, zeichnet sich in ganz zarten Farben auf der Vorderseite des Buches ab.

Fazit:
Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, die besonders sprachlich aus der Masse heraussticht.

Auf der Seite des Pan Verlags gibt es eine Sammlung der literarischen Anspielungen in Silberlicht: Literaturanspielungen

Freitag, 26. März 2010

[REZENSION] KeinBuch vs. Mach dieses Buch fertig



Nachdem ich nun einige Dinge mit KeinBuch und Mach dieses Buch fertig angestellt habe, die ich sonst keinem Buch antun würde ;) komme ich nun zu einer vergleichenden Beurteilung der beiden Bücher.

Dabei beurteile ich verschiedene Faktoren und komme zu einem abschließenden Fazit, wem ich welches Buch empfehlen würde, denn eines will ich direkt zu Beginn klarstellen:
Die Bücher ähneln sich von der Grundidee und sie gefallen mir beide, aber im Detail kann man doch Unterschiede feststellen, die dazu führen, dass man je nach Geschmack dem einen oder anderen der beiden Bücher den Vorzug gibt.

Aufmachung der Bücher:
Von der Titelwahl ist KeinBuch wesentlich einprägsamer als das kompliziertere Mach dieses Buch fertig. Dennoch finde ich die Titelwahl in Anlehnung an das Original Wreck this journal okay.
Bei der Gestaltung des Umschlags hat eindeutig Mach dieses Buch fertig die Nase vorn: Die schlichte Gestaltung in Notizbuchform mit scheinbar aufgeklebten Post-It und die als Briefumschlag gestaltete Rückseite, die gleich mit der ersten Aufgabenstellung konfrontiert: Klebe dieses Buch zu. Schicke es an dich selbst.

Aufgaben:
Beide Bücher bieten eine Mischung aus Zerstörung und Kreativität, wobei Mach dieses Buch fertig einen höheren Anteil an kreativen Aufgaben bietet.
Ist die kreative Seite bei KeinBuch mit dem Verschmieren von Essen, Einkleben von Stickern und Malen eines Daumenkinos beinahe erschöpft, bietet Mach dieses Buch fertig neben ähnlichen wie den bereits genannten Kreativaufgaben, noch weitere Aufgabenstellungen wie Male ein wirklich abscheuliches Bild, Sammle hier Obstaufkleber, Pack diese Seite voll nur mit Büroutensilien oder Archiviere hier die Briefmarken all deiner Post.

Bearbeiten der Bücher in Gesellschaft von anderen:
Hier ist KeinBuch eindeutig im Vorteil. Aufgaben wie Lass hier all deine Freunde unterschreiben, Schmuggel das Buch in die Handtasche einer Freundin, Nimm deinen Freunden Abdrücke ab, Wer findet den besten Reim, Tausche diese Seite mit einer Seite aus dem Notizbuch eines Freundes, Lass deinen besten Freund diese Seite zerstören machen dieses Buch zum perfekten Partyspaß. Mach dieses Buch fertig bietet dagegen mehr oder weniger nur eine einzige Aufgabe, die in Gesellschaft gelöst werden muss mit dem Aufruf Hänge das Buch an einem öffentlichen Ort auf und lade die Leute ein, hier hineinzumalen.

Fazit:
KeinBuch
bietet mehr Spaß und Möglichkeiten, wenn man die Aufgaben zusammen mit Freunden lösen will, wohingegen Mach dieses Buch fertig mehr die kreative denn die zerstörerische Seite anspricht, und daher aufwendiger in der Bearbeitung ist.
Einige Aufgaben sind in beiden Bücher identisch, manche ähneln sich und einige sind in nur jeweils einem der beiden Bücher vertreten.
Bevor man sich eines der beiden Bücher zulegen will, sollte man meiner Meinung nach sein Hauptaugenmerk darauf legen, ob man das Buch eher für sich allein oder mit Freunden bearbeiten will und ob man eher der kreative oder der zerstörerische Typ ist ;) Wem beides egal ist, kann frei Schnauze nach persönlichem Geschmack entscheiden, welches Buch ihm von der Gestaltung her mehr zusagt, denn einen hohen Spaßfaktor bieten beide Bücher.

Weitere Informationen und eine Entscheidungshilfe vor dem Kauf bieten die Webseiten der beiden Bücher:

[REZENSION] Gaiman, Neil - Zerbrechliche Dinge: Geschichten und Wunder

Neil Gaiman
Zerbrechliche Dinge: Geschichten und Wunder
Verlag: Klett-Cotta
329 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3608938761
ISBN-13: 978-3608938760
Man kann Homer lauschen, ohne ein einziges Wort zu verstehen, und trotzdem weiß man - das ist Dichtung.
Dieser Satz stammt aus der Geschichte "Wie man auf Partys Mädchen anspricht" und manchmal könnte man meinen, dass Neil Gaiman seine eigenen Kurzgeschichten damit charakterisiert.

Seine Geschichten haben nicht immer eine "Lösung", oft sind sie bizarr und spielen mit den Grenzen zwischen Fantasy und Realität.
Gaiman greift ungewöhnliche Charaktere der fantastischen Literatur auf. So spielen in seinen Geschichten nicht nur bekannte und in der Fantasy häufiger eingesetzte Wesen eine Rolle, sondern auch ausgefallenere Figuren wie Ghule, Außerirdische oder Halbgötter.
Oftmals beginnt Gaiman eine seiner Geschichten als würde er eine Begebenheit aus seinem eigenen Leben erzählen, bevor er den Leser ins Reich der Fantasie entführt. Gaiman spielt mit dem Leser, er lässt die Grenzen zwischen Autor, Leser und seinen Protagonisten verschwinden. Manchmal weiß man nicht, was in seinen Geschichten Traum oder Wirklichkeit, erlebt oder erfunden ist.
Die Geschichten sind allesamt dem Bereich der Erwachsenenliteratur zuzuordnen. Wer leichtere Kost in Richtung Kinder- und Jugendliteratur erwartet, sucht sie in diesem Buch vergebens.
Seine Romane "Niemalsland" und "Sternwanderer" bleiben für mich unerreicht, wobei ich allerdings gestehen muss, dass ich normalerweise kein großer Freund von Kurzgeschichten bin.

Die deutsche Ausgabe wurde gegenüber der amerikanischen Originalausgabe, die bereits 2006 erschienen ist, neu zusammengestellt und enthält folgende Geschichten:

- Kies auf der Straße der Erinnerung
- Verbotene Bräute gesichtsloser Sklaven im geheimen Haus der Nacht grausiger Gelüste
- Bitterer Kaffeesatz
- Gustav hat den Frack an
- Wie man auf Partys Mädchen anspricht
- Eine Studie in Smaragdgrün
- Die wahren Umstände im Fall des Verschwindens von Miss Finch
- Sonnenvogel
- Fressen und gefressen werden
- Virusproduzentenkrupp
- Goliath
- Oktober hat den Vorsitz
- Der Herr des Tals
- Am Ende

Für Gaiman-Fans auf jeden Fall empfehlenswert. Denjenigen, die noch nichts von Gaiman gelesen haben, würde ich aber eher zu einem seiner Romane raten.

[REZENSION] Zafón, Carlos Ruiz - Der Fürst des Nebels

Carlos Ruiz Zafón
Der Fürst des Nebels
Verlag: Fischer
270 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3841440010
ISBN-13: 978-3841440013
empfohlenes Lesealter: 12-13 Jahre

Über das Buch:
Carlos Ruiz Zafóns Buch "Der Fürst des Nebels" erschien erstmals 1996 im dtv als Taschenbuchausgabe. Nun liegt der, mit dem spanischen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete, Debütroman des Bestsellerautors in neuer Übersetzung als Hardcoverausgabe vor. Vom Coverdesign passend gestaltet zu dem bereits erschienenen "Der dunkle Wächter" und das für den Herbst angekündigte Buch "Der Mitternachtspalast".
Die drei Titel - die inhaltlich trotzdem voneinander unabhängig sind - sind auch bekannt unter dem Namen Nebel-Trilogie, die ursprünglich in folgender Reihenfolge erschienen sind:
- El príncipe de la niebla 1993 (dt. Der Fürst des Nebels)
- El palacio de la medianoche 1994 (dt. Der Mitternachtspalast)
- Las luces de septiembre 1995 (dt. Der dunkle Wächter)

Inhalt:
Max und seine Familie ziehen während des Zweiten Weltkrieges von der Stadt in ein verschlafenes Fischerdörfchen. Statt den Schrecken des Krieges erleben sie hier hautnah ein Grauen ganz anderer Art. Das Haus, in das Max mit seiner Familie zieht, hütet ein dunkles Geheimnis: Vor Jahren ist hier unter mysteriösen Umständen ein kleiner Junge ertrunken. Der Leuchtturmwärter des Dorfes erzählt Max eine geheimnisvolle Geschichte. Der Junge soll einem Magier namens Cain zum Opfer gefallen sein, den die Leute auch "Fürst des Nebels" nannten. Max und sein neuer Freund Roland, der Enkel des Leuchtturmwächters, bekommen zu spüren, dass der alte Mann ihnen nicht alles erzählt hat, als ihr eigenes Leben von dem Schrecken aus der Vergangenheit bedroht wird. Kann es sein, dass der Fürst des Nebels, der in der Vergangenheit so viel Unheil angerichtet hat, zurückgekehrt ist?

Eigene Meinung:
Bereits das Debüt des Bestsellerautors Carlos Ruiz Zafón zeugt von seiner Sprachgewalt. Die Geschichte von Max und seiner Familie ist mit Liebe zum Detail erzählt und auch sprachlich passt sie in die gewählte Zeit des Zweiten Weltkrieges ohne dabei angestaubt zu wirken.
Dennoch fasst sich Zafón hier deutlich kürzer als man es zum Beispiel von seinem Werk "Der Schatten des Windes" gewohnt ist. Stellenweise hätte ich mir gewünscht, der Autor hätte die Geschichte vom Fürst des Nebels noch ausgebaut und einige Erzählansätze weiter vertieft. Bei diesem Vergleich muss man allerdings bedenken, dass "Der Fürst des Nebels" im Gegensatz zu "Der Schatten des Windes" ein Jugendbuch ist und vor Zafóns anderen Werken verfasst wurde.
Die rückwärts gehenden Uhren, der geheimnisvolle Steinfigurengarten und besonders das Mausoleum, das jahrelang auf seine Bestimmung wartet, erinnern an Gruselgeschichten des 19. Jahrhundert. Vor allem die Geschichten von Edgar Allan Poe kamen mir beim Lesen immer wieder in den Sinn. Die Leseempfehlung des Verlags empfinde ich als etwas zu niedrig angesetzt, da ich glaube, dass Kinder im Alter von 12 Jahren dieses unterschwellige Grauen in "Der Fürst des Nebels" nicht wirklich verstehen.

Das Hörbuch:
Ich höre zwar nicht sehr oft Hörbücher, möchte in diesem Fall aber eine besondere Empfehlung dafür aussprechen. "Der Fürst des Nebels" liegt als ungekürzte Lesung vor. Wenn ich vor einem Hörbuch bereits den zugrunde liegenden Roman gelesen habe, lege ich großen Wert darauf, dass die Lesung nicht gekürzt ist, damit ich im Vergleich zum Buch keine Abstriche machen muss.
Rufus Beck fängt auf geniale Weise den besonderen Zauber von Carlos Ruiz Zafóns Buchvorlage ein und macht damit das Hörbuch zu einem noch größeren Erlebnis als es der Roman selbst ist.

Mittwoch, 24. März 2010

[REZENSION] Wasserman, Robin: Skinned, Band 1

Robin Wasserman
Skinned, Band 1
Verlag: script5
375 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3839001064
ISBN-13: 978-3839001066
empfohlenes Lesealter: ab 16 Jahre
"Es tut mir leid, wenn ich jetzt etwas Unpassendes sage,
aber dieses Ding ist nicht Ihre Tochter.
Es verfügt über die Erinnerungen Ihrer Tochter,
es ahmt die Persönlichkeit Ihrer Tochter nach,
vielleicht glaubt es tatsächlich, es wäre Ihre Tochter..
Aber sosehr Sie sich das auch wünschen mögen, es ist nicht so.
Ihre Tochter ist tot."

"Lia Kahn ist tot.
Ich bin Lia Kahn.
Deshalb - denn das ist ja wohl ein logisches Problem,
das sogar ein minderbemitteltes Kind lösen könnte - bin ich tot.
Da ist nur eine Sache: Ich bin es nicht."
"Skinned" ist der erste Teil einer Trilogie. Im Original liegt bereits der zweite Band "Crashed" vor, der dritte Teil "Wired" erscheint im Herbst diesen Jahres.

Lia Kahn ist reich, schön und beliebt - bis ein Unfall sie beinahe tötet.
Im Krankenhaus wacht sie in einem perfekten künstlichen Körper auf. Ihre Eltern haben sich für einen Downloadeingriff entschieden, bei dem Lias Gehirn entfernt wurde, eingefroren... in rasierklingendünne Schnitte zerlegt... gescannt... Lia ist nur noch ein Geist in einer Maschine. Ein MechHead. Ein Kabelhirn. Ein Frankenstein. Ein Hautdieb. Ein Skinner.

Lia wird nie nie wieder Schmerz empfinden, sie wird nicht altern und nicht sterben. Sollte ihr künstlicher Körper eines Tages verschlissen sein, wird man ihren Gehirnscan einfach in den nächsten Körper übertragen, und wieder... und wieder... und wieder...
Doch der Preis dafür ist hoch: Freunde und Familie wenden sich von ihr ab, ihr Leben verwandelt sich in einen Albtraum. Nur ein Junge, selbst ein Außenseiter, hält zu ihr und hilft Lia ihr neues Ich zu erforschen.

Die Lektüre von "Skinned" hat mich nicht nur während der Zeit gefesselt, die ich lesend mit dem Buch verbrachte, auch in der lesefreien Zeit konnte ich meine Gedanken kaum von der Vision eines "Download-Empfängers" abwenden.

Wer oder was ist Lia Kahn? Ist sie ein Mensch? Ist sie eine Maschine? Sie KANN atmen, sie KANN den Mund beim Sprechen bewegen, aber sie müsste es nicht tun, um leben oder sprechen zu können. Sie ahmt die alltäglichen, teils unbewussten, Bewegungen eines Menschen nur nach, um menschlich zu erscheinen. Also ist sie eine Maschine! Lia Kahn hat einen freien Willen, sie lernt neue Dinge und sie hat ihre Erinnerungen an die Zeit vor dem Unfall. Also ist sie ein Mensch! Aber auch auf der Festplatte eines Computers kann ich Erinnerungen speichern, und Computer sind lernfähig... Ist sie doch eine Maschine? Die meisten Menschen in Lia Kahns Welt stempeln Skinner als Maschinen ab, der Leser jedoch, der durch die gewählte Ich-Perspektive in Lia Kahns "Haut" steckt, sieht beide Seiten der Medaille, er erlebt die Reaktionen der Außenwelt und empfindet Empathie mit dem Skinner.
Die wiederholte Frage nach dem freien Willen ist ein Grundelement von Lia Kahns Geschichte. Macht der freie Wille das Menschsein aus? Kann Lia Kahn überhaupt beurteilen, ob sie einen freien Willen hat oder ob sie nur programmiert worden ist zu denken, sie hätte einen freien Willen? Macht der Körper einen Menschen aus, oder der Geist? Würde Lia Kahns Gehirnscan in eine Maschine übertragen, die kein menschliches Ausehen hätte, wer oder was wäre sie dann?

"Skinned" ist kein oberflächlicher Science Fiction Roman, sondern eine Lektüre die zum Nachdenken anregt und Zukunftsvisionen aufzeigt, die ich persönlich sehr erschreckend finde.
Fesselnd und faszinierend, aber auch erschütternd und aufwühlend. Ein Roman, der bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat!

Sonntag, 21. März 2010

[REZENSION] Urban, Linda - Das Leben ist kein Klavier

Linda Urban
Das Leben ist kein Klavier
Verlag: Carlsen
208 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3551555044
ISBN-13: 978-3551555045
empfohlenes Lesealter: 10-13 Jahre

Klappentext:
Zoes Vater ist den ganzen Tag zu Hause, backt die besten Plätzchen der Welt und macht Fernkurse im Jumbo-Jet-Fliegen. Zoes Mutter ist Finanzprüferin oder so was Ähnliches und arbeitet rund um die Uhr. Im Keller lagern 432 Rollen Klopapier und im Wohnzimmer steht eine Heimorgel mit ganz vielen Rhythmusknöpfen. Moment mal, eine Heimorgel? Zoe wollte doch Klavier spielen lernen und an einem glänzenden Flügel Konzerte geben, richtig würdevoll! Aber das Leben läuft manchmal eben anders als geplant - und Zoe macht das Beste draus.

Eigene Meinung:
Die Geschichte von Zoe und ihrer Familie ist genauso süß, wie das zartrosa gehaltene Cover mit der Sahnetorte und dem kleinen Flügel aus Marzipan.
Das Buch lebt von seinen skurrilen Figuren: die kleine Zoe, die so gerne eine berühmte Pianisten werden will, um eines Tages in der Carnegie Hall auftreten zu können und um in einem Atemzug mit dem berühmten Wladimir Horowitz genannt zu werden. Ihre Mutter, die den ganzen Tag arbeitet und es oft nicht einmal zum Essen nach Hause schafft. Zoes Vater, der 432 Rollen Klopapier im Sonderangebot kauft, unzählige Diplome der Fernuniversität an den Wänden hängen hat, sich für seine Tochter eine Heimorgel aufschwatzen lässt und sich nicht vor die Tür traut. Das Beste in Zoes Leben ist der Tag, an dem sie einen neuen Freund in Wheeler Diggs findet, der nicht nur ihrem Leben, sondern auch dem von ihren Eltern neuen Schwung verleiht.
Das Buch ist im Präsens aus der Sicht von Zoe geschrieben, so taucht man richtig schnell in die skurrile Geschichte ein und kann sich - auch als Erwachsener - gut mit den Problemen und Sorgen der 11jährigen Zoe identifizieren. Auch wenn man diesem Alter schon lange entwachsen ist, kann sich der eine oder andere Leser bestimmt in Zoes Schilderungen wieder finden, wie es war, nicht die richtigen Klamotten während der Schulzeit getragen zu haben, oder die beste Freundin zu verlieren, weil man durch eine neue ersetzt wurde.
Die Kapitel sind sehr kurz gehalten, manchmal nur einige Wörter oder Sätze lang. Die kurzen Kapitel, die große Schrift und der recht geringe Umfang des Buches machen die Geschichte ideal für Kinder, die noch nicht gerne dicke Bücher lesen oder nicht gerne viel an einem Stück.
Das Buch "Das Leben ist kein Klavier" ist ein Rundumwohlfühlbuch, wie ein Stück leckere Sahnetorte mit Marzipandekor ;)

[REZENSION] Laurie, Victoria - M.J. Holliday: Geisterjägerin 1: Rendezvous um Mitternacht

Victoria Laurie
M.J. Holliday: Geisterjägerin 1: Rendezvous um Mitternacht
Verlag: Lyx
317 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 3802582802
ISBN-13: 978-3802582806

Über die Autorin:
Informationen über die Autorin findet man auf ihrer Website victorialaurie.

Klappentext:
M.J. Holliday hat einen nicht ganz alltäglichen Beruf: zusammen mit ihrem besten Freund Gilley und dem sprechenden Papagei Doc betreibt sie eine Geisteragentur. Während der Computerexperte und begnadete Hacker Gilley für die Technik und die Beschaffung der Aufträge zuständig ist, nutzt M.J. ihre übersinnlichen Kräfte dazu, für ihre Klienten als Medium in alten Häusern Geister aufzuspüren und diese ins Jenseits zu befördern. Da taucht eines Tages der gut aussehende Dr. Steven Sable in M.J.s Agentur auf, um sie für einen Job anzuheuern. Sable hat vor Kurzem die Wochenendvilla seines Großvaters geerbt, nachdem dieser - angeblich durch Selbstmord - aus dem Leben geschieden ist. Bei einem Besuch der Villa ist ihm der Geist seines Großvaters erschienen, und Sable ist überzeugt davon, dass dieser ihm etwas über die genaueren Umstände seines Todes mitteilen will. Mit ihrer Ausrüstung aus Nachtsichtkameras, Bewegungsdetektoren und allerlei anderen Gerätschaften machen sich M.J. und Gilley auf den Weg, um gemeinsam mit Sable seinen Großvater aufzuspüren. Als im Keller der Villa ein Mordanschlag auf M.J. und Steven verübt wird, den diese nur knapp überleben, wird eines klar: Nicht nur die Geister haben es auf sie abgesehen. Und während die Ermittlungen immer brisanter werden, beginnen auch zwischen M.J. und dem charmanten Stephen die Funken zu fliegen...

Eigene Meinung:
Victoria Lauries Geisterjägerin-Serie - die aus der Ich-Perspektive von M.J. erzählt wird - ist eine gelungene Mischung aus paranormaler Geistergeschichte und Krimi. Ich fand es sehr erfrischend, dass keine allzu skurrilen Figuren in dieser Geschichte mitspielen, sondern zwar verschrobene, aber "normale" Charaktere, die man beim Lesen sofort ins Herz schließt und mit denen man sich identifizieren kann.
Neben der Rahmenhandlung, in der M.J. zusammen mit ihrem schwulen Freund Gilley und Steven versucht, die genaueren Umstände des Todes von Stevens Großvater zu klären, lockern sympathische Randfiguren und eingeschobene Nebenhandlungen die Geschichte immer wieder auf. So stellt M.J. ihre Arbeit als Geisterjägerin und Medium in der Regel durch eine kurze Präsentation ihrer Fähigkeiten vor und der Leser erfährt dadurch einiges über die agierenden Personen und deren verstorbene Verwandschaft.
Die romantische Note hält sich zugunsten des kriminalistischen und paranormalen Faktors dezent im Hintergrund und wird sogar auf die Schippe genommen: So erliegt nicht nur M.J. dem Charme des gut aussehenden Doc "Sahneschnitte" Steven Sable, sondern auch ihr schwuler Kumpel Gilley ;)
Mag die Kriminalgeschichte manchmal etwas flach oder vorhersehbar sein, so tat das meinem Lesevergnügen dennoch keinen Abbruch und ich freue mich sehr auf den zweiten Teil der Serie, für den leider noch kein Erscheinungstermin feststeht.

Freitag, 19. März 2010

[REZENSION] Gatti, Will - Diebe!

Will Gatti
Diebe!
Verlag: Beltz
413 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 340781058X
ISBN-13: 978-3407810588
empfohlenes Lesealter:12-15 Jahre

Inhalt:
In einer namenlosen Stadt Südamerikas kämpfen Baz und ihr Freund Demi ums Überleben im Großstadtdschungel. Die beiden sind Mitglieder einer Jugendbande. Tagsüber stürzen sie sich ins Getümmel der Stadt und beklauen Leute. Abends kehren sie zurück in die Slums, wo sie leben und von besseren Tagen träumen. Falls ihnen eines Tages der große Coup gelingen sollte, könnten sie der Welt der Armen den Rücken kehren.
Baz, Demi und einige andere Kinder leben zusammen bei einer Frau namens Fay, die sich um sie "kümmert". Das Kümmern sieht so aus, dass Fay die Kinder auf Raubzüge schickt, um genug zum Leben und zum Zahlen von Schutzgeldern zu verdienen, sie selbst hält sich aus den Tagesgeschäften raus. Die Kinder müssen sämtliche Diebesbeute an Fay abtreten und erhalten als Gegenleistung Obdach und Essen.
Eines Tages schmiedet Fay große Pläne: Als junges Mädchen hatte sie ihr Baby an den Polizeicaptain der Stadt zur Adoption gegeben. Dieses Baby ist heute ein junger Mann, der in dunkle Geschäfte verstrickt ist und gemeinsam mit Fay plant sein Adoptivelternhaus auszurauben. Angeblich will er sich zusammen mit seiner leiblichen Mutter ein neues und sorgloses Leben aufbauen. Doch Fay hat auf das falsche Pferd gesetzt... Ihr leiblicher Sohn hat ganz andere und rein egoistische Pläne. Er ist korrupt und setzt ohne mit der Wimper zu zucken das Leben von Unschuldigen aufs Spiel, um seine Pläne zu verwirklichen.
Demi wird bei dem angeblich 100% sicheren Raubzug angeschossen und verschleppt. Seine Freundin Baz setzt ihr eigenes Leben und das von Freunden aufs Spiel, um Demi zu retten. Dabei erhält sie Hilfe von Personen, mit denen man gar nicht gerechnet hätte, während Fay den besten Dieb ihrer Bande nach dem gescheiterten Raubzug fallen lässt...

Eigene Meinung:
Will Gatti hat mit "Diebe!" ein spannendes und in meinen Augen sehr authentisches Buch geschrieben. Die Kinder der Diebesbande unterhalten sich in einer Gossensprache, der man anmerkt, dass es sich um Straßenkinder ohne Schulbildung handelt. Sie können nur wenige Wörter lesen: ihre eigenen Namen und die wichtigsten Straßennamen der Stadt, damit sie von ihren Raubzügen zurück in die Slums finden. Durch die glaubwürdigen Charaktere und die detaillierten Schilderungen fühlt man sich mitten ins Geschehen versetzt. Will Gatti versteht es auf meisterhafte Weise dem Leser seine Figuren nahe zu bringen - so habe ich mit Baz und Demi während der ganzen Geschichte gelitten, und Fay und ihren leiblichen Sohn stellenweise gehasst!
Am meisten betroffen hat es mich, dass das Leben eines Kindes nichts wert ist! Sei es wie Fay ihr Baby zu Geld gemacht hat, oder wie sie Kinder aus ihrer Bande verkauft. Sie weiß genau, dass sie damit das sichere Todesurteil dieser Kinder unterschreibt, denn sie sind nach dem Verkauf zum Leben - oder eigentlich Sterben - als Arbeiter auf einem Müllberg verdammt. Wie oft sagt Fay, dass Demi mit seinen flinken Fingern der Meisterdieb der ganzen Stadt ist, aber als er angeschossen und verschleppt wird, schreibt Fay ihn ab, denn die Kinder haben nur Verwendung für sie, solange sie ihre Arbeit leisten können und ihr nicht zur Last oder sogar zur Gefahr werden.

Fazit:
Ein fesselnder Jugendroman, der mit seiner authentischen Sprache und einem geschickt aufgebauten Spannungsbogen den Leser in seinen Bann zieht. Und gleichzeitig ein Buch, das es schafft ohne erhobenen Zeigefinger zu erzählen, dass Schulbildung und ein sicheres und geregeltes Familienleben für Kinder keineswegs überall auf der Welt selbstverständlich sind!

Dienstag, 16. März 2010

[REZENSION] Safier, David - Plötzlich Shakespeare

David Safier
Plötzlich Shakespeare
Verlag: Kindler
314 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3463405539
ISBN-13: 978-3463405537

Warnung an den Leser:
Dieses Buch ist in historischer Hinsicht beeindruckend unfundiert.
Inhalt:
Rosa ist ein Klischee - sie ist seit Jahren Single, ihre biologische Uhr geht ihr auf den Wecker, und sie badet in Selbstmitleid: Die Liebe ihres Lebens will seine große Liebe heiraten, und dabei handelt es sich leider nicht um Rosa!
Wenn Rosa ehrlich ist, haben Jan und sie nie wirklich zusammen gepasst, und ihr schwuler Freund Holgi versucht ihr das unmissverständlich klar zu machen. Doch Rosa vergeht so in ihrem Selbstmitleid - und in dem einen oder anderen Ramazzotti - dass sie Jans Zahnarztpraxis aufsucht, um ihre Liebe zurückzuerobern. Natürlich geht alles schief, und statt bei dem von Holgi empfohlenen Psychologen landet Rosa auf der Liege eines Zirkusmagiers, der unter Hypnose Rückführungen der Seele durchführt. Rosa wird erst wieder aufwachen, wenn sie herausgefunden hat, was die wahre Liebe ist. Dabei landet Rosa nicht nur in der Vergangenheit, sondern darüberhinaus ausgerechnet im Körper eines Mannes - William Shakespeare!

Eigene Meinung:
David Safier nimmt seinen Roman und sich selbst augenzwinkernd auf die Schippe, in dem er von Anfang an klarstellt, dass die Geschichte von Rosa, die sich einen Körper mit dem großen Barden Englands teilen muss, voller Klischees steckt. Oder in dem er im späteren Verlauf der Geschichte Rosa eine Romanidee entwickeln lässt, die der Story von "Mieses Karma" entspricht: "Da war die Geschichte der Karrierefrau, die in eine Ameise verwandelt wird."
Mit "Plötzlich Shakespeare" liegt ein neues Lesevergnügen im Stile der beiden Vorgängerromane Safiers vor. Wie bereits in "Mieses Karma" oder "Jesus liebt mich" spielt der Autor mit übersinnlichen Effekten. Obwohl sich die Romane des Autors von der Grundidee ähneln und er viele alte Schenkelklopfer in seinen Geschichten verarbeitet, schafft Safier es doch immer wieder daraus etwas Humorvolles und Lustiges zu basteln.
Beim Lesen von Rosas und Shakespeares Geschichte konnte ich mich gut in das elisabethanische England versetzen, wo man unter anderem erfährt, dass die Queen "not amused" ist, wenn man sie auf der Suche nach dem stillen Örtchen auf dem Donnerbalken erwischt und die Unterhose eine herausragende Erfindung ist, weil sie Strumpfhosen vor braunen Rückständen bewahrt ;) Auch die Probleme, die Shakespeare in der Gegenwart hat, sind anschaulich und witzig beschrieben. Im Gegensatz zu Rosa, die immerhin rudimentäre Kenntnisse über Shakespeares Zeit besitzt, ist für William in der Gegenwart alles neu und so rufen bei ihm sogar für uns selbstverständliche Anblicke wie Nordic Walker oder Bidets Staunen hervor.

Fazit:
Ein amüsanter Roman, der sich innerhalb weniger Stunden weglesen lässt. Meine einzige Kritik liegt darin, dass er leider nicht ganz an Safiers Erstling "Mieses Karma" heranreicht und trotz des augenzwinkernden Humors das eine oder andere Klischee manchmal zu viel des Guten ist.

Montag, 15. März 2010

[REZENSION] Erlbruch, Wolf - Ente, Tod und Tulpe

Wolf Erlbruch
Ente, Tod und Tulpe
Verlag: Kunstmann
32 Seiten, Hardcover, kleine Geschenk-Ausgabe
ISBN-10: 388897657X
ISBN-13: 978-3888976575
empfohlenes Lesealter: 4-5 Jahre

Wer denkt schon soweit, ein philosophisches und theologisches Buch, dass in ganz einfachen Worten den Tod erklärt, ausgerechnet unter Bilderbüchern zu suchen?

Wolf Erlbruch erzählt in schnörkellosen und doch so wunderschönen Bildern und kurzen Texten die Geschichte einer Ente, die eines Tages den Tod hinter sich bemerkt. Der Tod wird zum Freund, als die Ente die Entdeckung macht, dass er zwar ihr ständiger Begleiter ist, aber gar nicht für ihr Ableben sorgen will, dafür sorgt das Leben schon selbst eines Tages. Sei es durch einen Unfall, einen Schnupfen oder den Fuchs! Allein bei dem Gedanken daran bekommt die Ente eine Gänsehaut. Der Tod begleitet die Ente ihr ganzes Leben hindurch bis sie am Ende vom ihm - zusammen mit einer roten Tulpe - auf ihre letzte Reise geschickt wird.

Die Geschichte ist zum Lachen und zum Weinen, ist tröstlich und voller hintergründigem Humor in den kurzen Dialogen zwischen Ente und Tod.
Eltern sollten sich dieses Buch alleine durchlesen, bevor sie es ihren Kindern geben. Obwohl die Geschichte in einfachen Worten und Bildern erzählt wird, sollten Eltern ihren Kindern für Fragen und Erklärungen zur Seite stehen. Das Buch ist aber keineswegs nur für Kinder geeignet, sondern auch für Erwachsene.
Leben und Tod gehen Hand in Hand, das eine kann ohne das andere nicht existieren. Der Tod, die Angst davor und die Trauer darüber sollten keine Tabuthemen sein, dass zeigt diese Geschichte auf eine besondere und poetische Art und Weise.

Samstag, 13. März 2010

[REZENSION] Noël, Alyson - Evermore 2: Der blaue Mond

Alyson Noël
Evermore 2: Der blaue Mond

Verlag: Page & Turner
384 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 3442203619
ISBN-13: 978-3442203611
"Was ist denn so besonders an einem Vollmond in der blauen Stunde?"
"Du meinst den blauen Mond?"
Sie holt tief Luft und blickt in die Ferne, ehe sie antwortet.
"Normalerweise sagt man, dass der zweite Vollmond innerhalb eines Kalendermonats ein blauer Mond ist. Doch es gibt noch einen anderen Ansatz, der besagt, dass man nur dann von einem echten blauen Mond sprechen kann, wenn zwei Vollmonde nicht unbedingt nur im selben Monat, sondern innerhalb desselben Tierkreiszeichens vorkommen. Dies gilt als ein sehr heiliger Tag, ein Tag, an dem die Verbindung zwischen den Dimensionen besonders stark ist. Es heißt, wenn man die Energie eines blauen Mondes während der heure bleue anzapft, dann können alle möglichen magischen Dinge geschehen."
Über die Autorin:
Alyson Noël ist eine preisgekrönte Autorin, die bereits mehrere Romane veröffentlicht hat. Mit dem ersten Teil von "Evermore", ihrer auf inzwischen sechs Teile angelegten Serie, stürmte sie auf Anhieb die amerikanischen Bestsellerlisten und eroberte unzählige Leserinnenherzen. Die Übersetzungsrechte wurden bisher in 15 Länder verkauft und auch die Filmrechte schnell vergeben. Alyson Noël lebt in Laguna Beach, Kalifornien. "Der blaue Mond" stieg gleich nach Erscheinen ebenfalls auf Platz 1 der New-York-Times-Liste ein, und schon jetzt warten die Fans sehnsüchtig auf die Fortsetzung.
Mehr Informationen über die Autorin und die Evermore-Serie findet man unter:
evermore-unsterbliche und immortalsseries

Inhalt:
Der erste Band hörte so hoffnungsvoll auf: Nachdem Ever ihre Widersacherin und Nebenbuhlerin Drina im Sommerland durch einen Schlag in ihr schwächstes Chakra getötet hat, steht der Liebe zwischen Damen und ihr nichts mehr im Weg. Jahrhunderte lang haben sich die beiden gesucht, gefunden und immer wieder verloren. Doch nun ist Ever genauso unsterblich wie Damen und die Suche hat ein Ende.
Das Glück der beiden, ihre unsterbliche Liebe nun für alle Ewigkeit gefunden zu haben, findet jedoch ein jähes Ende, als in der Schule ein neuer Schüler auftaucht, der alles zu verändern droht - Roman. Er ist bei allen beliebt, nur Ever hegt eine tief sitzende Abneigung gegen ihn, die sie sich selbst nicht erklären kann. Als Damens Kräfte plötzlich schwächer zu werden scheinen und sich Ever gegenüber so verhält, als ob er sie nie geliebt hätte, ihre Freunde Haven und Miles sich gegen sie wenden und in der Schule zwischen verfeindeten Cliquen plötzlich Harmonie herrscht, weiß Ever, dass sie sich die Bedrohung, die von Roman ausgeht, nicht nur eingebildet hat...

Eigene Meinung:
Wenn mir vor der Evermore-Reihe einer erzählt hätte, dass ich Bücher lesen würde, die esoterisch angehaucht sind und von Auren und Chakras handeln, hätte ich wahrscheinlich freundlich lächelnd abgewunken! Doch die Autorin Alyson Noël hat mit "Evermore" eine ganz eigenständige Reihe geschaffen, die sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt und trotz esoterischem Hintergrund mit einer dermaßen spannenden Geschichte zu fesseln weiß, dass auch ein Laie oder desinteressierter Leser wie ich den esoterischen Faktor mit Faszination verschlingt.
Den Charakter von Damen finde ich in "Der blaue Mond" besser herausgearbeitet als in dem Vorgängerband "Evermore - Die Unsterblichen". Im ersten Band der Reihe blieb Damen bis zum Ende hin relativ unnahbar und schwer zu durchschauen, bedingt durch die Ich-Perspektive von Ever, die zwar die Fähigkeit besitzt Auren zu lesen, allerdings mit einer Ausnahme: Damen! Da Ever - und damit der Leser - im zweiten Band Details aus Damens Vergangenheit erfährt, kommt man ihm merklich näher. Zudem ist Damen hier nicht mehr der kühle unnahbare Schönling, sondern ein immer schwächer werdender Jugendlicher, an dem sich langsam Altersspuren bemerkbar machen. Deswegen empfindet man Empathie mit ihm, auch oder gerade deshalb, weil er an seiner plötzlichen Abneigung gegen Ever keine Schuld trägt und damit den einzigen Menschen von sich fern hält, der ihn retten könnte.
Die Sequenzen zum Ende des Buches hin haben mir ausgesprochen gut gefallen. Zum einen hätte ich mit dieser Wendung nie gerechnet, zum anderen habe ich mich sehr gefreut, dass Evers kleine Schwester Riley sich mit ihrem Weggang im ersten Band doch nicht endgültig aus der Geschichte verabschiedet hat.
Leider fand ich die Art und Weise, wie Ever ihre Unsterblichkeit vor ihren Mitmenschen zu verbergen versucht, sehr unglaubwürdig. Sie isst und trinkt kaum, auch nicht in Anwesenheit von anderen Personen, und hat ständig eine Flasche Unsterblichkeitssaft bei sich an der sie rumnuckelt. Fragen von Freunden und Verwandten zu ihrem merkwürdigen Verhalten werden mit fadenscheinigen Erklärungen abgeblockt. Vor allem Evers Tante sind die merkwürdigen Verhaltensweisen ihrer Nichte suspekt, aber richtig nachbohren tut keiner.
Nach dem fast zu rasanten Ende des ersten Teils, kommt "Der blaue Mond" langsamer in Fahrt. Trotzdem hat mich auch dieser Band von Anfang bis Ende fesseln können und ich freue mich schon sehr auf den für November 2010 angekündigten dritten Teil der Reihe "Das Schattenland", denn im Gegensatz zu "Die Unsterblichen" endet der zweite Teil mit einem nervenaufreibenden Cliffhanger!!!

Aufmachung des Buches:
Sehr bestechend ist wieder das wunderschön gestaltete Cover mit dem blauen Mond und den weißen Tulpen in Glanzdruck und der hochwertigen Klappenbroschur, in der sich wiederholend die Motive des Covers verstecken und das Zitat, welches ich meiner Rezension vorangestellt habe. Einleitend werden die Aura-Farben aufgeführt samt ihrer Bedeutung und zum Schluss des Buches gibt es mit einer Leseprobe einen Ausblick auf Band drei der Reihe.

Donnerstag, 11. März 2010

[REZENSION] Magnusson, Kristof - Das war ich nicht

Kristof Magnusson
Das war ich nicht

Verlag: Kunstmann
288 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3888975824
ISBN-13: 978-3888975820

Inhalt:
Das war ich nicht - ein Roman über drei Personen: Jasper, Anfang 30, ein Banker auf dem Sprung zur großen Karriere. Meike, eine Literaturübersetzerin, auf der Flucht vor einer vorhersehbaren Zukunft: Partnerschaft, Pärchenfreunde, zusammenziehen, über Kinder nachdenken... und Henry, ein international gefeierter Schriftsteller mit Schreibblockade und Altersangst, der von der Party zu seinem sechzigsten Geburtstag verschwindet und untertaucht. Auf abenteuerliche Weise geraten diese drei Personen in Abhängigkeit voneinander: Meike Urbanski ist die Übersetzerin "ihres" Schriftstellers Henry LaMarck, ihrer Existenzgrundlage. Da dieser weder seinen versprochenen Jahrhundertroman beim Verlag abliefert hat, noch auffindbar ist, fliegt Meike nach Chicago, um ihn zu finden. Henry LaMarck verliebt sich in das Foto von einem jungen Banker, der verzweifelt auf die fallenden Kurse starrt - das könnte der Aufhänger für seinen großen Roman sein! - und eben dieser Banker namens Jasper Lüdemann versucht eine junge deutsche Frau wiederzufinden, die ihm im Café Caribou seinem Kaffee vor der Nase weggeschnappt hat...
Jasper will Meike treffen, Meike will Henry treffen, Henry will Jasper treffen. Jasper interessiert sich nicht für Henry, Henry fühlt sich durch Meike belästigt und bloßgestellt, Meike findet Jasper arrogant und unsympathisch, und jetzt?

Eigene Meinung:
Eigentlich ist es erschreckend, dass Menschen ihre Karriere und damit möglicherweise ihr ganzes Leben ruinieren, aber Kristof Magnusson verpackt das Ganze in einen urkomischen modernen Schelmenroman. Die Geschichte ist abwechselnd aus den Perspektiven der drei Protagonisten erzählt. Zu Beginn des Buches fand ich die Geschichte aus Jaspers Sicht etwas anstrengend, weil er auf mich einen sehr arroganten und unsympathischen Eindruck machte, und wer mag sich schon mit einem solchen Charakter identifizieren? Außerdem interessiere ich mich nicht für die Börsengeschäfte, die Jasper in seinem Job tagtäglich abwickeln muss. Aber selbst aus dieser Erzählperspektive hat mich das Buch nach einigen Kapiteln gefangen genommen, und als das Unheil plötzlich unaufhaltsam seinen Lauf nahm, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, und zum Ende hin sind mir die verschrobenen und stellenweise unsympathischen Charaktere doch tatsächlich ans Herz gewachsen ;) Kristof Magnussons Charaktere wirken nie gekünstelt, konstruiert oder eindimensional und das macht diesen Roman so überaus lesenswert!

Fazit:
Dieses Buch war eine literarische Überraschung für mich. Zuvor hatte ich von Kristof Magnusson weder etwas gehört noch gelesen und war von seinem Schreibstil und seinem Humor schlichtweg begeistert!

Mittwoch, 10. März 2010

[REZENSION] Zafón, Carlos Ruiz - Der dunkle Wächter

Carlos Ruiz Zafón
Der dunkle Wächter

Verlag: Fischer
352 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3596853885
ISBN-13: 978-3596853885
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren

Mit "Der dunkle Wächter" - der im Original bereits 1995 erschienen ist - hat Carlos Ruiz Zafón einen wunderbaren Jugendroman geschaffen - vergleichbar mit seinem anderen Frühwerk "Der Fürst des Nebels". Beide Werke zeichnen sich durch eine ganz besondere Art von altmodischer Gruselatmosphäre aus. Beim Lesen dachte ich unweigerlich an die Schauergeschichten von Edgar Allan Poe.
Die verwitwete Simone Sauvelle zieht mit ihren Kindern Irene und Dorian als Hauswirtschafterin auf das Anwesen des Spielzeugfabrikanten Lazarus Jann. Diesen umgibt ein dunkles Geheimnis aus längst vergangenen Tagen, genauso wie seinen Landsitz Cravenmore, der gefüllt ist mit selbstgebauten Automaten, raffiniertem Spielzeug und viele Räume beherbergt, die nicht betreten werden dürfen.
Die Sauvelles erfahren im Laufe des Buches hautnah, was es heißt, sein Schicksal in die Hand des Bösen zu legen. Was man dem Bösen versprochen hat, wird es sich irgendwann holen!
Raffiniert miteinander verwoben sind die verschiedenen Handlungsstränge, aus denen dieser Roman besteht. Erzählt wird außer der Liebesgeschichte von Irene und Ismael, auch die Vorgeschichte des Lazarus Jann und die Legende um die Septemberlichter - die Geschichte einer jungen Frau, die vor 20 Jahren im Meer vorm Leuchtturm ertrunken ist, und deren Tagebuch Ismael und Irene in die Hände fällt.
Carlos Ruiz Zafón ist für mich ein Meister der Wortakrobatik, ein Meister von Satzkompositionen, eigentlich unbeschreibbar, was dieser Mann schwarz auf weiß zu erschaffen in der Lage ist, NUR durch Worte!
Von diesem Autor habe ich bereits "Der Fürst des Nebels" und "Der Schatten des Windes" gelesen. Mich hat sowohl der einfacher gestrickte Jugendroman als auch das komplexere "Der Schatten des Windes" zu 100% begeistert! Zafón schafft wirklich Kopfkino! Er lässt Menschen und Umgebung vor dem inneren Auge entstehen, fast fühlt man die schaurige Atmosphäre am eigenen Leib und beim Lesen seiner Bücher läuft ein sanfter Schauer nach dem anderen den Rücken hinunter.
Für mich war es eine Bereicherung, dass dieser Roman von Zafón endlich auf Deutsch erscheinen ist und ich war begeistert zu erfahren, dass 2010 für den vergriffenen "Der Fürst des Nebels" eine Neuauflage geplant ist.

[REZENSION] Noël, Alyson - Evermore 1: Die Unsterblichen

Alyson Noël
Evermore 1: Die Unsterblichen

Verlag: Page & Turner
384 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 3442203600
ISBN-13: 978-3442203604

"Evermore - Die Unsterblichen" ist der erste Teil einer auf fünf Teile ausgelegten Reihe und in Amerika bereits ein Nummer-1-Bestseller.

Die 16jährige Ever kann nach einem schrecklichen Autounfall, bei dem ihre gesamte Familie starb und sie als Einzige schwer verletzt überlebte, Auren anderer Menschen sehen und deren Gedanken lesen. Bis sie eines Tages auf Damen trifft. Er hat weder eine Aura, noch sind seine Gedanken für Ever zugänglich. Ever kann normalerweise bei ALLEN Menschen eine Aura sehen, außer bei Toten, welches Geheimnis umgibt Damen?

Das Cover des Buches ist ein wahrer Eyecatcher. Eine wunderschöne rote Tulpe, aus deren verblühender Knospe Raben fliegen, schmückt den Einband des Buches. Die rote Tulpe hat eine tiefere Bedeutung und spielt im Laufe des Buches noch eine große Rolle.

Nach Klappentext und einer Leseprobe entdeckte ich viele Parallelen zum derzeitigen Vampir-Boom und der Bis(s)-Reihe von Stephenie Meyer. Mein erster Gedanke war, dass Damen ein Vampir ist und Ever im Laufe des Geschehens von ihm verwandelt werden wird. Die Geschichte spielt an einer Highschool und Evers einzige Freunde - Miles und Haven - erfüllen, genauso wie sie selbst, typische Rollenklischees : Ever - die verwaiste Jugendliche, Haven - missverstanden und ungeliebt, Miles - der verständnisvolle schwule beste Kumpel. Und trotz dieser Klischees und Voreingenommenheit hat mich dieses Buch gefesselt! Einmal angefangen, konnte ich es kaum noch aus der Hand legen.

Zwar wurde die Handlung zum Ende hin meiner Meinung nach etwas zu schnell vorangetrieben und einige Erklärungen, was die "Unsterblichkeit" anging, fand ich etwas dürftig, aber ich hoffe, dass diese Ungereimtheiten im zweiten Band wieder aufgegriffen und näher erläutert werden.

Diese Reihe hat großes Potential und wider Erwarten einen ganz eigenen Stil und besonderen Inhalt. Ich hoffe, die weiteren Bände dieser Serie überzeugen genauso wie der erste Band. Ich werde Alyson Noels "Evermore" auf jeden Fall mit großer Spannung weiterverfolgen!

[REZENSION] Bosch, Pseudonymous - Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät, Band 2

Pseudonymous Bosch
Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät, Band 2

Verlag: Arena
349 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3401062573
ISBN-13: 978-3401062570
empfohlenes Lesealter: 10-11 Jahre

Wer gegen alle Warnungen "Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis" gelesen hat, wird früher oder später auch auf das zweite Abenteuer der Helden Kassandra und Max-Ernest (Namen aus Sicherheitsgründen geändert) "Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät" stoßen.
Das zweite Abenteuer entführt den Leser noch mehr in das Reich des Unerklärlichen als es das erste getan hat. Hier dreht sich alles um die Alchemie und ein sonderbares Wesen, das vor über 500 Jahren in einer Flasche geboren wurde! Welche Geheimnisse hütet dieses seltsame, fürchterliche Wesen und warum sind die beiden üblen Bösewichte namens Dr. L. und Madame Mauvais - die der Leser bereits aus dem ersten geheimen Buch kennt - hinter ihm her?
Lies nach und finde es heraus, aber nimm dich in Acht, denn auch hier handelt es sich wieder um ein sehr gefährliches Buch!

Genau wie bei "Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis" besteht der eigentliche Reiz dieses Buches wieder in der ungewöhnlichen Umsetzung und nicht in der Handlung der Geschichte. Warum bewerte ich die Fortsetzung schlechter? Wo die Gags beim ersten Band noch gezündet haben, kommen sie einem beim zweiten Band allzu oft nur wie ein müder Abklatsch vor. Der Autor hat leider wenig neue Ideen eingebracht. Zwar bietet der Anhang wieder einige nette Gimmicks, aber die Späße in der Geschichte - unzählige Fußnoten, rückwärts zählende Kapitelnummerierung oder das direkte Ansprechen des Lesers - sind entweder aus dem vorhergehenden Buch bekannt oder schlichtweg einfallslos.

Kinder im empfohlenen Lesealter werden sicherlich Spaß am zweiten Abenteuer von Kassandra und Max-Ernest haben, aber man sollte die beiden Bücher besser nicht direkt hintereinander weglesen.

Dienstag, 9. März 2010

[REZENSION] Bosch, Pseudonymous - Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis, Band 1

Pseudonymous Bosch
Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis, Band 1

Verlag: Arena
320 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3401062565
ISBN-13: 978-3401062563
empfohlenes Lesealter: 10-11 Jahre

Pssst: Ich habe alle Warnhinweise missachtet und dieses Buch gelesen. Das Geheimnis, das dieses Buch enthält, werde ich dir natürlich nicht verraten, ich bin doch nicht lebensmüde! Nur so viel: Das Buch handelt von Kassandra und Max-Ernest (Namen aus Sicherheitsgründen geändert) und davon, wie sie einem Geheimnis auf die Spur kommen, worin ich dich aber nicht einweihen werde. Wenn ich dir erzählen würde, welche haarsträubenden Abenteuer die beiden erleben und welche vertrackten Rätsel sie lösen müssen, würdest DU das Buch nämlich auch lesen wollen, und das ist zu gefährlich!
Wenn du immer noch neugierig bist, dann gehe auf die Website geheimes-buch, oder NEIN, lass es, auch das ist zu gefährlich!
Mensch Anette, jetzt hör schon auf mit den ganzen Anspielungen, die potentielle Leser neugierig machen, aber völlig im Unklaren darüber lassen, worin es in der Geschichte von Kassandra und Max-Ernest überhaupt geht!

Pseudonymous Bosch hat mit "Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis" eine fantastische Abenteuergeschichte geschrieben, deren Reiz vor allem in der ungewöhnlichen Umsetzung liegt. Zwar konnte mich die Geschichte an sich nicht zu 100% überzeugen, aber die skurrilen Ideen des anonymen Autors schon: Die wiederholten Warnhinweise und das man als Leser direkt angesprochen wird, zogen mich beim Lesen magisch in den Bann der Abenteuer von Kassandra und Max-Ernest. Ungewöhnlich sind auch die eingeschobenen Einwürfe des Autors, in denen er mit dem Leser diskutiert, ob er die Geschichte abbrechen oder zu Ende schreiben soll. Ganz verrückt geht es letztendlich am Ende dieses Buch zu, wo der Autor dem Leser einen Schluss zum Selbermachen anbietet, zwei Leerseiten einfügt hat für die eigene Fassung der Geschichte, ein Kapitel Null dem Ende anstellt, in dem alle Verwicklungen aufgelöst werden und zu guter Letzt einen Appendix, in dem einige Dinge erklärt werden, die in der Geschichte vorkommen, wie die Codierung von Texten.
"Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis" ist kein reines Lese-Buch, sondern ein Mitmach- und Mitdenk-Buch. Obwohl ich als Erwachsene ausgesprochen gerne Kinder- und Jugendliteratur lese, empfehle ich dieses Buch ausschließlich der angesprochenen Zielgruppe, da hier eindeutig der Spaßfaktor und die Geheimniskrämerei im Vordergrund stehen und nicht die Geschichte an sich. Für erwachsene Leser ist dieses Buch wahrscheinlich zu kindisch in der Umsetzung. Ich werde trotzdem das zweite Abenteuer von Kassandra und Max Ernest "Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät" lesen, denn das Geheimnis wurde im ersten Abenteuer nicht gelüftet...

Sonntag, 7. März 2010

[REZENSION] Watson, Winifred - Miss Pettigrews großer Tag

Winifred Watson
Miss Pettigrews großer Tag
Verlag: Manhattan
256 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3442546613
ISBN-13: 978-3442546619
Beinahe hätte Miss Pettigrew dankend abgelehnt, wie es einer Dame geziemte. Doch nein. Nicht sie. Nicht jetzt. Eben noch rechtzeitig bremste sie sich. Von nun an wollte sie alles annehmen, was des Weges kam. Von diesem Tag, der ihr aus heiterem Himmel in den Schoß gefallen war, wollte sie alles auskosten, was er zu bieten hatte.

"Ich habe niemals Spaß gehabt oder mich amüsiert.
Der heutige Tag war mir eine Lehre.
Ich habe eine Reihe frivoler Neigungen in mir entdeckt,
von denen ich bisher nichts wusste."
Über die Autorin:
Winifred Watson wurde 1906 in Newcastle upon Tyne geboren, wo sie auch ihr ganzes Leben verbrachte. Sie arbeitete zunächst als Sekretärin und schrieb ihren ersten Roman "Fell Top" innerhalb weniger Wochen. Anfang 1936 heiratete Winifred Watson und widmete sich fortan ganz dem Schreiben. Ihr drittes Werk, "Miss Pettigrews großer Tag", erschien 1938 und avancierte sofort zum Bestseller. Als der Londoner Verlag Persephone Books den Roman sechzig Jahre später wiederentdeckte, eroberte das zauberhafte Werk zum zweiten Mal die Bestsellerlisten.
Winifred Watson veröffentlichte noch drei weitere Romane, gab jedoch 1941 das Schreiben auf, da sie nach sechs Büchern ihr Werk für beendet hielt: "Es gibt nur sechs wichtige Dinge im Leben, über die es zu schreiben lohnt. Und danach ist alles gesagt." Die Autorin verstarb 2002 im Alter von 95 Jahren.

Klappentext:
London in den 1930er Jahren. Das Leben hat es nicht gut gemeint mit Miss Pettigrew: Als Gouvernante im mittleren Alter, ohne Mann und fast mittellos, hofft sie, dass ihre neue Anstellung ihr zumindest ein bescheidenes Auskommen bescheren wird. Aber statt von ihrer Agentur zu einer Familie mit einer Schar ungezogener Kinder geschickt zu werden, landet sie durch ein Missverständnis bei der Schauspielerin und Nachtclubsängerin Delysia LaFosse. Und ehe sie es sich versieht, ist Miss Pettigrew Teil der mondänen, aber chaotischen Welt von Miss LaFosse, in der es drei Männer gleichzeitig in Schach zu halten gilt. Nach anfänglicher Scheu macht sich die Gouvernante schließlich tatkräftig daran, Miss LaFosses Liebesleben in Ordnung zu bringen. Dabei taucht sie notgedrungen auch selbst in deren aufregende Welt aus Glamour, Flirts und galanten Gentlemen ein. So kommt es, dass sich auch Miss Pettigrews eigenes Leben innerhalb nur einen Tages für immer verändert...

Eigene Meinung:
Der Tag, an dem Miss Pettigrew irrtümlicherweise im Haushalt der Nachtclubsängerin Delysia LaFosse landet, verändert ihr Leben von Grund auf. Die ganze Handlung spielt sich tatsächlich an einem einzigen Tag ab, die Geschichte beginnt morgens um 9:15 und endet mitten in der Nacht des gleichen Tages. Länger als einen Tag braucht auch der Leser nicht, um diesen vergnüglichen und spritzigen Roman zu lesen, in dem sich die zaghafte und furchtsame Gouvernante in eine strahlende und schlagfertige Miss Guinevere Pettigrew verwandelt.
Winifreds Watsons Roman lebt von den ausschweifenden Beschreibungen der Londoner Gesellschaft in den 30er Jahren und den skurrilen und schrulligen Charakteren. Ein Lob an die Übersetzerin Martina Tichy, die den Charme des Originals so perfekt eingefangen hat und an den Verlag, für die ansprechende und sehr gut zum Inhalt passende Covergestaltung.
Die Geschichte besteht zu einem großen Teil aus Dialogen, die perfekte Vorlage für ein Theaterstück, und dank Winifred Watsons wunderbarem und detailliertem Schreibstil konnte ich die Personen beim Lesen förmlich vor mir sehen.
Die vor Wortwitz nur so sprühenden Dialoge lockten mir beim Lesen ständig ein Schmunzeln oder Lachen hervor. Miss Pettigrew, deren "Lebenserfahrung" nur auf den Handlungen ihrer geliebten Filme und der Lebensführung ihrer bisherigen Herrschaften basiert, bringt auf herrlich unkonventielle Weise Ordnung in das Leben ihrer neuen Freunde. Zwar kommt es immer wieder zu Missverständnissen und Verwechslungen, aber dieses Chaos scheint außer dem Leser keiner zu bemerken ;)
Eine Aschenputtelgeschichte im London der 30er Jahre, bei dem Aschenputtel nicht nur Klarheit in Miss LaFosse Liebesleben bringt, sondern am Ende des Abends einen eigenen Traumprinzen an der Angel hat.

Der Film:
Die Geschichte schreit förmlich nach einer Umsetzung als Theaterstück und/oder Film. Nach der Wiederentdeckung des Romans ließ deshalb eine Verfilmung nicht lange auf sich warten:

Miss Pettigrews großer Tag
Regie: Bharat Nalluri, Buchvorlage: Winifred Watson
Darsteller:
Miss Pettigrew - Frances McDormand
Miss LaFosse - Amy Adams

Obwohl einige Details im Film anders umgesetzt sind als in der Buchvorlage, wird die Verfilmung dem Roman von Winifred Watson dennoch gerecht mit der detailgetreuen Ausstattung von Darstellern und Kulissen und den bis in die Nebenrollen perfekt besetzen Charakteren.
Ob man dem Buch oder dem Film zu dieser Aschenputtelgeschichte für Erwachsene den Vorzug gibt, ist Geschmackssache, ich kann beides empfehlen!

Samstag, 6. März 2010

[REZENSION] Singh, Nalini - Gilde der Jäger 1: Engelskuss

Nalini Singh
Gilder der Jäger 1: Engelskuss

Verlag: Lyx
432 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10: 3802582748
ISBN-13: 978-3802582745

Über die Autorin:
Nalini Singh wurde auf den Fidschi-Inseln geboren und ist in Neuseeland aufgewachsen. Nach verschiedenen Tätigkeiten, unter anderem als Rechtsanwältin und Englischlehrerin, hat sie 2003 eine Karriere als Autorin von Liebesromanen begonnen. Die Gestaltwandler-Serie ist ihr erster Ausflug in die Fantasy Romance.
Weitere Infos findet man auf der Website der Autorin.

Gestaltwandler-Serie:
Leopardenblut
Jäger der Nacht
Eisige Umarmung
Im Feuer der Nacht
Gefangener der Sinne

Gilde der Jäger-Serie:
Engelskuss

Klappentext:
Elenas Welt wird von Engeln beherrscht. Sie stellen die Regeln auf und wachen über deren Einhaltung. Die Engel haben auch die Macht, Menschen, die nach Unsterblichkeit streben, in Vampire zu verwandeln. Als Gegenleistung dienen die Vampire ihrem Erschaffer einhundert Jahre lang. Doch nicht alle halten sich an die Vereinbarung, immer wieder gibt es Ausreißer, die den Vertrag brechen und fliehen. Die Abtrünnigen werden im Auftrag der Engel von Vampirjägern verfolgt. Zu dieser Gilde gehört auch Elena Deveraux. Sie hat eine besondere Gabe: Sie kann Vampire anhand ihres Geruchs aufspüren. Dieses Talent ist es, das den Erzengel Raphael, Herrscher von New York, vor dessen Macht Menschen und Vampire gleichermaßen erzittern, auf Elena aufmerksam werden lässt. Er hat einen Auftrag für sie: Elena soll einem abtrünnigen Erzengel das Handwerk legen...

Eigene Meinung:
"Engelskuss" war das erste Buch, welches ich von der Autorin Nalini Singh gelesen habe. Auf Grund der eher erotisch angehauchten Covergestaltung der Gestaltwandler-Serie hatte ich die Befürchtung, dass der Romantikanteil in ihren Bücher für meinen Geschmack zu hoch ist. Oder, um es ganz unverblümt zu sagen: ich will in Fantasybüchern nicht nur lesen, dass die beiden Hauptfiguren ständig miteinander ins Bett hüpfen ;)
Erotik und Sex sind zwar ein Bestandteil der Geschichte um Elena und Raphael, aber vorrangig ist "Engelskuss" ein sehr spannendes und stellenweise recht brutales und blutiges Buch. Die Schilderungen der teilweise bis zur Unkenntlichkeit entstellten Leichen könnten genauso gut einem harten Thriller entstammen - das ist nichts für zartbesaitete Gemüter!
Die Geschichte, in der Vampire nur die zweite Rolle hinter Engeln spielen und von diesen erschaffen werden, fand ich erfrischend anders in der anhaltenden Schwemme von Vampirromanen. Nalini Singh hat einen ausschmückenden und mitreissenden Schreibstil, der es leicht macht sich in Geschichte und Personen hineinzuversetzen. Der erotische Anteil hält sich in Grenzen, für viele Fans von Romantic-Fantasy hätte es sicherlich mehr erotisches Geknister zwischen Elena und Raphael geben können, aber für mich war diese Mischung zwischen Erotik, Thriller und Fantasy genau richtig.
Nicht alles findet zum Ende des Buches hin eine Aufklärung. In Elenas Familiengeschichte gibt es ein dunkles Kapitel, welches zum Zerwürfnis zwischen ihr und dem Rest ihrer Familie führte. Über die Auflösung dieser Familienfehde wird der Leser bis zum Ende hin im Unklaren gelassen und damit ist der perfekte Cliffhanger für die Fortsetzung der Gilde der Jäger-Serie geschaffen...

Mittwoch, 3. März 2010

[REZENSION] Lawall, Thomas - Nach dem Regen

Thomas Lawall
Nach dem Regen

Verlag: Holzheimer
114 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3938297425
ISBN-13: 978-3938297421

Dieser Gedichtband überzeugt durch die stimmungsvolle Kombination von Gedichten, die laut Klappentext rein biographischer Natur sind, und den außergewöhnlichen Momentaufnahmen, die der Autor in Schwarz-Weiß-Fotos festgehalten hat.
Die kurzen Gedichte und Gedankengänge laden ein zum Träumen und Nachdenken. Sie handeln von Leben und Tod, Glück und Unglück, Kennenlernen und Abschied nehmen. Man liest aus jeder einzelnen Zeile heraus, dass Thomas Lawall seine Gefühle und Erfahrungen in diese Gedichte "hineingeschrieben" hat, deshalb verstehen sie so tief zu berühren.
Dieser Gedichtband ist ein Buch zum immer mal wieder in die Hand nehmen, nachlesen, neu entdecken und sich in den Bildern verlieren. Die Gedichte sind zeitlos und verstehen es den Leser direkt anzusprechen und sich selbst darin zu finden.

Dienstag, 2. März 2010

[REZENSION] Thacker, Brian - Couch Surfing: Eine abenteuerliche Reise um die Welt

Brian Thacker
Couch Surfing: Eine abenteuerliche Reise um die Welt

Verlag: Eichborn
320 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3821865059
ISBN-13: 978-3821865058
"Du kannst bei uns nur übernachten, wenn meine Mutter dich inspiziert und zugestimmt hat."
W. M., 25, Soweto, Südafrika, CouchSurfing.com

Couchnote: 8 von 10
Plus: Das ordentlichste Schlafzimmer der gesamten Reise
Minus: Ich habe die ganze Nacht das blöde My Way nicht aus dem Kopf bekommen
Über den Autor:
Brian Thacker, geboren in Birmingham, England, lebt seit dem 6. Lebensjahr in Australien. Bis 2003 arbeitete er als Art Director in Werbeagenturen in London und Melbourne, immer wieder unterbrochen durch monatelange Reisen um die ganze Welt. Da das Reisefieber ihn nicht mehr losließ, beschloss er vor sechs Jahren, als Reiseschriftsteller tätig zu sein. Bisher hat er 77 Länder besucht und ist Autor mehrerer Bücher rund um das Reisen. Brian Thacker lebt mit seiner Familie in Melbourne.
Seit Juli 2008 führt Brian Thacker einen Blog, auf dem er unter anderem von seinen Reisen berichtet.
"Couch Surfing" ist das erste Buch von Brian Thacker, welches auf Deutsch erschienen ist.

Aus dem Inhalt:
Wie lernt man ein fremdes Land und seine Menschen am besten kennen? Man bucht sich nicht in einem Hotel ein, sondern macht Couch Surfing: Über Netzwerke im Internet findet man überall auf der Welt einen kostenlosen Schlafplatz, auf dem man einige Tage übernachten darf. Ein wunderbares Abenteuer, denn man springt rein in eine andere Kultur, den Alltag und das Leben der Gastgeber vor Ort. Alles ist völlig fremd - und aufregend.

Der Australier Brian Thacker ist von Couch zu Couch um die Welt gereist. Er wohnte unter anderem bei einem Wildhüter in Kenia, einem Skilehrer in Chile, einer Krankenschwester in Südafrika, einem Arbeitslosen in Belgien. 15 Länder und 23 verschiedene Sofas später weiß er: Das wahre Abenteuer in einem fremden Land wohnt hinter ganz normalen Türen.

Falls jemand nach dem Lesen auf den Geschmack von Couch Surfing gekommen sein sollte, kann er sich auf den im Buch erwähnten Internetseiten umsehen:


Eigene Meinung:
Als ich das erste Mal auf das Buch "Couch Surfing" gestoßen bin, dachte ich sofort, dass es mir als Leserin der Reiseberichte von Bill Bryson gut gefallen könnte. Fremde Länder, fremde Kulturen und einige Informationen, die nicht in jedem Reiseführer zu finden sind, verpackt in persönliche Reiseerfahrungen.
Wer hier eine genaue Anleitung zum Couch Surfing mit den besten Tipps sucht, wird enttäuscht sein, aber wer aus erster Hand persönliche Erfahrungen eines Couch Surfers lesen will, liegt mit diesem Buch genau richtig. Für die ersteren sind die im Buch erwähnten Internetseiten die richtige Anlaufstelle.
Das Inhaltverzeichnis und die einzelnen Kapitel sind passend zum Thema mit Strichlinien gekennzeichnet, die eine Flugroute symbolisieren. Die Idee passt nicht nur sehr gut zu einem Reisebuch, sondern auch perfekt zum Verlag Eichborn - schließlich ist es der Verlag mit der Fliege ;)
Natürlich finden nicht sämtliche Touristenattraktionen der besuchten Länder Erwähnung in diesem Buch, zum einen weil sich Brian Thacker in manchen der von ihm bereisten Länder bewusst gegen Touristenhochburgen entschieden hat: So besucht er in Kanada nicht etwa Montreal oder Calgary, sondern Kitchener. Angeblich richtet Kitchener nach München das zweitgrößte Oktoberfest auf der Welt aus, aber sonst kann man dort, laut dessen Bewohnern, rein gar nichts unternehmen. Ein anderer Grund mag der sein, dass Brian Thacker auf seiner Reise bestimmt weit mehr gesehen hat als in diesem Buch Erwähnung findet, nur ist es sicherlich nicht leicht Eindrücke von 15 Ländern auf knapp 300 Seiten unterzubringen.
Damit komme ich nun auf meinen Kritikpunkt an diesem Buch zu sprechen: Brian Thackers Couch Surfing Tour verliert sich leider zu oft in Schilderungen von Partynächten und Kneipentouren. Diese Passagen waren zwar lustig, aber ich habe mich häufig gefragt, ob andere Reiseeindrücke zugunsten dieser Geschichten keine Erwähnung fanden.
Und was haben die ganzen Länder außer ihrer Liebe zu Bier noch gemeinsam? Das Fernsehprogramm! Fast in jedem Land sah sich Brian Thacker konfrontiert mit "... sucht den Superstar", "Big Brother", "Dschungelcamp" und "Lost" - die Welt ist eben doch kleiner als man denkt ;)

Fazit:
Wer keinen Reiseführer oder eine genaue Anleitung zum Couch Surfing sucht, sondern einfach an einer lustigen Reiseerfahrung teilhaben möchte, liegt mit dem Bericht von Brian Thacker richtig.
Durch die Erwähnung der Internetseiten und mit seinem eigenen - etwas unkonventionellem - Bewertungssystem gibt er denjenigen Lesern, die nun selbst auf den Geschmack des Couch Surfings gekommen sind, trotzdem einige hilfreiche Informationen mit auf den Weg.