Dienstag, 28. September 2010

[COOL-TOUR-KATZE] Reckless-Lesung in Frankfurt (Cornelia Funke)

Gestern fand in der Alten Oper in Frankfurt die Reckless-Lesung mit Cornelia Funke und Rainer Strecker statt.
Der Besuch dieser Lesung war gleichzeitig mein erster Besuch der Alten Oper. Für mich ein Gebäude der Kategorie "außen hui, innen pfui", ist die alte Fassade original restauriert, so wurde innen auf moderne Ausstattung zu Lasten des Ambientes gelegt:



Das Bühnenbild wurde dominiert von einem Vorhang mit dem Motiv des Buches, der zu Stein gewordene Kopf, das "steinere Fleisch":


Links davon saß das Orchester:


Rechts davon war der Tisch für die Lesung aufgebaut und ganz rechts eine Sitzgruppe für das Interview zwischen den beiden angeraumten Lesungen:


Etwa 1200 Besucher hatten sich in der Alten Oper eingefunden, um der Reckless-Lesung zu lauschen. Das Orchester nahm links vom Reckless-Vorhang Platz und stimmte die speziell für die Hörbuch-Version komponierte Musik an. Begleitet von der Musik traten wenige Minuten später Rainer Strecker und Cornelia Funke durch den Vorhang, gewandet in Kostüme, wobei Cornelia Funkes prunkvolles Kleid speziell für die Lesereise von einer oscarprämierten Kostümbildnerin angefertigt wurde.

Der erste Part der Lesung ging bis gegen 19:15 Uhr, direkt im Anschluss fand das erste Interview statt, bei dem es unter anderem nähere Informationen zum Buch und zu einzelnen Charakteren der Geschichte gab. Diese Informationen hätte ich mir vor dem ersten Lesungspart gewünscht, da viele Anwesende das Buch noch nicht kannten, und man so sehr abrupt in das Geschehen von "Steinernes Fleisch" geworfen wurde.
Während des Interviews wurde vor allem das junge Publikum sehr unruhig, was es schwierig machte, sich auf das Geschehen auf der Bühne zu konzentrieren.
Die Moderation hatte vor der Veranstaltung sechs Kinder bzw. Jugendliche ausgewählt, die Fragen an Frau Funke stellen durften, wobei ich gerne wissen würde, ob die Fragen nicht auch vorgegeben waren, vielleicht kann mir das jemand beantworten, der in einer anderen Stadt die Lesung besucht hat?

Die Fragen der Kinder:
  • Haben Sie Reckless auf deutsch oder englisch geschrieben? - Ich schreibe immer auf deutsch, nachdem ein Versuch ein Buch auf englisch zu schreiben fehlgeschlagen ist.
  • Haben Sie sich schon als Kind Geschichten ausgedacht? - Ja, das musste ich, weil meine Brüder immer neue Weltraumabenteuer hören wollten, und früher gab es nur zwei Fernsehprogramme und deshalb auch nur wenig neue Folgen ihrer Lieblingsserie.
  • Was war ihr Lieblingsbuch als Kind? - Jim Knopf
  • Was war ihr Lieblingsmärchen? - Die sechs Schwäne
  • Ist Jacob in Clara verliebt? - Das weiß ich selbst noch nicht genau.
  • Werden alle Menschen zu Goyls, wenn die Fee vernichtet wird? - Die Fee ist einer meiner Lieblingsfiguren und ich hoffe nicht, dass sie stirbt.
Im Interview wurde außerdem auf das Märchenkonzept der Reckless-Trilogie eingegangen, und Cornelia Funke erzählte, dass nach der deutschen Märchenwelt in Band 2 und 3 der Trilogie, französische und russische Märchen eine Rolle spielen sollen.

Für meine Freundin und mich war es ein interessanter Abend, aber für das junge Publikum war das Konzept und die Moderation zu steif und zu professionell. So schnappte ich beim Herausgehen folgende Aussage eines Teenagers auf: "Das war jetzt mal voll langweilig."
Kein Flair wie bei kleinen Lesungen, bei denen das Publikum mit einbezogen wird, man die Autoren noch "anfassen" und vor allem ansprechen kann und Bücher mit persönlicher Signatur versehen werden (der Lesung vorangestellte Information der Moderatorin: nach der Lesung signieren Frau Funke und Herr Strecker, aber haben Sie Verständnis dafür, dass Frau Funke nicht längeres in die Bücher schreiben kann und pro Besucher nur 1 Buch!)... Für die Besucher eine Enttäuschung, und für den Star-Autoren? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Jugendbuchautor wirklich Spaß an einer Lesung hat, bei der er nicht mit seinen Lesern kommunizieren kann oder darf, sorry... Der Abend war ein Erlebnis, aber im Gegensatz zu meinem heißgeliebten Fantasyfestival in Weilbach keines, was einer Wiederholung bedarf.

Kommentare:

  1. Klingt ja wirklich nicht besonders. :(
    Aber glaubst du wirklich, dass die Autorin das Konzept nicht mitgezeichnet hat? Ich meine, sie hat den Starfaktor, mit dem man dem Veranstalter schon ein paar Anweisungen und Wünsche vermitteln kann, oder nicht?

    LG
    Ailis

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  2. Ich weiß es nicht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man als Autor Vergnügen an einer Veranstaltung hat, bei der das Publikum (für das man ja schreibt) so anonym bleibt. Vielleicht kann Herr Strecker mir diese Frage auf der Buchmesse beantworten, dort liest er alleine aus "Reckless", mal sehen, ob ich es zu diesem Termin schaffe, und falls ja, ob er diese Frage beantworten kann bzw. will.

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  3. Da kann Frau Funke nur hoffen, dass ihre jungen Leser nicht zu enttäuscht nach Hause gingen...
    Schade! Dabei könnte man mit (etwas) Einbezug der Leser dem ganzen eine unvergessliche Note verleihen.

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  4. @Katze: Ja, mach das mal, würde mich interessieren! :)

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  5. Hm... Bin ja schon mehrfach an dem Buch vorbeigerannt und bin eigentlich bisher nicht drauf aus es zu lesen... Zumal ich sagen muss, dass das deutsche Cover wirklich schrecklich aussieht. Ich finde das von der amerikanischen Ausgabe viel schöner. ^^

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  6. Bei mir ist das Buch auch noch nicht so dringend. Zum einen gehen die Meinungen sehr auseinander, zum anderen fand ich von der Tinten-Trilogie nur Band 1 richtig gut, Band 2 so mittel, und Band 3 recht enttäuschend. Und das Cover finde ich auch total furchtbar ;)

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Hallo ihr Lieben,
schön, dass ihr uns in der Lies-und-Lausch-WG besucht. Wir freuen uns über jeden Kommentar von Euch :)
Viele Grüße die Katze mit Buch und ihre Mitbewohner