Mittwoch, 1. Juni 2016

[REZENSION] Harold (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Harold
Autor: einzlkind
Sprecher: Benno Fürmann
Übersetzer: -/-
Verlag: Random House Audio
Reihe: Brigitte - Starke Stimmen
Ausführung: Gekürzte Lesung, ca. 266 Minuten, 4 CDs



Autor:
Der Autor lebt in England. Oder in Deutschland. Er ist militanter Nichtraucher und schwer übergewichtig. Neulich erst hat er eine neue Kaffeemaschine gekauft. Seine alte war kaputt.

Sprecher:
Benno Fürmann ging mit 19 Jahren nach New York und studierte dort am Lee Strasberg Institute. Nach mehreren TV- und Kinorollen gelang ihm 2000 der Durchbruch mit „Anatomie“. Inzwischen wandelt er gekonnt zwischen Mainstream und Arthouse und ist ein beliebter Synchronsprecher. So leiht er dem "gestiefelten Kater" in der erfolgreichen Hollywood Blockbuster Reihe „Shrek“ seine Stimme. Er gewann u.a. den Deutschen Fernsehpreis, den Bayerischen Filmpreis und den Grimme-Preis.


HAROLD

Harold hat ein mehr als außergewöhnliches Hobby: Selbstmordversuche. Für die Menschen, die mit ihm in einem Haus wohnen schon lange keine große Sache mehr, er erhängt sich halt gerne. Als Harold seinen Job verliert und auf den hochbegabten elfjährigen Melvin aufpassen soll, droht sein Leben aus dem Rhythmus zu kommen. Melvin ist auf der Suche nach seinem Vater und er hat schon eine ganz genaue Vorstellung davon welche Rolle Harold auf der Reise spielen soll...

Harold ist ein eigenwilliger Zeitgenosse, und doch lohnt es sich auch mal einen Blick hinter die Fassade zu wagen. Denn nicht nur die oberflächlich sichtbaren Dinge sind wichtig, erst durch Gedanken und Handlungen, die ebenfalls thematisiert werden ergibt sich ein Gesamtbild der Person, die daraufhin möglicherweise noch immer seltsam anmutet, aber doch eine gewisse Tiefe aufweist. Sein klar strukturierter Alltag wird auf den Kopf gestellt, als Harold seine Arbeit verliert und er gebeten wird auf Melvin acht zu geben. Gemeinsam starten die beiden Charaktere eine Reise ins Ungewisse, obwohl das Ziel klar definiert ist.

Der Hörer begibt sich bereitwillig mit auf diese Tour, die Abwechslung sowie einige Überraschungen verspricht. Schließlich ahnt noch niemand wem die beiden während des Trips begegnen werden, geschweige denn wie Harolds jeweilige Gemütsverfassung einspielt. Mit einer Liste an Namen und Adressen machen sie sich auf – wenn es nicht bereits daran scheitert, dass Harold mehr schlecht als recht Auto fahren kann...

Im Verlauf des Geschehens lernt man die beiden Hauptprotagonisten immer besser kennen und versteht, inwiefern es unumgänglich war, dass sie sich begegnen, wo es Schnittpunkte gibt oder teilweise Ergänzungen. Fakt ist, dass nur diese beiden das Abenteuer würden bestreiten können, eine andere Konstellation wäre gar nicht denkbar. Auch wenn für den Hörer mancher Aspekt vorhersehbar erscheint, so vermag man doch nicht vorhersagen können wie und wo die Reise schlussendlich enden wird.

Benno Fürmann haucht den Charakteren Leben ein, lässt sie authentisch agieren und vor dem inneren Auge des Hörers entstehen. Die vorherrschende Atmosphäre wird schnell greifbar, so dass man schnell gefesselt wird von Geschehen und Interpretation.

Dienstag, 31. Mai 2016

[SPIEL-REZENSION] Kuddelmuddel

Redakteur: Anette Leister

Titel: Kuddelmuddel
Autor: Haim Shafir, Günter Burkhardt
Grafik: Yaniv Shimoni
Verlag: Amigo
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
Spieleranzahl: 2-4 Spieler





KUDDELMUDDEL

"Kuddelmuddel" liegt ein ähnliches Spielprinzip wie "Halli Galli" zu Grunde: auch hier geht es um das Erkennen von bestimmten Mustern, einer gewissen Schnelligkeit diese zu erkennen und dies durch Drücken der beiliegenden Glocke kund zu tun.

Inhalt:
80 Karten
1 Glocke
1 Spielanleitung

Im Gegensatz zu den Karten bei "Halli Galli" ist auf den Karten kein Obst in verschiedener Anzahl abgedruckt, sondern jeweils vier verschiedene Gegenstände. Ziel des Spiel ist es durch abwechselndes Ziehen einer Karte vom Kartenstock eine Kartenfolge von sieben Karten zu erreichen, bevor dies einem der Mitspieler gelingt. Eine Karte darf immer dann an die letzte abgelegte Karte angelegt werden, wenn sie mindestens einen gleichen Gegenstand wie diese aufweist. Sobald man sieben Karten vor sich liegen hat, die diese Voraussetzung erfüllen, drückt man die Glocke und sichert sich damit die sieben Karten. Alle anderen Mitspieler müssen ihre Karten wieder dem Kartenstock zuführen. Im Gegensatz zu "Halli Galli" ist die Geschwindigkeit im Spiel nicht ganz so schnell, es müssen keine Gegenstände addiert werden, sondern nur Paare erkannt werden, so dass "Kuddelmuddel" für ein noch jüngeres Spielepublikum geeignet ist als "Halli Galli", zudem bewegen sich Kinder und Erwachsene auf fast gleicher Ebene, was die Gewinnchancen angehen, da beim Ziehen der passenden Karten natürlich auch eine Portion Glück gefragt ist.
Die einfache Anleitung ermöglichst einen schnellen Einstieg ins Spiel und eine kurze Rundendauer von 15 Minuten bietet sich dazu an, einige Runden hintereinander zu spielen, damit jeder Spieler die Chance auf einen Rundengewinn hat.

Wer einfache Kartenspiele mag, gerne mit mehreren Generationen spielt und kurze Spielrunden bevorzugt, liegt mit "Kuddelmuddel" genau richtig. Trotzdem wird das Spiel auch nach mehreren Durchgängen nicht langweilig, da sich Glück nicht vorherbestimmen lässt und die Chancen auf einen Spielgewinn somit immer gleich verteilt sind.

Montag, 30. Mai 2016

[REZENSION] Wie das Licht von einem erloschenen Stern

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Wie das Licht von einem erloschenen Stern (OT: Hul i hovedet)
Autor: Nicole Boyle Rødtnes
Übersetzer: Gabriele Haefs
Verlag: Beltz & Gelberg
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 243 Seiten



Autor:
Nicole Boyle Rødtnes, geb. 1985, gründete 2002 den Verein »Hoffnungsvolle junge Schriftsteller«, der zahlreiche erfolgreiche dänische Schrift steller hervorgebracht hat. 2010 debütierte sie mit dem Roman »Dødsbørn«, dem ersten Band einer Serie, der bei einem kleinen Verlag herauskam und schnell sehr erfolgreich wurde.


WIE DAS LICHT VON EINEM ERLOSCHENEN STERN

Vegas Leben ändert sich von einer Sekunde auf die andere, als sie auf einer Party stürzt und später, als sie im Krankenhaus aufwacht, weder lesen, sprechen noch schreiben kann. Auch ihre Familie muss nun lernen mit der Diagnose Aphasie umzugehen, Vega Hilfestellungen zu geben, aber auch Freiraum zu lassen, wenn sie diesen benötigt. Immer wieder träumt Vega von ihrem Unfall, schon bald hat sie das Gefühl, dass etwas ganz anderes passiert ist, jemand sie geschubst hat. Doch Freunde und Familie wollen von diesen Gedanken nichts wissen, also macht Vega sich zunächst allein, später mit Hilfe von Theo, auf die Suche...

Kaum bis gar nicht vorstellbar ist es, wenn man nicht mehr auf die Art kommunizieren kann wie man es jahrelang gewohnt war. Egal auf welcher Seite man steht, versetzt man sich in die vorliegende Situation, kann man einige Gedanken durchaus nachvollziehen. Das liegt hauptsächlich an der lebhaften und authentischen Erzählweise der Autorin, die dem Leser eine Krankheit näher bringt, mit der man sich möglicherweise noch nicht allzu oft auseinandergesetzt hat. Verständigung ist eines der wichtigsten Elemente, die es gibt. Was tun, wenn das nicht mehr vollends gegeben ist und man nicht weiß, ob es je wieder so wird wie es einmal war?

Von Anfang an wird man in die Geschichte hineingezogen, ist emotional ganz nah dran. So glaubt man auch sofort, dass es sich um kein Hirngespinst handelt als Vega von ihren Träumen berichtet. Dennoch ist man besorgt, vor allem ob der möglichen Wendungen und Auflösungen, die sich ergeben können. Denn nicht unbedingt muss es eine Erleichterung bedeuten, wenn man die Wahrheit erfährt. Doch bevor es soweit ist, liegt noch ein langer Weg vor Vega und dem Leser, ein Weg voller Höhen und Tiefen, die man gerne bereit ist mit ihr zu meistern, sieht man daran doch, dass sie sich noch lange nicht aufgegeben hat.

Bis zum Schluss ist man nicht sicher, ob man tatsächlich erfahren möchte was wirklich auf der Party vorgefallen ist, deuten alle Hinweise schließlich auf das schlimmste hin. Nicole Boyle Rødtnes erschafft eine ergreifende Atmosphäre, die den Leser sofort für sich einnimmt und auch lange Zeit nach der Lektüre noch nicht loslassen wird.

Sonntag, 29. Mai 2016

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW21


Anette:
Darkmouth 2: Die andere Seite, Shane Hegarty

Christiane:
PotzBlitz 04. Verschwörung der Schatten, Hörspiel (RE)
Morgan + Bailey 04. Das letzte Abendmahl, Hörspiel (RE)
Mord in Serie 22. Safe House, Hörspiel (RE)
Kuckucksnest, Hörbuch, Hera Lind (RE)

[REZENSION] Finsteres Hochland (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Finsteres Hochland
Autor: Jonas Maas
Sprecher: Sascha Rotermund, Reent Reins u.a.
Übersetzer: -/-
Verlag: Lübbe Audio
Reihe: Oscar Wilde & Mycroft Holmes 2
Ausführung: Hörspiel, ca. 75 Minuten, 1 CD



Sprecher:
Sascha Rotermund, Reent Reins, Leonhard Mahlich, Jaron Löwenberg, Douglas Welbat, Dietmar Wunder, Volker Brandt, Rainer Fritzsche, Marie Bierstedt, André Beyer, Michael Bideller, Rüdiger Schulzki


FINSTERES HOCHLAND

Was hat es mit dem Verschwinden der Reisenden auf sich, wenn sie die einsamen Straßen der Highlands passieren? Wird das schottische Hochland von einer ganz und gar durchtriebenen Räuberbande heimgesucht oder treibt jemand anders hier sein Unwesen? Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Ermittlern wird Oscar Wilde in ebenjene Gegend entsandt, um die Informationen über die Vermisstenfälle genauer zu ergründen. Dabei stößt er auf Hinweise, die eine ungeheuerliche wie tödliche Wahrheit bereithalten...

Sich seines Standes vollkommen bewusst, sieht Oscar Wilde dennoch nicht ein, sich zu verstecken, im Gegenteil, er lebt sein ausschweifendes Leben offener als zuvor, und doch spürt er, wann es an der Zeit ist, die Reißleine zu ziehen und nach den Regeln anderer zu spielen, widerwillig zwar, aber man muss schließlich Opfer bringen. Dabei erkennt er, dass es durchaus auch andere Personen gibt, die mehr oder minder freiwillig nach Mycroft Holmes' Pfeife tanzen. Langsam aber sicher ergibt sich so ein Bild von dem Netzwerk, welches sich dieser aufgebaut hat und aus dem er reichlich zu schöpfen versteht.

Nachdem die Ermittler im ersten Abenteuer nur knapp einer Katastrophe entgehen konnten, sehen sie sich nun erneut einem unsichtbaren Gegner gegenüber. Es gibt diverse Hinweise und auch leidliche Spuren, aber niemand scheint sich konkret äußern zu wollen oder zu können. Die Angst geht um, was durchaus verständlich ist, wenn man bedenkt, dass von jetzt auf gleich Menschen einfach so verschwinden, ohne dass sie einen Laut von sich geben. Entsprechend neugierig ist man also selbst, was die Lösung des Falls angeht, und doch scheint sofort klar, dass der kleinen Gruppe ein steiniger Weg bevorsteht.

Gemeinsam mit ihnen begibt sich der Hörer immer tiefer in ein unglaubliches Geflecht, das viel mehr verbirgt als man zu denken gewagt hätte. Man möchte sich gleichzeitig abwenden und weitergraben, so paradox es klingen mag. Ähnlich geht es der Gruppe rund um Oscar Wilde, die überall lieber wären als in dem abweisenden Hochland. Im Verlauf des Geschehens zeigt sich, dass es unbedingt Sinn ergibt die chronologische Reihenfolge der Serie einzuhalten, denn es werden erste Zusammenhänge geknüpft, die nur vollends nachzuvollziehen sind, wenn man bereits Vorkenntnisse besitzt. Da man davon ausgehen kann, dass sich dies auch in den nachfolgenden Teilen fortsetzt, lohnt es sich entsprechend am Ball zu bleiben.

Diese zweite Folge steht der ersten in nichts nach, man hängt förmlich an den Lippen der Sprecher, als könne man sie sehen. Das Geschehen lässt eine düstere Atmosphäre aufkommen, die dem Hörer eine regelrechte Gänsehaut beschert und ihn gleichzeitig eine Sogwirkung entfaltet, der man sich weder entziehen kann noch will.


Reiheninfo:
Folge 1: Zeitenwechsel