Dienstag, 26. Mai 2015

[REZENSION] Silberwolf

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Silberwolf
Autor: Petra Schmidt
Übersetzer: -/-
Verlag: Machandel Verlag
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Ausführung: Taschenbuch, 158 Seiten



Autor:
Petra Schmidt ist 1963 in Leipzig geboren, verheiratet und hat eine Tochter. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann in Erding.
Schon als junges Mädchen war sie lesebegeistert und voll eigener Geschichten, die geschrieben werden wollten. Nach der Ausbildung zur Tierwirtin holte das reale Leben sie und ihre Fantasy ein. Seit ein paar Jahren ist sie und die Lust am Geschichten erzählen wieder da. Neben dem Schreiben ist ihre zweite Leidenschaft - das Lesen - zum Beruf geworden, als freiberufliche Testleserin für Verlage.


SILBERWOLF

Zunächst ist Jasmin überhaupt nicht begeistert davon, als ihre Mutter sie kurzerhand packt und sich mit ihr in die Wälder der Lausitz zu ihrer Oma aufmacht. Von Handynetz oder Internet keine Spur, und auch ansonsten scheint es eher wenige Gesprächspartner zu geben, mit denen man sich die Zeit vertreiben könnte. Einzig Omas Gruselgeschichten bieten ein wenig Abwechslung und Unterhaltung, auch wenn schon lange niemand mehr an die Legende des Silberwolfs glaubt. Dann aber geschehen unglaubliche Dinge, die nicht nur Jasmin zum Umdenken bewegen. Jetzt müssen alle zusammenhalten, denn ein Mörder ist unterwegs, und der hat es nicht nur auf wehrlose Tiere abgesehen...

„Hörst du ihn?“, flüsterte meine Oma.
Wie sollte ich nicht? Schließlich war das Heilen des Wolfes hier draußen, weit weg von jeder Zivilisation, kilometerweit zu hören.
Meiner Oma machten diese unheimlichen Gesänge nichts aus, die lebte hier schon seit ewigen Zeiten. Aber für mich, einem Stadtkind, war es die Hölle. (S. 5)

Die Wölfe sind zurück und besiedeln erneut die Wälder der Lausitz. Doch was ist dran an den uralten Legenden, die die Menschen sich auch heute noch hin und wieder erzählen? Wie so häufig geraten die Geschichten mehr und mehr in Vergessenheit, und werden als haltlos abgetan. Doch als die Tiere des Waldes plötzlich getötet werden und das Wolfsheulen immer weiter zunimmt, machen die Menschen sich auf, den Täter zu stellen.

Nicht nur die Protagonisten versuchen einen Weg zu finden dem Übeltäter das Handwerk zu legen, der Leser versucht von Beginn an zu analysieren wer vielleicht nicht unbedingt der ist, der er vorgibt zu sein. Auf Grund der Mischung fantastischer wie realer Elemente fällt es leicht sich in das Geschehen einzufinden. Fast schon ist es, als könnte die Legende wahr werden und sich quasi vor der eigenen Haustür abspielen. Gebannt verfolgt man die Nachforschungen der Dorfbewohner und begibt sich mit ihnen auf eine Reise, von der niemand weiß wo sie hinführen und was sie aufdecken wird.

Der leichte, flüssige Schreibstil trägt dazu bei, dass man fast schon durch die Seiten fliegt, kaum dass man sich versieht, hat man bereits die Hälfte hinter sich gebracht. Aufmerksame Leser werden relativ schnell auf eine heiße Spur stoßen, die man nicht mehr aus den Augen lassen wird. Im weiteren Verlauf werden die Geschehnisse daraufhin leider ein Stück weit vorhersehbar, da hätte man sich doch noch einen richtigen Knaller gewünscht. Dennoch fühlt man sich durch „Silberwolf“ gut unterhalten und kann sich durchaus vorstellen fortführende Erlebnisse zu verfolgen, so sie denn verschriftlicht werden.

Montag, 25. Mai 2015

[REZENSION] Lasst uns schweigen wie ein Grab

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Lasst uns schweigen wie ein Grab (OT: The Scandalous Sisterhood of Prickwillow Place)
Autor: Julie Berry
Übersetzer: Eva Plorin
Verlag: Thienemann
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 13 Jahren
Ausführung: Taschenbuch, 304 Seiten



Autor:
Julie Berry hat einen Masterabschluss des Vermont College. Ihre Jugendbücher wurden für verschiedene Auszeichnungen nominiert, standen auf Bestenlisten und erhielten zahlreiche lobende Pressestimmen. Sie lebt mit ihrem Mann und vier Söhnen in einem Vorort von Boston. Dort arbeitet sie als Marketingleiterin eines Start-up-Unternehmens.


LASST UNS SCHWEIGEN WIE EIN GRAB

Alles wird anders als eines Tages die Leiterin des Mädcheninternats St. Etheldra und ihr Bruder beim Sonntagsessen sterben. Die sieben Schülerinnen sehen sich einer schwierigen Entscheidung gegenüber. Sie können alles berichten und dadurch riskieren nach Hause geschickt zu werden oder sie können so weiter leben wie zuvor, dafür müssen nur die Leichen verschwinden, und natürlich darf niemand ahnen, dass die Direktorin nicht mehr lebt. Die Mädchen fühlen sich sehr miteinander verbunden, keine will wirklich nach Hause, weshalb die Wahl schnell auf Vertuschung fällt. Doch einfacher gesagt als getan, viele Hindernisse müssen umschifft und gleichzeitig ein Mörder gejagt werden, denn der Übeltäter muss noch in der Gegend sein...

„Das Testament ist nicht das Einzige, was verschwunden ist“, erklärte Kitty Schlau. „In der Schublade waren acht Pfund, eine halbe Krone, zwei Schilling und ein Sixpencestück – das Geld ist weg.“
„Mädchen!“, brüllte Louise durch den Korridor. „Krisensitzung!“
„Kommt runter in die Waschküche!“, schrie Martha zurück. „Wir stecken mitten in der Wäsche.“ (S. 166)

Bevor es mit der Geschichte richtig los geht wird man einmal auf eine andere, außergewöhnlichere Weise an die Protagonisten herangeführt. Die sieben Schülerinnen werden nur kurz aufgezählt, doch daraufhin folgt eine kurze Vorstellung von Personen, denen man in der Erzählung nicht begegnen wird. Die kurzen Texte beinhalten Informationen darüber weshalb die Mädchen auf dieses Internat gehen und wer sie dorthin geschickt hat. Das ist wirklich eine originelle Idee und bringt sofort Pluspunkte ein.

Bald darauf findet man sich auch schon mitten im Geschehen wieder, dessen Kernaktion bereits auf dem Klappentext zu finden ist. Doch wer glaubt, dass nicht mehr viel kommen kann, täuscht sich gewaltig, mit dem Ableben der Direktorin und ihres Bruders ist es noch lange nicht vorbei – hier fängt alles erst an. In der Geschichte steckt viel mehr als man zunächst vermuten würde, doch muss man aufpassen, nicht dass man selbst noch von den Mädchen zum Narren gehalten wird.

Julie Berry hat diese skurril-komische Geschichte mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor gewürzt. Dieser mag nicht jedermanns Sache sein, doch passt er wunderbar zum Ambiente sowie zur gesamten Atmosphäre. Die Spannung darf natürlich auch nicht außer Acht gelassen werden, schließlich gilt es nach wie vor einen Mörder ausfindig zu machen. Im Grunde könnte es jeder gewesen sein, und genau das ist der Knackpunkt. Es gibt zu viele Hinweise, zu viele Spuren und entsprechend viele Sackgassen. Man muss genau hinschauen, um tatsächliche Beweise von fingierten Indizien unterscheiden zu können, um den Täter zu überführen.

„Lasst und schweigen wie ein Grab“ bietet mit einem außergewöhnlichen Mix aus Humor und Spannung die ein oder andere sehr unterhaltsame Lesestunde. Gerne möchte man daraufhin mehr von Julie Berry lesen.

Sonntag, 24. Mai 2015

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW21


Im Briefkasten

Anette:
Ben, Oliver Scherz (GW)
Elke, Christian Duda / Julia Friese (RE)
Herzriss, Hörbuch, Britta Sabbag (RE)
Stolperherz, Hörbuch, Britta Sabbag (RE)

Christiane:
Totgetanzt, Brigitte Lamberts / Annette Reiter (GW)
Die große weite Welt der Mimi Balu, Kati Naumann (GW)
Die drei !!! 52, Maja von Vogel (RE)
Die drei !!! 53, Henriette Wich (RE)
Die drei !!! 54, Mira Sol (RE)
Du stirbst in meinem Herzen nicht, Simone Veenstra (RE)


Rund um die "Katze mit Buch"

Rund ums Forum:
* Leserunden für 2015:
#Skandal (Sarah Ockler, cbt, 10 Ex., ET 25. Mai)

*BGR
Bastei Luebbe:
- Sabaa Tahir - Elias & Laia 1: Die Herrschaft der Masken (5 Ex., ET 15. Mai): ab 16.05.

[REZENSION] Mit uns der Wind

Redakteur: Julia Ehrenberg

Titel: Mit uns der Wind
Autor: Bettina Belitz
Illustrator: -/-
Übersetzer: -/-
Verlag: Script5
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 400 Seiten




Autor:
Bettina Belitz, geboren 1973 in Heidelberg, verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben und begann zu schreiben. Nach dem Studium arbeitete Bettina Belitz als Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt sie umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald.


HMIT UNS DER WIND

Mona kennt Adrian nur von seinen YouTube-Videos. Denn Han-Ryu, wie er sich dort nennt, hat es mit seinen Videos zum Kiten zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Mona fühlt sich zu Adrian hingezogen. Und als er erwähnt, dass er zu Rock am Ring fahren wird, ist sie entschlossen, ihn dort zu suchen.

Einen Menschen unter 80.000 zu finden, das ist schon unter normalen Umständen eine wahnsinnige Idee. Aber die Umstände sind nicht normal, denn Mona ist krank. Sie leidet an einer besonderen Art der Narkolepsie, schläft bei starken Gefühlen und Aufregung ein. Genau deswegen wird sie rund um die Uhr von ihrer Familie bewacht. Das Unterfangen scheint hoffnungslos, aber Mona ist fest entschlossen, Adrian zu finden. Und tatsächlich schafft sie es, ihre Familie davon zu überzeugen, dass sie gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Manuel zu Rock am Ring darf.

Dort schafft sie es wirklich und entdeckt Adrian. Aber irgendwie läuft nicht alles so, wie sie es sich vorgestellt hat…

Ich mag die Bücher von Bettina Belitz sehr und sie schafft es immer wieder, mich zu überraschen. So auch bei diesem Buch. Irgendwie hatte ich etwas ganz anderes erwartet. Ich dachte, es wäre eine Liebesgeschichte, aber tatsächlich ist es eher ein Roman rund um Selbstfindung. Erzählt wird er abwechselnd aus der Sicht von Mona und Adrian, und beide machen im Laufe des Romans eine deutliche Entwicklung durch.

Während Mona versucht, ihre Fesseln abzuwerfen und ihre Grenzen auszutesten, ändert sich auch bei Adrian, der lange versucht hat, cool zu sein und Probleme in der Familie zu überspielen, etwas. Es ist ein typischer Bettina Belitz Roman, recht ruhig aber gleichzeitig voller Energie. Auch wenn ihre Bücher alle ganz unterschiedlich sind, so sind sie doch alle intensiv und poetisch.

Die Figuren in „Mit uns der Wind“ sind dreidimensional und greifbar, ich hatte das Gefühl, dabei zu sein, und habe vor allem auch die beiden Nebenfiguren Sanne und Judith in mein Herz geschlossen. Ihre Rolle in der Geschichte ist gar nicht so groß, aber es sind Figuren mit einer eigenen Story, über die ich gerne mehr erfahren hätte und die ich sofort liebgewonnen habe.

Insgesamt wurde ich wieder gut unterhalten von Bettina Belitz. Es ist nicht mein Lieblingsbuch von ihr, ihre anderen Einzelbände für junge Erwachsene konnten mich irgendwie stärker erreichen und bewegen. Aber auch mit „Mit uns der Wind“ konnte ich entspannte und schöne Lesestunden erleben.

„Mit uns der Wind“ ist eine ruhige und gleichzeitig energiegeladene Selbstfindungsgeschichte über ein ganz besonderes Mädchen. Wer außergewöhnliche Bücher mag, der sollte zugreifen!

Freitag, 22. Mai 2015

[REZENSION] Engelskalt

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Engelskalt (OT: Det henger en engel alene i skogen)
Autor: Samuel Bjørk
Übersetzer: Gabriele Haefs
Verlag: Goldmann
Reihe: -/-
Ausführung: Broschur, 544 Seiten



Autor:
Hinter dem Pseudonym Samuel Bjørk steht der norwegische Autor, Dramatiker und Singer-Songwriter Frode Sander Øien. Er wurde 1969 geboren, schrieb im Alter von 21 Jahren sein erstes Bühnenstück und veröffentlichte seitdem zwei hochgelobte Romane sowie sechs Musikalben. „Engelskalt“ ist sein erster Thriller. Derzeit lebt und arbeitet er in Oslo.


ENGELSKALT

Was muss das für ein Mensch sein, der kleine Mädchen mit einem Springseil an einem Baum aufhängt? Holger Munch und sein Team, das er nach einigen Diskussionen endlich wieder beisammen weiß, versuchen alles in ihrer Macht stehende, um weitere Opfer zu vermeiden und den Verantwortlichen zu erwischen. Ihre Nachforschungen führen sie zu einem alten Fall, doch der tatsächliche Zusammenhang erschließt sich nicht so leicht wie gedacht. Fast schon zu spät, stößt das Team auf einen irritierenden Hinweis – doch da ist es schon längst persönlich geworden...

„Wir haben noch eins.“
„Was?“, fragte Munch. „Noch ein verschwundenes Mädchen?“
Anette nickte.
„Eben gemeldet worden. Karoline Mykle. Sechs Jahre alt, aus ihrem Zimmer in Skullerud verschwunden.“
„Verdammt“, fluchte Munch.
[…]
Munch sah Mia kurz an. Er sagte nichts, aber sie wusste, was er dachte.
Zwei an einem Tag?
Zwei gleichzeitig? (S. 208)

Mit dem Einstieg gelingt es dem Autor sofort den Leser einzufangen, denn man wird sogleich ins Geschehen gezogen, obwohl man die späteren Zusammenhänge noch nicht einmal erahnen kann. Dennoch ist bereits früh spürbar, dass alles wichtig sein kann, weshalb man versucht sich jegliche Information zu merken. Und davon gibt es wahrlich einige. Seien es Personen oder Ereignisse, man weiß einfach nicht was wirklich relevant für den weiteren Verlauf ist und ist entsprechend bemüht der Erzählung konzentriert zu folgen.

Dies fällt manches Mal jedoch schwer, da die Beschreibungen zu ausschweifend werden, Darstellungen zu langatmig erscheinen und somit Passagen einfach schleppend vonstatten gehen. So wird der Lesefluss unterbrochen und die Spannung, die eigentlich auf einem recht hohen Niveau daher kommt, gemindert. Man hat das Gefühl, der Autor verzettelt sich hin und wieder, verliert sein Ziel aus den Augen und schweift dadurch ab. Vielleicht aber will er den Leser auch einfach nur in die Irre führen.

Es gibt einige Wendungen im Geschehen, die man nicht vorhersehen, nicht einmal erahnen konnte, und somit mehr als überraschend daher kommen. Zeitgleich zur Spannung wird in diesen Sequenzen auch das Tempo angezogen, so dass man ständig am Ball bleiben muss, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Verliert man den Überblick, kann es schnell passieren, dass man auch den roten Faden und somit den Blick für das Wesentliche verliert. Leider bleibt das Unvorhersehbare zum Schluss hin aus, es gibt zwar ein fulminantes Finale, doch hätte man sich doch noch die ein oder andere Überraschung gewünscht, die sich noch nicht zuvor abzeichnete. Ebenso wie manche Fragen, die offen bleiben, zwar nicht unbedingt relevant für den Fall als solchen sind, die man aber gerne aufgeklärt gewusst hätte.

Alles in Allem bietet „Engelskalt“ zwar noch einiges an Potential, um unübertroffene Begeisterung auszulösen, doch Samuel Bjørk ist dennoch durchaus ein Name, den man sich merken sollte, wenn es um Thrillerliteratur geht. Auf diesem Debüt lässt sich ohne Zweifel noch aufbauen, es bietet dennoch spannende Lesestunden und unkonventionelle Ermittler sowie Methoden, die nicht sofort wieder in Vergessenheit geraten.