Donnerstag, 5. März 2015

[INTERVIEW] Interview mit Anna Ruhe

Redakteur: Anette Leister



Liebe Frau Ruhe,
vielen Dank, dass ich Ihnen einige Fragen zu Ihrer Arbeit und ihrem Buch „Seeland“ stellen darf.

Welche Bücher haben Sie als Kind und Jugendliche gerne gelesen und lesen Sie heute noch zum Privatvergnügen Bücher, die speziell für diese Zielgruppe geschrieben wurden?

Ohne Astrid Lindgren wäre ich wahrscheinlich nur halb so gut durch meine Kindheit gekommen. Sie war meine Heldin und ist bis heute die einzige Person, der ich jemals Fanpost geschrieben habe. Ihre Bücher konnten mich, wenn ich krank war, wieder ein kleines bisschen gesünder machen. Mein absolutes Lieblingsbuch war „Ronja Räubertochter“. Das habe ich immer und immer wieder gelesen. Mittlerweile fallen die Seiten heraus, aber es steht noch in meinem Bücherregal. Mein Sohn freut sich schon, wenn er es endlich lesen kann. Aber auch die Bücher von Michael Ende, Otfried Preußler und Elizabeth Goudge habe ich geliebt. Kinder- und Jugendliteratur lese ich immer noch gern und viel. Nicht nur weil ich zwei Kinder habe und selbst Kinderbücher schreibe, sondern weil wirklich gute Kinderliteratur auch im erwachsenen Alter noch Spaß macht.

Was macht ein gutes Kinderbuch für sie aus?

Als Kind erscheint einem die Welt noch so viel größer und aufregender. Man sucht seinen Platz darin und ständig erlebt oder tut man Dinge zum ersten Mal. Das ist spannend, manchmal aber auch beängstigend. Ich glaube diesen Mischmasch an Gefühlen sollte ein gutes Kinderbuch seine Leser erleben lassen, ganz egal ob es realistisch oder phantastisch ist. Und wenn dann beim Lesen der Puls schneller schlägt, man durch die Augen der Protagonisten schauen kann und sich, nachdem man das Buch am Ende zuschlägt ein kleines Stückchen stärker fühlt, dann ist es ganz sicher ein gutes Kinderbuch.

Haben Sie eine besondere Verbindung zum Wasser und speziell zum Meer oder haben andere Gründe zur Wahl des Settings von „Seeland“ geführt?

Seit ich denken kann, fasziniert mich der große blaue Ozean. Vielleicht gerade, weil ich gar keine besondere Verbindung dazu habe. Ich bin ein Berliner Großstadtkind; da wächst man mit ziemlich wenig Meer vor der Nase auf. Trotzdem hat mich schon von Klein auf alles, was mit Unterwasser zu tun hat, begeistert. Diese Faszination war so ausgeprägt, dass ich damals nach einem Buch gesucht habe, das im Meer spielt. Ich hatte sehr genaue Vorstellungen, wie diese Geschichte aussehen sollte. Auf keinen Fall sollte sie nur am Meer oder auf dem Meer spielen – ich wollte unbedingt eine Geschichte lesen, die im Meer spielt. Diesen Kindheitstraum habe ich mir mit Seeland wohl realisiert. Die Meere, vor allem natürlich die Tiefsee, sind in weiten Teilen ja noch recht unerforscht. Gerade das ist besonders schön für Autoren, es bietet viel Raum für Phantasie.

Mussten Sie für „Seeland“ viel recherchieren? Wie sah die Recherche für das Buch aus?

Oh ja, ich habe sehr viel recherchiert! Wahrscheinlich allein schon deshalb, weil mich das Meer mit seinen Bewohnern so in seinen Bann zieht. Eigentlich denkt man ja immer, in der phantastischen Literatur könnten Autoren einfach alles behaupten, selbst wenn es absoluter Quatsch ist. Aber das stimmt nicht. Wenn man eine komplette Höhlenwelt gefüllt mit Wasser entwickeln will, in der es Großstädte gibt, muss man sich um eine ganze Menge Dinge Gedanken machen. Woher kommt beispielsweise das Licht? In Seeland gibt es dafür die Lumiroks. Das sind Steine die Licht und Wärme erzeugen. Das klingt natürlich erst mal nach Unsinn. Ich habe aber bei solchen Erfindungen versucht, wenigstens fundierten Unsinn zu schreiben. Die Lumiroks basieren beispielsweise auf dem piezoelektrischen Effekt, den man aus elektrischen Feuerzeugen kennt. Der durch Vibrationen im Inneren erzeugte Strom regt die Steine durch Elektrolumineszenz zum Leuchten an. Auch wenn solche Details im Buch nicht beschrieben sind, war es mir wichtig, das die Dinge in „Seeland“ zu erklären und nachvollziehbar sind. Eine Welt, in der alles völlig unerklärlich ist, ist am Ende doch langweilig. Da kann jederzeit einfach alles passieren. Auch über das Essen und Trinken der Seeländer habe ich viel recherchiert. Auf metallenen Wasserstädten wird es schließlich schwierig sein, Ackerbau zu betreiben. Die Menschen können sich also nicht von Brot oder Kartoffeln ernähren. Die Recherche dazu, hat mir solchen Spaß gemacht, dass ich unzählige Gerichte und Getränke kreiert habe: Getränke wie Anemonensprudel, Mangrovenzisch und Algenmost, Snacks wie Quallenchips und Fischkaugummis in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Hauptgerichte bestehen beispielsweise aus gratinierten Seegurken oder Rogenaufläufen und zum Nachtisch reicht man Morchelmus. Am Ende konnte ich all die Gerichte gar nicht mehr im Buch unterbringen. Aber vielleicht mache ich daraus irgendwann ein Kochbuch mit dem Namen „Seelands feine Speisen“.

Wie lange haben Sie insgesamt an dem Buch gearbeitet?

Ich habe mit „Seeland“ nach der Geburt meines ersten Sohnes begonnen. Bald kam der zweite und ich habe am Abend oder wenn die Jungs ihre Mittagsschläfchen gemacht haben, mal hier, mal da ein Stündchen geschrieben. Auf diese Weise dauert ein so dickes Buch ziemlich lange. Zwischendrin gab es dann auch mal Pausen und ich habe auf Rückmeldungen von Verlagen, etc. gewartet. Es war ein langer Prozess. Insgesamt hat es irgendetwas zwischen drei bis vier Jahren gedauert. Aber so ist das wohl mit Herzensprojekten, sie brauchen manchmal ihre Zeit.

Was sind Ihnen die liebsten Eigenschaften an Ihren drei jungen Protagonisten Emma, Max und Ari?

Ich mag die drei sehr, nicht nur für ihre Stärken, sondern auch für ihre Schwächen. Max hat ein großes Herz und ich mag seine Nachdenklichkeit genauso gern, wie seine Unentschiedenheit in schwierigen Situationen. Emma liebe ich dafür, dass sie so cool ist. Auch dafür, dass sie die Ärmel hochkrempelt und anpackt, wenn man anpacken muss. Ihre etwas ruppige Art dabei bringt mich immer ein bisschen zum Lachen. Ari hat so etwas, was ich „Großer-Bruder-Qualitäten“ nennen würde. Instinktiv behält er ein Auge auf die, die ihm wichtig sind. Seine Großzügigkeit mag ich auch sehr, selbst wenn es ihm schwerfällt den zwei anderen auch mal was zuzutrauen.

Das besondere Vokabular, das Sie für Gegenstände in „Seeland“ verwenden, fällt beim Lesen direkt ins Auge. War Ihnen die besondere Wortwahl wichtig und wenn ja, aus welchen Gründen?

Für mich war es wirklich sehr wichtig, dass sich die Eigenheiten dieser Parallelwelt auch in den Details zeigen. Schließlich wäre es komisch, wenn die Tauchboote in Seeland den gleichen Namen wie bei uns hätten, es Landkarten aus Papier gäbe, das im Wasser ja aufweicht und die Kinder Schokolade naschen würden. Wo sollten in Seeland die Kakaobohnen nur wachsen? Genauso brauchen all diese „anderen“ Dinge auch eigene Namen und Worte um lebendig werden zu können. Ich jedenfalls habe solche Bücher als Kind geliebt und fand es großartig, wenn ich das Gefühl hatte, der Autor oder die Autorin weiß über alles noch so viel mehr, als es die Leser erfahren. Ausgeklügelte Details können eine Geschichte auf sehr besondere Art erlebbar machen. Um die Distanz zu der fremdem Welt nicht zu groß werden zu lassen, habe ich aber Brücken eingebaut, wie die „Kustohs“ die ihren Namen natürlich von Jacques Cousteau, einem meiner besonderen Helden, haben.

Warum haben Sie gerade Quallen zu den besonderen Bezugstieren der Meerjungfrauen gewählt?

Quallen sind sehr beeindruckende und auch rätselhafte Tiere. Sie gehören zu den ältesten Lebewesen unseres Planeten und wirken wegen ihrer transparenten Körper „durchschaubar“ und simpel. Da sie keine Augen haben, vermutet man eigentlich, Quallen seien blind. Dabei sind Unmengen von Sinneszellen auf ihrem Körper verteilt, mit denen sie recht gut sehen können, es nimmt nur niemand wahr. Man unterschätzt diese glibberigen Wesen und das macht sie so interessant für mich. Quallen können winzig klein und riesig groß sein, bis zu zwei Meter Durchmesser haben einige von ihnen. Das ist ziemlich imposant. Zudem sind die Tentakel einiger Quallen so giftig, dass die kleinste Berührung tödlich enden kann. Ich fand es spannend, diesen rätselhaften Tieren ebenso rätselhafte Märchenfiguren zur Seite zu stellen. Auch fand ich die Vorstellung toll, dass sie auf eine Weise miteinander kommunizieren, die außer ihnen niemand hören oder sehen kann. Kommunikation im Wasser ist ja eh eine komplizierte Sache. Die Königsfamilie Neptun verwendet im Buch beispielsweise eine Art Unterwasser-Gebärdensprache. Sie können Luftblasen zu Wörtern und Sätzen formen. Quallen und Meerjungfrauen hingegen haben ihre eigene ganz spezielle Geheimsprache.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Max Meinzold? Konnten Sie Einfluss darauf nehmen, welche Szenen im Buch mit seinen Werken bebildert wurden oder lag die Entscheidung dafür bei jemand anderem?

Meine Programmleiterin bei Arena hatte Max Meinzold von Anfang an als Illustrator für „Seeland“ im Kopf – zu meiner großen Freude, ich finde Max ist ein ganz außergewöhnlicher Illustrator. Er kann Lichtstimmungen einfangen, wie es nur wenige können. Das ist eine Kunst für sich, die seinen Illustrationen ihre besondere Tiefe verleiht. Auch legt er viel Liebe in die Details, was mir gut gefällt. Es macht Spaß mit ihm zu arbeiten. Der Verlag hat mich in vielen Dingen miteinbezogen, auch bei der Auswahl der Szenen, worüber ich sehr dankbar war. Natürlich hat der Verlag das letzte Wort, aber zum Glück hatten wir keine unterschiedlichen Meinungen zur Gestaltung des Buches. Ehrlich gesagt hatte ich anfangs ziemlichen Bammel davor. Ich bin ja selbst Grafikerin und hatte insgeheim Sorge, dass das Buch auf eine Art gestaltet wird, die mir nicht gefällt. Zum Glück war aber genau das Gegenteil der Fall und die Illustrationen sind noch viel schöner geworden, als ich es gehofft hatte.

© Max Meinzold / Arena Verlag

Bekommen Sie Feedback von der Zielgruppe von „Seeland“ und falls ja, wie erreicht Sie dieses? Kommen Sie auf die Kinder (Lesungen), oder die Kinder auf Sie zu (Leserbriefe oder Buchbesprechungen online)?

Bislang erreicht mich das Feedback zu „Seeland“ hauptsächlich über meine Website, Facebook oder über Buchhändler, die mir schreiben. Und es gibt natürlich auch schon ein paar Besprechungen im Netz. Da Seeland mein Debüt ist und erst seit Januar im Buchhandel, fange ich gerade erst mit den Lesungen an. Im März lese ich zum ersten Mal aus „Seeland“ auf der Münchner Bücherschau, danach auf der Leipziger Buchmesse und in ein paar Schulen und Buchhandlungen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Reaktionen während und nach den Lesungen.

Haben Sie bereits Folgeprojekte in Planung und dürfen sie darüber schon Näheres verraten?

Ja, das habe ich. Allerdings darf ich leider, leider noch nichts darüber verraten – auch wenn es mir wirklich schwerfällt. Ich erzähle einfach so gerne. :)

Vielen Dank für das Interview :)

[REZENSION] Die Abräumer

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Abräumer
Autor: Thomas Schweres
Übersetzer: -/-
Verlag: Grafit
Reihe: Band 2
Ausführung: Taschenbuch, 254 Seiten



Autor:
Thomas Schweres ist 38 Jahre alt und gefangen im Körper eines 55-Jährigen. Der gebürtige Essener hat Jura, Germanistik und Anglistik studiert. Leider vergeblich. Zur zeitweisen Beruhigung seiner Eltern hat er wenigstens das Volontariat bei Axel Springer abgeschlossen. Seitdem treibt er sich auf dem Boulevard herum. Erst einige Jahre für die große Zeitung und jetzt schon viele Jahre für den großen Fernsehsender, beschreibt und verfilmt er Sachen, die bei anderen schiefgegangen sind.


DIE ABRÄUMER

Aus Verzweiflung und scheinbar ohne konkreten Plan überfällt Michaela Schmidt eine Filiale der Sparbank. Auf ihrer Flucht ist ihr nicht nur Reporter Tom Balzack auf den Fersen – kurze Zeit später ist Michaela Schmidt tot. Kommissar Georg Schüppe wird mit dem Fall betraut, bei dem auf den ersten Blick nichts zusammenzupassen scheint. Ein zweiter Blick lässt den Fall plötzlich in einem ganz anderen Licht und viel größer als zuvor erahnt erscheinen...

„Wie, nicht mehr da?“
„Der Häftling muss nach Verbüßung seiner kompletten Strafe nächstes Jahr entlassen und deshalb schon jetzt auf die Freiheit vorbereitet werden. Deshalb hatte er mehrmals begleiteten Ausgang und zuletzt einmal unbegleiteten. Keiner von uns hat damit gerechnet, dass er nicht mehr zurückkehrt. […]“ (S. 122)

Nach „Die Abtaucher“ ist „Die Abräumer“ nun der zweite Fall für Kommissar Georg Schüppe und Reporter Tom Balzack. Im tiefsten Ruhrgebiet gehen sie auf Verbrecherjagd und stoßen dabei auf Geheimnisse, die so mancher lieber weiterhin unter Verschluss gehalten hätte.

Anders als beim ersten Band startet die Geschichte dieses Mal sofort voll durch und zieht den Leser schnell in ihren Bann. Egal, ob der erste Band bekannt ist oder nicht, die Menge der handelnden Personen kann zunächst ein kleines Verständnisproblem nach sich ziehen, welches aber definitiv nicht lange anhält. Bald schon wird man sich zurechtfinden und ein Gefühl dafür bekommen wer nun zu wem gehört und welchen Hintergrund hat. Denn würde zu früh zu viel bekannt sein, gäbe es am Ende keine Überraschung mehr.

Und die kommt, darauf kann man sich verlassen. Mit einigem rechnet man im Verlauf des Geschehens, manches mag sogar ganz bewusst vorhersehbar gehalten sein, doch der Knaller kommt am Ende, und zwar einer, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hätte. Eine mehr als großartige Inszenierung, die dem Autor hier gelungen ist.

Auf Grund des rasanten Einstiegs ist das Tempo schon zu Beginn hoch und kann sich zum Ende hin sogar noch steigern. Dadurch steigt auch die Spannung stetig an, die schon alleine dadurch vorhanden ist, dass es diverse Spuren zu verfolgen gilt. Es gibt zahlreiche Hinweise, die allesamt wichtig erscheinen, aber zu vollkommen anderen Erkenntnissen führen. Daher muss mit voller Konzentration gearbeitet werden, damit man den Faden nicht verliert und das Verbrechen vielleicht sogar vor den Ermittlern aufklären kann.

„Die Abräumer“ ist durchaus auch ohne Vorkenntnisse verständlich und nachvollziehbar, die Entwicklung der Charaktere und Wissenswertes bezüglich ihrer Beziehungen zueinander kann man allerdings nur in ihrer Gänze nachvollziehen, wenn man auch den ersten Band gelesen hat oder nachträglich liest. Thomas Schweres ist mit diesem zweiten Fall für Schüppe und Balzack ein mehr als spannendes Werk gelungen, das den Leser fesselt und Authentizität ausstrahlt.


Reiheninfo:
Band 1: Die Abtaucher

Mittwoch, 4. März 2015

[REZENSION] Die Prophezeiung der Drachen (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Prophezeiung der Drachen
Autor: Tui T. Sutherland
Sprecher: Simon Jäger
Übersetzer: -/-
Verlag: DAV
Reihe: Wings of Fire 1
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Ausführung: Gekürzte Lesung, ca. 355 Minuten, 1 mp3-CD



Autor:
Tui T. Sutherland, geboren 1978 in Venezuela, arbeitete einige Jahre als Kinderbuchlektorin in New York. Sie ist Mitglied des erfolgreichen Autorenteams Erin Hunter, das mit den Kinderbuchreihen »Warrior Cats« und »Seekers« internationale Bestsellererfolge feiert. »Magic Park« hat sie zusammen mit ihrer Schwester Kari Sutherland verfasst.

Sprecher:
Simon Jäger wurde in Berlin geboren. Schon seit seiner Kindheit arbeitet Jäger erfolgreich als Sprecher. Bekannt ist er vor allem als Synchronstimme von Matt Damon, Luke Wilson oder Heath Ledger. Darüber hinaus arbeitet er als Dialogregisseur und Synchronautor.
Für seine Leistungen als Sprecher im Hörspielbereich wurde er mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. So auch im Jahr 2008 mit dem Hörspiel Award als Bester Sprecher in einer Hauptrolle.


DIE PROPHEZEIUNG DER DRACHEN

Es tobt ein unbarmherziger Krieg, nichts scheint ihn beenden zu können, wäre da nicht die Prophezeiung. Diese besagt, dass fünf Drachlinge auserkoren sind, die brutalen Kämpfe zu beenden. Einige wollen diese Weissagung um jeden Preis verhindern, so kommt es, dass die jungen Drachen gejagt und gefangen genommen werden. Jetzt liegt es an Clay, dem jungen und eigentlich friedfertigen Erddrachen, seine Freunde, und damit die Welt, zu retten...

„Die Prophezeiung der Drachen“ ist der erste Band der Reihe „Wings of fire“ und legt sogleich einen fulminanten Start hin. Zu Beginn wirken die zahlreichen Namen und Figuren noch verwirrend, doch schon nach kurzer Zeit kann man die Drachen gut auseinander halten, was nicht zuletzt an der Sprecherleistung liegt. Denn Simon Jäger haucht jedem Charakter seinen eigenen Atem ein, so dass man schon fast das Gefühl hat mehreren Sprechern zu lauschen.

Das Fantasy-Epos besticht mit großartiger Spannung, die von Anfang und Ende kontinuierlich vorhanden ist. Je nach vorherrschender Handlung steigt sie mal an, fällt auch manchmal ab, aber immer in gesundem Maße und passend zum Geschehen, wodurch keine Längen aufkommen, sondern man eher noch mehr in die Geschichte hineingezogen wird. Alles erscheint absolut authentisch, fast schon lebendig, wüsste man nicht, dass es sich um fiktive Gestalten handelt...

Die zentrale Frage bleibt stets: Wird sich die Prophezeiung erfüllen? Unerwartete Wendungen und diverse Überraschungsmomente führen dazu, dass man sich überhaupt nicht mehr sicher ist ob des Fortgangs des Geschehens, auch wenn man bereits weiß, dass es einen Nachfolgeband gibt.

Eine großartige Geschichte sowie ein exzellenter Sprecher machen „Die Prophezeiung der Drachen“ zu einem Hörerlebnis für Groß und Klein, das man so schnell nicht vergessen wird.

[REZENSION] Zum Glück bemerkt mich niemand... dachte ich

Redakteur: Anette Leister

Titel: Zum Glück bemerkt mich niemand... dachte ich (OT: Jeg blir heldigvis ikke lagt merke til)
Autor: Liv Marit Weberg
Übersetzer: Hinrich Schmidt-Henkel
Verlag: Sauerländer
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 224 Seiten



Autor:
Liv Marit Weberg wurde 1988 als schüchternes kleines Mädchen geboren und lebt heute in Oslo. Sie hat am Norwegischen Kinderbuchinstitut literarisches Schreiben studiert und ihren Master in Nordischer Literatur an der Universität Oslo gemacht. In ihrem Debütroman ›Zum Glück bemerkt mich niemand … dachte ich‹ verarbeitet sie auch ihre eigenen Erfahrungen – auf die Spitze getrieben!


ZUM GLÜCK BEMERKT MICH NIEMAND... DACHTE ICH

Anne Lise ist für das Studium nach Oslo in ihre erste eigene Wohnung gezogen. Leider ist sie derartig schüchtern, dass sie es nicht schafft Kontakte in der Stadt zu knüpfen geschweige denn ihr Studium aufzunehmen. Mehr oder weniger zufällig bekommt sie zwar einen Freund, der jedoch schon bald auf Grund Anne Lises zurückhaltender Art das Handtuch wirft. Nur aus der Not gezwungen nimmt Anne Lise einen Job an, nachdem ihr die Studienhilfe gestrichen wird und auch ihre Eltern weitere Unterstützung verweigern. Nachdem der Ball des Schicksals gezwungenermaßen eine Richtung einschlagen muss, die Anne Lise von selbst nie gegangen wäre, entwickelt sich vielleicht doch noch alles in eine positive Richtung?!

Mit der Lektüre von "Zum Glück bemerkt mich niemand... dachte ich" bekam ich stilistisch und auch von der Hauptfigur einen völlig anderen Roman als ich es erwartet hätte. Die kurzen Kapitel reihen sich stakkatoartig aneinander, die Schrift ist relativ groß, die Seiten teilweise nur zur Hälfte bedruckt, so dass sich die Geschichte von Anne Lise schnell lesen lies, obwohl ich weder mit der Handlung noch mit ihrer Art richtig warm geworden bin. Anne Lise ist zwar einerseits schüchtern und versucht Aufmerksamkeit zu vermeiden, andererseits hat sie aber eine Art an sich, mit der sie aneckt und anstößt und damit auffällt. Vom Klappentext her hätte ich eine Figur erwartet, die gegen ihre Schüchternheit angehen und Leute kennenlernen will, tatsächlich tut Anne Lise aber alles dafür, um allein zu bleiben, selbst den Kontakt zu ihren Eltern sucht sie erst dann freiwillig, als ihre einzige Geldquelle durch die Studienhilfe versiegt.

Einerseits hat es mir gut gefallen, dass die Autorin aufzeigt, wie schwierig die ersten Schritte in das selbstständige Erwachsenenleben sein können und mit welchen sozialen Kontaktproblemen sich Menschen konfrontiert sehen, die von ihrer Art introvertiert und zurückhaltend sind. Diese Thematik derart auf die Spitze zu treiben, wie es die Autorin in ihrem Roman macht, ist aufrüttelnd, da man als Leser gar nicht umhin kommt, auf Anne Lises Art zu reagieren. Die Autorin polarisiert mit ihrer Hauptfigur und fordert Reaktionen heraus. Andererseits war mir die Umsetzung für das anvisierte Zielpublikum ab 14 Jahren teilweise zu überspitzt und ironisch. So fällt es mir schwer, für diesen Roman eine definitive Empfehlung auszusprechen. Anfang und Ende haben die Geschichte für mich gerettet, aber mit dem Mittelteil, bei dem Anne Lise ihrem erzwungenermaßen angenommenen Job nachgeht, konnte ich nicht viel anfangen: hier war Anne Lises Art von der Autorin zu gezwungen übertrieben und sarkastisch gezeichnet.

Dienstag, 3. März 2015

[REZENSION] Freundinnen in Gefahr!

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Freundinnen in Gefahr!
Autor: Maja von Vogel / Henriette Wich / Mira Sol
Übersetzer: -/-
Verlag: Kosmos
Reihe: Die drei !!! 50
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Ausführung: Hardcover, 384 Seiten



Autor:
Maja von Vogel wurde 1973 geboren und wuchs im Emsland auf. Sie studierte Deutsch und Französisch, lebte ein Jahr in Paris und arbeitete als Lektorin in einem Kinderbuchverlag, bevor sie sich als Autorin und Übersetzerin selbständig machte. Heute lebt Maja von Vogel in Nordwestdeutschland.

Henriette Wich wurde 1970 in Landshut geboren und wuchs mit sechs Geschwistern und drei Katzen auf. Sie studierte Germanistik und Philosophie in Regensburg und arbeitete als Lektorin in verschiedenen Kinderbuchverlagen. Danach hat sie sich einen großen Traum erfüllt: selbst zu schreiben. Heute ist Henriette Wich erfolgreiche Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendbücher.

Mira Sol war Bankkauffrau, studierte Germanistik und arbeitete anschließend als Verlagsredakteurin. Dann erfüllte sie sich einen Traum: Sie wurde Autorin für Kinder- und Jugendbücher. Mira Sol liebt Geheimnisse, Krimis, Sonnenblumen und Spanien. Deshalb schreibt sie ihre Jugendkrimis und geheimnisvollen Geschichten unter dem spanischen Künstlernamen Mira Sol (dt. „Sonnenblume“). Sie lebt mit ihrem Mann, drei anhänglichen Nachbarskatzen und vielen Büchern in Stuttgart.


FREUNDINNEN IN GEFAHR!

Der bekannte Popsänger und Freund der drei !!! Tom Jeremias kommt für ein Konzert in die Stadt, doch dann läuft alles aus dem Ruder. Denn urplötzlich verschwindet er in der Pause und niemand scheint zu wissen warum und wohin. Klar, dass Kim, Franzi und Marie sich auf die Suche machen, um ihren Freund zu finden, doch dabei geraten sie selbst ins Visier der Ermittlungen. Nicht einmal Kommissar Peters glaubt den Detektivinnen, dass sie nichts mit dem Verschwinden von Tom zu tun haben. So sind die Mädchen auf sich allein gestellt und mehr als angespornt den Fall zu lösen und sich von jedem Verdacht rein zu waschen...

Das Außentor war verschlossen und im Dämmerlicht erkannte Kim einen Rasenmäher, eine Schubkarre und andere an der Wand aufgereihte Gartenutensilien. Daneben türmten sich eine Menge Dosen in verschiedenen Farben und Größen.
„Autolack spritzfertig“, las Kim halblaut. Während sie sich fragte, wofür Janinas Vater so viel Lack brauchte, ertönte wie aus dem Nichts eine schneidende Stimme hinter ihr.
„Was hast du hier zu suchen?“ (Band 1, S. 35)

Der 50. Fall ist für die drei !!! ein ganz besonderer, was allerdings nicht durchweg positiv ist, werden sie doch selbst verdächtigt etwas unrechtes getan zu haben und sehen sich auch noch fiesen Gerüchten ausgesetzt, die täglich im Internet kursieren. Der Jubiläumsfall für die drei Detektivinnen ist dreimal so lang wie sonst und besteht aus drei Bänden, nämlich „Verlorenes Herz“, „Spuren der Vergangenheit“ und „Falsche Freunde“. In jedem Band steht eines der Mädchen mehr im Vordergrund als die anderen, ohne sich jedoch zu wichtig zu nehmen oder gar aufdringlich zu erscheinen.

Auf Grund der persönlichen Angriffe auf die Freundinnen wirken diese zunächst ein wenig angeschlagen, was allerdings durchaus nachvollziehbar ist, schaut man sich an welches Spiel mit ihnen gespielt wird. Doch echte Detektivinnen lassen sich so schnell nicht unterkriegen und geben schließlich erst so richtig Vollgas, um ihren Widersachern deutlich zu machen, dass man mit den drei !!! so nicht umspringt. Bis dahin ist es allerdings ein gefährlicher und steiniger Weg, der einige Cliffhanger für den Leser zu bieten hat und den Freundinnen das ein oder andere verhängnisvolle Ereignis beschert. Inwiefern sich dieser knifflige Fall lösen lässt und ob die Freundinnen ihre Ehre noch retten können, ist bis zum Schluss unklar, denn dass die Eltern der Detektivinnen auch noch ein Wörtchen mitzureden haben, ist jedem klar.

„Freundinnen in Gefahr!“ bietet atemlose Spannung von Anfang bis Ende und zieht den Leser in einen Sog aus Neid und Hass, der einen so schnell nicht wieder los lässt. Dass man gemeinsam mit den Mädchen ermittelt ist Ehrensache, doch stellt sich das Ganze schwieriger dar als gedacht, auf Grund fehlender Mithilfe und verwirrender Hinweise. Aber was echte Detektive sind die geben so leicht nicht auf. Bleibt zu hoffen, dass die Mädchen noch viele weitere Fälle lösen dürfen!