Dienstag, 17. Januar 2017

[REZENSION] Der Keller

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Der Keller
Autor: Christoph Zachariae
Illustrator: Colin M. Winkler
Übersetzer: -/-
Verlag: Lucid Dreams
Reihe: Ödland 1
Ausführung: Taschenbuch, 240 Seiten



Autor:
Christoph Zachariae wird 1972 als Sohn eines Flugzeugingenieurs und einer Lehrerin in Bremen geboren. Vom Vater übernimmt er die Begeisterung für Technik und Raumfahrt, von der Mutter die für Kunst und Museen.
Im Alter von 12 Jahren schreibt er die erste Kurzgeschichte. Ab 1993 studiert er Filmwissenschaften und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum und realisiert Fotoausstellungen. Aus eigenen Drehbüchern entstehen Kurzfilme, die auf zahlreichen Festivals laufen. 1996 wechselt er an die Filmakademie Ludwigsburg und schließt ein Regiestudium ab.
Seine Leidenschaft gehört der Fantastik in allen Schattierungen und Genres.
Seit 2002 lebt und arbeitet er in Berlin. Hier entstehen u.a. die Hörbücher für die mehrfach preisgekrönte Thriller-Serie DARKSIDE PARK.


DER KELLER

Es war vorherzusehen, dass die Zivilisation irgendwann zusammenbrechen wird. Dennoch gibt es Überlebende, die weiterhin an ihrer Hoffnung festhalten, sich in Enklaven zusammengefunden und zurückgezogen haben. Die Gemeinschaft, in der die 19-jährige Mega aufgewachsen ist, bewohnt einen Keller unter der Universität und versucht seit geraumer Zeit Kontakt zu anderen Enklaven aufzunehmen. Doch Söldnerbanden, die durch das Ödland ziehen, sind Gegner, an denen jeder Versuch bisher scheiterte. Mega ist nun die letzte Hoffnung der Gemeinschaft. Alle Augen sind auf sie gerichtet, als sie ihre Mission antritt und sich ins Ödland wagt...

Plötzlich und unvermittelt begann Tito zu zischen wie ein bösartiges Reptil. Und dieses Zischen war weit wirkungsvoller, als es jedes Brüllen hätte sein können:
„Hör auf, mich zu verarschen, du verfluchtes Stück Scheiße. Ich will wissen, woher du sie kennst. Ich halt dich so lange am Leben, bis ich es weiß. Hast du verstanden?“ (S. 28)

Einerseits erscheint ein kompletter Zusammenbruch der Zivilisation, wie wir sie kennen, unmöglich. Andererseits muss man mit Erschrecken feststellen, dass man nur sämtliche Komponenten in Betracht ziehen muss, schon ist ein solches Szenario keine Lichtjahre mehr entfernt. Sofort wirkt die dystopische Darstellung des Ödlands authentischer als zu Beginn, als man noch nicht so richtig wusste was man von dem Ganzen halten sollte.

Schnell ist man in der Geschichte gefangen und von Mega eingenommen, die eine weitaus größere Rolle zu spielen scheint als zunächst gedacht. Da es sich bei „Der Keller“ um den Auftakt-Band handelt, wird es allerdings noch einiges zu entdecken geben, nicht nur die Charaktere betreffend. Man kann nie sicher sein, dass eine Figur wirklich die ist, die sie vorgibt zu sein, dafür haben alle bereits zu viel Schreckliches erlebt und extreme Situationen durchgestanden. Natürlich ist der ein oder andere dennoch eher zu durchschauen, mit Sympathiebekundungen hält man sich jedoch lieber noch zurück, bis man mehr erfahren hat.

Christoph Zachariae zeichnet ein Bild der zukünftigen Welt, die düsterer nicht sein könnte. Nun darf man aber nicht den Fehler begehen zu glauben, dass sämtliche Ereignisse negativ behaftet sind. Sicherlich bleibt unterschwellig eine bedrückende Stimmung, das Geschehen als solches strahlt jedoch in weiten Teilen eine gewisse Zuversicht und positive Atmosphäre aus. Spannungsgeladen und actionreich gestalten sich die Erlebnisse der Überlebenden, die partout nicht bereit sind die Hoffnung aufzugeben. Gemeinsam mit Mega begibt sich der Leser also auf eine Reise ins Unbekannte, das so einige Überraschungen bereit hält.

Ein gelungener Auftakt mit einem Cliffhanger am Ende, der gar nichts anderes zulässt als direkt weiter zu lesen.


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Montag, 16. Januar 2017

[REZENSION] Die Erwählte

Redakteur: Kerstin Caywood

Titel: Die Erwählte (OT: Throne of Glass)
Autor: Sarah J. Mass
Übersetzer: Ilse Layer
Verlag: dtv
Reihe: Throne of Glass 1

empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre
Ausführung: Taschenbuch, 496 Seiten





Autor:
Sarah J. Maas wuchs in Manhattan auf und lebt seit einiger Zeit mit Mann und Hund in Pennsylvania. Bereits mit dem ersten Entwurf zu ›Throne of Glass‹ sorgte sie für Furore: Mit 16 veröffentlichte sie ›Queen of Glass‹ (so der damalige Titel) auf einem Online-Forum für Autoren und initiierte damit eines der frühesten Online-Phänomene weltweit.


DIE ERWÄHLTE

Ich habe dieses Buch im Original gelesen, sodass ich die Übersetzung nicht beurteilen kann.

Calaena Sardothien ist verurteilt ihr Leben in den Minen von Erdovier zu fristen. Die einst meinstgefürchtete Auftragskillerin des Königreiches wurde verraten, doch aufgeben ist keine Option.
Als der tyrannische König einen Wettbewerb abhält um sich einen Champion zu suchen, der seine Drecksarbeit erledigt, stellen dessen Edelmänner Kandidaten, 24 an der Zahl. Der Kronprinz entscheidet sich für Calaena.
Das Angebot ist eindeutig, schlage deine Gegner, werde der Auftragskiller des Königs und du bekommst deine Freiheit zurück. Andernfalls ist dein Schicksal in den Minen besiegelt.
Schnell findet sich Calaena zwischen zwei Männern wieder. Chaol Westfall, Captain der Königlichen Garde, ist ihr Trainingspartner. der sie durch sein Können imponiert. Kronprinz Dorian ist dafür belesen und schlagfertig. Wird sich die junge Frau für einen der beiden entscheiden?
Bald kommt es zu unerklärlichen Todesfällen der anderen Kandidaten, die Morde sind brutal und rätselhaft. Wer oder was schleicht Nachts durch den gläsernen Palast und hat es auf die Gegner abgesehen? Und wohin führt der Geheimgang in Calaenas Zimmer? Ist die auslaendische Prinzessin Nehemia eine Verbündete oder ein Feind? Fragen über Fragen, deren Antworten nicht immer so ausfallen wie erwartet.
Bei dem Buch "Throne of Glas - Die Erwählte" handelt es sich um ein spannungsgeladenes Abenteuer, das durch den Schreibstil der Autorin ebenfalls überzeugt wie durch die tiefe der Protagonisten. Alle Charakter sind sehr gut herausgearbeitet und in den knapp 500 Seiten passiert so viel, das man kaum zu Atem kommt.
Auch die inneren Konflikte der Protagonistin machen das Buch zu einem absoluten Lesehighlight. Ein wirklich gelungener Serien-Auftakt.

Reihen-Info:
Die Erwählte
Kriegerin im Schatten
Erbin des Feuers
Königin der Finsternis


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Sonntag, 15. Januar 2017

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW2


Anette:
Company Town, Madeline Ashby (RE)
Sonntags im Maskierten Waschbär, Stefan Nink (GT)


Christiane:
Vor der Finsternis, Ulf Torreck (GK)

[REZENSION] Wie aus dem Nichts

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Wie aus dem Nichts
Autor: Sabine Kornbichler
Übersetzer: -/-
Verlag: Piper
Reihe: -/-
Ausführung: Broschur, 368 Seiten



Autor:
Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr erster Roman, »Klaras Haus«, war ein großer Erfolg. Mit »Das Verstummen der Krähe«, ihrem ersten Kriminalroman um die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo, wurde sie für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in München.


WIE AUS DEM NICHTS

Dana kennt Alex noch nicht lange, fühlte sich aber von Anfang an von dem eher unscheinbaren Enthüllungsjournalisten angezogen. Dass er ihr sogleich von seiner noch bestehenden Partnerschaft mit einer anderen Frau erzählte nur ein weiterer Punkt für Dana ihm bedingungslos zu vertrauen. Doch plötzlich ist nichts mehr wie vorher. Alex wird in seiner Wohnung erschossen, Dana hat Glück, dass der Angreifer sie nicht entdeckt. Als sie versucht zu verstehen, werden ihr durch die Ermittlungen die Augen geöffnet, denn Alex war ganz und gar nicht der, der er vorgab zu sein...

Mein letztes Gespräch mit Alex drängte sich in den Vordergrund. Ich sah sein Gesicht vor mir und spürte seine Lippen auf meinen. Die Gewissheit, dass ich ihn nie wieder sehen würde, raubte mir den Atem. Nie wieder. (S. 106)

Eine ähnliche Situation wie sie sie nun in Alex Wohnung erlebt, hat Dana bereits in frühester Kindheit durchstehen müssen, kein Wunder also, dass ihr Umfeld glaubt, sie würde auf Grund des Schocks Dinge sehen und denken, die gar nicht existieren. Doch der Leser, der die Geschichte aus Danas Sicht verfolgt, ist ganz und gar auf ihrer Seite, obwohl man nicht einmal genau benennen kann wieso. Danas Darstellungen erscheinen rational, nicht überzogen, sondern einfach nur so, als würde sie endlich ein paar Antworten einfordern. Sicherlich ist man mit ihren Aktionen nicht immer einverstanden, manches erscheint mehr als unvernünftig, und doch wird die Notwendigkeit dessen zumindest im Nachhinein deutlich. Versetzt man sich einmal selbst in die Lage der Hauptprotagonistin, lässt sich beim besten Willen nicht sagen, ob man nicht schon längst resigniert hätte, nachdem die ersten Enthüllungen auf den Tisch kamen.

Sabine Kornbichler versteht sich auf spannende Darstellungen und Überraschungseffekte, die das Geschehen in seinen Grundfesten erschüttern können. Zwar hat man, nach einigen Sackgassen, eine Theorie im Hinterkopf, ob diese allerdings zutrifft ist fraglich, denn nahezu alles ist erst einmal reine Spekulation. Hinzu kommen die Ermittlungen der Polizei, die ebenfalls eine andere Richtung einschlagen. Verlässt man sich also lieber auf ein unbestimmtes Bauchgefühl oder professionelle Nachforschungen? Je nach Antwort zeigt sich die emotionale Nähe zu und der Identifizierungsgrad mit der Hauptperson.

Spannende Unterhaltung ist bei diesem psychologischen Verwirrspiel garantiert. Hauptsache man verliert sich selbst nicht aus dem Blick, denn es könnte alles ganz anders sein...


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Samstag, 14. Januar 2017

[REZENSION] Kennense noch Blümchenkaffee? (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Kennense noch Blümchenkaffee?
Autor: Renate Bergmann
Sprecher: Carmen-Maja Antoni
Übersetzer: -/-
Verlag: DAV
Reihe: Renate Bergmann 3
Ausführung: Gekürzte Lesung, ca. 68 Minuten, 1 CD



Autor:
Renate Bergmann, geborene Strelemann, 82 Jahre jung, wohnhaft in Berlin, Trümmerfrau, Eisenbahnerin und It-Girl. Sie ist vierfach verwitwet, mag Handarbeiten, trinkt gerne Korn und hat eine Katze. Seit Januar 2013 erobert sie mit ihren Twitter-Nachrichten die digitale Welt.
Beim Namen der Autorin handelt es sich um ein Pseudonym, hinter dem sich Torsten Rohde versteckt.

Sprecher:
Carmen-Maja Antoni, 1945 in Berlin geboren, ist Schauspielerin mit Leib und Seele. Seit über vierzig Jahren spielt sie am Berliner Ensemble, an dem sie u.a. die "Mutter Courage" verkörpert. Darüber hinaus ist sie in zahlreichen Film-, Fernseh- und Hörspielrollen zu sehen und zu hören. Einem breiteren Publikum ist sie als kauzige Schwester des Dorfpolizisten Horst Krause und als forsche Sekretärin von Iris Berben in "Rosa Roth" bekannt. Zuletzt war sie in der TV-Serie "Mord mit Aussicht" zu sehen.


KENNENSE NOCH BLÜMCHENKAFFEE?

Renate Bergmann erklärt gerne und viel, kein Wunder also, dass sie sich nun ein paar Begriffe vornimmt, von denen sie glaubt, die jüngeren Generationen würden diese nicht mehr kennen. Ausgeschmückt wird wie gehabt mit diversen Anekdoten, das Umfeld der Online-Omi betreffend, bei denen der ein oder andere nicht unbedingt gut weg kommt...

Bei „Kennense noch Blümchenkaffee?“ handelt es sich um keine Geschichte der Art, die man ansonsten von Renate Bergmann kennt. Es ist mehr eine Aneinanderreihung verschiedenster Episoden, die dazu dienen altertümliche, heute kaum noch genutzte, Begriffe zu erläutern. Allerdings fragt man sich (als Hörer des Jahrgangs 1985) schnell, ob man hier veralbert werden soll. Sicherlich sind die dargestellten Begriffe heutzutage nicht mehr im Alltag gebräuchlich, und doch gibt es keinen, der nicht im Vorfeld bekannt war. Ob dies nun mit der genossenen Erziehung zusammenhängt, lässt sich natürlich nicht genau sagen, es ist dennoch weniger schön zu erkennen, dass Generationen über einen Kamm geschert werden und „Unwissenheit“ vorausgesetzt wird. Manche Äußerungen der Online-Omi könnten vom Publikum sogar als frech, anmaßend oder angreifend empfunden werden. Entsprechend sinkt auch der Humorfaktor, der bei Renate Bergmann immer eine große Rolle spielt, schließlich ist das Leben schon ernst genug.

Zunächst erschien der Text ausschließlich als eBook-Only, bevor schlussendlich Print- und Hörbuchfassung folgten. Auf Grund dessen ergibt sich lauschtechnisch bereits der Bruch, da nun der hier vorliegende dritte Band von Carmen-Maja Antoni gesprochen wird, bevor im vierten und fünften nochmals Marie Gruber in Aktion tritt. Mit der Vertonung hat man sich also im doppelten Sinne keinen Gefallen getan, weder inhaltlich noch auf Grund des Sprecherwechsels.

Als eingefleischtem Renate Bergmann Fan bleibt dem Hörer nur die Hoffnung, dass die bereits angekündigten Folgebände wieder die alte Form aufweisen und auch Carmen-Maja Antoni sich besser in ihrer neuen Rolle einfindet.


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