Sonntag, 23. November 2014

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW47/Anette


Im Briefkasten

Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry: Das Geheimnis der Queenie Hennessy , Rachel Joyce (GW)
Zwillingschaos hoch zwei - Happy Birthday: Ein Wendebuch. Band 2 , Andreas Schlüter / Irene Margil (RE)

Rund um die "Katze mit Buch"

Rund ums Forum:
* Bis inklusive 28.11. kann man sich auf die autorenbegleitete Leserunde zu "Prinzessin der Nacht" von Thomas Endl bewerben.
* Leserunden für 2015:
- Der Klang der Hoffnung: Die Geschichte einer unmöglichen Liebe (Suzy Zail)
- Marienkäfertage (Uticha Marmon, mit Autorenbegleitung)
- Devil's River (Thomas Thiemeyer, mit Autorenbegleitung)
- Unland (Antje Wagner, mit Autorenbegleitung)
- Marias letzter Tag (Alexandra Kui, Autorenbegleitung derzeit in Klärung)

[REZENSION] Commissario Pavarotti küsst im Schlaf

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Commissario Pavarotti küsst im Schlaf
Autor: Elisabeth Florin
Übersetzer: -/-
Verlag: Emons
Reihe: Commissario Pavarotti 2
Ausführung: Taschenbuch, 400 Seiten



Autor:
Elisabeth Florin wuchs in Süddeutschland auf und verbrachte als Jugendliche viel Zeit in Meran. Ihre journalistische Laufbahn begann sie im nahen Bozen bei der Radiotelevisione Italiana (RAI). Meran hat sie seither nicht mehr losgelassen. Elisabeth Florin arbeitet seit zwanzig Jahren als Autorin, Finanzjournalistin und Kommunikationsexpertin für Banken und Fondsgesellschaften in Frankfurt. Sie lebt mit ihrer Familie im Taunus.


COMMISSARIO PAVAROTTI KÜSST IM SCHLAF

Der Todesfall in einer psychiatrischen Klinik scheint zunächst eher unspektakulär, doch Commissario Pavarotti stößt während seiner Ermittlungen plötzlich auf mehr als eine Ungereimtheit. Gemeinsam mit Lissie, die er mit einem Trick aus Deutschland nach Meran lockt, deckt er nach und nach diverse Geheimnisse auf. Dass darüber nicht jeder erfreut sein wird war vorherzusehen und so geraten Pavarotti und Lissie schneller in die Schusslinie als ihnen lieb ist...

Ein Windhauch strich über Pavarottis feuchte Unterarme, und er bekam Gänsehaut. Plötzlich glaubte er, Stimmen zu vernehmen. Er spitzte die Ohren. Eine Stimme war jetzt deutlich herauszuhören. Sie gehörte der hiesigen Gerichtsmedizinerin. Pavarotti hob die Augen zum Himmel und wappnete sich. Eine schreckliche Frau. Bedauerlicherweise war sie seine Schwester. (S. 20)

„Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ ist nach „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ der zweite Fall rund um den Ermittler mit dem bekannten Namen. Doch auch wenn man den Vorgänger nicht gelesen hat, ist es möglich den zweiten Band nachvollziehen zu können. Für die Entwicklung der Charaktere ist es, wie bei Reihen bekannt, allerdings von Vorteil, auch den ersten Band gelesen zu haben. Hier werden jedoch wichtige Ereignisse kurz rekapituliert, so dass man zumindest Informationstechnisch nahezu auf demselben Stand ist.

So unscheinbar der Fall zunächst aussieht, stellt sich doch schnell heraus, dass man hier in einem einzigen Verwirrspiel gefangen gehalten wird. Denn nichts ist wie es scheint und die Wahrheit wird wohl von mehr als einem Protagonisten nicht so ganz ernst genommen. Doch auch wenn man sich als Leser sicher ist die ein oder andere Lüge entlarven zu können, so ist man dennoch darauf angewiesen, dass auch dem Commissario dies gelingt. Ansonsten kann man sich zwar in Spekulationen ergehen, doch erhält man nicht unbedingt alle Antworten auf seine Fragen. Hin und wieder ist man somit auch etwas erstaunt über die Ermittlungen, sowohl methodisch wie auch auf das Ergebnis bezogen.

Spannung wird von Anfang an kontinuierlich aufgebaut, wenn auch manches Mal nicht so schnell wie man es sich gewünscht hätte. Erst nach geraumer Zeit wird das Tempo ordentlich angezogen und der Leser vollends vom Geschehen gefesselt. Dann aber gibt es kein Halten mehr, man stürzt sich auf jeden sich bietenden Hinweis und versucht zu ergründen womit man es hier wohl zu tun hat.

„Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ wartet zusätzlich mit einer ordentlichen Portion Humor auf, der vermutlich nicht immer jedermanns Sache sein wird, doch stimmig zum Inhalt erscheint. Der Mix aus Witz und Spannung ergibt gute und kurzweilige Unterhaltung, von der man gerne mehr lesen möchte.


Reiheninfo:
Band 1: Commissario Pavarotti trifft keinen Ton

Samstag, 22. November 2014

[REZENSION] Der Marquis von Marne (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Der Marquis von Marne
Autor: G.K. Chesterton
Sprecher: Walter Richter, Inge Meysel u.a.
Übersetzer: -/-
Verlag: Audiobuch
Reihe: Pater Brown
Ausführung: Hörspiel, ca. 54 Minuten, 1 CD



Autor:
Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) war ein englischer Schriftsteller, Journalist und Essayist, der sich in seinen Schriften mit modernen Philosophien auseinandersetzte und für ideelle Werte eintrat. Typisch sind seine unkonventionellen Gedankensprünge und Argumentationstechniken, die als „geistiger Husarenritt“ bezeichnet wurden. Der liberale Chesterton trat in der Zeit des nihilistischen Fin-de-siècle gegen Konservatismus, Sozialismus und den viktorianischen Imperialismus ein. Durch seine Freundschaft zu Pater John O’Connor konvertierte er nicht nur 1922 zum Katholizismus, sondern fand auch das Vorbild für seine berühmten Pater-Brown-Geschichten (1911-1935).

Sprecher:
Walter Richter, Inge Meysel, Kaspar Brüninghaus, Sigrun Höhler, Peter Lühr, Kurt Meister, Rudolf Therkatz


DER MARQUIS VON MARNE

Es kursieren die wildesten Gerüchte um den Marquis von Marne und warum er es bevorzugt vollkommen zurückgezogen auf seinem Schloss zu leben. Nach einem tödlichen Duell mit seinem Vetter sei er in religiösen Schuldwahn verfallen, ist nur eine der Theorien. Aber vor allem ist es diejenige, die Pater Brown auf den Plan ruft. Er beginnt nachzuforschen und entdeckt ungeahnte Geheimnisse, die alles bisher Bekannte in Frage stellen...

Es dürften nicht allzu geneigte Hörer sein, die die Geschichten rund um Pater Brown nicht kennen. Der Audiobuch Verlag hat nun ein WDR-Hörspiel von 1956 quasi aus der Versenkung geholt, so dass man die Geschichte des Marquis von Marne noch einmal hautnah miterleben kann.

Lange dauert es nicht, bis Pater Brown seine Ermittlungskünste zum Besten gibt und den Hörer ebenfalls daran teilhaben lässt, worin der Erfolg seiner Recherchen liegt. Gekonnt wird hier mit Vergangenheit und Gegenwart gespielt, man muss schon genau hinhören und konzentriert bei der Sache sein, um die Zeitsprünge nicht zu verpassen. Denn häufig verstecken sich in diesen wichtige Hinweise, die es zu finden und zu interpretieren gilt. Nur so ist es möglich das vorliegende Rätsel zu lösen und nachvollziehen zu können wie Pater Brown auf seine Vermutungen kommt.

Das Zusammenspiel von inhaltlichen Gegebenheiten und musikalischer Untermalung baut von Anfang an Spannung auf und überträgt die Atmosphäre auf den Hörer, der zuweilen das Gefühl hat selbst auf dem Schloss zu verweilen. Geschickt werden hier Akzente gesetzt, die im Gedächtnis bleiben und beim erneuten Hören sofort eine andere Reaktion hervorrufen als noch beim ersten Mal.
Auch die Sprecherleistung darf nicht vergessen werden. Die Lebendigkeit und Authentizität, mit der die Charaktere gefüllt werden, trägt ebenfalls dazu bei, dass man sich fühlt als sei man live dabei. Bis zum Schluss gibt es diverse Spuren, die den Hörer mal mehr mal weniger zur Lösung führen, doch man wird nicht müde einer jeden bereitwillig zu folgen, egal ob man schlussendlich in einer Sackgasse landet oder nicht.

„Der Marquis von Marne“, egal ob bereits bekannt oder nicht, bietet spannende Unterhaltung und zieht den Hörer schnell in seinen Bann.

[REZENSION] Der Ozean am Ende der Straße

Redakteur: Anette Leister

Titel: Der Ozean am Ende der Straße (OT: The Ocean at the End of the Lane)
Autor: Neil Gaiman
Übersetzer: Hannes Riffel
Verlag: Eichborn
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 240 Seiten



Autor:
Neil Gaiman hat über 20 Bücher geschrieben und ist mit jedem namhaften Preis ausgezeichnet worden, der in der englischen und amerikanischen Literatur- und Comicszene existiert. Geboren und aufgewachsen ist er in England. Inzwischen lebt er in Cambridge, Massachusetts, und träumt von einer unendlichen Bibliothek.


DER OZEAN AM ENDE DER STRASSE

... außerdem gab es noch ein anderes Geburtstagsgeschenk, das gelesen werden wollte, einen Schuber mit den Narnia-Büchern, den ich mit nach oben nahm. Ich legte mich aufs Bett und tauchte in die Geschichten ein.
Mir gefiel das: Bücher waren sowieso weniger gefährlich als andere Menschen. (S.19)

In "Der Ozean am Ende der Straße" verarbeitet Neil Gaiman die Kindheitserinnerungen des Protagonisten auf eine ganz besondere Art und Weise.
Er erzählt die Geschichte eines Jungen, der seine Kindheit recht einsam in einer Außenseiterposition verbracht hat, aus der Sicht seines späteren erwachsenen Ichs aus der Ich-Perspektive: Auf einem Besuch in dem kleinen Ort, in dem er aufgewachsene ist, führt es ihn zum Haus seiner Nachbarn, in dem früher seine Freundin Lettie gelebt hat, die den kleinen Teich hinterm Haus immer als Ozean bezeichnet hat. Tatsächlich kommen ihm bei seinem Besuch am Teich Erinnerungen an geheimnisvolle und sogar erschreckende Dinge hoch, an das er die letzten Jahre kaum noch gedacht hat.
Die Geschichte ist eine sehr wundersame und poetische Erzählung über Kindheit, Erwachsenwerden und Ängste, vollgespickt mit Metaphern, berührenden Ereignissen und untermalt mit einigen schwarzweiß Illustrationen, passend zu den geschilderten Szenen, die teilweise recht düster und schaurig sind.

"Das ist das Problem mit lebenden Dingen. Sie sind nicht von Dauer. Heute ein Kätzchen, morgen eine alte Katze. Und dann nur noch eine Erinnerung. Und die Erinnerungen verblassen, gehen ineinander über, und verlieren sich..." (S.65)

Bücher von Neil Gaiman müssen sich bei mir immer mit den beiden Highlights aus seiner Feder messen: im Erwachsenenbuchbereich ist dies "Niemalsland" im Kinder- und Jugendbuchbereich "Das Graveyardbuch". "Der Ozean am Ende der Straße" hat mich zwar verzaubert zurück gelassen, konnte mich aber nicht vollends begeistern wie die beiden genannten Bücher. Gerade gegen Ende hat er einerseits zu viel gewollt und andererseits zu wenig geleistet: viel an Ereignissen, aber zu wenig Raum, damit sich alle Facetten vollständig entfalten konnten.

Der Roman liest sich sehr gut, er besitzt Tiefe und Schwermut und doch eine gewisse Leichtigkeit, die die Seiten nur so an einem vorbeifliegen lassen, so dass ihm ein ausgereifteres Ende mit 50-100 Seiten mehr auf jeden Fall gut getan hätten.
Er ist nicht mein Favorit unter Neil Gaimans Romanen, aber definitiv ein lesenswertes, fantasievolles und sehr poetisches Werk über die Macht der Bücher, die Vergänglichkeit von Dingen, und dem unweigerlichen Zwang erwachsen werden zu müssen.

Ich dachte über Erwachsene nach. Ob das wohl stimmte: Waren sie wirklich alle Kinder in erwachsenen Körpern, wie Kinderbücher, die sich in dicken, langweiligen Büchern versteckten? In Büchern ohne Bilder und Gespräche? (S.150)

Freitag, 21. November 2014

[COOL-TOUR-KATZE] Lesung aus "Schandgold" in der Villa Vinum in Mainz (Helge Weichmann)

Redakteur: Anette Leister


Die Lesung aus dem ersten Fall der Historikerin Ernestine Nachtigall aus der Feder Helge Weichmanns Anfang diesen Jahres hatte mir soviel Spaß gemacht, dass ich mir auf keinen Fall eine Lesung aus seinem aktuellen Buch "Schandgold" entgehen lassen wollte. Auch wenn ich zu meiner Schande gestehen muss, dass die gekaufte und signierte Ausgabe von "Schandgrab" immer noch darauf wartet von mir gelesen zu werden.

Am 14. November ergab sich eine günstige Gelegenheit erneut Helge Weichmann zu lauschen: bei freiem Eintritt in einer mir noch unbekannten Lokation präsentierte er Ernestine Nachtigalls zweiten Fall. Veranstaltungsort war die Villa Vinum in Mainz, wo man sich während der Lesung an Wein und kleinen Leckereien laben konnte...


... insofern man sich vom Anblick einer Mumie - die in "Schandgrab" eine Rolle spielt - nicht den Appetit verderben ließ.


Sehr kurzweilig erzählte Helge Weichmann aus dem Buch und den dazugehörigen Recherchearbeiten rund um das Oppenheimer Kellerlabyrinth, wo die Handlung von "Schandgrab" zu großen Teilen stattfindet. Da unter anderem ein im Oppenheimer Untergrund ausgetragenes Krimidinner eine Rolle in dem Buch spielt, hat sogar Fabian Kelly einen kleinen Gastauftritt in dem Buch - es gibt also nicht nur etwas von prominenten Schauplätzen aus Rheinhessen etwas zu lesen, sondern auch von tatsächlich existierenden Personen aus der Gegend.


Auch aus dem Nähkästchen zu seiner Arbeit als Autor plauderte er etwas: wenn es nach seiner Lektorin gegangen wäre, hätte sich der Leser zwar an weiteren Fällen von Ernestine Nachtigall erfreuen können, aber sie war doch tatsächlich der Meinung, dass Helge Weichmann in weiteren Bänden auf Reporter Elvis und Tinnes taxifahrenden Mitbewohner Bertie und die "Brigade" des Taxiunternehmens verzichten sollte. Zum Glück konnte Helge Weichmann sich mit seiner Meinung durchsetzen und die liebgewonnenen Charaktere am Leben erhalten, denn die witzigen und teilweise sehr schräg gezeichneten Nebencharaktere garantieren den Lesespaß und machen einen Großteil der Besonderheit seiner Romane aus (JETZT kann ich das guten Gewissens behaupten, denn "Schandgold" habe ich direkt nach der Veranstaltung begonnen zu lesen).


Fans von Tinne, Elvis und ihren Freunden müssen sich auf den dritten Fall leider etwas länger gedulden: erst im Frühjahr 2016 hat Helge Weichmann den nächsten Band angekündigt, in dem es nach ihren Abenteuern in Mainz und Oppenheim diesesmal um Hexenverfolgung in Bodenheim gehen soll (ich hoffe, ich verwechsele Bodenheim nicht wieder einmal mit Budenheim - die beiden ähnlich klingenden Ortschaften liegen beide in Rheinhessen und beide am Rhein).

Bis dahin lese ich "Schandgold" fertig, befreie "Schandgrab" aus dem Regal und freue mich dann auf ein Wiederlesen in 2016 mit Tinne, Elvis und ihren Freunden!

Reihen-Info:
Ernestine Nachtigall löst ihren ersten Fall: Schandgrab
Ernestine Nachtigall geht auf Schatzsuche: Schandgold
Band 3 ist für Frühjahr 2016 angekündigt