Mittwoch, 24. Mai 2017

[REZENSION] Klassenschlamassel oder Wie wir die grüne Wurst einfingen

Redakteur: Anette Leister

Titel: Klassenschlamassel oder Wie wir die grüne Wurst einfingen
Autor: Timm Milan
Illustrator: Susanne Göhlich
Verlag: Thienemann
Reihe: Granola 2
empfohlenes Lesealter: 8-10 Jahre
Ausführung: Hardcover, 144 Seiten



Autor:
Timm Milan wurde in Wuppertal geboren und lebt auch heute noch in seiner Heimatstadt. „Du musst mal hier rauskommen“, riet ihm ein Freund nach dem Abi. „Besonders, wenn du Schriftsteller werden willst!“ Timm Milan zog das zwar in Erwägung, er blieb jedoch. Das Fernweh braucht er für seine Geschichten über Diebstähle und wilde Freundschaften. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit engagiert sich Timm Milan in einer Grundschule, wo er zwischen Schulhoflärm und Klassenzimmerproblemen immer wieder auch Inspiration für seine Bücher findet. "Kaninchenschmuggel oder wie ich Mehlchen vor dem Verschimmeln rettete" ist sein erstes Buch bei Thienemann.

Illustrator:
Susanne Göhlich, geboren 1972 in Jena, studierte Kunstgeschichte in Leipzig. Neben dem Studium gestaltete sie Plakate und zeichnete. Seit 2004 arbeitet sie als freie Grafikerin und Illustratorin in Leipzig.


KLASSENSCHLAMASSEL ODER WIE WIR DIE GRÜNE WURST EINFINGEN

Granola, das Mädchen mit dem Namen eines Schokoladenkeks aus "Kaninchenschmuggel" ist zurück! Wer die erste Geschichte von Granola kennt, weiß sicher noch, dass sie an einer Grammatikintoleranz leidet. So verdreht sie öfter mal ganze Wörter oder einzelne Buchstaben. Im Anhang befindet sich deshalb eine Übersetzung Granolisch-Deutsch für die Leser, hier kann man die Bedeutung einzelner Wörter nachlesen, wenn man sich nicht sicher ist, was Granola eigentlich meint.

In ihrem neuen Abenteuer "Klassenschlamassel" fährt Granola auf Klassenfahrt. Eigentlich hätte sich Granolas Schwester während ihrer Abwesenheit um Granolas Kaninchen Mehlchen kümmern sollen, aber wie auch immer das passieren konnte: auf der Bahnfahrt zur Jugendherberge entdeckt Granola ihr Kaninchen in der Reisetasche. Nun ist es natürlich zu spät an der Tatsache etwas zu ändern, dass Mehlchen mit auf Klassenreise geht und Granolas Freundinnen Jule und Vanessa helfen den blinden Passagier geheim zu halten. Der ungewöhnliche Mitreisende sorgt natürlich im Laufe der Handlung noch für einigen Wirbel und Missverständnisse und zu allem Übel droht ein böser Streit die Freundschaft der Mädels zu zerstören...

"Klassenschlamassel" ist nach "Kaninchenschmuggel" wieder eine kurzweilige Geschichte über die liebenswerte Granola, die man einfach liebhaben muss mit ihrer schusseligen Art, ihrer Lernschwäche und ihren Problemen, manche Sachen zu verstehen. Durch ihre Art entstehen natürlich Reibungspunkte innerhalb der Klassengemeinschaft, aber Timm Milan schafft es mit seiner Heldin Mobbing und Anderssein zu thematisieren, ohne, dass man sich peinlich berührt fühlt.
Abgesehen davon ist Granolas neues Abenteuer eine Geschichte, die entweder Erinnerungen an vergangene Klassenfahrten weckt oder Lust darauf macht, zum ersten Mal selbst auf Klassenfahrt zu gehen.
Wanderungen bei Wind und Wetter, Süßigkeiten aus dem Automaten, Essen im Speisesaal, unerlaubtes Ausbüchsen in der Nacht in andere Zimmer, Streitereien zwischen Freundinnen... Man meint beim Lesen beinahe, selbst mit auf Klassenfahrt zu sein.

Die Geschichten von Granola sind nicht nur wunderbar geeignet für Leser ab acht Jahre, sondern ein Leseerlebnis für die ganze Familie. Ich hoffe sehr, dass es noch weitere Geschichten von Granola und ihrem Kaninchen Mehlchen geben wird.

Reihen-Info:
Kaninchenschmuggel oder Wie ich Mehlchen vor dem Verschimmeln rettete
Klassenschlamassel oder Wie wir die grüne Wurst einfingen

Dienstag, 23. Mai 2017

[REZENSION] Lou und ihr Männerballett

Redakteur: Anette Leister

Titel: Lou und ihr Männerballett (OT: Goldfish)
Autor: Nat Luurtsema
Übersetzer: Ute Mihr
Verlag: cbt
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre
Ausführung: Klappenbroschur, 336 Seiten



Autor:
Nat ist Comedian, Autorin und Schauspielerin. Sie war sechs Jahre lang Stand-up Comedian und Mitglied der Sketch-Gruppe Jigsaw. Aber nach sechs Jahren mit durchgearbeiteten Nächten und verschlafenen Tagen, fing sie an ein wenig seltsam zu werden. Für ihre Drehbücher wurde Nat schon für den BAFTA, den British Academy Film Award, nominiert. Sie schreibt heute für Filme, Bücher und schauspielert in London. Und sobald es ihr gelingt, eine Pflanze am Leben zu erhalten, wird sie sich eine Katze zulegen.


LOU UND IHR MÄNNERBALLETT

"Lou und ihr Männerballett" ist ein lustiger und spritzig geschriebener Roman, der auf Grund seiner Leichtigkeit und auch der Thematik perfekt in die Sommermonate passt:
Lou ist 15 Jahre alt und nicht nur auf Grund ihrer Leidenschaft des Leistungsschwimmens eine Außenseiterin in der Schule im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester Lavender. Lou hat genaugenommen nur eine Freundin, Hannah, die genau wie sie Mitglied des Schwimmteams ist. Als Lou jedoch im Gegensatz zu Hannah die Qualifikation für die Vorentscheidungen für die Olympiade verpatzt, zerplatzen nicht nur Lous Träume einer Schwimmkarriere, sondern es droht auch fast die Freundschaft mit Hannah daran zu zerbrechen. Denn Freundschaft hin oder her... wenn man selbst seinen Traum nicht leben kann, ist es manchmal gar nicht so einfach diesen anderen zu gönnen. Bevor Lou völlig an ihrem Selbstmitleid zu Grunde geht, naht Abwechslung von unerwarteter Seite: sie soll drei Jungs für einen Talentwettbewerb im Synchronschwimmen trainieren!

Das Buch hat mich direkt auf Grund seines Titels angesprochen. Ich fand es irgendwie schräg, dass Jungs mit einem selbst für Mädels im Teenageralter eher untypischen Act bei einer Talentshow teilnehmen wollen und freute mich auf absurde Situationen und darauf, dass das Fernsehformat der Talentshows auf die Schippe genommen wird. Beides habe ich bekommen und darüber hinaus noch einiges mehr! Das Training von Lou und den Jungs und ihr Weg durch die Castings sorgt wirklich für schräge und skurrile Momentaufnahmen und eine Liebesgeschichte fehlt hier auch nicht. Wobei die richtig süß ist und die eigentliche Handlung nicht in den Hintergrund drängt. Die Figuren sind abwechslungsreich und richtige Charaktere. Egal, ob Lou mit ihrer altklugen Art, ihre etwas ungewöhnliche Familie, die auf der einen Seite ganz unterschiedliche Menschen sind, um dann im Notfall doch fest zusammenzuhalten, oder die drei Jungs Roman, Pete und Gabe, in denen Lou im Laufe der Geschichte richtige Freunde findet. Aber auch das Kapitel Hannah ist mit ihrem Einzug ins Leistungscamp nicht abgeschlossen... Hier nimmt die Geschichte einen Verlauf, der etwas ernstere Töne anklingen lässt, und hautnah vermittelt, wie sehr Menschen an Leistungsdruck zerbrechen können und wie wichtig es ist, auch für einen Traum nicht alle anderen Lebensinhalte zu vernachlässigen. Zum Glück schafft Lou es samt ihrer durchgeknallten, aber herzlichen Familie und ihren neuen Freunden das Ruder für Hannah nochmal herumzureißen.

Wer nach einer lockerleichten Sommerlektüre sucht, die es tatsächlich schafft ernste Themen ganz nebenbei in den Handlungsstrang einzubauen, ohne die Geschichte beschwert wirken zu lassen, und auf verrückte Charaktere - ich liebe sowohl Lous Familie als auch ihre Synchrontanz-Jungs! - steht, der findet in "Lou und ihr Männerballett" das passende Buch!


Weitere erhältliche Ausgaben:

EBOOK

Montag, 22. Mai 2017

[REZENSION] Auge um Auge (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Auge um Auge
Autor: Markus Topf / Timo Reuber
Sprecher: Rita Engelmann, Joachm Tennstedt u.a.
Übersetzer: -/-
Verlag: Contendo Media
Reihe: Morgan + Bailey 6
empfohlenes Lesealter: ab 16 Jahren
Ausführung: Hörspiel, ca. 65 Minuten, 1 CD



Sprecher:
Rita Engelmann, Joachim Tennstedt, Christoph Piasecki, Bodo Wolf, Wolfgang Bahro, Pat Murphy, Hennes Bender, André Beyer, Jürgen Holdorf, Katharina von Keller, Martin Sabel, Robert Missler, Tatjana Auster, Merete Brettschneider, Judy Winter, Sven Kläschen, Tim Caspers, Jürgen Thormann, Daniel Wandelt, Angela Quast, Erik Schäffler, Daniel Faust, Thomas Schmuckert, Wolfgang Rositzka, Leon Aubrecht, Claudia Urbschat-Mingues, Boris Tessmann, Markus Pfeiffer, Ulrike Stürzbecher, Klaus Dittmann


AUGE UM AUGE

Als Pfarrer Morgan abgeführt und des Mordes verdächtigt wird, steht die gesamte Gemeinde unter Schock. Natürlich zweifelt niemand an der Unschuld des Geistlichen, und doch sieht Rose Bailey sich sofort gezwungen in die Bresche zu springen. Gemeinsam mit ihrem Neffen Liam macht sie sich daran die Wahrheit zu ergründen, wobei ziemlich schnell deutlich wird, dass sie jemandem gehörig auf die Füße getreten sind. Glücklicherweise lassen sich weder die Pastorin und ihr Enkel, noch der Rest der Dorfbewohner so schnell einschüchtern, so dass zumindest Hoffnung auf Gerechtigkeit besteht...

Als Hörer, der man die Reihe bis hierher verfolgt hat, hegt man ebenfalls keinen Zweifel daran, dass der Pfarrer unschuldig ist. Und doch gibt es einige Ungereimtheiten, die berechtigterweise darauf schließen lassen könnten, dass Charles Morgan mehr weiß als er zuzugeben bereit ist. Zumindest scheint es eindeutig, dass ihm jemand das ihm vorgeworfene Verbrechen anhängen will. Wer aber sollte so sehr auf Rache sinnen und warum gerade jetzt? Hat die Tat womöglich etwas mit seiner Vergangenheit, über die er kaum bis gar nicht spricht, zu tun?

Gebannt verfolgt der Hörer die Ermittlungen von Rose Bailey und Liam, die sich einmal mehr als Dreamteam herausstellen, wenn sie auch das ein oder andere Mal ein wenig plump agieren. Nichtsdestotrotz wirkt der vermittelte Kampfgeist sich positiv auf die Atmosphäre auf, die gleich um einige Grad wärmer und somit hoffnungsvoller erscheint. Aufgeben ist definitiv keine Option, auch nicht als das Gespann selbst Opfer diverser Angriffe wird.

Auch wenn versucht wird einige Spuren einzustreuen so wird doch relativ schnell klar wer für den Mord verantwortlich ist. Das Motiv scheint ebenso schnell gefunden, obwohl noch die ein oder andere kleine Frage offen bleibt. Die Hobbyermittler lassen sich ebenso wenig wie der Hörer in die Irre führen, so dass nur noch ein Schlupfloch gefunden werden muss, den wahren Verbrecher zur Strecke zu bringen. Hier allerdings ist nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch Kreativität gefragt.

Trotz einer recht vorhersehbaren Geschichte wieder eine gelungene Folge, die zwar diesmal in der Hauptsache nicht mit Spannung, sondern mehr mit Teamgeist besticht. Außerdem gibt es Einblicke privater Natur in Pfarrer Morgans Vergangenheit, durch die das bisher von ihm entstandene Bild noch um einige Erkenntnisse erweitert wird.

Sonntag, 21. Mai 2017

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW20


Anette:
Antonia rettet die Welt 1: Papageienparty, Katrin Zipse (GT)
Ein Lied für Jemmie, Adrian Fogelin (GT)
Flora und Ulysses - Die fabelhaften Abenteuer, Hörbuch, Kate DiCamillo (GT)
Marshmallow-Winter, Polly Horvath (GT)
Meister der Angst - Der Doppelmord in der Rue Morgue, Hörbuch, Edgar Allan Poe (GT)

Christiane:
Der Galgen von Tyburn, Ben Aaronovitch (RE)
Hinter dem Café das Meer, Phillipa Ashley (RE)
Die drei !!! 49. Skandal auf dem Laufsteg, Hörspiel (RE)

Donnerstag, 18. Mai 2017

[FILM-REZENSION] Bob, der Streuner

Redakteur: Anette Leister

Titel: Bob, der Streuner
Regie: Roger Spottiswoode
Darsteller: Luke Treadaway, Ruta Gedmintas, Joanne Froggatt, Anthony Head, Darren Evans u.a.
Studio: Concorde
Reihe: -/-
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 99 Minuten



BOB, DER STREUNER

Im Frühjahr 2007 treffen der Straßenmusiker James Bowen, der zu diesem Zeitpunkt in einer Sozialwohnung im nördlichen London lebt und sich einem Drogenentzugsprogramm unterzieht, und ein roter Streuner aufeinander. Dieses zufällige Aufeinandertreffen ist der Beginn einer einzigartigen Freundschaft.
Nach mehreren Romanen und einen Triumphzug über den ganzen Erdball, war es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Stoff auch den Weg auf die Kinoleinwand finden würde.

Im Film wird James Bowen von Luke Treadaway verkörpert, Bob spielt sich selbst. Meiner Meinung nach hätte auch keine andere Lösung gefunden werden dürfen. Dadurch, dass Bob sich selbst spielt, kommt die Verfilmung mit einer Authentizität beim Zuschauer an, die sonst wohl kaum erreicht worden wäre. Gerade zu Beginn enthält der Film öfter Kameraeinstellungen aus Katzenebene, wodurch alles noch authentischer und wenig gestellt und trainiert wirkt.

Die Verfilmung hält sich eng an die Buchvorlage. So kommen auch in der Verfilmung alle wichtigen menschlichen Weggefährten James' vor, wobei seine Familiengeschichte im Gegensatz zum Buch etwas zu kurz geraten ist. Auf der aktuellen Zeitebene spielt die Beziehung zu seinem in England lebenden Vater zwar eine große Rolle, aber seine Mutter und sein früheres Leben in Australien finden leider kaum Erwähnung, was schade ist, denn hier erklärt sich vieles, warum James in England in die Drogenszene abgerutscht ist. Auch sein beruflicher Werdegang bei der Big Issue, für die er arbeitet, nachdem er nicht mehr als Straßenmusiker auftreten kann und die dort auftretenden Probleme mit seinen Kollegen, die ihm und Bob den Erfolg und die Unterstützung durch die Touristen nicht können, wird zwar angeschnitten, aber recht kurz abgehandelt. So ist es zwar einerseits positiv zu erwähnen, dass kein Handlungsstrang des Buches im Film unerwähnt bleibt, aber um einen tieferen Einblick in James' Leben vor Bob zu erhalten und damit überhaupt Verständnis für seinen Drogenkonsum zu erhalten, empfiehlt sich auf jeden Fall die Lektüre des Buches. Persönlich weiß ich nicht, ob ich alleine anhand des Films so stark mit James mitgefühlt hätte, wie es bei dem Buch konnte.

Sehr positiv sind mir die individuell auf den Film und die Story zugeschnittenen Songs aus dem Soundtrack aufgefallen und die vielen Stadtszenen aus London, so dass es sich beinahe so anfühlt, als wäre man mit Bob und James in der Stadt und den Bussen unterwegs und würde ihnen nicht nur vorm Fernseher aus zusehen.

Wie schon das Buch ist natürlich auch der Film sehr gelungen auf Grund der einzigartigen und bedingungslosen Freundschaft zwischen Mensch und Tier, die zwischen James und Bob besteht. Vorteil des Filmes gegenüber dem Buch ist, dass man hier die Interaktionen zwischen den beiden (beziehungsweise James-Film-Ich Luke Treadaway) erleben kann, der Nachteil liegt wie erwähnt in der Nacherzählung von James' Lebensgeschichte bevor er auf Bob traf, auf die im Buch weitaus detaillierter eingegangen wird, wodurch es mir persönlich einfacher fiel Sympathie zu James aufzubauen trotz dessen Drogenproblemen.
Trotzdem eine klare Empfehlung, und wem der Film gefällt, sollte im Anschluss auf jeden Fall zum Buch greifen, insofern er dies nicht schon gelesen hat!

Anmerkung zum Anschauen mit Kindern: Die FSK12 ist wahrscheinlich in der Drogenthematik begründet, die im Film doch einigen Raum einnimmt. Damit hatte meine Tochter jedoch weniger Probleme als bei den Straßenszenen, in denen Bob unruhig wurde, weil Hunde in der Nähe waren. Einmal büchste Bob sogar aus und ich wurde gefühlte hundert Male gefragt, ob James Bob wiederfindet. Nur so als "Warnhinweis" ;)