Montag, 29. Mai 2017

[REZENSION] Afterwork mit Sisyphos

Redakteur: Natalie Burger

Titel: Afterwork mit Sisyphos
Herausgeber: Nik Salsflausen
Verlag: Satyr
Reihe: -/-
Ausführung: Broschiert, 128 Seiten



Herausgeber:
Nik Salsflausen (geb. 1988) stammt aus Lörrach und lebt derzeit in Esslingen bei Stuttgart. Seit 2011 nimmt er an Poetry Slams teil und wurde 2014 Baden-Württembergischer Meister sowie Vizemeister 2015. 2016 wurde er bei den 20. Deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam Vizemeister. Er studierte in Konstanz Germanistik und Geschichte, das Studium beschloss er mit seiner Zulassungsarbeit zum Thema Antikerezeption in der deutschen Exil- und Nachkriegsliteratur. Seit 2016 ist Nik Salsflausen unter seinem bürgerlichen Namen als Lehrer tätig.


AFTERWORK MIT SISYPHOS

Inhalt:
Diese Sammlung von Poetry Slam Texten verbindet eines: Die griechische Mythologie.
Nik Salsflausen hat Slammer zusammen gebracht um Helden und Heldinnen der Antike, in ihren Texten, aufleben zu lassen.

Meine Meinung:
Ich habe mich wieder an ein Poetry Slam Buch getraut und war diesmal nur bedingt begeistert.

Aus dem Geschichtsunterricht und dem Alltag kennt man den ein oder anderen griechischen Gott. Doch wer hätte gedacht das man über diese Götter der Mythologie auch heute noch gut schreiben kann. In diesem Buch schreiben Slammer über diese Götter mal sehr verständlich, mal nachdenklich, manches Mal auch wütend. Egal ob es über die Liebe, um Eitelkeit oder um Enttäuschungen geht. Die Themen sind sehr vielseitig.

Angenommen habe ich dieses Buch weil ich daraus ein paar Slammer kenne und ich neugierig war welche ihrer Texte ausgewählt wurden. So habe ich den Text von Sebastian23 erst vor kurzem auf Facebook geteilt und wurde hier leider nicht mit etwas neuem belohnt, doch deswegen war es nicht weniger schön. Marc-Uwe Kling ist vielen wohl durch seine Känguruh Chroniken bekannt. Von ihm gibt es ein schönes Gedicht in diesem Band.

Die Schreibstile sind sehr unterschiedlich. Mal in Gedichtform, mal zumindest mit dem ein oder anderen Reim und mal als Kurzgeschichte findet man hier eigentlich für jeden etwas. Im Umkehrschluss ist aber auch nicht für jeden alles gleich gut. Es gab Texte bei denen ich mich fragte was der Autor mir nun damit sagen will, auch welche die ich mehrfach lesen musste weil ich sie etwas holprig fand. Es gab Slammer die mir noch nicht bekannt waren und die mich positiv überraschten.

Dieses Buch hat ein paar Besonderheiten. Zum Einen wird jedes Mal der Held oder die Heldin der Antike beschrieben bevor der eigentlich Slamtext kommt. Wer also Spaß an der Mythologie hat wird schon hier auf seine Kosten kommen. So versteht man auch ein wenig mehr manch einen Zusammenhang zwischen Figur und Text. Außerdem gibt es sieben Audiolinks bei denen man die Texte hören kann. Ein Extra was ich besonders schön finde, denn so bekommt man den Rhythmus des jeweiligen Sprechers mit und kann manches Mal auch den Text besser verstehen. Denn die Art und Weise wie ein Text gesprochen wird macht doch viel aus.

So wäre ein Poetry Slam Abend mit all den Autoren wohl, für mich, unterhaltsamer gewesen als dieses Buch, das durchaus gute und schöne Texte hat, jedoch mit dem gesprochenen Wort nicht mithalten kann.

Sonntag, 28. Mai 2017

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW21


Anette:
111 Orte im Harz, die man gesehen haben muss, Kirsten Elsner-Schichor (RE)
Am Ende des Alphabets, Fleur Beale (GT)
Stadt der tanzenden Schatten, Daniel José Older (RE)

Christiane:
Ach, wie schön ist doch die Welt, Hörbuch, Heinz Erhardt (RE)

[REZENSION] Rupert Rau, Alienalarm

Redakteur: Anette Leister

Titel: Rupert Rau, Alienalarm (OT: Eric Vale Off the Rails)
Autor: Michael Gerard Bauer
Illustrator: Joe Bauer
Verlag: dtv
Übersetzer: Ute Mihr
Reihe: Eric Vale 3
empfohlenes Lesealter: 7-11 Jahre
Ausführung: Hardcover, 216 Seiten



Autor:
Michael Gerard Bauer, geboren 1955, lebt mit seiner Familie in der australischen Stadt Brisbane. Er studierte an der dortigen Queensland-Universität Literatur, Wirtschaftswissenschaften und Pädagogik.
Sein Debüt ›Running Man‹ war nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis und wurde mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet.
Seine Trilogie rund um den jungen Ismael (›Nennt mich nicht Ismael!‹, ›Ismael und der Auftritt der Seekühe‹ sowie ›Ismael. Bereits sein ist alles‹) avancierte zum internationalen Bestseller. ›Rupert Rau, Super-GAU‹ ist sein erster Comic-Roman.

Illustrator:
Joe Bauer, Sohn von Michael Gerard Bauer, ist Filmemacher und Zeichner. Sein letzter Film ›The Killage‹ wurde von Kritikern international hoch gelobt.


RUPERT RAU, ALIENALARM

Im dritten Band der Comicromanreihe um Rupert Rau hat sein Freund Puffy es geschafft ihn in eine schwierige Lage hineinzubugsieren.
Dank des Buches "Woran man Aliens erkennt" meint Puffy, dass es sich bei der Aushilfslehrerin Miss Allen um einen Alien handelt: Sie hat ein blaues und ein grünes Auge, die gleichen roten Haare wie Mister Winter, sein eigentlicher Lehrer und ihr Name??? Allen = Alien! Die Zeichen sind eindeutig!
Dank Ruperts Talent zielsicher in jedem Fettnäpfchen zu landen, ist es jedoch nicht Puffy, der als Alienjäger auffliegt, sondern Rupert, und so beginnt "Rupert Rau, Alienalarm" damit, dass Rupert im Rektorat sitzt und Rektor Porter erklären muss, wie es zu den merkwürdigen Attacken auf Miss Allen kam...

Auch im dritten Teil der Comicromanreihe um Rupert und seinen Freund Puffy strapaziert Michael Gerard Bauer die Lachmuskeln seiner Leser, wobei die Zeichnungen seines Sohnes Joe wieder einen Großteil beitragen. Neben der eigentlichen Handlung existiert ein Buch im Buch, in dem sich Ruperts Comicfigur Geheimagent Archie "Achtung" Amber ebenfalls mit Aliens herumschlagen muss, die die Körper von Menschen übernommen haben. Dass Ruperts eigene Figur in jedem Band den Kern der Handlung aufgreift, und der Leser anhand des Comics im Comic Ruperts Gedankengängen folgt, ist ein genialer Schachzug des Autors.
Vom Witz her ist die Story noch um einiges abgedrehter als die ersten beiden Bände "Super-Gau" und "Superheld", und spricht Jungs vielleicht noch ein Quentchen mehr an, ich persönlich favorisiere jedoch die beiden Vorgängergeschichten, da ich es bei Michael Gerard Bauers Schreibe besonders liebe, wie er selbst in lustige Geschichten gekonnt eine Moral einwebt. Dies hat mir bei Alienalarm leider gefehlt. Als alleinstehendes Buch wäre ich restlos begeistert gewesen, nur im Vergleich zu den beiden anderen Bänden fällt die Geschichte für mich etwas ab.
Trotzdem eine dicke Empfehlung für den dritten - und leider wohl abschließenden Band der Rupert Rau Reihe (Anmerkung: auf englisch ist ein Spin Off mit Geheimagent Archie "Achtung" Amber als Protagonist erhältlich), denn Michael Gerard Bauer hat es geschafft dem Genre ganz neue Impulse mitzugeben, obwohl Comicromane gefühlt an allen Ecken zu finden sind.



Reihen-Info:
http://michaelgerardbauer.com/my-books/eric-vale-epic-fail/
1. Eric Vale Epic Fail (Rupert Rau, Super-Gau)
2. Eric Vale Super Male (Rupert Rau, Superheld)
3. Eric Vale Off the Rails (Rupert Rau, Alienalarm)

Samstag, 27. Mai 2017

[REZENSION] Danger Express

Redakteur: Anette Leister

Titel: Danger Express (OT: The Boundless)
Autor: Kenneth Oppel
Übersetzer: Anja Hansen-Schmidt
Verlag: Aladin
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Ausführung: Hardcover, 384 Seiten



Autor:
Kenneth Oppel wurde 1967 in Port Alberni auf Vancouver Island geboren. Schon mit 12 begann er, Science-Fiction-Romane zu schreiben. Seitdem hat der kanadische Autor über 30 Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht. Viele wurden ausgezeichnet, einige verfilmt. Heute lebt Oppel mit seiner Frau und seinen drei Kindern Toronto.


DANGER EXPRESS

Die Bücher von Kenneth Oppel in Summe sind wie eine Schachtel Pralinen mit unterschiedlichen und unbekannten Füllungen, bei denen man sich aber einer Sache gewiss sein kann: jede Füllung ist ein Treffer!

"Danger Express" lässt sich wohl am ehesten mit einem klassischen Abenteuerroman vergleichen, der in meinen Augen junge und erwachsene Leser gleichermaßen anspricht, denn Kenneth Oppel beherrscht die Kunst eine Geschichte auf mehreren Ebenen zu erzählen und in einem offensichtlichen Kinderroman Elemente zu verarbeiten, die in ihrem Facettenreichtum das Kind und den Entdecker in uns Erwachsenen ansprechen.
So erzählt er in seinem Roman nicht nur die Geschichte des jungen Will, der seinen Vater an Bord des längsten Passagierzugs der Welt begleiten darf, er verarbeitet darin auch historisch belegte Hintergründe und lässt Zeitzeugen wie Sandford Fleming, den Mann, der die Zeitzonen eingeführt hat, auftreten, so dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen und ich mich manchmal fühlte, wie im interessantesten Geschichtsunterricht aller Zeiten, von denen sich meine früheren Lehrer eine dicke Scheibe hätten abschneiden können. Aber nicht nur der Geschichte wird eine Hommage gewidmet, auch Klassiker der Weltliteratur haben hin und wieder einen Cameoauftritt in Oppels Geschichten, wobei ich hier verschweigen werde, welchem Buch hier ein Auftritt gewidmet wird, da ich die Auflösung zu genial fand und das Ganze zudem weit gegen Ende der Geschichte stattfindet. Wobei Kenneth Oppel offensichtliche Spuren bis zur Auflösung auslegt, vielleicht kommt daher die Wendung vielleicht für findige Leser nicht so überraschend wie für mich ;)
Aber zurück zur eigentlichen Geschichte: als Junge wohnt Will der Eröffnung der Trans-Kanada-Strecke bei, an der sein Vater als Arbeiter mitgewirkt hat. Will hat das Glück den letzten Gleisnagel in die Schienen einschlagen zu dürfen, was diesen geschichtsträchtigen Moment unvergesslich für ihn macht. Jahre später hat sich sein Vater hochgearbeit und ist nun kein einfacher Arbeiter mehr, sondern hat einen führenden Posten in der Eisenbahngesellschaft inne, so kommt es, dass Will ihn auf der Jungfernfahrt des Trans-Kanada-Express begleiten darf. Als der Junge Zeuge eines mörderischen Komplotts wird, zwingen ihn die Umstände dazu, den Luxusabschnitt des Zuges, den sein Vater bewohnt, zu verlassen, und auf der Flucht vor den skrupellosen Männern, die auch vor einem Mord nicht halt machen, lernt Will so nach und nach die unterschiedlichen Menschen und die teilweise extremen Bedingungen an Bord des 7000 Passagiere fassenden Zuges kennen. Die isolierte Umgebung, die einen besonderen Reiz ausübt, da sie an sich mobil ist, aber die Personen während der Fahrt dort eingeschlossen sind, erhöht die Gefahr, der sich Will gegenüber sieht. Er kann ja nur innerhalb des Zuges seinen Verfolgern davon laufen und muss sich durch alle Abteile kämpfen, um zurück zu seinem Vater zu gelangen. Hilfe erhält er dabei von Seiten einiger Zirkusleute, die ebenfalls an Bord des Zuges sind. Dies sind zum einen die junge Maren, sowie der Direktor. Doch kann Will den beiden tatsächlich vertrauen oder verfolgen sie eigene Ziele?

Kenneth Oppel spinnt eine zauberhafte, abenteuerliche und lehrreiche Geschichte, um die magische Welt des Zirkus, sagenhafte Gestalten wie den Sasquatsch, geschichtliche Hintergründe und eine mörderische Jagd, zu einem fantastischen Lesevergnügen, wie es für mich nur ganz wenige Autoren vermögen.
Will steht auf der Schwelle zum Erwachsenwerden und ist dabei sich von seinem dominanten Vater zu lösen, für seine eigenen Ziele einzutreten und seine eigene Geschichte zu schreiben:

Aber er denkt oft daran, was Van Horne ihm am Bahnhof von Farewell gesagt hat: dass man eine gute Geschichte braucht. Eine Geschichte, die nur einem selbst gehört. (S.57)

Zum Glück behält Kenneth Oppel seine wunderbaren Geschichten nicht für sich, sondern teilt sie mit uns Lesern. Für mich ist er ein Ausnahmeautor, wie es sie nur selten gibt!

Freitag, 26. Mai 2017

[REZENSION] Heiße Phase

Redakteur: Anette Leister

Titel: Heiße Phase (OT: Gone wild)
Autor: Robert Muchamore
Übersetzer: Tanja Ohlsen
Verlag: cbt
Reihe: Rock War 3
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre
Ausführung: Taschenbuch, 352 Seiten



Autor:
Robert Muchamore, Jahrgang 1972, lebt und schreibt in London. Als Teenager träumte er davon, Schriftsteller zu werden. Er wusste nur nicht, worüber er schreiben sollte. Daher arbeitete er dreizehn Jahre als Privatdetektiv, doch als sich sein Neffe eines Tages darüber beschwerte, dass es nichts Vernünftiges zu lesen gäbe, beschloss er, das Schreiben wieder aufzunehmen. Seine Agentenreihe TOP SECRET wurde in über 28 Länder verkauft und zum internationalen Millionenbestseller. Die Idee zu ROCK WAR kam ihm, als er bemerkte, dass die Fans in seinem Online-Forum mehr über X Factor sprachen als über seine Bücher.


HEISSE PHASE

Der zweite Band der Rock War Reihe endete mit einem fiesen Cliffhanger. "Heiße Phase" schließt zum Glück nahtlos an den Vorgänger an, so dass der Leser schnell in Kenntnis gesetzt wird, wie es mit den Figuren nach den Ereignissen am Ende von "Das Camp" weitergeht.
Robert Muchamore setzt weiterhin seine Karten auf eine ausgezeichnete und ausgefeilte Figurenzeichnung. Dabei kommt keine der Hauptfiguren zu kurz, obwohl er sich mehreren widmet, die abwechselnd in den einzelnen Kapitel die tragende Rolle spielen. Dafür treten einige der Nebenfiguren weitestgehend in den Hintergrund, aber das fand ich nicht weiter tragisch.
In "Heiße Phase" beschäftigt sich der Autor zudem mit den Hintergründen einer Fernsehproduktion und den korrupten Machenschaften, die teilweise hinter den Kulissen stattfinden, von denen der Zuschauer im besten Fall natürlich nichts mitbekommt. So sind Bewertungen der Teilnehmer gekauft und Sieger von Talentwettbewerben und Songcontests stehen oft im Vorfeld fest. Man sollte sich wirklich kritisch mit diesen Formaten auseinandersetzen. Schlechte Acts kommen nicht zwingend weiter, weil eine größere Fanbase vorhanden ist, sondern weil Gelder in bestimmte Richtungen fließen oder die Macher größeres (finanzielles) Potential in manchen Acts sehen als der Zuschauer dies tut.
Mit dem Bekanntheitsgrad und dem Erfolg kommen die Jugendlichen mehr oder weniger gut zurecht. Auch hier zeigt es sich, dass Talent allein nicht alles ist, um sich im Anschluss an ein solches Format zu behaupten. In diesem Band findet der Wettbewerb sein Ende, in den letzten Kapiteln erlebt der Leser bereits die Weiterentwicklung einiger ehemaliger Teilnehmer mit, was sicherlich im abschließenden Band der Reihe "Crash Landing" noch weiter ausgeführt wird.

Die Rock War Reihe liest sich unheimlich spannend und kurzweilig. Robert Muchamore schafft die Gratwanderung zwischen jugendlicher Unterhaltung mit einer humorvollen Note und harter Kritik an der Fernsehwelt.

Bleibt zu hoffen, dass es nicht nur für die Gewinner aus den ersten drei Büchern erfolgreich weitergeht, sondern die "gefallenen Helden" im Abschluss der Reihe ebenfalls die Kurve bekommen. Wie beim ersten und zweiten Band lässt Robert Muchamore seine Leser auch bei "Heiße Phase" wieder mit einem Cliffhanger im Regen stehen, so dass man es kaum erwarten kann endlich den Reihenabschluss lesen zu dürfen!

Reihen-Info:
Unter Strom
Der Wettbewerb (Kurzgeschichte)
Das Camp
Heiße Phase
Crash Landing, Oktober 2017 (dt. Ausgabe noch ohne Titel und Erscheinungsdatum)


Weitere erhältliche Ausgaben:

EBOOK